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Full text of "Bericht Der Lehranstalt Für Wein , Obst Und Gartenbau Zu Geisenheim A. Rh. V. 1912"

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Bericht 


der 

Königl. Lehranstalt für Wein-, Obst- und Gartenban 


Geisenheim a. Rh. 

für das Etatsjahr 1912. 


Erstattet von dem Direktor 

* 

Prof. Dr. Julius Wortmann, 

Geh. Reg.-Rat. 



Mit 35 Textabbildangetr" 


BERLIN 

Verlagsbuchhandlung Paul Parey 

Verla* fttr Landwirtschaft, Gartenbau und Forstwesen 

SW. 11, Hedemannstraße 10 u. 11 

1913. 


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Alle Rechte, auch das der Übersetzung, Vorbehalten. 

Nachdruck, auch einzelner Teile, nur mit Angabe der Quelle und Autoren gestattet. 


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Original frum 

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Inhalt. 


I. Schnlnachrichten. Seite 

1. Veränderungen im Personal der Anstalt. 1 

2. Frequenz. 2 

3. Chronik. 4 

4. Bauliche Veränderungen. 8 

5. Bibliothek. 8 

6. Sammlungen. 8 

7. Schtilerkasse. 8 

II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 

Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 9 

A. Weinbau. 9 

B. Kellerwirtschaft. 24 

C. Sonstige Tätigkeit. 34 

D. Veröffentlichungen. 35 

Bericht über die Tätigkeit im Obstbau, in der Station für Obst- und Gemüseverwertung 

und im Gemüsebau. 36 

A. Obstbau. 36 

B. Obstverwertungsstation. 57 

C. Gemüsebau. 57 

D. Sonstige Tätigkeit des Berichterstatters. 68 

Bericht über Bienenzucht. 70 

Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei und Arbeiten im Parke der Königl. Lehranstalt 78 

A. Gartenbau. 78 

B. Obsttreiberei. 84 

C. Arbeiten im Parke der Lehranstalt. 85 

D. Prüfung von Geräten, Materialien usw.. 94 

E. Beobachtungen über die Temperaturschwankungen des Wassers in den Holz- 

und Cementbetonfässem. 96 

F. Sonstige Tätigkeit. 98 

III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation.100 

A. Wissenschaftliche Tätigkeit.100 

B. Sonstige Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation.108 

Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation.110 

Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation.140 

A. Durch tierische Feinde hervorgerufene Schäden.140 

B. Durch pilzliche Feinde hervorgerufene Schäden.148 


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IV 


Inhalt. 


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Seite 


C. Bekämpfungsversuche.150 

D. Auskunftserteilung. 165 

E. Sonstige Tätigkeit der Station. 165 

F. Veröffentlichungen der Station.166 

Bericht über die Tätigkeit der Hefereinzucht-Station.168 

A. Tätigkeit der Station im Verkehr mit der Praxis.168 

B. Wissenschaftliche Tätigkeit der Station ■ • ..171 

Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station während des Jahres 1912 • • 178 
Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz für das 

Jahr 1912.186 

IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 

a) Technische Abteilung.207 

b) Jahresbericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Abteilung der Reben- 

veredlungs-Station.224 


V. Tätigkeit der Anstalt nach aussen. 

Bericht über die Tätigkeit des Obst- und Gartenbaulehrers B. HERRMANN-Geisenheim 
a. Rhein im Jahre 1912/13.234 


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I. Schulnachrichten, 


1. Veränderungen im Personal der Anstalt. 

a) Kuratorium. 

Keine. 

b) Lehrkörper. 

Der Gartenarchitekt Julius Müller aus Düren (Bez. Aachen), welcher vom 
1. Juni 1911 an der Königlichen Lehranstalt zur Aushilfe mit der Erteilung von gärt¬ 
nerischem Fachunterricht, und zwar in den Fächern Planzeichnen, Freihandzeichnen, 
Feldmessen und Geschichte der Gartenkunst beauftragt war, trat am 1. März aus seiner 
Stellung aus. 

Die neu geschaffene 4. Fachlehrerstelle an der Lehranstalt wurde vom 15. März 
ab dem städtischen Garteninspektor Arthur Glogau in Hannover übertragen. 

c) Verwaltungsbeamte. 

Sekretär Carl Knoener wurde zum 1. Juli an die Königliche Landwirtschaftliche 
Akademie Bonn-Poppelsdorf versetzt. 

d) Hilfsbeamte. 

Assistenten: 

Es traten ein: 

Dr. Heinrich Schönfeld aus Zürich (önochemische Versuchsstation), am 25. April. 
Dr. M. Kartschmar aus Mileischütz in Russland (önochemische Versuchsstation), 
am 1. Juli. 

Walter Kubler aus Redhill (England), als Volontär-Assistent (pflanzenphysio¬ 
logische Versuchsstation), am 14. September. 

Franz Heinrich aus Weissenhorn, Bezirksamt Neu-Ulm (pflanzenphysiologische 
Versuchsstation), am 1. November. 

Karl Cztiu aus Wiesbaden, als Volontär-Assistent (önochemische Versuchsstation), 
am 10. November. 

Dr. Fritz Noldin aus Salurn (Südtirol) (önochemische Versuchsstation), am 1. April. 

Dr. Noldin war im Monat März Volontär-Assistent in der Station. 

Dr. Michael Schalamberidse aus Tiflis in Russland (önochemische Versuchsstation), 
am 1. April. 

Es schieden aus: 

Dr. E. Schwenk (önochemische Versuchsstation), am 15. April. 

Herm. Opitz (önochemische Versuchsstation), am 1. Juli. 

Paul Lange (pflanzenphysiologische Versuchsstation), am 1. Oktober. 

Walter Kubler (pflanzenphysiologische Versuchsstation), am 1. Januar. 

Dr. Heinrich Schönfeld (önochemische Versuchsstation), am 31. Januar. 

Christian Fetzer (pflanzenpathologische Versuchsstation), am 27. März. 

Dr. M. Kartschmar (önochemische Versuchsstation), am 31. März. 

Dr. Schmitthrnner (Rebenveredlungsstation), am 31. März. 


Am 1. Mai trat Elisabeth Herrmann aus Geisenheim als Telephonistin und 
Maschinenschreiberin in die Anstalt ein. 

Der Volontär-Assistent im Obstbaubetriebe der Anstalt, G. Kerz, trat am 14. Juni 
aus dem Dienste der Anstalt aus, um die Stelle eines Kreisobstbaubeamten für den 
Geisenheimer Jahresbericht 1912. 1 


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Kreis Langensalza zu übernehmen. Zum Nachfolger wurde der frühere Anstaltseleve 
Otto Hollmann aus Augustdorf bei Detmold bestimmt. 

Am 30. Juni schied der Kanzleidiätar Michael Blaeser aus dem Dienste der An¬ 
stalt aus. An seine Stelle trat mit dem 1. Juli der bisherige Verwaltungsgehilfe 
Georg Einhold aus Kreuznach. 


2. Frequenz. 


Wie aus dem nachstehenden Schülerverzeichnis zu ersehen ist, haben 
im Schul- bezw. Berichtsjahre 1912 



Eleven 

Schüler 

Gesamt- 

♦ 

Wein¬ 

bau 

Garten¬ 

bau 

Wein¬ 

bau 

Garten¬ 

bau 

schüler¬ 

zahl 

die Lehranstalt besucht. 

21 

37 

12 

13 

83 

vorzeitig ausgetreten bezw. gestorben sind 
nach abgelegter Abgangsprüfung sind am 

% 4 

2 

1 

— 

7 

12. Februar 1913 entlassen. 

9 

16 

11 

13 

49 

die Abgang8prtifung nicht bestanden haben 

2 

— 

— 

— 

2 

es verblieben ältere Eleven. 

6 

19 

— 

— 

25 

am 12. März 1913 traten ein. 

6 

; 20 

13 

20 

59 

das Schuljahr 1913 wurde mithin eröffnet mit 

12 

39 

13 

20 

84 


Auch in diesem Jahre mussten wieder 25 Bewerber um Aufnahme 
als Schüler zurückgewiesen werden. 

In das Berichtsjahr wurden 5 Praktikanten übernommen, 28 traten im 
Laufe des Jahres ein, so dass 33 Praktikanten die Lehrantsalt besuchten. 

I. Eleven und Schüler. 


a) Altere Eleven. 

(Weinbau.) 


1. Bauer, Karl 

aus Geisenheim 

Hessen-Nassau. 

2. Braun, Karl 

„ Eggingen 

Würtemberg. 

3. Hauschild, Ludwig 

„ Mainz 

Hessen. 

4. Hoogendyk, Johannes 

„ Vlaardingen 

Holland. 

5. Immich, Wilhelm 

„ Andel 

Rheinprovinz. 

In das HI. Semester eingetreten. 


6. Kilian, Philipp 

aus Winkel 

Hessen-Nassau. 

7. Krahmer, Sigmund 

„ München 

Bayern. 

8. Lahr, Ottomar 

„ Eschau 

Bayern. 

9. Milz, Joseph 

„ Neumagen 

Rheinprovinz. 

10. Wischlen, Ernst 

„ Westhalten 

Elsass-Lothringen. 

11. Werner, Jakob 

„ Edenkoben (Pfalz) 

Bayern. 


(Gartenbau.) 


12. Burchardt, Bernhard 

aus Swinemünde 

Pommern. 

13. Falk, Hans 

„ Bärwalde 

Pommern. 

14. Graeb, Otto 

„ 'Eilsleben 

Prov. Sachsen. 

15. Jaeschke, Julius 

„ Grossenhain 

Sachsen. 

16. Koch, Friedrich 

„ Herleshausen 

Hessen-Nassau. 

17. Lewald, Wolfgang (Preusse) 

„ Graupen 

Böhmen. 

18. Mehmel, Lebrecht 

„ Thamsbrück 

Prov. Sachsen. 

19. Melzer, Arno (Preusse) 

„ Soppen 

Sachsen. 

20. Merfert, Richard 

„ Kreiwitz (Ober-Schles.) 

Schlesien. 

21. Möbes, Adolf 

„ Vaethen 

Prov. Sachsen. 

22. Pfotenhauer, Fritz 

„ Breslau 

Schlesien. 

23. Rades, Emst 

„ Stettin 

Pommern. 


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Frequenz. 


3 


24. Reintjes, Otto 

25. Stümpke, Dietrich 

26. Umhauer, Friedrich(Preusse) 

27. Wetterberg, Sven 


aus Andernach 
„ Berge 
„ Worms 
„ Sköfde 


Rheinprovinz. 
Prov. Sachsen. 
Hessen. 
Schweden. 


b) Jüngere Eleven. 

(Weinbau.) 


28. Auer, Julius 

aus Ludwigshafen 

Baden. 

29. Fiedler, Walter 

Ausgetreten am 15. Februar 1912. 
aus Gera 

Reuss j. L. 

30. Fröhlich, Anton 

„ Geisenheim 

Hessen-Nassau. 

31. Ganter, Joseph 

„ Tautenbach 

Baden. 

32. Gladischeff, Michael 

„ Samarkand 

Russland. 

33. Manoloff, Manol 

Ausgetreten am 12. Februar 1913. 
aus Sofia 

Bulgarien. 

34. Reis, Eugen 

Ausgetreten am 26. Oktober 1912. 
aus Geisenheim 

Hessen-Nassau. 

35. Schileff, Georgi 

„ Sevlievo 

Bulgarien. 

36. Scheib, Oskar 

Ausgetreten am 2. Oktober 1912. 
aus Obergruppenbach 

Württemberg. 

37. Schug, Ewald 

„ Traben-Trarbach 

Rheinprovinz. 

38. Apitzsch, Louis 

(Gartenbau.) 
aus Leipzig 

Sachsen. 

39. Beeck, Fritz (Preusse) „ Buenos-Aires 

Argentinien. 

40. Brücker, Wilhelm 

„ Berg 

Bayern. 

41. Engelke, Ludwig 

„ Hildesheim 

Hannover. 

42. Göricke, Willy 

„ Zerbst 

Sachsen-Anhalt. 

43. Heidbüchel, Wilhelm 

„ Röhe 

Hessen-Nassau. 

44. v. Hoerschelmann, Gerhard „ Hochheim 

Russland. 

(t am 25. September 1912.) 

45. Hoppe, Leonhard aus Coblenz 

Rheinprovinz. 

46. Hoyer, Ewald 

„ Hannover 

Hannover. 

47. Knacke, Walter 

„ Carow 

Prov. Sachsen. 

48. Knippei, Karl 

Ausgetreten am 10. April 1913. 
aus Beetzendorf 

Prov. Sachsen. 

49. Kremers, Heinrich 

„ Aldekerk 

Rheinprovinz. 

50. Lange, Otto 

„ Polleben 

Prov. Sachsen. 

51. Leonhards, Friedrich 

„ Vohwinkel 

Rheinprovinz. 

52. Lips, Philipp 

„ Kreuznach 

Rheinprovinz. 

53. Loth, Ulrich 

„ Potsdam 

Brandenburg. 

54. Pfeuffer, Erich 

„ Schmalkalden 

Hessen-Nassau. 

55. Ries, Otto 

„ Karlsruhe 

Baden. 

56. Sante, Emil 

„ Hahndorf am Harz 

Hannover. 

57. Specht, Ernst 

„ Wallenbrück 

Westfalen. 

58. Wessberge, Otto 

„ Liebenau 

Hannover. 

59. Busch, Aloys 

c) Weinbauschüler. 

aus Pünderich 

Rheinprovinz. 

60. Götter, Joseph 

Ausgetreten am 1. August 1912. 
aus Ostrich 

Hessen-Nassau. 

61. Hoff, Max 

„ Neustadt a. H. 

Holstein. 

62. Klein, Johann 

„ Geisenheim 

Hessen-Nassau. 

63. Lohr, Johannes 

„ Linz in Baden 

Baden. 

64. Marget, Ernst 

„ Hügelheim 

Baden. 

65. Müller, Hermann 

„ Sulingen 

Hannover. 

66. Permesang, Nikolaus 

„ Filzen 

Rheinprovinz. 

67. Philipp, Joseph 

„ Rüdesheim 

Hessen-Nassau. 

68. Rackles, Otto 

„ Frankfurt a. M. 

Hessen-Nassau. 

69. Steinhauer, Johann 

„ Altenahr 

Rheinprovinz. 

70. Weckbecker, Matthias „ Moselkern 

Rheinprovinz. 

1* 


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4 


I. Schulnachrichten. 


d) Gartenbauschüler. 


71. Almstedt, Karl 

aus Hildesheim 

Hannover. 

72. Bergström, Georg 

„ Linköping 

Schweden. 

73. Deuringer, Adolf 

„ München 

Bayern. 

74. v. Eberstein, Kuno 

„ Frankfurt a. d. 0. 

Brandenburg. 

75. Gatner, Erich 

„ Körbelitz 

Prov. Sachsen. 

76. Habicht, Bernhard 

„ Sachsenhagen 

Hessen-Nassau. 

77. Herzberg, Martin (Preusse) 

„ Frankenhausen 

Schw.-Rudolstadt. 

78. Janicke, Karl 

„ Cöln 

Rheinprovinz. 

79. Lohse, Gustav 

„ Kirchen a. d. Sieg 

Rheinprovinz. 

80. Neumann, Adolf 

„ Danzig 

Westpreussen. 

81. Redlin, Willy 

„ Resehl 

Pommern. 

82. Schleicher, Raymund 

„ Stolberg 

Sachsen. 

83. Sieburg, Walter 

„ Breslau 

Schlesien. 


II. Teilnehmer an periodischen Kursen. 


Kursus 

vom 

! 

bis 

| 

Zahl 

Preussen j 

i 

Reichs- §" 

inländer © 
p 

Ausländer 

Wiederholungskursus. 

22. 7.12. 

26. 7.12. 

24 

24 

i 


Obstverwertungskursus für Frauen . . 

29. 7.12. 

3. 8.12. 

34 

30 

4 

— 

„ „ Männer und 







Haushaltungslehrerinnen .... 

6.8.12. 

17. 8.12. 

35 

22 

5 | 

8 

Analysenkursus. 

30. 7.12. 

10.8.12. 

33 

21 


5 

Hefekursus. 

12.8.12. 

24.8.12. 

31 

14 

11 

6 

Reblauskursus. 

13. 2.13. 

15. 2.13. 

26 

21 

— 

5 

Sa. 

183 

132 

27 

24 


' An dem Reblauskursus für Schüler am 10. und 11. Februar 1913 nahmen 
52 Schüler teil. 

Es besuchten somit die Lehranstalt: 


a) im 

Schuljahre 1912/13. . . . 

76 Schüler dauernd, 

n 

n *}...• 

7 „ vorzeitig entlassen bezw. gestorben, 

b) * 

Berichtsjahre 1912. . . . 

33 Praktikanten, 

c) „ 

V !?•••• 

183 Kursisten, 


Insgesamt 

299 Personen. 


Die Gesamtzahl aller Schüler und Kursisten, welche die Lehranstalt seit Be 


stehen besucht haben, beträgt nunmehr bis zum 31. März 1913 gerechnet 10 844, 


und zwar: 

Schüler . . . 

Praktikanten . 
Kursisten . . 


Preussen 

1621 j | 1309 

561 j davon waren ' 202 

8662 I I 7120 


Reichsinländer Ausländer 
249 63 

200 159 

1249 293 


3. Chronik. 

a) Besichtigungen usw. 

Am 18. April wurde unter dem Vorsitze der Herrn Geheimen Re¬ 
gierungsrats Freiherrn von Hammerstein-Loxten aus dem Landwirtschafts¬ 
ministerium in der Anstalt eine Reblauskonferenz abgehalten. 


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Chronik. 


5 


Hieran schloss sich am nächsten Tage eine Besichtigung der Iteben- 
veredelungsanlagen durch die Eebenveredelungskommission. 

Am 3. und 4. Juni fand eine Sitzung des Kuratoriums der Anstalt 
statt, zu der sämtliche nachstehend aufgeftihrten Mitglieder erschienen 
waren, nämlich: 

Ober-Regierungsrat Pfeffer von Salomon, Wiesbaden, Vorsitzender des Kuratoriums, 
Geheimer Regierungsrat Dr. Oldenburg, Berlin, stellvertretender Vorsitzender des 
Kuratoriums, 

Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Wortmann, Direktor der Königlichen Lehr¬ 
anstalt, Geisenheim, 

Landesökonomierat Siebert, Frankfurt a. M., 

Weingutsbesitzer Jos. Burgeff, Geisenheim, 

Hauptmann a. D. von Stosch, Oestrich, 

Präsident der Landwirtschaftskammer Wiesbaden Bartmann-Lüdicke, Frankfurt a. M., 
Baumschulenbesitzer H. Müller, Langsur bei Trier, 

Gartenarchitekt Reinhold Hoemann, Düsseldorf-Grafenberg. 

Am 31. Juli wurde in der pflanzenpathologischen Versuchsstation ein 
eintägiger Informationskursus über die staatliche Reblausbekämpfung ab¬ 
gehalten, an welchem sich 29 Personen beteiligten. 

Die Lehranstalt wurde besichtigt: 
am 19. Juli vom Herrn Ministerialdirektor a. D. Dr. Thiel, 
am 28. August von dem englischen Landwirtschaftsminister Sauer aus 
Englisch-Südafrika, 

am 1. Oktober von mehreren Reichs- und Landtagsabgeordneten aus Nord¬ 
deutschland. 

Am 5. Oktober fand in der Anstalt eine Konferzenz der Leiter der 
Rebenveredelungsstationen unter dem Vorsitze des Geheimen Regierungs¬ 
rates Professor Dr. Wortmann statt. 

Unter Leitung des Herrn Geheimen Regierungsrates Freiherrn 
von Hammerstein-Loxten wurde am 7. Oktober in der Anstalt eine Reben¬ 
veredelungskonferenz abgehalten. 

Am 14. Oktober unterzogen sich die Kandidaten 
Paul Lange aus Kohlow 
Walter Kirchberg aus Magdeburg, 

Walter Binder aus Pratschütz, 

Herbert Lüer aus Binder 
der staatlichen Fachprüfung. 

Am 12. November fand eine Sitzung des Anstaltskuratoriums statt. 
Am 16. Dezember unterzogen sich die Kandidaten 
Wilhelm Biermann aus Flierich, 

Johann Kratz aus Wiesentheid, 

Wilhelm Calgan aus Berlin 
der staatlichen Fachprüfung. 

Am 21. Dezember wurde im Beisein des Vorsitzenden des Kuratoriums 
der Anstalt, Ober-Regierungsrat Pfeffer von Salomon, Wiesbaden, die 
alljährliche Weihnachtsfeier abgehalten. 


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6 


I. Schulnachrichten. 


Die Lehranstalt beging den Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und 
Königs in feierlicher Weise durch einen Festaktus in dem neuen Hörsaal 
der Anstalt. 

Professor Dr. von der Heide hielt nach einem Gesänge des Schüler¬ 
chors die Festrede über das Thema: „Lebensbild des Magisters Lauckhardt 
sowie des Freiheitskämpfers Joachim Nettelbeck.“ 

In der Zeit vom 5.-9. Januar unterzogen sich die vorgenannten 
älteren Eleven der schriftlichen Prüfung. 

Als Fächer waren vorgesehen: 

1. für Gartenbau-Eleven: 

a) Landschaftsgärtnerei, 

b) Feinde und Krankeiten der Gartenpflanzen, 

c) Bodenkunde und Düngerlehre. 

2. für die Obstbau-Eleven: 

a) Obst- und Gemüseverwertung, 

b) Gemüsebau, 

c) Anatomie und Physiologie der Pflanzen. 

3. für die Weinbau-Eleven: 

a) Weinbereitung und Kellerwirtschaft, 

b) Landwirtschaft, 

c) Gährungsphysiologie. 

Die Themata waren folgende: 

1. Die Entwässerung der Wege in den gärtnerischen Anlagen. 

2. Über Blattläuse und ihre Bekämpfung. 

3. Aus welchen Gründen hat eine rationelle Bodenbearbeitung als Vor¬ 
bedingung einer rationellen Düngung zu gelten? 

4. Einfache und billige Verwertungsmethoden des Obstes für ländliche 
Haushaltungen. 

5. Vorbedingung für eine erfolgreiche Durchführung des Freiland-Gemüse¬ 
baues zu Erwerbszwecken. 

6. Die Wasserversorgung der Pflanze und die Bedeutung des Wassers 
für das pflanzliche Leben. 

7. Über die Bedeutung des Angärens der weissen Traubenmoste auf der 
Maische in der früheren und heutigen Kellerwirtschaft. 

8. Welches ist der Zweck der rationellen Bodenbearbeitung und wie wird 
derselbe am besten erreicht. 

9. Herkunft und Entwickelung des Gärungserregers im Moste. 

An der mündlichen Schlussprüfung, welche am 5., 6., 7. und 8. Februar 
in Gegenwart der Herren Ober-Regierungsrat Pfeffer von Salomon, Wies¬ 
baden, Geheimen Regierungsrat Professor Dr. Wortmann, Landesökonomie¬ 
rat Siebert, Frankfurt a. M., Hauptmann a. D. von Stosch, Ostrich statt¬ 
fand, nahmen sämtliche Schüler teil. 

Die Prüfung erfolgte bei den Eleven in den durch die Ordnung vom 
29. Oktober 1912 festgelegten Fächern, bei den Schülern in Blumentreiberei, 
Obstverwertung und Kellerwirtschaft. 


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Chronik. 


7 


Am 12. Februar schloss der Direktor das Schuljahr mit einer An¬ 
sprache an die Schüler. 

Am 10. März fand eine Feier zum Andenken an die Erhebung der 
Nation im Jahre 1813 statt. 

Professor Dr. Lüstner hielt nach einem Gesänge des Schülerchors 
die Festrede über das Thema: „Preussens Befreiung“. 

Der Eintritt der neuen Schüler erfolgte am 12. März. 

Der Geheime Begierungsrat Dr. Oldenburg, sowie der Geheime Finanz¬ 
rat Dr. Freiherr Schenck zu Schweinsberg und Herr Ober-Kegierungsrat 
Pfeffer von Salomon besichtigten am 26. März die Lehranstalt in allen 
ihren Teilen. 

b) Besuche. 

Die Lehranstalt wurde besucht: 

am 20. April von ca. 30 Mitgliedern der Senkenbergischen Naturforschenden Gesell¬ 
schaft in Frankfurt a. M.. 

am 28. April von der Deutschen Gesellschaft für Gartenkunst (Ortsgruppe Frank¬ 
furt a. M.), 

am 28. April von Mitgliedern des Obstbauvereins für Stadt- und Landkreis Wiesbaden, 
am 2. Mai von 12 Damen def Mainzer Frauenschule, 

am 12. Mai von ca. 230 Personen des Vereins Nassauischer Land- und Forstwirte, 
Frankfurt a. M., 

am 25. Mai von Studierenden der Universität Göttingen, 

am 2. Juni von ca. 200 Personen des Militär- und Gesangvereins Altlussheim, Amt 
Schwetzingen, 

am 22. Juni von Schülerinnen der Frauenschule zu Weilbach, 
am 24. Juni von Schülern der Königlichen Gartenbauschule in Weihenstephan, 
am 30. Juni von Mitgliedern des Gartenbauvereins Bischofsheim, . 
am 30. Juni von Gärtnern aus Wiesbaden, 

am 11. Juli vom Verein „Ehemaliger Kirchheimbolander Landwirtschaftsschüler“, 
am 13. Juli von Teilnehmern an der Deutschen Gartenbau-Woche in Bonn, 
am 14. Juli vom Verein Wiesbadener Handelsgärtner, 
am 15. Juli von ca. 600 Personen des Landw. Bezirksvereins in Esslingen, 
am 1. August von ca. 8—10 Offizieren und Sanitätsoffizieren der Wilhelms-Heil¬ 
anstalt Wiesbaden (unter den Herren befand sich der Hofmarschall Sr. Ma¬ 
jestät des Kaisers, Admiral Graf von Platen-Hallermund), 
am 4. August vom Obst- und Gartenbauverein Kreuznach, 

am 11. August vom Obst- und Gartenbauverein für Diez und Umgegend in Freien¬ 
diez bei Diez a. d. L., 

am 11. August vom Langendiebacher Verein „Humor“, 
am 18. August von der Gärtner-Vereinigung Frankfurt a. M.-Bornheim, 
am 18. August vom Obst- und Gartenbauverband für den Kreis Dannstadt in Darm¬ 
stadt, 

am 18. August vom Obstbauverein des Kreises Bingen, 

am 18. August vom Obst- und Gartenbauverein Bergen, Kreis Hanau, 

am 18. August vom Männer-Gesangverein in Schierstein, 

am 25. August vom Maschinensetzerverein in Mainz, 

am 25. August von den Baumwärtern des Kreises Wetzlar, 

am 25. August vom Obst-, Wein- und Gartenbauverein zu Jugenheim (Rheinhessen), 
am 28. August vom Obst- und Gartenbauverein Sprendlingen (Rheinhessen), 
am 1. September vom Obst- und Gartenbauverein Schneidhain im Taunus, 
am 1. September vom Obst- und Gartenbauverein Okriftel, 


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8 


I. Schulnachrichten. 


am 1. September vom Obst- und Gartenbauverein Bieber bei Offenbach a. M., 
am 1. September vom Bockenheimer Kleingartenbau-Verein, 
am 1. September vom Ausschuss des Bezirks-Obstbau-Verbandes Rockenhausen, 
am 7. September vom Obst- und Gartenbauverein Herten i. W., 
am 8. September vom Obstbauverein Sindlingen, 

am 8. September vom Obst- und Gartenbauverein zu Ketternschwalbach, 
am 8. September von der Gärtnerklasse der Fortbildungsschule in Biebrich, 
am 11. September von der französischen Gesellschaft: Union des Syndicats agricoles 
de la Seine & Oise de la Seine in Franconville, 
am 15. September vom Verein junger Landwirte im Kreise Höchst a. M., 
am 15. September vom Obst- und Gartenbauverein zu Lorsbach im Taunus, 
am 15. September von Mitgliedern des landwirtschaftlichen Casinos Horchheim, Bez. 
Coblenz, 

am 17. September von Obstbau-Kursisten aus Mainz-Castel, 

am 21. September von Obstbaumwärtern aus Kreuznach, 

am 14. März von ca. 60 Schülern aus Hof-Geisberg bei Wiesbaden. 

4. Bauliche Veränderungen. 

Herstellung eines kleinen, überwölbten, vertieften Kokslagerraumes neben dem 
Kesselraum im Gewächshause. 

5. Bibliothek. 

Geschenkt: 

Vom Königl. preussischen Landwirtschaftsministerium: 

1. Nachrichten über die Entwicklung des landwirtschaftlichen Vereins-, Genossen¬ 
schafts-, Kredit- und Versicherungswesens, sowie Nachrichten über alle neuen 
Vorgänge und Fortschritte auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Technik und 
Wissenschaften und der Pflanzenkrankheiten. (Veröffentlicht vom Internationalen 
Landwirtschaftlichen Institut in Rom.) 

2. Botanische Wandtafeln von L. Kny. 

3. Zahlreiche Bulletins des United States Departement of Agriculture. 

4. Abdruck der von der Königl. Preussischen Geologischen Landesanstalt heraus¬ 
gegebenen geologisch-agronomischen Darstellung der Umgegend der Königlichen 
Lehranstalt für Obst- und Gartenbau in Proskau. 

5. Vom Realschuldirektor Dr. Droysen aus Herford: Ein Verzeichnis der um Geisen¬ 
heim wachsenden Pflanzen. 

6. Von der Landwirtschaftskammer in Posen: Denkschrift „Der Getreideausnahme¬ 
tarif S 3 a und die Bedeutung seiner erstrebten Ausdehnung auf das ganze Gebiet 
der Provinz Posen für den Posener Getreidebau“. 

6. Sammlungen. 

Geschenkt: 

Von Fräulein A. von Trapp, Wiesbaden: eine Kollektion Obstmodelle 

7. Schülerkasse. 

Geschenkt: 

Von dem Kommerzienrat Robert de Neufville, Frankfurt a. M., 500 M. als Beitrag 
zu den Kosten einer Exkursion. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der KellerwirtschafL 

Erstattet vom Betriebsleiter Weinbauinspektor Fischer. 

A. Weinbau. 

1. Jahresbericht. 

Wer hätte nach dem sonnigen Jahr 1911 nicht auf ein gutes Wein¬ 
jahr 1912 gehofft?! Waren die guten Weinjahre nicht häufig gruppen¬ 
weise aufgetreten!? Man denke an 1857, 1858 und 1859 oder an 1893 
^894 und 1895. Dazu der günstige Abschluss der Vegetation im Herbst 
1911. Die Reben waren vorzüglich ausgereift, die Knospen gut veranlagt 
und ausgebildet. Die Winterkälte ging daher spurlos an den Reben 
vorüber. Das frische Grün am wiedererwachenden Stock konnte nicht 
gleichmässiger erscheinen, die jungen Triebe nicht kräfter sein. Und der 
Behang erst! Selbst ergraute Winzer erklärten, einen so reichlichen 
Fruchtansatz noch nicht erlebt zu haben. Da erinnerte ein leichter Frost 
zu Anfang April an die Gefahren, die dem sich eben entfaltenden jungen 
Trieb noch drohen. Ein kräftiger Frost folgte in der Nacht vom 1. bis 
2. Mai, der in flachen Lagen einigen Schaden anrichtete. Von den Anstalts¬ 
weinbergen haben besonders die Lagen „Weissmauer“, „Weiherchen“, 
„Decker“, „Fuchsberg“ und „Platte“ gelitten. Der Schaden wurde im 
Anfang etwas überschätzt. 

Ende Mai waren vereinzelt schon blühende Gescheine zu finden. 
Dank der günstigen Witterung verlief die Blüte gut und schnell. Schnell 
entwickelten sich auch die jungen Beeren, wie denn überhaupt die „Periode 
des Beerenwachstumes“ mit zu den günstigsten seit langer Zeit gehörte. 
Schon Ende Juli waren in der Lage „Decker“ am Sylvaner weiche Tauben 
zu sehen. Stock und Trauben standen schöner selbst als 1911. Ende Juli 
konnten im Anstaltsgut 40—45 Halbstücke 1912 er erwartet werden. 

Da leiteten Gewitter, die in den letzten Tagen des August nieder¬ 
gingen, einen gewaltigen Wettersturz ein. Kalte Winde und Regen waren 
beinahe die einzigen Witterungserscheinungen dieses Monates. Die Trauben 
blieben in ihrer Entwicklung beinahe vollständig stehen und begannen zu 
faulen. In einzelnen Lagen hatte sich Botrytis auf -/ 3 aller Beeren- und 
Traubenstiele angesiedelt, zerstörte sie und brachte so auch die an ihnen 
hängenden Früchte zum Abfallen. Zwar »war der September etwas trockener, 
die Rohfaule nahm nicht weiter überhand, allein die abnorm kühlen Nächte 


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10 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


verhinderten eine weitere günstige Entwicklung der Beeren. Die Trauben¬ 
stiele verholzten, die Reben nahmen ein herbstliches Aussehen an. Da 
brachten die Nächte vom 5.—8. Oktober Temperaturen bis — 7° C. Bald 
waren die Stöcke entlaubt. Die Trauben hatten je nach ihrem Reifegrad 
verschieden starken Schaden genommen. Allgemein waren die unteren 
Lagen mehr betroffen als die höheren, der spätreifende Riesling mehr als 
der frühere Sylvaner. Über die durch dieses elementare Ereignis hervor¬ 
gerufenen besonderen Verhältnisse sowie über Beobachtungen und Fest¬ 
stellungen an vom Frost mehr oder weniger betroffenen Trauben siehe 
S. 13). 

Am 24. Oktober wurde mit der Lese begonnen. Infolge der grossen 
Verluste, die im August, September und namentlich infolge der Ver¬ 
dunstung der Feuchtigkeit in den vom Frost befallenen Beeren und des 
späteren Auswaschens des Beereninhaltes durch Regen im Oktober ein¬ 
getreten waren, betrug die Ernte nur 24 Halbstücke oder im Durchschnitt 
400 l auf 25 a Weinbergsfläche. 

Von den Bebkrankheiten machte im Berichtsjahr das Oidium am 
meisten zu schaffen. Neu war eine derartig gleichmässige und beharrliche 
Ausbreitung dieses Pilzes. Wohl hat man mit seinem Erscheinen jährlich 
zu rechnen, allein wer in andern Jahren den Schwefelbalg nach den ersten 
Ansteckungen tüchtig und fleissig bewegle, der konnte bisher auf einen 
vollen Erfolg rechnen. Anders im Sommer 1912. Wer nicht sehr früh 
zu schwefeln begonnen hatte, vermochte des Pilzes kaum Herr zu werden. 
Die Blattfallkrankheit trat im allgemeinen verheerend nicht auf. In einigen 
Lagen musste jedoch zur Verhütung von Schäden häufig gespritzt werden. 

Unter den tierischen Rebfeinden brachte der „Heu- und Sauerwurm“ 
eine Überraschung. Die Motten flogen zahlreicher als man nach dem Auf¬ 
treten der zweiten Generation im Jahre 1911 erwartet hatte. Eine Ab¬ 
nahme gegen früher war immerhin festzustellen. Die schnelle Entwicklung 
der Trauben infolge des herrlichen Wetters zur Blütezeit liess nur geringen 
Schaden des Heuwurmes zu. Der Mottenfang mit Klebfächern wurde ver¬ 
suchsweise noch einmal durchgeführt, das Ergebnis war aber nicht be¬ 
friedigend. Überhaupt gehen die Erfolge dieser Bekämpfungsmassnahme 
immer mehr zurück, da der bekreuzte Wickler im allgemeinen im Laufe 
der Jahre zugenommen hat. Die wirtschaftliche Berechtigung des Kleb¬ 
fächerfanges vermindert sich aber in dem Mafse, als der bekreuzte 
Schädling auftritt. Wir wollen daher in Zukunft von der Ausführung 
dieser Bekämpfung absehen. Dagegen ist auch in Gegenden mit be¬ 
kreuztem Schädling das Aussuchen der Heu- und Sauerwürmer aus den 
Gescheinen und Trauben mit Holzstäbchen zu empfehlen. Von sämtlichen 
mechanischen Methoden zeitigt sie in derartigen Gebieten den besten 
Erfolg. Statt der Hölzchen verwandten wir versuchsweise Pinzetten, ge¬ 
liefert von Uhrmacher Zilliken in Saarburg a. d. Saar, die sich vorzüglich 
bewährten. 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


11 


2. Neuanlagen. 

Die Parzellen im „Stallen“ und „Decker“ wurden im Laufe des 
Winters rigolt und Rieslingblindreben bepflanzt. 

Im Stallen wurden Versuche eingeleitet über die Zweckmässigkeit 
des ein- und mehrschenkligen Satzes beim Riesling. Zwar waren früher 
schon einige ähnliche Versuche ausgeführt worden, inzwischen pflanzte 
man im Rheingau versuchsweise einschenklig mit einer Stockentfernung 
von 55 cm. Diese neue Pflanzart sollte mit den andern verglichen werden. 
Es wurden daher versuchsweise nebeneinander gepflanzt: 

1. Reihenabstand 1,10 m, Stockentfernung 0,55 m, 1 Rebe an ein Ziel, 

2. „ . 1,10 „ „ 1,10 „ 2 Reben „ „ „ 

3. „ 1,10 „ „ 1,10 „ 3 ,. „ „ „ 

4. „ 1,10 „ ,, 1,10 „ 1 Rebe „ ,, . 

Die Entwicklung der Reben hatte sehr unter der Ungunst der 

Witterung zu leiden. Unterschiede im Wachstum zwischen den Reben 
auf den einzelnen Versuchsstücken traten kaum auf. Wo aber 3 Blind¬ 
hölzer zusammen gepflanzt wurden, ist eine Rebe häufig ausgeblieben oder 
spät nachgewachsen. Diese auch sonst bekannte Erscheinung zeigte sich 
hier wohl besonders häufig, weil der Boden sehr dicht ist. Bei der kleinen 
Entfernung der Löcher wird der Boden durch den Setzstickel in einer 
Weise zusammengedrückt, die natürlich die Bewurzelung hemmt. 

Auf der neu gepflanzten Fläche im „Decker“ wurden Versuche mit 
Schwefelkohlenstoff und Vorratsdüngung eingeleitet. 

In diesem Jahre wurden im „Fuchsberg“ die Pflanzung des Sortimentes 
und der wichtigsten Bebenerziehungsarten fertig gestellt. 

Als im Jahre 1905 mit der Anlage der neuen Obstpflanzung im 
Fuchsberg begonnen wurde, musste ein Teil der bisher dem Weinbau 
dienenden Flächen dieser Lage sowie die Demonstrationspflanzungen mit 
Rebenerziehungsarten und dem Rebdnsortiment geräumt werden. Da der 
Unterrichtsbetrieb verlangt, die Rebenerziehungsarten verschiedener Gegenden 
und das Rebensortiment so nahe als möglich an der Anstalt zu haben, 
wurde der bestehende westliche und nördliche Teil des Fuchsberges zur 
Aufnahme dieser Pflanzungen bestimmt. Aus Zweckmässigkeitsgründen 
war die Neuanlage dieser Flächen auf mehrere Jahre verteilt worden. 
Bestimmend hierfür wirkte vor allem der Umstand, dass die Reben aus 
den alten Sortimentsquartieren nicht eher ausgehauen werden konnten, als 
bis das neue Sortiment wieder vollständig angelegt war. 

Um ein einheitliches Ganzes zu schaffen, wurden zunächst grössere 
Erdbewegungen vorgenommen. Die Abb. 1 gibt eine planimeterische' 
Wiedergabe des im Fuchsberg mit Reben bestandenen Teiles. Der nörd¬ 
liche Streifen zu beiden Seiten des Pavillons enthält das Sortiment, der 
westliche grössere Teil die verschiedenen Rebenerziehungsarten. Im 
Sortiment wurde von jeder Sorte eine Reihe mit mindestens 4 Stöcken 
gepflanzt. Im ganzen enthält das Sortiment 225 verschiedene europäische 


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12 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Rebensorten, die nach weiss-, grün- und gelbfrüchtigen einerseits (Fläche 
23, 24 und 25) und rot- und blaufrüchtigen andererseits (Fläche 26 und 
27 der Abb. 1) getrennt wurden. Innerhalb dieser 2 Gruppen erfolgte 
die Anordnung in alphabetischer Reihenfolge. Die Pflanzung verursachte 
wegen der ungenügenden Ausreife eines Teiles der südlichen Sorten in 
unserem Klima sehr grosse Schwierigkeiten. Den Wert einer guten Holz¬ 
reife für die Bewurzelung des Blindholzes musste man hier leider sehr 
gründlich kennen lernen. Infolgedessen waren umfangreiche Nachpflanzungen 



notwendig, weshalb die Anlage in den ersten Jahren einen sehr ungleich- 
mässigen Stand zeigte. 

Mit der Pflanzung der für die Rebenerziehungsarten bestimmten Fläche 
wurde 1907 begonnen. Die Stücke 1—10 sind in jenem Jahr angelegt 
worden. Die weitere Fortführung der Pflanzung wurde sehr ungünstig 
beeinflusst durch das Unwetter am 21. Mai 1910. Die dabei nieder¬ 
gehenden gewaltigen Wassermengen richteten in dem frisch rigolten Boden 
so viel Schaden an, dass die Fertigstellung der Anlage, die für 1910 vor¬ 
gesehen war, erst im Frühjahr 1911 beendet werden konnte. Die Auswahl 
und Anordnung der Erziehungsarten geschah im allgemeinen so, dass die 
niederen unten, die höheren im oberen Teil angelegt wurden. 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


13 


Sylvaner. 


Dargestellt ist auf Stück: 

1. Kahlschnitt, 

2. Zapfenschnitt, 

3. Bockschnitt, 

4. Waadtländer Erziehung, 

5. Bogenerziehung an der Nahe, 

6. Erziehung nach Guyot 

7. Niedere Pfälzer Erziehung, 

8. Rheinhessische Zweidrahterziehung, 

9. Rheingauer Erziehung, 1 

10. Mittelrheinischer Wechselschnitt, / 

11. Fränkische Erziehung, Portugieser. 

12. Rebenerziehung in Württemberg, Trollinger. 

13. Rebenerziehung an der Ahr, Spätburgunder. 

14. Hohe Rheinhessische Drahterziehung, Frühburgunder. 

15. Niedere Moselerziehung, 

16. Erziehung am Niederrhein, / 

17. Hohe Pfälzer Erziehung, I 

18. Rebenerziehung im Breisgau, Gutedel. 

19. Hohe Moselerziehung, 1 

20. Hohe Elsässer Erziehung / 

21. Oberlinscher Drahtzug, Bukettraube. 

22. Laubenerziehung, Elbling. 


Traminer. 


Rheinriesling. 


Moselriesling. 


Moselriesling. 


3. Beobachtungen über das Verhalten einiger Rebsorten 
bei Frühjahrsfrösten. 

Wie in der Jahresübersicht bereits angegeben ist, trat in der Nacht 
vom 1. zum 2. Mai ein ziemlich starker Frühjahrsfrost ein. Dabei wurden 
einige bemerkenswerte Beobachtungen gemacht. 

Zunächst liess sich über den Frostschaden in höheren und niederen 
Lagen eine allgemeine Regel nicht erkennen. So wie einzelne niedere 
Lagen, wurden auch einige höhere Distrikte stark geschädigt. Fast durch¬ 
weg war der Frostschaden bei Sylvaner geringer als bei Riesling und 
Traminer, während doch sonst der Sylvaner als frostempfindlicher gilt. 

Ausgeglichen hat sich dagegen die Wirkung des Frostes bei Riesling 
am meisten, wie genaue Beobachtungen und Zählungen ergeben haben. 
In einem vom Frost ziemlich stark befallenen Weinberge sind zunächst 
die erfrorenen und später die etwa aus den Nebenaugen am jungen Holz 
erschienenen Rebtriebe gezählt worden. Danach haben an 73 % beim 
Riesling durch Frost beschädigten Trieben aus dem Hauptauge die Bei¬ 
augen ausgetrieben. 4,1 % der Triebe aus den Beiaugen hatten Gescheine. 
Beim Sylvaner sind dagegen nur 10,6 von 100 Beiaugen ausgetrieben, an 
denen nur 0,5% mit Gescheinen besetzt waren. Beim Traminer trieben 
endlich nur 0,09% Beiaugen aus; Gescheine waren an den neugebildeten 
Trieben nirgends zu finden. 

Eigentümlich war auch die Erscheinung, dass an ungegerten höher 
stehenden Reben sehr häufig die Triebe total beschädigt, während boden¬ 
ständige Lotten verschont geblieben waren. Man kann annehmen, dass 
dieses verschiedene Verhalten der Triebe darauf zurückzuführen ist, dass 
die oberen bereits stärker ausgebildet und daher wasserreicher waren. 

Pfahlweinberge haben mindestens eben so stark, zum Teil sogar 
wesentlich stärker unter der Kälte gelitten als Reben in Drahtanlagen. 


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14 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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Es ist notwendig, dies hier festzustellen, weil die Praxis in dieser Hinsicht 
gegenteiliger Meinung ist. 

4. Gehen in teilweise erfrorenen Trauben beim Verbleiben am 
Rebstock nach der Frosteinwirkung noch Veränderungen vor sich? 

In den Nächten vom 5.—8. Oktober des Berichtsjahres herrschten 
so niedere Temperaturen, dass die Trauben Schaden nahmen. Es war 
daher Gelegenheit geboten, die Einwirkung des Frostes auf die Trauben 
zu studieren und vor allem etwa eintretende Veränderungen in der Zu¬ 
sammensetzung teilweise erfrorener Beeren festzustellen. 

Zu diesem Behufe winden auf Anregung des Anstaltsdirektors in 
einigen Anstaltsweinbergen regelmässige Untersuchungen über die Verände¬ 
rung in der Zusammensetzung des Inhaltes solcher Beeren ausgeführt. 
Nach jeweils 3, bei der letzten Untersuchung im Beispiel 3 und 4 nach 
4 Tagen stellten wir bei den Rheingauer Rebsorten Riesling und Sylvaner 
das Mostgewicht, den Zucker nach Fehling und die Gesamtsäure fest, und 
zwar sowohl von gesunden, von der Kälte in keiner Weise beschädigten, 
als auch von Trauben, an denen der Frost nicht spurlos vorüber gegangen 
war, sondern denen er einen massigen Schaden zugefügt hatte. Die von 
uns untersuchten Frosttrauben waren nicht durch und durch erfroren, 
zeigten also äusserlich auch nicht die völlig erfrorenen Beeren eigentümliche, 
helle kupferige Farbe, sie wiesen vielmehr auf der ganzen oder auf Teilen 
ihrer Oberfläche ein schmutzig gräulich-bräunliche Färbung auf, der manch¬ 
mal ein kleiner Anflug eines undeutlichen Blau beigemischt war. Von 
solchen Beeren sind nur die mehr aussen gelegenen Zellschichten durch 
die niederen Temperaturen beeinflusst worden, die inneren Partien dagegen 
von der Kältewirkung verschont geblieben. Die Beerenstiele waren trocken, 
die Blätter durch den Frost abgefalien. Nach alter Erfahrung darf man 
wohl annehmen, dass diese Trauben beim Eintreten des Frostes in der 
Reife schon verhältnismässig weit vorgeschritten waren. 

Ich beschreibe den Zustand der von uns untersuchten Frosttrauben 
so genau, weil ich aus Beobachtungen des vergangenen Herbstes vermuten 
muss, dass die später angegebenen Veränderungen bei längerem Hängen¬ 
lassen nach Eintritt der Kälte für total erfrorene und zur Zeit des Frost¬ 
befalles in der Reife noch wenig vorgeschrittene Trauben nicht oder 
wenigstens nicht im vollen Umfange zutreffen. 

Die Ergebnisse unserer Untersuchungen sind in „Mitteilungen über 
Weinbau und Kellerwirtschaft“, Geisenheim a. Rh. 1913, S. 4ff., aus¬ 
führlich zu finden. Hier wollen wir sie nur auszugsweise bringen. 

Die Zahlen über die verschiedenen Mostgewichte bestätigten die schon 
lang bekannte Tatsache, dass reifere Beeren mit einem konzentrierteren 
Inhalt widerstandsfähiger sind gegen Frost als Beeren mit dünneren Zell¬ 
säften. Die nicht vom Frost beschädigten Trauben wiesen durchschnittlich 
ein höheres, in einem Fall sogar ein um 20° Öchsle höheres Mostgewicht auf. 

Sodann zeigte sich, ausgenommen in einem Beispiel, in den ersten 
Tagen nach der Frosteinwirkung zunächst ein allerdings geringes Steigen 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


15 


des Zuckergehaltes. Man darf wohl annehmen, dass die Zunahme des 
Zuckers zum geringsten Teil auf eine Zuwanderung, sondern in der Haupt¬ 
sache auf eine erhöhte Konzentration des Saftes zurückzufiihren ist. Diese 
Annahme ist um so berechtigter, als in den ersten acht Tagen nach dem 
Eintritt des Frostes im allgemeinen warme, trockene Witterung herrschte. 
Der Temperatursturz hatte in den Nächten vom 5.—8. Oktober statt¬ 
gefunden, und zwar zeigte das Bodenthermometer der Geisenheimer 

Meteorologischen Station 

in der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober — 6,7® C. 

„„ „ * 6. „ „ 7. „ 6,9® „ und 

7 Q _ 7 oo 

r> n » n 1 • n » n * n • 

Nach den Frostnächten waren die Temperaturen verhältnismässig hoch. 

Niederschläge waren vom 3.—15. Oktober nicht gefallen, dagegen 
hatte sich vereinzelt Tau gezeigt. 

Bei den späteren Untersuchungen konnten wir ziemlich allgemein ein 
Zurückgehen des Zuckergehaltes feststellen. In dieser Zeit fielen häufig 
Niederschläge. 

Der Beereninhalt und damit auch der Zucker wurde durch die auf¬ 
genommene Niederschlagsfeuchtigkeit verdünnt. Das zeigte übrigens auch 
die Kostprobe recht deutlich. Zum Schlüsse der Lese, Mitte November, 
schmeckten die Beeren auffallend wässerig und leer. 

Sehr interessant sind die Feststellungen über die Säuregehalte. Zu¬ 
nächst sind diese mit Ausnahme eines Falles wieder am grössten bei den 
Frosttrauben, also den in der Reife weniger vorgeschrittenen Trauben. 

Sodann tritt die Abnahme der Säure durch das Hinausschieben der 
Lese sehr deutlich in die Erscheinung. Je höher der ursprüngliche Säure¬ 
gehalt, um so grösser ist auch die Verminderung. Der höchste Rückgang, 
nämlich 5,9 °/ 00 , trat in den teilweise erfrorenen Trauben der Lage 
„Becht“ ein. 

Zur Abnahme der Säure hat gewiss auch die Verdünnung des Zell¬ 
inhaltes der Beeren durch die aus der Luft aufgenommene Feuchtigkeit 
beigetragen; doch wohl nur in bescheidenen Grenzen. Die Hauptabnahme 
wird man wohl auf Lebensprozesse in der Beere zurückzuführen haben, 
zumal da der Oktober verhältnismässig warm war. 

Über die zweckmässigste Behandlung von Frosttrauben sind umfang¬ 
reiche Versuche angestellt worden, deren Resultat aber erst im nächsten 
Bericht mitgeteilt werden kann. 

5. Über die Möglichkeit, die Unterseite der Rebblätter 
mit Spritzbrühen zu treffen. 

Infolge der neuesten Untersuchungen über die Infektion der Reben 
durch die Plasmopara (Peronospora) viticola, die ergaben, dass dieser Pilz 
von der Unterseite in das Rebblatt eindringt, riet man den Winzern, die 
Rebstöcke möglichst von unten her zu spritzen. Viele hielten eine derartige 
Forderung praktisch für undurchführbar. Die im Berichtsjahr in den 
Anstaltsweinbergen gemachten Feststellungen bewiesen das Gegenteil. 


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16 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 

Beim 1. und 2. Spritzen vermag man die Rebblätter bei entsprechendem 
Vorgehen sehr wohl von unten zu treffen; Schwierigkeiten stellen sich 
dagegen infolge der dichten Belaubung, wie sie zu dieser Zeit bereits ein¬ 
getreten ist, bei der Ausführung der 3. und bei späteren Bespritzungen ein. 
Damit ist der gewünschte Zweck aber auch meist genügend erreicht, denn 
die unteren, für die Ernährung des Stockes so wichtigen Blätter und die 
Trauben sind gegen die Ansteckung geschützt. 

Wenn man vom Spritzen der Blätter von unten spricht, könnte der 
Leser vielleicht eine falsche Vorstellung erhalten. Naturgemäss werden die 
von unten bis über den Stock hinauf geschleuderten Tropfen der Spritz¬ 
brühe infolge ihrer Schwere nach unten fallen und die Blattoberseiten 
treffen, soweit sich diese nicht gegenseitig verdecken. Das Bestreben, von 
unten zu spritzen, führt also zu einer Behandlung der Unterseiten und 
lasst immer auch der Oberseiten der Rebblätter. 

Will man die Blattunterseiten treffen, so ist das Spritzrohr gegen 
früher um so viel zu verlängern, dass der Verstäuber bei aufrechtem Stand 
des Arbeiters und gesenkter Stellung des Spritzrohres nahe an den Boden 
kommt. Um dies zu erreichen, dürfte es meist genügen, eine Verlängerung 
um 40—50 cm gegen früher vorzunehmen. Bei der früher benützten Länge 
des Spritzrohres ist die Möglichkeit des Spritzens von unten vollständig 
ausgeschlossen. Um unten hin zu gelangen, müsste der Arbeiter eine ge¬ 
bückte Stellung einnehmen, was er natürlich nie tut, und was bei der 
Schwere des Spritzeninhaltes auch nicht verlangt werden kann. 

Sodann muss der Spritzkopf in einem Winkel zum Spritzrohr stehen. 
Von dieser Erkenntnis ausgehend, haben die Hersteller von Rebspritzen 
verschiedene ^Vorrichtungen zum Spritzen von unten“ angefertigt. Bereits 
im letzten Bericht beschrieben wir auf Seite 33 eine derartige Vor¬ 
richtung, hergestellt von der Firma Carl Platz in Luduhgshafen a. Eh. 
Wir betonten, dass jenes „Dürkheimer Universal-Gelenkrohr“ (System 
Krapp) den Arbeiter zu sehr ermüdet und ihn veranlasst, die notwendige 
Bewegung des Spritzrohrs zu unterlassen. Die genannte Firma hat daher 
im Sommer 1912 ein Spritzrohr in den Handel gebracht, wie es Abb. 2 a 
zeigt. Das Rohr bildet kurz vor dem Ansatz des Verstäubers eine 
Schleife derart, dass die Achse der Spritzdrüse etwa senkrecht zum Spritz¬ 
rohr steht. 

Die Firma Gebrüder Holder in Metzingen hat das Spritzrohr unter 
einem stumpfen Winkel knieförmig gebogen (Abb. 2 b). Die Achsen des 
Verteilers und Rohres stehen nicht ganz senkrecht aufeinander. In Abb. 2 c 
ist an Stelle des einfachen ein Doppelverstäuber verwandt. 

Die drei bis jetzt geschilderten Rohre, Abb. 2 a, b und c sind be¬ 
züglich ihrer Brauchbarkeit gleich einzuschätzen. Sie alle drei erfüllen 
den gewünschten Zweck. 

Doch ist, um von unten spritzen zu können, die Anschaffung eines 
besonderen Spritzrohres gar nicht notwendig. Wir haben z. B. im Anstalts¬ 
gut die von früher bereits vorhandenen Spritzrohre vorn einfach etwas 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


17 


umbiegen lassen, wie das Abb. 2d zeigt. Die Spritzen der Firma Edel 
in Geisenheim waren schon immer mit so gebogenen Röhren ausgestattet. 
Die Vorrichtung, wie sie Abb. 2d wiedergibt, ist ausserordentlich billig 
und einfach und erfüllte ihre Aufgabe sehr gut. Wir haben unsere 
sämtlichen Spritzrohre neben der früher erwähnten Verlängerung derart 
ändern lassen und können nun jede besondere Einrichtung entbehren. 
Das Spritzen von unten lässt sich damit, soweit dies technisch möglich 
ist, sehr gut erreichen. Ich möchte daher diese Änderung der bisherigen 
Spritzrohre empfehlen. 



Abb. 2. 


Diese Art ist jedenfalls viel praktischer als die in Abb. 2e dar¬ 
gestellte Vorrichtung von Vermorel-Villefranche. Bei ihr ist das Spritzrohr 
zweiteilig. Der untere längere Teil verläuft gerade, der obere kurze ist 
dagegen knieförmig gebogen. Beide Teile sind durch ein Gelenk mitein¬ 
ander verbunden, das es gestattet, das kurze gebogene Rohrstück in seiner 
Richtung zu verstellen. Der Ausschlag beträgt 180 Winkelgrade. Dadurch 
soll erreicht werden, den Verteiler so einzustellen, dass in jedem Einzel¬ 
fall auf die Höhe der zu bespritzenden Rebteile, die Grösse des Arbeiters 
und andere Verhältnisse, welche eine Änderung der Spritzarbeit bedingen, 
Rücksicht genommen werden kann. Diese Einrichtung hat aber durchaus 
versagt. Auch beim vorsichtigsten Andrehen der Schraube, die die 

Geisenheimer Jahresbericht 1912. 2 


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18 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Stellung des Kniestücks befestigt, war der Austritt der Brühe an dieser 
Stelle nicht zu umgehen. Dazu ist eine derartige Verstellungsmöglichkeit 
absolut überflüssig. 

Wenn man von unten spritzen will, ist immer erforderlich: Ein 
entsprechend kräftiger Druck — je grösser der Druck, desto besser — 
und ein entsprechend feiner Verstäuber. Wer bei geringem Druck eine 
grobe Verteilung erzielt, der beschmiert die Blätter (namentlich die unteren) 
mit Brühe stark. Bei entsprechend grossem Druck und feinem Verstäuber 
lässt sich dies sehr wohl verhüten. Die Verteilung muss vor allem auch 
deshalb feiner sein, weil die Arbeit ganz entschieden langsamer als früher 
ausgeführt werden muss. 

Wer gut von unten spritzen will, muss seinen früher angewöhnten 
Gang durch die Reihen etwas mässigen, denn die Verstäuber bestreichen 
beim neuen Verfahren in derselben Zeit keine so grosse Fläche wie früher. 
Infolge der langsameren Arbeit verbraucht man natürlich auch mehr Brühe 
und zwar gegen früher etwa */*—V 3 mehr, je nach der Gründlichkeit der 
Arbeit. Um die Leistungsfähigkeit der Spritzen etwas zu erhöhen, halte 
ich die Verwendung eines doppelten Verstäubers für angebracht. Dadurch 
wird die bestrichene Fläche grösser, ohne dass — allerdings eine feine 
Verstäubung vorausgesetzt — die grünen Rebteile zu dick mit Spritzbrühe 
belegt werden. 

Der Spritzkopf darf nicht wie früher weit vom Stock entfernt gehalten 
werden; der Verstäuber muss ziemlich nah am Stock bleiben. Natürlich 
ist es auch jetzt notwendig, das Spritzrohr auf- und abwärts zu bewegen, 
wobei man aber immer darauf zu achten hat, dass der Spritzkopf nach 
oben gestellt ist. 

In der ersten Zeit erschien diese Art des Spritzens etwas ungewohnt, 
aber schon nach etwa 1 / 2 Stunde hatten sich die Leute gut darin ein¬ 
gearbeitet. Die Arbeit strengt etwas mehr an, weil das Auf- und Abwärts¬ 
bewegen des Spritzrohres etwas mehr Mühe macht, denn die Verlängerung 
des Spritzrohrs stellt für den Arbeiter eine grössere Last dar. Man muss 
deshalb darauf sehen, das die Auf- und Abwärtsbewegung nicht unterbleibt 
oder aus Bequemlichkeit nicht eine nachteilige Einschränkung erfährt. 

Vergleichende Versuche über die Wirkung des Spritzens von unten 
nach oben liessen leider keine Schlüsse zu, da die Blattfallkrankheit im 
Versuchsfeld zu wenig aufgetreten war. 

6. Prüfung von pulverförmigen Mitteln gegen Peronospora 

und Oidinm. 

In letzter Zeit mehren sich, gestützt auf die Untersuchungen Müller- 
Thurgaus über die Entwicklung des Peronosporapilzes, die Angebote 
pulverförmiger Mittel für die gleichzeitige Bekämpfung der Peronospora 
und des Oidiums. Schon im Sommer 1910 hatten wir verschiedene der¬ 
artige Pulver versucht, konnten aber ihren Wert infolge nur ganz ver¬ 
einzelten Auftretens der beiden Pilzkrankheiten nicht feststellen. Im 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft 


19 


Berichtsjahr kann dagegen ein Urteil über die Wirkung gegen Oidium 
gegeben werden. 

Zur Anwendung kamen: 

1. Laykokupferkalkschwefel von der Firma Laymaxn & Cie, Brühl-Köln. 

2. Floria-Kupfer-Schwefel-Sulfat („Florcus“) von der Chemischen Fabrik 
Dr. Nöbdlinoeb, Flörsheim a. M. 

3. Pulvazuro von der Genossenschaft ungarischer Landwirte in Budapest. 

1. und 2. wirkten gegen Oidium sehr gut, so gut wie der gebräuch¬ 
liche Schwefel, 3. versagte dagegen beinaher vollständig. Es waren un¬ 
gefähr die Hälfte von Oidiuminfektionen wie an den als Kontrolle dienenden 
unbehandelten Stöcken anzutreffen. 

Über die Wirksamkeit gegen Peronospora kann ein sicheres Urteil 
nicht abgegeben werden, da dieser Pilz nur spärlich auftrat. Doch schien 
es, als ob die Kupfervitriolkalkbrühe besser als diese Pulver wirkte. 

Verbrennungserscheinungen wurden im Berichtsjahre bei keinem der 
3 Pulver beobachtet. 

7. Überwintern die Puppen des Heu- und Sauerwurmes am Boden 
und in den abgefallenen Rebblättern? 

Nachdem durch Untersuchungen festgestellt war, dass die Puppen 
dieses Schädlings in unsern Verhältnissen nicht in der Erde überwintern, 
trat die Behauptung auf, sie überdauerten die kalte Jahreszeit an der 
Oberfläche der Erde und in den abgefallenen Rehblättern. Das gelte 
namentlich von dem Ruhestadium der bekreuzten Art. 

Ungefähr 27000 abgefallene Rebblätter wurden daher auf das Vor¬ 
handensein von Puppen mit grossem Zeitaufwand sehr gründlich untersucht, 
wobei 12 Puppenhüllen, aber keine lebende Puppe gefunden wurden, trotz¬ 
dem die Untersuchungen in der Hauptsache im November vorgenommen 
wurden. Da immerhin die Möglichkeit bestehen konnte, dass man auch 
bei sorgfältigem Suchen Puppen übersah, wurden aus verschiedenen Stellen 
im Weinberg grössere Mengen Reblaubes unter Kästen gebracht, die mit 
dichtschliessender feinmaschiger Gaze überzogen waren. Etwa im Laube 
vorkommende Puppen hätten sich nach ihrer Entwicklung in den Kästen 
fangen müssen. Trotz sorgfältiger häufiger Beobachtung bis in den Juni 
des Berichtsjahres haben wir in keinem der Kästchen eine Motte fest¬ 
stellen können. 

Danach scheint es sehr unwahrscheinlich, dass die Puppen des be¬ 
kreuzten Traubenwicklers — die 2. Generation des Schädlings bestand 
sowohl 1910 als 1911 in den Versuchs Weinbergen hauptsächlich aus der 
bekreuzten Art — unter den in den Geisenheimer Weinbergen herrschenden 
Verhältnissen regelmässig im oder am Boden oder im abgefallenen Laube 
Vorkommen. Wohl wäre dagegen denkbar, dass sich einzelne Puppen 
zufällig und ausnahmsweise an der Erdoberfläche oder im Laube finden. 

2 * 


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20 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


8. Leuchtklebeband der Firma H. Gross-Hamburg zum Fangen 
der Heu- und Sauerwurmmotten. 

Die Firma H. GRoss-Hamburg wies im Berichtsjahr durch die Ver¬ 
sendung zahlreicher Prospekte an Winzer auf ihr Leuchtklebeband zum 
Mottenfang hin. Es handelt sich bei dieser Neuerung um Leinenbänder, 
die mit einer kleberigen in der Dämmerung angeblich leuchtenden Masse 
belegt sind. Die Klebebänder sollen in den Weinbergen aufgehängt, die 
Motten durch die Lichtwirkung angelockt und von der Klebemasse fest¬ 
gehalten werden. 9 

Beim 1. Mottenflug wurde das Leuchtklebeband versuchsweise ange¬ 
wandt. Dabei haben wir festgestellt, dass die kleberige Masse nach kurzer 
Zeit, meist schon nach einigen Tagen vollständig eintrocknete. Im Stadium 
ihres klebefähigen Zustandes hat sie Motten des Heu- und Sauerwurmes 
nicht anzulocken vermocht. Wir beobachteten nur einige andere un¬ 
gefährliche Insekten auf dem Klebeband. 

Im Kampfe gegen den Heu- und Sauerwurm hat das Leuchtklebeband 
der Firma H. Gross in Hamburg deshalb keinerlei Wert. Den Winzern ist 
daher von dem Ankauf dringend abzuraten. 

10. Prüfung von Geräten und Maschinen aus dem Gebiet 

des Weinbaues, 
a) Der Doppelspaten. 

Hergestellt von der Firma Istel in Wiesbaden (Abb. 3). 

Jeder der beiden über Kreuz gelegten durch einen Bolzen verbundenen 
Holmen dieses zangenähnliches Gerätes trägt einen zu einem Halbzylinder 

gewölbten Gussstahlspaten. Geschlossen bilden die 
beiden Spaten einen Zylinder von 15 cm Durch¬ 
messer. In dieser Stellung stösst man das Gerät 
in die Erde und bewegt die Holmen nun ausein¬ 
ander, wodurch der durch den Spaten gebildete 
Zylinder enger und die von ihm umschlossene 
Erde gefasst wird. Durch die Herausnahme des 
Spatens wird auch die Erde mit ausgehoben und 
es entsteht ein Loch von mindestens 15 cm 
Durchmesser. In die Tiefe kann man bis zu lm 
dringen. 

Der eben beschriebene Doppelspaten leistet 
dem Winzer sehr gute Dienste und zwar sowohl 
bei der Herstellung von Pflanzgruben als auch von 
Löchern für die Aufnahme von Pfosten für Draht¬ 
aulagen. 

Die Vorteile der Wurzelreben- gegenüber der 
Blindholzpflanzung werden immer mehr erkannt 
Abb. 3 . Doppelspaten vonjisTEL. und gewürdigt) doch verwendet die allgemeine 

Praxis nur in seltenen Fällen Wurzelreben. Der Grund hierfür liegt 



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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


21 


namentlich in den Schwierigkeiten hei der Pflanzung der bewurzelten 
Beben. Gebraucht man dabei den Setzstickel, so werden die Wurzeln 
gewöhnlich zu sehr eingekürzt und erhalten trotzdem meist eine unsach- 
gemässe Lage. Die vorteilhaftere Pflanzung mit dem Spaten kommt zu 
teuer und gestaltet sich in schweren Ton- und steinigen Böden auch sehr 
beschwerlich. Diesen Übelständen vermag der Istel’sche Doppelspaten 
glänzend Abhilfe zu schaffen. Das Ausheben der Pflanzgruben kann leicht, 
schnell, billig und für die spätere Entwicklung der Pflänzlinge äusserst 
zweckdienlich geschehen. Gerade für diesen Zweck bedeutet das in Bede 
stehende Gerät für den Weinbau einen grossen Fortschritt. In gleicher 
Weise und mit demselben Vorteil lässt sich der Doppelspaten zur Nach¬ 
pflanzung in ein- und zweijährigen Weinbergen benützen. Naturgemäss 
erfordert die Pflanzung in diesem Fall immer besondere Sorgfalt, da in 
dem bereits wieder fest gewordenen Boden die gelockerte Erde zum 
Trocknen neigt. Die geflanzten Beben sind gut anzudrücken oder besser 
einzuschlemmen. 

Auch beim Ausheben von Löchern bei der Herstellung von Pfosten 
für Drahtgestelle leistet der Doppelspaten sehr gute Dienste, so dass das 
Gerät der Praxis sehr empfohlen werden kann, wenn auch der Preis von 
15 M. etwas hoch ist. 

b) „Der automatisch feuernde Feldschütze“. 

Seit Erlass des deutschen Vogelschutzgesetzes vom 30. Mai 1908 
mehren sich in den Weinbaugegenden die Klagen über Vogelschäden zur 
Zeit der Traubenreife in bedenklicher Weise. Stare und Weinbergs- 
drosseln verheeren in einigen Gebieten einen grossen Teil der Trauben¬ 
ernte. Die Winzer sehen sich daher nach Abwehrmassregeln um. Ver¬ 
anlasst durch diese Verhältnisse haben die Hersteller automatisch wirkender 
Schiessvorrichtungen in letzter Zeit viel Beklame für ihre Fabrikate ge¬ 
macht. Es schien daher notwendig, einen dieser Apparate, die in der 
Wirkung alle gleich zu beurteilen sind, auf seinen Wert zu prüfen. Wir 
gebrauchten den „automatisch feuernden Feldschütsen “, hergestellt von 
Boeder & Cie., Hannover. 

Diese Vorrichtung wirkt derart, dass in gewissen regelmässigen Zeit¬ 
abschnitten Schreckschüsse selbsttätig abgegeben werden. 

Zu Beginn der Traubenreife waren „Feldschützen“ versuchsweise in 
die Weinberge gebracht worden. Die Schüsse lösten sich zu der im Katalog 
angegebenen Zeit aus. Die in grosser Zahl im Weinberg naschenden 
Amseln und Drosseln schreckten bei den ersten Schüssen auf und flogen 
etwas hoch, um sich aber einige Meter vom ursprünglichen Buheort wieder 
niederzulassen. Im Laufe einiger Tage hatten sie sich an das Geräusch 
ebenso gewöhnt wie an Vogelscheuchen, Läutewerke und ähnliche Vor¬ 
richtungen zum Verscheuchen der Vögel. 

Wenn man nicht zeitweise scharfe Schüsse abgibt, ist die Wirkung 
des „Feldschützen“ gleich Null. Einige scharfe Schüsse wirken weit mehr. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Als der „Feldschütze“ aus dem Weinberg entfernt war, liess ich versuchs¬ 
weise 2 Amseln abschiessen. Von da an waren die Vögel aus dem be¬ 
treffenden Weinberg verschwunden. 

Bei der geringen Wirkung ist auch zu bedenken, dass die Beschaffung 
des „Feldschützen“ sehr teuer kommt. Ein Apparat kostet 42 M. 

c) Schwefelzerstäuber „Baff“ 

eingesandt von Fr. Franke, Frankfurt a. M. 

Der Schwefelzerstäuber ist eine Nachahmung des Cartano 'sehen Ver¬ 
teilers. Er unterscheidet sich von diesem nur dadurch, dass man ihn zu 
öffnen vermag, und dass er an der Ausgangsöffnung ein feines Drahtnetz 
besitzt. Im Innern läuft ein Flügelrad, das durch den Luftstrom rotiert 
und so den ausgetriebenen Schwefel feiner verteilen soll. 

Beim Gebrauch zeigten sich bald Mängel, die eine Weiterbenutzung 
unmöglich machten. Infolge der seitlichen Einmündung des Rohres in die 
Trommel wird der Schwefel durch das Flügelrad zurückgeschlagen, setzt 
sich an diesem fest und bringt es zum Stehen. Hierdurch fängt sich der 
später aus dem Schwefelbalg geblasene Schwefel immer mehr und wird so 
am Austritt gehemmt. Auch das vorgenannte Drahtnetz hemmt den Aus¬ 
tritt des Schwefels zu sehr. Der Apparat besitzt für die Praxis keinen 
Wert. Der Preis von 1,50 M. ist äusserst hoch. 

11. Über die Veränderung der Temperaturen im Weinbergsboden 
während der verschiedenen Jahreszeiten. 

Auf Veranlassung des Anstaltsdirektors wurden vom 15. August 1911 
bis 1. April 1913 regelmässige Beobachtungen über die Veränderung der 
Temperaturen im Weinbergsboden angestellt. Dabei war beabsichtigt, 
grundlegende Zahlen über die Temperaturen im Boden, und zwar in ver¬ 
schiedener Tiefe überhaupt zu erhalten und dadurch u. a. auch event. 
Anhaltspunkte für die Beurteilung der Frage der Reblausvermehrung in 
den einzelnen Jahreszeiten und Bodenschichten zu gewinnen. 

Die Temperaturmessungen wurden in einem Anstaltsweinberg in der 
Lage „Fuchsberg“ vorgenommen. Das Gelände hat eine Neigung von 8°/ 0 . 
Die Zeilenweite der Reben beträgt 1,10 m. Die Reihen verlaufen von 
Nordnordost nach Südsüdwest. 

Der Boden ist ein sandiger Lehm mit normalem Feuchtigkeitsgehalt. 

Die Beschaffenheit und Feuchtigkeit des Bodens bleiben sich bis 
etwa 1,60 m tief gleich. 

Für die Messung waren 4 mit einem Holzmantel umkleidete Boden¬ 
thermometer beschafft worden. Der umgebende Mantel war nur an der 
Skala und Quecksilberkugel unterbrochen. Die Thermometer wurden in 
einem gegenseitigen Abstand von 75 cm in die Mitte zwischen die Reb- 
reihen derart gebracht, dass sich die Quecksilberkugeln in Tiefen von 0,40, 
0,75, 1,20 und 1,60 m und die Skalen etwas über der Erdoberfläche be¬ 
fanden. Dadurch konnten die Thermometer ständig im Boden bleiben. 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 23 

Die Ablesungen wurden vom 14. August 1911 an durch den Wein¬ 
bauassistenten Kloepfer regelmässig 3 mal täglich vorgenommen, und zwar 
morgens 6 Uhr, nachmittags 2 Uhr und abends 6 Uhr. 

Die höchsten Temperaturen in der Beobachtungszeit wurden am 
21. August 1911 gemessen, und zwar unmittelbar über der Erde + 38,4° C., 
in einer Tiefe von 40 cm + 25,4°C., 75 cm tief + 21,57 °C., 1,20 m tief 
+ 20,63° C. und 1,60 m tief +18,75 0 C. Von diesem Tage an sank die 
Wärme in der Erde ständig und gleichmässig bis zum Februar 1912. Am 
4. jenes Monates wurde die niedrigste Temperatur überhaupt abgelesen, 
nämlich morgens 6 Uhr an der Erdoberfläche —17,5° C. Erst in den v 
nachfolgenden Tagen erreichten auch die Temperaturen in der Erde ihren 
niedrigsten Stand, und zwar am 5. in 40 cm Tiefe +1,7°, am 12. in 75 cm 
Tiefe + 2,0°C., am 16. in 1,20 m Tiefe +3,9°C. und am 17. in 1,60 m 
Tiefe +3,7 °C. 

Trotz der sehr grossen Kälte, die allerdings nur 3 Tage dauerte, 
herrschten in einer Tiefe von 40 cm immer noch +1,7 0 C. 

Von dem Tage an, an dem das Thermometer in den einzelnen Schichten 
den tiefsten Stand erreicht hatte, stieg die Temperatur wieder gleich¬ 
mässig und schon am 15. Mai des Jahres 1912 wurde an der Erdober¬ 
fläche die höchste Temperatur im Sommer 1912 gemessen, und zwar 
+ 40° C. Aber die Wärmeperiode war nur sehr kurz, so dass die tieferen 
Erdschichten nur wenig davon berührt wurden. So wurde die grösste 
Wärme in 40 cm Tiefe erst am 13. Juli (+21,5° C.), in 75 cm Tiefe am 
14. Juli (+18,6° C.), in 1,20 m Tiefe am 18. Juli (+18,2° C.) und in 
1,60 m Tiefe am 5. August (+ 16,3° C.) gemessen. Über die höchsten 
und niedrigsten Temperaturen geben folgende Tabellen Aufschluss. 


Tabelle I. 

Höchsttemperaturen wurden gemessen °C. (Sommer). 


J ahr 

An der Erd¬ 
oberfläche 

0,40 m tief 

0,75 m tief 

1,20 m tief 

1,60 m tief 

1911 vom 15. August 

an gerechnet . . 

1912 . 

+ 38,4 0 C. 
+ 40,0°C. 

+ 24,4° C. 
+ 21,5° C. 

+ 21,84 °C. 
-f- 18,6° C. 

+ 20,63 °C. 
+ 18,2°C. 

+ 18,75° C. 
+16,3° C. 


Tabelle II. 

Die niedrigsten Temperaturen wurden gemessen # C. (Winter). 


Jahr 

An der Erd¬ 
oberfläche 


0,75 m tief 


1,60 m tief 

1911/1912 . . . 

1912/1913 . . . 

—17,5 0 C. 
—15,3 0 C. 

+ 1,7 °C. 
0,0 °C. 

+ 2,0 °C. 

+ 2,7 0 C. 

+ 3,9 0 0. 

+ 3,4 0 C. 

+ 3,7 0 C. 

-f- 4,3 0 C. 


Danach wurde der Boden im Jahre 1912 in 40 und 75 cm Tiefe 
durchschnittlich um 3°C., und in 1,20 und 1,60 m Tiefe um durchschnitt¬ 
lich 2°C. weniger erwärmt als im Vorjahre. Demzufolge ging auch die 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Abkühlung des Bodens sehr schnell vor sich. Schon am 1. November 1912 
waren in 40 cm Tiefe nur +6,2° C. (während an demselben Tage des 
Jahres 1911 die Temperatur in derselben Tiefe noch +9° C. betrug). Am 
25. Februar 1913 hatte das Thermometer 40 cm tief schon den tiefsten 
Stand, und zwar 0,0° C. angezeigt, 75 cm tief am 26. Februar +2,7° C., 
1,20 m tief an demselben Tage +3,4°C. und 1,60 m tief am 1. März 
+ 4,3°C. 

Die Grösse der Temperaturschwankungen zwischen Sommer und 
Winter in den verschiedenen Bodentiefen ist aus folgender Zusammen¬ 
stellung ersichtlich. 

Tabelle m. 


Jahr 

An der Erd¬ 
oberfläche 

0,40 m tief 

0,75 m tief 

1,20 m tief 

1,60 m tief 

1911/12, 1911 vom 
15. Aug. an ge¬ 
rechnet . . . 

1912/1913 . . . 

55,9 # C. 
55,3 «C. 

22,7 # C. 

215 »C. 

19,84 °C. 
15,9 °C. 

16,73 0 C. 
14,8 °C. 

15,05 °C. 
12,0 °C. 


Die Temperaturschwankungen an der Erdoberfläche, die besonders 
im Frühjahr der beiden Jahre innerhalb 12 Stunden bis zu 30° C. und dar¬ 
über betrugen, übten auf die Temperaturen schon in einer Tiefe von 40 cm 
nur einen ganz geringen Einfluss aus. Die stärkste Schwankung innerhalb 
12 Stunden betrug dort nur 0,7° C. Die Temperaturen in den folgenden 
Schichten wiesen kaum mehr Schwankungen auf. In diesen Tiefen war 
je nach der Jahreszeit nur ein gleichmässiges Fallen oder Steigen dei 
Wärme zu beobachten. 

Die ausführlichen Zahlen werden in ihrem ganzen Umfange an anderer 
Stelle veröffentlicht werden. 

B. Kellerwirtschaft. 

1. Betriebsbericht. 

Im Anstaltskeller lagern zurzeit: 

17 Halbstück 1911er und 
25 „ 1912 er Weissweine 

und verschiedene Versuchsweine in kleineren Mengen. 

Am 4. Juni des vergangenen Jahres fand eine Versteigerung von 
Anstaltsweinen statt, auf der 9 Halbstück 1909 er, 8 Halbstück 1910 er 
und 12 Halbstück 1911er Weissweine zum Ausgebot kamen. Der Verlauf 
der Versteigerung war sehr lebhaft; alle Weine wurden zugeschlagen, da 
sie ohne Ausnahme weit über die Taxen bezahlt wurden. Die erzielten 
Durchschnittspreise waren: für 1 Halbstück 1909er 753 M., für 1 Halb¬ 
stück 1910 er 862 M. und für 1 Halbstück 1911er 1630 M. 

Die 1911 er haben sich sehr schön entwickelt. Kellertechnisch ist 
dieser Jahrgang eigentlich uninteressant, denn seine Weine entwickeln sich 
infolge der gesunden Beschaffenheit der Trauben bei der Lese beinahe ohne 
wesentliches Zutun; Neigung zu Krankheiten und Fehlern ist nicht vor- 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


25 


handen. Interessant ist die frühe Reife dieses Jahrganges. Wir haben 
bereits 3 Halbstück auf Flaschen gefüllt, die sich bis jetzt alle tadellos 
hellgehalten und trotz ihres geringen Körpers — es handelt sich um unsere 
kleinsten Weine dieses Jahrganges — durch die Flaschenlagerung an Güte 
sehr gewonnen haben. 

Viel schwieriger sind die 1912 er zu behandeln. Sie stellen einen 
sogenannten unangenehmen Jahrgang dar. Wenn die Weine in der Ent¬ 
wicklung weiter vorgeschritten sind, nach einem Jahr, soll über die Most- 
und Weinbehandlung dieses Jahrganges eingehend berichtet werden. 

2. Vergleichende Versuche mit den verschiedenen zurzeit im 
Handel vorkommenden Flaschenweinflltern. 

Bereits in den Berichten 1910 und 1911 behandelten wir die Frage 
der Flaschenweinfiltration (vergl. 1910 S. 29: Das SEiTZsche Flaschen¬ 
abfüllfilter „Komet“ und 1911 S. 34: Der rotierende Umfüllbock „Halley“). 
Inzwischen sind neben den dort erwähnten SEiTZschen Fabrikaten auch 
die anderer Firmen aufgetaucht. Bei den häufigen Anfragen aus den 
Kreisen der Praxis über den Wert solcher Filter erschien es durchaus 
wünschenswert, die Arbeitsleistungen der verschiedenen Systeme miteinander 
zu vergleichen. Eine derartige Prüfung war um so notwendiger, als 
namentlich der Weinhandel ein ausserordentlich grosses Interesse an dieser 
Art der Weinbehandlung hat, ist es doch schon so weit gekommen, dass 
die im Auftrag der Steigerer abfallenden Kommissionäre vom Produzenten 
verlangen, dass die in den Gutskellern auf Flaschen gezogenen Weine 
zuvor mit Flaschenabfüllfiltern behandelt werden. Wer hätte das vor 
einigen Jahren für möglich gehalten? Dazu führte aber das Bedürfnis 
des Handels nach einem solchen Verfahren und drängte vor allem auch 
das heute mehr denn je hervortretende Bestreben des Weinhandels, die 
Weine so früh wie möglich auf die Flasche zu bringen. Zu letzterem 
Bestreben wird der Handel nicht allein durch die modernen Anforderungen 
der Verbraucher an den Wein, sondern namentlich auch durch die heutigen 
hohen Zinsen für Geld geleitet. 

Wir prüften und vergehen miteinander: 

1. Das Flaschenabfüllfilter „Komet“ der Seite- Werke, Kreuznach. 

2. Das Flaschenabfüllfilter „Rapid“ der Apparatefabrik Fromme, G. m. 
b. H., Frankfurt a. M. 

3. Das „Glanz-Filter, System Iffland“, hergestellt von Weingutsbesitzer 
Jean Iffland, Eltville (Rheingau). 

Zu Beginn der vergleichenden Versuche war das iFFLANDSche Filter 
noch nicht auf dem Markt erschienen. Wir arbeiteten daher zunächst nur 
mit dem SEiTZschen „Komet“ und dem FROMMESchen „Rapid“ und ver¬ 
glichen später das IFFLANDSche Fabrikat mit dem SEiTZschen. 

Den Bau des Seite 'sehen Filters hier nochmals zu schildern, kann 
unterbleiben, da dies bereits im Bericht 1910, S. 29 geschehen ist. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Frommes „Rapid“ (Abb. 4) hat im Äusseren sehr viel Ähnlichkeit mit 
dem Seitzschen „Komet“. Auf einem etwa 47 cm hohen dreifüssigen Gestell 
befindet sich der eigentliche Filterkörper. Der Boden desselben besteht 
aus einer nach der Mitte geneigten Metallplatte, die einen Durchmesser 
von ungefähr 30 cm hat. Auf die Metallplatte wird ein ebenfalls kreis¬ 
runder Einsatz gebracht, der nach unten durch ein ziemlich feines Sieb 
abgeschlossen ist. Sechs Metallflanschen gestatten die Befestigung des 
Einsatzes. Auf das dünne feinmaschige Sieb im Einsatz wird ein festeres 
dichteres gelegt. Über dieses bringt man etwa 4 cm hoch die Filtermasse. 
Als solche ist reine Baumwolle benützt. Über das mehr oder weniger 
fest zusammengedrückte Filtermaterial wird ein weiteres dünneres Sieb 
gelegt, und nun der metallene kräftige Deckel mit 6 Flanschen auf das 

Ganze befestigt. In der 
Mitte des Deckels befindet 
sich der Einlass-, und da¬ 
neben der Lüftungshahn. 
Die Auslauföffnung aus 
dem Filter ist im Boden 
eingelassen. Oben auf dem 
Deckel ist seitlich der 
eigentliche Abfüllhahn an¬ 
geordnet. 

Für die Handhabung des 
Apparates gibt die Firma 
folgende Gebrauchsan¬ 
weisung heraus. Zuerst 
werden 500 g der Filter¬ 
masse in einer mit kaltem 
Wasser gefüllten Brenke 
einige Minuten geweicht 
und dann zu einem flocki¬ 
gen Brei verrieben, so dass keinerlei Knötchen mehr vorhanden sind. 
Die fein zerriebene Masse schöpft man nu% in das leere Filter ein, 
zuerst rings herum am Rand, dann in der Mitte, bis das Filter ungefähr 
Vs gefüllt ist. Dann wird die Masse am Rand des Filters mit den Händen 
etwas nach unten gepresst, worauf die ganze Filterschicht mit dem mit 
einer Dreiecköse versehenen Abschlussieb eben gedrückt wird. In gleicher 
Weise stellt man eine zweite und eine dritte Schicht her, bis das Filter 
bis zum Rand gefüllt ist. Das Abschlussieb wird aufgelegt und das Filter 
durch Aufschrauben des Deckels geschlossen. Etwa übrig gebliebene 
Filtermasse kann man zum Nachfüllen später verwenden. 

Zunächst wird nun der Abfüllhahn auf Mitte gestellt und der 
Lufthahn geöffnet, worauf man Wein einlaufen lässt. Nach Austreten 
des Weines aus dem Lufthahn wird dieser geschlossen und der Abfüllhahn 
geöffnet. Es ist durch Probe festzustellen, wann das Wasser vollständig 



Abb. 4. 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


27 


entfernt ist. Die als Vorlauf entnommenen, vielleicht 2 oder 3 nicht ganz 
hellen Flaschen werden am Spundloch des Fasses wieder eingefüllt, 
das Sicherheitsventil aufgesetzt, und Kohlensäure je nach Bedarf zum 
Drücken und vielleicht zum Imprägnieren verwendet. 

Bei besonders trüben, schleimigen Weinen empfiehlt es sich, das 
Filter nur bis etwa 3 / 4 der Höhe fest zu verpacken, wie angegeben, 
und den Rest der Masse nur ziemlich lose aufzulegen. Von Zeit zu Zeit, 
wenn das Filter wesentlich langsamer zu laufen beginnt, kann man diese 
oböre Schicht durch neue Masse ersetzen. 

Nachdem wir die Filter einzeln schon länger benutzt hatten, mit 
ihrer Handhabung also vollständig vertraut waren, stellten wir mit dem 
Seitzschen „Komet“ und Frommeschen „Rapid“ vergleichmde Versuche an, 
die wir so Vornahmen, dass aus demselben Fass durch beide Filter zu 
gleicher Zeit abgefüllt wurde. 

Wegen Raummangels müssen die den Verlauf der einzelnen Filtrationen 
wiederspiegelnden Zahlen wegbleiben; wir werden sie an anderer Stelle 
veröffentlichen. 

Die wichtigste Frage für die Bewertung eines Filters ist naturgemäss 
dessen Leistungsfähigkeit , wobei zu unterscheiden ist zwischen quantitativer 
Leistung, das heisst Menge des in einem gewissen Zeitraum filtrierten 
Weines und qualitativer Leistung, unter welcher man den Grad der Klar¬ 
heit und die Ergebnisse der Geschmacksprobe des Filtrates aufzufassen 
hat. Quantitative und qualitative Leistung müssen gemeinsam betrachtet 
werden. Das geschieht bei der Beurteilung der Filter durch die Praxis 
leider nicht immer. Wie könnten sich sonst jene Verhältniszahlen ergeben, 
bei denen das eine Filter in einer gewissen Zeit drei und mehr mal so 
viel Wein zu filtrieren vermag als das andere. Der gegenseitige Grad 
der Klarheit wird bei solchen Angaben nicht berücksichtigt. Es ist natur¬ 
gemäss leicht, durch jedes Filter in kurzer Zeit eine gewisse Weinmenge 
durchlaufen zu lassen, doch stehen bei ein und demselben Filter die Menge 
der Leistung und die Qualität derselben meist im umgekehrten Verhältnis 
zueinander. 

Betrachten wir die Ergebnisse der vergleichenden Versuche hinsichtlich 
der qualitativen Leistungsfähigkeit der beiden Filtersysteme zunächst all¬ 
gemein, so geht aus allen Versuchen klar hervor, dass in dieser Beziehung 
der SEiTZSche „Komet“ leistungsfähiger ist als der FROMMESche „Rapid“. 
Damit will ich nicht sagen, dass der FROMMEsche Apparat nicht in der 
Lage wäre, ebenfalls ein helles Filtrat zu erzeugen, doch ergaben unsere 
Feststellungen fast regelmässig Unterschiede in der Helligkeit der Filtrate 
beider Systeme und zwar zu gunsten des SEiTZschen Fabrikates. Besonders 
stark treten diese Unterschiede hervor bei jungen Weinen. Die von der 
Firma Seitz früher eingefuhrte Bezeichnung „Sonnenglanz“ trifft auch für 
die Filtrate mit dem „Kometen“ zu. In der Hauptsache hängt diese Ver¬ 
schiedenheit natürlich von der angewandten Filtermasse ab, die ja über¬ 
haupt für die Leistungsfähigkeit des Filters in erster Linie ausschlaggebend 


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28 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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ist. Der Wert der Asbeste für die Feinfiltration hat sich auch in diesem 
Fall bewiesen. 

Vielleicht spricht bei der Klärung durch den FROMMEschen Apparat 
der Umstand ungünstig mit, dass die auch noch so sorgfältig eingebrachte 
Filtermasse immerhin eine gewisse Schichtung erhält. Wenn man das 
Filter entleert, kann man am Mantel des herausgenommenen Massezylinders 
immer deutlich Spalten erkennen, die vermutlich bei der Klärung hinder¬ 
lich wirken. 

In der Praxis hört man manchmal Andeutungen über eine ge¬ 
schmackliche Beeinflussung der Weine durch Filtermassen und zwar gibt 
es immer noch Praktiker, die die Asbeste in dieser Beziehung ungünstiger 
beurteilen, wie dje aus Cellulose bestehenden Materialien. Wir haben bei 
unsern Versuchen, bei denen — was eigentlich kaum notwendig sein wird 
zu bemerken — immer verdeckt probiert wurde, diese Befürchtung nie 
bestätigt gefunden (Voraussetzung ist eine zweckentsprechende Auf¬ 
bewahrung der Asbeste), dagegen einmal beim Filtrat aus dem „Rapid“ 
einen an Papier erinnernden Beigeschmack feststellen können. Allerdings 
steht diese letzte Beobachtung vollständig vereinzelt da. Trotzdem wir 
später öfters neue Baumwolle verwandten, haben wir eine so weit gehende 
Beeinflussung wie in jenem Fall nicht mehr finden können. Nur die ersten 
Flaschen, die ja aber ins Fass zurückgegeben werden, zeigten manchmal 
Spuren eines solchen Geschmackes. Wurde gebrauchte Masse benützt, so 
haben wir Papiergeschmack nicht herausgeschmeckt. 

Manche Koster wollen das reiner schmeckende Filtrat aus dem 
SEiTZschen „Komet“ als mehr „mitgenommen“, das weniger rein schmeckende 
aus dem „Rapid“ als „weniger mitgenommen“ bezeichnen. Die ver¬ 
schiedenen Filtermaterialien sollen die Schuld an dieser Verschiedenheit 
tragen. Eine derartige Auffassung von der Beeinflussung des Weines durch 
die Filtration verursacht durch die verschiedenen Filtermaterialien geht 
entschieden zu weit. Wir sprachen bereits aus, dass das Filtrat des 
SEiTZschen Filters in der Regel heller ist als das des FROMMEschen. Nun 
ist bekannt, dass hellere Weine immer reiner — mancher mag es dünner 
nennen — schmecken als trübere. Davon kann man sich leicht dadurch 
überzeugen, dass man ein und denselben Wein mit demselben Filter einmal 
klarer und dann weniger klar filtriert. Das klare Filtrat wird bei fehler¬ 
freien gesunden Weinen immer reintöniger, aber oft auch etwas dünner 
erscheinen. Aus demselben Grunde schmeckt ja ein Wein vor der Filtration 
oft voller als nachher. Der reinere Geschmack, und darauf kommt es bei 
der Durchführung einer Klärung vor der Flaschenfüllung in erster Linie 
an, ist bei fehlerfreien Weinen immer auf Seiten des klareren Filtrates. 
Ob man einen volleren Wein, der aber nicht so „glatten Abgang“ hat, 
den Vorzug vor einem reintönigeren, dünner erscheinenden geben soll, er¬ 
scheint mir sehr zweifelhaft. 

Die Beobachtung der Weine auf ihre Haltbarkeit in der Flasche 
bewies, dass im allgemeinen das hellere Filtrat sich auf der Flasche auch 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


29 


klarer hielt und reiner schmeckte als das trübere, was ja leicht verständlich 
ist, wenn man bedenkt, dass im trüberen Wein mehr Stoffe Zurückbleiben 
als im helleren, die in der Flasche natürlich eher zu störenden Nach¬ 
trübungen Veranlassung geben müssen. 

Die quantitative Leistung beider Systeme wird durch die Grösse der 
Filterfläche und die Art und Menge der Filtermasse beeinflusst. Der 
SEiTZsche „Komet“ hat, wie aus der Beschreibung hervorgeht, eine weit 
grössere Filterfläche als der FROMMEsche „Rapid“. (Durchmesser des 
„Komet“ 53, des „Rapid“ 30 cm.) Gleiche Massen und gleiche Mengen 
der Massen vorausgesetzt müsste das SEiTZsche Fabrikat bedeutend leistungs¬ 
fähiger sein als das FROMMEsche. Nun ist Baumwolle im allgemeinen 
durchlässiger als Asbest, so dass der durch die Grösse der Filterfläche bei 
dem SEiTZschen „Kometen“ bedingte Vorsprung durch die Art und Menge 
der Masse dem „Rapid“ gegenüber etwas eingeschränkt werden muss. 
Das haben denn auch unsere Versuche bestätigt. Gleiche Helligkeit voraus¬ 
gesetzt ist die in einer gewissen Zeit durch das SEiTZsche Filter laufende 
Weinmenge in der Regel, namentlich in der ersten Zeit nach der Inbetrieb¬ 
setzung etwas grösser als jene durch das FROMMEsche Fabrikat. Die Unter¬ 
schiede sind aber gering. 

Ist man bezüglich der Helligkeit weniger anspruchsvoll, so erreicht 
der FROMMEsche „Rapid“ häufig einen kleinen Vorsprung. Da man aber 
bei der Flaschenweinfiltration bezüglich der Helligkeit das Höchstmöglichste 
zu erreichen bestrebt sein muss, wird man mit Vorteil immer die grössere 
Klarheit vorziehen, auch wenn die quantitative Leistung etwas zurück¬ 
stehen sollte. Bei trüben Weinen kann sich nach einiger Zeit das Bild 
etwas ändern. Das zeigte ein Versuch mit einem 1910 er Wein. Die 
quantitativen Leistungen beider Systeme hielten sich bis zu etwa 400 Flaschen 
gleich, von da ab errang der FROMMEsche „Rapid“ einen kleinen Vorsprung, 
der vermutlich noch etwas grösser geworden wäre, wenn man die Filtration 
hätte fortsetzen können. Bei solchen trüben Weinen wird die verhältnis¬ 
mässig dünne „Theorit“-Schicht natürlich etwas schneller verstopft als die 
grössere Menge der Baumwolle, so dass die erstere weniger durchlässig 
wird. Das hat bei der Filtration grösserer Weinmengen eine öftere Er¬ 
neuerung der Masse des „Kometen“ als beim „Rapid“ zur Folge. Bei 
trüben Weinen hat sich dieser Befund häufiger gezeigt. 

Natürlich ist sowohl für die qualitative als auch quantitative Leistungs¬ 
fähigkeit beim „Kometen“ die Auswahl unter den verschiedenen „Komet- 
Theoriten“, beim „Rapid“ die Art des Stopfens der Filtermasse massgebend. 
Dafür muss sich der Küfer im Laufe der Zeit ein gewisses Verständnis er¬ 
werben. Er muss dem Wein ansehen, welche Art von „Theorit“ die besten 
Resultate ergibt. Bei trüben Weinen hat sich der „Komet-Theorit II“ be¬ 
sonders in der 2—3 fachen Menge angewandt ganz hervorragend bewährt. 
Beim „Rapid“ ist es Aufgabe des Küfers, sich zunächst zu orientieren, ob er 
die Masse dichter oder weniger dicht in das Filter bringen muss. Je 
trüber der zu filtrierende Wein ist, um so dichter wird das Filter in der 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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Regel gestopft. Je nach der Auswahl des Filtriermaterials beim „Kometen“ 
und der Dichtigkeit der Packung beim „Rapid“ hat bald das eine, bald 
das andere Filter hinsichtlich der Menge der Leistung einen kleinen Vor¬ 
sprung. Man beachte dabei aber, was vorher über die Helligkeit gesagt ist. 

Weine, deren Trübung eine gewisse Stärke erreicht hat, sollen mit diesen 
Filtern überhaupt nicht behandelt werden. Ich will nicht unterlassen, hier 
noch einmal zu betonen, dass diese Klärvorrichtungen keine Filter im ge¬ 
wöhnlichen Sinne sind, sondern nur dazu benutzt werden sollen, an sich 
fertigen Wein noch den letzten Glanz zu geben. Für diesen Zweck gebe 
ich aber dem SEiTzschen „Kometen“ den Vorzug vor dem FROMMEschen 
„Rapid“, wenngleich ich nicht verhehle, dass die Behandlung des Seitz- 
schen Apparates etwas mehr Sorgfalt verlangt. 

Ein Vorzug des FROMMEschen „Rapid“ besteht darin, dass man den 
Apparat während der Filtration örtlich verändern und ohne Störung ab¬ 
stellen kann, was beim „Kometen“ nicht möglich ist. Unterbricht man die 
Filtration beim SEiTzschen Filter, so laufen die nachfolgenden 10—12 Liter 
des Filtrates trüber und erst dann tritt die ursprüngliche Klarheit wieder ein. 

Ein Unterschied zwischen beiden Systemen besteht auch in der An¬ 
wendung der Kohlensäure. Während Fromme Kohlensäure von Anfang an 
verwendet, benützt man Kohlensäuredruck beim „Kometen“ erst, wenn die 
Leistungsfähigkeit sich etwas vermindert. Die Anwendung der Kohlensäure 
bedingt ein gewisses Schäumen, was allerdings bei dem FROMMEschen 
Apparat deshalb weniger stört, weil der Wein infolge der Einfüllvorrichtung 
ziemlich weit unten in die Flasche eintritt. Arbeitet man beim „Kometen“ 
mit Kohlensäuredruck, so tritt durch die Verwendung des Revolverhahnes 
etwas Weinverlust ein. Andererseits bleibt in der Baumwolle des „Rapid“ 
naturgemäss mehr Wein zurück als in der Asbestschicht des SEiTzschen 
Apparates. 

Verschieden sind beide Systeme auch in den Preisen. In den von 
uns benützten Grössen kostet der SElTZsche „Komet“ 350 M., der Fromme- 
sche „Rapid“ 230 M. 

Das 

Glanzfilter „System Iffland“ 

ist kleiner als die vorhergehenden. Das uns eingesandte Exemplar be¬ 
steht aus einem metallenen Kessel mit einem Durchmesser von ungefähr 
20 cm und einer ebensolchen Höhe. Der Boden des Kessels ist nach der 
Mitte zu geneigt. In den Kessel wird ein zylindrischer Einsatz eingelassen. 
Der Mantel dieses Zylinders besteht aus einem dichten Sieb, der Boden 
ist dagegen massiv. In der Mitte des Einsatzes ist eine Röhrenanordnung 
angeschraubt, die aus 4 Röhren besteht. Die mittlere massive hat neben 
dem Zweck, mechanischen Halt zu geben, die Aufgabe, den filtrierten 
Wein abzuleiten. Der Mantel der 3 seitlichen besteht aus einem Sieb¬ 
geflecht, durch das der filtrierte Wein gedrückt und von da in die Ab¬ 
leitungsröhre geführt wird. Zwischen dem äusseren zylindrischen Sieb 
und der Röhrenanordnung wird die Masse, die aus Zellulose hergestellt zu 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


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sein scheint, mit einem eigens beigegebenen hölzernen stempelartigen Gerät 
eingebracht. Je nach der Beschaffenheit des Weines verwendet man für 
eine Füllung 600—700 g. Die Masse kann in Wasser oder in Wein gelöst 
werden. Je trüber der Wein ist, desto dichter ist das Filtriermaterial zu 
packen. Auf die eingefüllte Masse kommt ein metallener Deckel, der die 
Einlassöffnung für den Wein und einen Entlüftungshahn enthält. Der 
Wein gelangt also oben in und unten aus dem Filter. 

Beim Gebrauch wird das Filter entweder direkt an den Ansteck- 
krahnen des Fasses geschraubt — Erfordernis ist allerdings eine ent¬ 
sprechend hohe Lage des Fasses — oder auf ein dreifüssiges Gestell 
gesetzt. Wird die Masse in Wasser aufgelöst, so sind die zuerst ablaufenden 
Flaschen natürlich gewässert und müssen entfernt werden. Lösst man das 
Filtermaterial in Wein auf, so ist dies nicht notwendig. 

Auch mit diesem Filter haben wir Versuche angestellt. Da es uns 
aber erst später als die beiden andern eingeschickt wurde, verglichen wir 
seine Leistungen nur noch mit dem SEiTZSchen. Die Ergebnisse gleichen 
sehr jenen mit dem „Rapid“, was ja durch die Gleichheit der Masse 
leicht verständlich ist. 

Im Verhältnis zu seinen Mafsen ist das Filter leistungsfähig, nament¬ 
lich bei trüben Weinen. Die Helligkeit des Filtrates gleicht der durch 
das FROMMEsche „Rapid“ erreichbaren. In dem Mafse, als die Klarheit 
zunimmt, verkleinert sich allerdings die Menge der Leistung. Soll das 
Filtrat in seiner Helle jenem aus dem SErrzschen „Kometen“ gleichen, so 
steht die quantitative Leistung zurück. In bezug auf den Geschmack des 
Weines lässt sich ebenfalls dasselbe sagen wie vom „Rapid“. 

Der Preis des Filters mit Masse beträgt nur 185 M. 

Wie die Firma Seitz, so hat auch die Apparatefabrik Fromme einen 
Umfüllbock gebaut, der mit dem Filter verbunden und so der Wein von 
Flasche zu Flasche filtriert werden kann. Er ist folgendermassen gebaut: 
Auf einem dreifüssigen Gestell finden sich 2 Böden, von denen der untere 
einen Eisenhebel trägt, der zur Unterstützung des gleichzeitig benutzten 
Filters dient. Auf dem zweiten Boden finden sich 4 Flaschenuntersätze, 
von denen 2 federnd und 2 fest sind. In der Mitte ist auf einem Eisen¬ 
gestell der eigentliche Umfüllbock montiert. Auf die umzufüllende Flasche 
kommt ein doppelt durchbohrter Gummistopfen. Durch dessen eine Durch¬ 
bohrung führt eine etwa 32 cm lange verzinnte Röhre, die bis in die 
Nähe des Flaschengrundes reicht. Durch diese Röhre wird der Wein aus 
der Flasche gedrückt. Die zweite engere Durchbohrung trägt einen dünnen 
Metalleinsatz, durch den die Kohlensäure einströmt, die auf der Oberfläche 
des Weines in die Flasche drückt. Dadurch wird der Wein ausgetrieben 
und durch einen anschliessenden Schlauch in das verbundene Filter bewegt. 
Ist er dort geklärt, so läuft er zum Umfüllbock zurück und zwar direkt 
in einen etwas tiefer angebrachten Abfüllhahn. 

Zu gleicher Zeit werden immer 2 Flaschen behandelt, von denen aber 
nur eine läuft. Die Umstellung geschieht durch einen einfachen Doppelhahn. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Der Umfüllbock wird immer in Verbindung mit dem Filter gebraucht. 
Die Einrichtung des Umfüllbockes erscheint uns sehr gut. Der Apparat 
ist handlich und arbeitete beim Gebrauch immer tadellos. Mit Luft kommt 
auch hier der Wein nicht in Berührung. Die Wiederklärung eines Weines 
geschieht also möglichst schonend, zumal da auch kein Verlust an anderen 
Stoffen durch das Umfüllen eintritt. Das Umfüllen geschieht stossfrei. Die 



Abb. 5. 


quantitative Leistung ist hier etwas grösser als bei dem SEiTZSchen Um¬ 
füllbock „Halley“, bezüglich der qualitativen gilt das vom FROMMEschen 
Filter Gesagte. 

3. Anstreich- und Desinfektionsmaschine „Freya“ 
von Gebrüder Holder in Metzingen (Württemberg) (Abb. 6). 

Durch die Fortschritte, die in den letzten Jahren die deutsche Reben¬ 
spritzenindustrie machte, gewann natürlich die Herstellung von Tünch¬ 
maschinen auch. Diese Tatsache ist sehr erfreulich, denn das Bedürfnis 
für solche Maschinen wächst immer mehr. Bereits früher beschäftigten 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


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wir uns verschiedentlich mit der Prüfung von Tünchmaschinen; auch in 
den beiden letzten Jahren wandten wir ihnen unser Jnteresse zu und 
prüften Holders „Freya“. 

Die Spritze besteht aus einem auf ein eisernes Fahrgestell montierten 
Flüssigkeitsbehälter aus starkem Kupferblech, der je nach der Grösse 
40—100 l Inhalt hat. In den Behälter ist eine aus Messing hergestellte 
Kolbenpumpe eingebaut, die mit Metallkugelventilen arbeitet. In die oben 
angebrachte Einfüllöffnung ist ein Reinigungssieb eingelassen. Von der 
Pumpe zweigt ein 5 m langer karbolineumbeständiger Panzerschlauch ab, 
der an seinem Ende einen Abstellhahn mit entsprechend langem Spritzrohr 
aus Messing oder Bambus mit eingezogenem Messingrohr trägt. 

Wir verwenden die Maschine zum Tünchen von Kellern, Betriebs¬ 
gebäuden und dem Stall seit 
etwa 2 Jahren und sind 
mit ihren Leistungen ausser¬ 
ordentlich zufrieden. Un- 
Gang ist leicht, die Inbetrieb¬ 
setzung erfordert sehr viel 
weniger Kraft als die der 
StepB an sehen Maschinen, die 
Verstaubung ist dauernd gut. 

Verstopfungen des Verstäu- 
bers kommen kaum vor. Der 
Druck der Pumpe hält gut 
an und ist sehr gleichmässig 
und die Bauart des Ganzen 
ist äusserst solid, was bei 
einer Tünchmaschine ent¬ 
sprechend dem Gebrauch 
auf Gerüsten besonders zu 
schätzen ist. 

Wir können die „Freya“ der Praxis bestens empfehlen und ziehen sie 
allen anderen ähnlichen Fabrikaten aus den oben angegebenen Gründen vor. 
Je nach Grösse schwankt der Preis zwischen 128 und 189 Mark. 

Wir wollen noch bemerken, dass sich die Spritze auch zur Schäd¬ 
lingsbekämpfung besonders an hohen Bäumen verwenden lässt. 

4. Verschlussstopfen für Steinzeug-Gärkruken, System Dr. Vehrigs, 
hergestellt von „Thüringische Braunkohlen-, Ton- und Steinzeug- 
Werk“, Mertendorf, Bezirk Halle. 

Die einüefernde Fabiik stellt unter andeiem Kruken aus glasiertem 
Steinzeug her, für welche der patentierte Verschlussstopfen, zu dessen 
Fabrikation dieselbe Masse benutzt wird, als Verschluss dient. Der Ver¬ 
schlussstopfen ist von kegelförmiger Gestalt. Sein oberer Randteil tritt 
seitlich etwas hervor. In der inneren Höhlung befindet sich ein bügel- 

Geisenheimer Jahresbericht 1912. 3 



Abb. 6. 


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n. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


förmiges Rohr, dessen eines Ende sich an der Bodenfläche öffnet, während 
das andere in geringem Abstand darüber endet. In die mittlere Höhlung 
wird Wasser gefüllt, das den hermetischen Abschluss wie bei den gewöhn¬ 
lichen tönernen Gärtrichtern herstellen soll. 

Wir haben die Kruke mit dem Verschlussstopfen zur Vergärung von 
zuckerhaltigen Flüssigkeiten verschiedentlich verwandt und feststellen 
können, dass die Wirkung des Verschlussstopfens jener der gewöhnlichen 
tönernen Gärspunden vollständig gleich kommt. Je nach der Grösse des In¬ 
haltes der Kruken wird auch der Verschlussstopfen mit verschiedenen Mafsen 
hergestellt. Das ist sehr notwendig und richtig, weil sonst die Ausfluss¬ 
gelegenheit für reichliche Mengen von Kohlensäure sehr gering wäre. Der 
Stopfen passt infolge seiner kegelförmigen Gestalt genau in den Kruken- 
hals. Trotzdem erscheint es nach unseren Feststellungen notwendig, ihn 
noch mit Wachs, Siegellack oder einem ähnlichen Material abzudichten. 

G. Sonstige Tätigkeit. 

Als Praktikanten waren im Berichtsjahr in der Weinbauabteilung tätig: 

Bender, Ludwig, Saargemünd, Tarschimanjanz, Artasches, Matrasa 

Ehrlenholtz, Oskar, Leer, (Russland), 

Hoehl, Carl, Geisenheim, Vohrer, Walter, Helenendorf (Russland), 

Kaiser, Karl, Mainz, Votteler, Robert, Helenendorf (Russland), 

Regitz, Wilhelm, Scheidt, Widmer, William, Naples (Amerika), 

Schmitz, Lothar, Godesberg, Woronine, Victor, Jalta (Russland). 

Am Obstverwertungskursus für Männer hatte der Berichterstatter 11, am Obst¬ 
verwertungskursus für Frauen 3 Vorträge übernommen. 

Vorträge hielt der Berichterstatter: 

Am 12. Mai in Rüdesheim über: „Neueste Ansichten über die Bekämpfung der 
Blattfallkrankheit.“ 

Am 15. September bei der Generalversammlung des „Verbandes preussischer 
Weinbaugebiete“ über: „Drahtanlagen und Heftvorrichtungen in Weinbergen.“ 

Am 15. Januar in Winkel über dasselbe Thema. 

Am 14. März in Worms über: „Wie gestaltet der Winzer den Weinbau heute 
intensiv und dabei möglichst billig?“ 

Als Sachverständiger wirkte er bei Abschätzung des Vogelschadens in den Wein¬ 
bergen der Königl. Domäne Assmannshausen. 

Als Geschäftsführer des „Verbandes preussischer Weinbaugebiete“ nahm er an 
den Vorstands- und Ausschusssitzungen sowie an der Hauptversammlung in Kreuznach 
teil. Er redigierte die Zeitschrift „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft“ 
(Der Winzer) Geisenheim. 

Der Berichterstatter leitete folgende fachwissenschaftliche Exkursionen der 
Wein- und Obstinteressenten der Anstalt. 

Am 9. Mai Teilnahme an Naheweinversteigerungen in Kreuznach und Besichti¬ 
gung der Domäne Niederhausen. 

Am 27. Juli Besichtigung der Maschinenfabrik Theo und Geo Seitz, Kreuznach. 

Am 10. August Besuch in der Schaumweinkellerei Geiling, Bacharach und der 
Stillweinhandlung Jakob Hütwohl, Steeg. 

Vom 21.—28. September fand die alljährlich abgehaltene grosse Exkursion unter 
Leitung des Berichterstatters nach der Schweiz und dem Eisass nach folgender Zeit¬ 
einteilung statt: 

1. Tag: Fahrt nach Biel (Schweiz). 

2. Tag: Fahrt nach Twann; Besichtigung der Weinberge und Rebschulen der 

dortigen Rebgesellschaft und der Weinberge bei Neuenstadt; Fahrt nach 


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Bericht über die Tätigkeit im Weinbau und in der Kellerwirtschaft. 


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Auvernier; Besichtigung der Weinbaustation und der Versuchsweinberge; 
Bahnfahrt nach Bern. 

3. Tag: Besichtigung der Stadt Bern; Fahrt über Interlaken, Luzern (Besichtigung 

der Stadt und des Gletschergartens) nach Zürich. 

4. Tag: Besichtigung der Stadt Zürich und der Weinberge bei Erlenbach, Herrliberg 

und Meilen, der Schweizer Versuchsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau 
sowie der Genossenschaft für Obstwein in Wädenswil. 

5. Tag: Fahrt nach Landquart; Gang durch die Weinberge von Maienfeld, Jenins 

und Malans; Fahrt durch das St. Galler Rheintal (mit Weinbau) und das 
Thurtal nach Frauenfeld. 

6. Tag: Besichtigung des Gutes Karthaus-Ittingen (Besitzer Oberst Fehr) und Gang 

durch die Weinberge von Nussbaumen und Stammheim; Fahrt nach Schaff¬ 
hausen; Besichtigung der Stadt und des Rheinfalles. 

7. Tag: Fahrt nach Gebweiler; dort Besichtigung der Weingüter der Herren 

v. Schlumberger und des Herrn Dr. Räder. 

8. Tag: Wanderung durch die Bergholzzeller und Orschweierer Rebberge zum 

Weingut des Kommerzienrates Hartmann auf dem Bollenberg; Besichtigung 
des Gutes; Ausflug nach den „Drei Ähren“ und Fahrt nach Strassburg. 

9. Tag: Heimreise über Strassburg. 

Am 17. Oktober Besichtigung der Maschinenfabrik Philipp Mayfarth & Cie., 
des Obstmarktes und der Dampfapfelweinkelterei Adam Rackles, Frankfurt a. M. 

Am 18. Januar Besichtigung der Weinberge und der Kellerei des Schlosses 
Johannisberg und der Weinhandlung Johann Klein in Johannisberg. 

Allen denen, die zum Gelingen der Studienreisen beigetragen haben, sagen wir 
auch an dieser Stelle unsern verbindlichsten Dank. 

D. Veröffentlichungen. 

Heftvorrichtungen in den „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft“ 
(Der Winzer) Geisenheim. 

Zur Bekämpfung der Blattfallkrankheit in den „Mitteilungen über Weinbau und 
Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim. 

Was kann jetzt noch zur Milderung des Frostschadens geschehen? in den „Mit¬ 
teilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim. 

Winzer - und Bauernhilfe in den „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft“ 
(Der Winzer) Geisenheim. 

Ein sehr gutes kaltflüssiges Flaschenwachs in den „Mitteilungen über Weinbau 
und Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim. 

Über Drahtanlagen und Heftvorrichtungen in Weinbergen in den „Mitteilungen 
über Weinbau und Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim. 

Zur Veränderung der Zusammensetzung teilweise erfrorener Trauben bei 
weiterem Verbleiben am Rebstock nach der Frosteinwirkung in den „Mitteilungen 
über Weinbau und Kellerwirtschaft“ (Der Winzer) Geisenheim. 

Vom Verjüngungszapfen in den „Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirt¬ 
schaft“ (Der Winzer) Geisenheim. 

Das Weinjahr 1912 in Deutschland in „Die französische Rebe“ Paris. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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Bericht über die Tätigkeit im Obstbau, in der Station für Obst¬ 
und Gemüseverwertung und im Gemüsebau. 

Von dem Betriebsleiter Garteninspektor Junge. 

A. Obstbau. 

1. Allgemeine Jahresübersicht. 

Wenn das Jahr 1911 infolge der Dürre manche unangenehme Er¬ 
scheinung mit sich gebracht hatte, so traten doch die Vorteile der grossen 
Wärme und starken Belichtung nachträglich deutlich in die Erscheinung. Sämt¬ 
liche Obstarten zeigten im Frühjahr einen überaus reichen Blütenansatz, so 
dass die Aussichten auf die bevorstehende Obsternte die denkbar besten 
waren. Der verflossene Winter 1911/12 brachte sehr viele Niederschläge, 
so dass ein Mangel an Feuchtigkeit im Boden — als Nachwirkung des 
trockenen Vorjahres — nicht zu befurchten war. 

Leider entsprach der Ertrag bei den einzelnen Obstarten nicht dem 
Blütenansatze, denn Wilterungsverhältnisse und Schädlinge beeinflussten 
den Fruchtansatz in recht nachteiliger Weise. Die Aprikosenblüte setzte 
bereits am 21. März, die Pfirsichblüte am 26. März bei günstigem Wetter 
ein. Mit Beginn der Blüte von Kirschen, Zwetschen, Pflaumen und Birnen, 
die in die Zeit vom 3.-8. April fiel, schlug das Wetter jedoch um. 
Bereits am 4. April war eine Kälte von — 2 0 C. zu verzeichnen. Diese 
steigerte sich am 13. und 14. April auf — 3 0 C.; dazu herrschte scharfe 
Ostluft. Es war vorauszusehen, dass dieser Frost an den Blüten des 
Steinobstes und der Birnen Schaden hervorrufen würde. Auf der Ost¬ 
seite der Bäume hatten die Blüten infolge der zeitigen Einwirkung der 
Sonne am Morgen am meisten gelitten. Wenn auch hei den Birnen dem 
Anscheine nach nur die Blumenkronblätter durch den Frost vernichtet 
waren, der Griffel jedoch gesund geblieben war, so stellte es sich doch 
später heraus, dass der Befruchtungsvorgang durch den Frost gelitten 
haben musste, denn ein sehr grosser Teil der in Bildung begriffenen kleinen 
Früchte wurde von den Bäumen abgestossen. 

Den grössten Schaden hatten die Frostnächte vom 13. und 14. April 
an den Aprikosen angerichtet. Die Früchtchen hatten um diese Zeit 
bereits Erbsengrösse erreicht und traten über die schützende Hülle des 
Kelches hervor. Das junge, zarte und sehr wasserhaltige Gewebe hielt 
nicht stand und die Früchte gaben durch die schwärzliche Farbe zu er¬ 
kennen, dass der Frost sie vernichtet hatte. Bei Aprikosen hatten wir 
demzufolge eine Fehlernte zu verzeichnen. 

Auch ein grosser Teil der männlichen Blüten des Walnussbaumes 
war durch die Kälte zerstört. Immerhin genügte die Zahl der übrig¬ 
gebliebenen, um die weiblichen Blüten zur Befruchtung zu bringen. Die 
Walnussernte fiel recht befriedigend aus. 


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Original frum 

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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


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Nach Mitte April war die Witterung für den Blüteverlauf recht 
günstig, was den mittelfrüh- und späthlühenden Birnsorten sowie den 
Äpfeln zustatten kam. Leider musste bei Beginn der Erdbeerblüte, die 
mit dem 25. April einsetzte, festgestellt werden, dass auch hier der Frost 
vom 13. und 14. April Schaden angerichtet hatte; die Blüten waren in 
den Knospen zum grossen Teil vernichtet. Laxtons Noble scheint gegen 
Frost besonders empfindlich zu sein. 

Wenn heutzutage von verschiedenen Fachzeitschriften besonderer 
Wert darauf gelegt wird, über den Blüteverlauf sowie über etwaige Frost¬ 
schäden möglichst schnell unterrichtet zu werden, um das Resultat alsdann 
weiteren Kreisen bekannt zu geben, so dürfte doch hierbei ein wenig mehr 
Zurückhaltung am Platze sein, da der Schaden nicht in allen Fällen in 
kürzester Frist in vollem Umfange überblickt werden kann. Voreilige 
. Berichte liefern jedoch unklare Bilder über den jeweiligen Stand der vor¬ 
aussichtlichen Obsternte, was dem Obsthandel nicht zum Vorteil gereicht. 

Im August setzte kühles, regnerisches Wetter ein, das nicht nur dem 
Winzer die Hoffnung auf einen guten Herbst vernichtete, sondern auch die 
Ausbildung des Obstes nachteilig beeinflusste. Dies trat besonders bei 
den Himbeeren, Pfirsichen und manchen Birnsorten hervor, deren Aroma 
im Vergleich zu den Vorjahren zu wünschen übrig liess. 

Auffallend war die Frühreife des Obstes im allgemeinen. So konnte 
mit der Ernte der Kirschen bereits am 24. Mai begonnen werden; auch 
bei den übrigen Obstarten musste mit der nötigen Sorgfalt der richtige 
Zeitpunkt der Ernte abgepasst werden, um Verlusten durch vorzeitiges 
Abfallen bezw. Übergehen vorzubeugen. Hierbei wurde festgestellt, dass 
auch Verschiebungen im Eintritt der Baumreife bei den einzelnen Sorten 
zu verzeichnen sind, so dass manche spätreifende Sorte vor solchen, die 
unter normalen Verhältnissen früher reifen, geerntet werden musste. 
Somit lehrte das verflossene Jahr, dass den sogenannten ,,Pflücktabellen“ 
auch keine zu grosse Bedeutung beigemessen werden darf, da durch die 
jeweiligen Witterungsverhältnisse des Jahres stets Abweichungen hervor¬ 
gerufen werden. 

Im Herbst, am 5.—7. Oktober, wurden die Obstzüchter durch einen 
starken vorzeitigen Frost überrascht, der an vielen Kulturen empfind¬ 
lichen Schaden verursachte. Es wurden in diesen Nächten — 4° C. ver¬ 
zeichnet. Wenn auch ein Erfrieren der Früchte nicht wahrgenommen 
werden konnte, so reifte doch das nach diesen Frostnächten geerntete Obst 
auf dem Lager sehr rasch, so dass zur Weihnachtszeit die edlen Tafel- 
birnen, wie Winterdechantsbirne, Olivier de Serres und Edelcrassane, die 
sich sonst bis Ende Februar halten, bereits vorüber waren. Der Frost 
hat somit eine Beschleunigung der Reife zur Folge gehabt. Die Spalier¬ 
reben verloren durch den Frost vorzeitig die Blätter, so dass die Trauben 
nicht ausreifen konnten und für den Rohgenuss unbrauchbar waren. 

Das Gesamtergebnis der Ernte war folgendes: 


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38 


EL Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Äpfel: gut. 

Birnen: sehr gut. 
Süsskirschen: gering. 
Sauerkirschen: gut. 
Zwetschen: sehr gut. 
Reineclauden: genügend. 
Mirabellen: ziemlich gut. 
Aprikosen: fehlend. 


Pfirsiche: gering. 
Erdbeeren: befriedigend. 
Stachelbeeren: gut. 
Johannisbeeren: gut. 
Himbeeren: ziemlich gut. 
Brombeeren: ziemlich gut. 
Weintrauben: gering. 
Walnüsse: gut. 


2. Praktische Massnahmen für die Bekämpfnng tierischer 
und pflanzlicher Schädlinge. 

Die Blutlaus trat im verflossenen Jahre nur im Vorsommer etwas 
stärker auf, während sie mit Beginn der kühlen, regnerischen Witterung 
zurückging. Die Bekämpfung, die während des Sommers mit Jnsekten- # 
harzölseife vorgenommen wurde, verursachte deshalb auch nur verhältnis¬ 
mässig wenig Unkosten. 

Auch die Blattläuse zeigten sich nur in den Monaten Mai und Juni 
stärker, so dass das Wachstum der Bäume durch diesen Schädling nicht 
viel behindert wurde. Zur Bekämpfung wurde Quassia-Schmierseifenbrühe 
benutzt, die immer noch als das beste und billigste Mittel bezeichnet 
werden kann. 

Mehr Arbeit verursachte die Vernichtung der Schildläuse, zumal der 
Diaspis fallax an den Birnbäumen, die der gefährlichste Feind in den 
hiesigen Anlagen ist. Da die Schwefelkalkbrühe als Bekämpfungsmittel 
hier vollkommen versagt hat, wurde wieder Carbolineum verwendet. Wird 
zur Winterzeit der Anstrich der befallenen Baumteile ausgeführt, so ist 
eine 40%ige Lösung zu verwenden; schwächere Lösungen töten bei 
stärkerem Befalle die Läuse nicht sämtlich ab. Nach unseren Erfahrungen 
ist es jedoch ratsam, mit dem Anstrich möglichst bis Anfang März zu 
warten, da alsdann die Schilder der Läuse locker sitzen, so dass das 
Carbolineum besser wirkt. Zu dieser Zeit genügt die Verwendung einer 
30°/ o igen Lösung. 

Wenn heutigentages das Carbolineum von verschiedenen Seiten als 
Geheimmittel angesehen und von dessen Verwendung abgeraten wird, so 
können wir dieser Ansicht durchaus nicht zustimmen. In dem Carbolineum 
besitzen wir nach unseren Erfahrungen das zurzeit beste Mittel bei der 
Bekämpfung der Schildläuse, zumal der Diaspis fallax, während alle anderen 
Anstrichmittel bisher versagten. Es ist nur nötig, sich von den Fabriken 
Garantie für einen gewissen Gehalt an wirksamen Bestandteilen durch Be¬ 
kanntgabe des Wassergehaltes geben zu lassen. Reelle Fabrikanten ent¬ 
sprechen nach unseren Erfahrungen diesen Forderungen gerne. 

Mit einer 10°/ o igen Carbolineumlösung werden in den hiesigen An¬ 
lagen sämtliche Bäume vor dem Austreiben bespritzt. Wir glauben, das 
Zurückgehen vieler Schädlinge auf diese Massnahme zurückführen zu müssen. 
Da, wo Unterkulturen unter den Bäumen sich vorfinden, darf das Bespritzen 


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39 


nicht ausgetührt werden, da alle weichen Pflanzenteile leiden. So konnten 
wir grösseren Schaden an überwintertem Salat feststellen, was zu grösster 
Vorsicht auch bei anderen im Freien überwinterten Pflanzen, wie bei 
Spinat, Feldsalat, Winterkohl und Rosenkohl, mahnt. Selbst bei Graswuchs 
scheint deshalb diese Winterbehandlung der Bäume mit Carbolineum nicht 
unbedenklich zu sein. 

Sehr stark trat im verflossenen Jahre die Obstmade auf, die einen 
grossen Teil der Äpfel und Birnen vorzeitig zum Abfallen brachte. Es 
war freilich nur das Auftreten einer Generation festzustellen, was auf die 
kühle Witterung des Sommers zurückzuführen sein dürfte. Da das An¬ 
legen der Madenfallen regelmässig in den hiesigen Anlagen ausgefuhrt 
wird, dieselben rechtzeitig nachgesehen und abgenommen werden, auch 
sonst alle übrigen Massnahmen für die Vernichtung dieses Schädlinges 
nicht ausser acht bleiben, so ergibt sich hieraus, dass sämtliche Be¬ 
kämpfungsmittel keinen durchschlagenden Erfolg sichern. Arsenhaltige 
Brühen wurden bisher nicht angewendet, da uns dieses Verfahren wegen 
der grossen Giftigkeit nicht ungefährlich erscheint. Nach Lage der Dinge 
werden wir aber in Zukunft auch dieser Massnahme, zunächst versuchs¬ 
weise, näher treten müssen. 

Frostspanner wurden in grosser Zahl gefangen; ein Beweis für die 
Notwendigkeit des regelmässigen Anlegens der Leimringe. Es wurde die 
Wahrnehmung gemacht, dass viele Weibchen ihre Eier schon unterhalb 
des Ringes direkt auf den Stamm ablegten, so dass nach dem Abnehmen 
der Ringe ein Vernichten der Eihäufchen, die an der grünlichen Farbe zu 
erkennen sind, nötig wird. Man verwendet hierzu am besten eine 40°/ o ige 
Carbolineumlösung. Bäume, welche im verflossenen Jahre mit Ringen ver¬ 
sehen waren, auf denen der Leim wohl klebrig, aber nicht fängisch war, 
hatten unter dem Frasse der Frostnachtspannerraupen sehr stark zu leiden. 
Es ist deshalb beim Bezug des Raupenleimes besonders darauf zu achten, 
dass derselbe längere Zeit seine Klebrigkeit beibehält. Es ist auch 
ratsam, die Raupenleimringe des öfteren, zumal beim Auftreten der ersten 
Schmetterlinge, auf ihre Wirkung zu prüfen. Sollte der Leim auf der 
Sonnenseite eingetrocknet sein, und dieses ist oft der Fall, so ist ein 
Nachstreichen nötig. Den Leim recht dünn aufzutragen, ist verkehrte 
Sparsamkeit, da alsdann die Fangfähigkeit nur kurze Zeit anhält und ein 
Nachstreichen rings um den Gürtel herum nötig wird. Es sollte auch 
stets bestes imprägniertes Papier als Unterlage benutzt werden, damit der 
Leim nicht zuviel von seiner Klebrigkeit einbüsst. 

Die rote Spinne zeigte sich im verflossenen Jahre besonders stark 
an den Steinobstbäumen, zumal an den Mirabellen. Bespritzungen mit 
2%iger Quassiabrühe, sowie mit der Schwefelkalkbrühe im Verhältnis 
1:35 hatten keinen Erfolg, riefen sogar Verbrennungserscheinungen an 
den Blättern hervor. Ein sicher wirkendes und gleichzeitig billiges Mittel 
fehlt zurzeit noch immer. 

Mit der Schwefelkalkbrühe (Californische Brühe) sind in den hiesigen 
Anlagen weitere Versuche bei der Bekämpfung des Mehltaues an Apfel- 


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40 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


bäumen eingeleitet, die erst in diesem Jahre zum Abschluss gebracht 
werden. Gänzlich versagt hat die Califomische Brühe bei der Bekämpfung 
der Diaspis fallax. Die Bäume weisen trotz Verwendung einer 50%igen 
Lösung einen derartigen starken Befall auf, dass in diesem Jahre der 
Anstrich mit 40°/ 0 igem Carbolineum vorgenommen werden musste, um die 
jungen Bäume, die bereits merklich im Wachstum nachgelassen hatten, zu 
retten. Auch die Bekämpfung des Fusicladiums mit der Califomischen 
Brühe zeitigte keine Erfolge. 

Auch das Beerenobst ist im verflossenen Jahre von dem Befalle durch 
tierische und pflanzliche Schädlinge nicht verschont geblieben. Die 
Stachelbeerblattivespe, die im Vorjahre durch ihr 3 maliges Auftreten so 
grossen Schaden hervorgerufen hatte, zeigte sich weniger. Es ist eine 
bekannte Erscheinung, dass dieser Schädling nur alle 2 Jahre in stärkerem 
Mafse auftritt, ebenso wie die gefürchtete Schmierlaus alle 3 Jahre. Das 
Bestäuben der Stachelbeersträucher mit Kalk, dass von verschiedenen 
Seiten empfohlen wird, zeitigte hierselbst keine guten Resultate. Selbst 
nach vorhergehendem Anfeuchten der Sträucher, um den Kalk besser zum 
Haften zu bringen, frassen die Afterraupen, wenn auch mit etwas ver¬ 
minderter Begier, weiter und sind nicht eingegangen. 

Grossen Schaden richtete an den Erdbeeren der bekannte Erdbeer¬ 
decher an. Wenn dieser Schädling es bisher auf die Blütenstiele ab¬ 
gesehen hatte, so ging er in diesem Jahre bei dem massenhaften Auftreten 
auch auf die Blätter über und brachte diese durch das Anstechen bei 
seiner Eiablage zum Absterben. Da Mittel für das Zurückhalten des 
Erdbeerstechers nicht zur Verfügung stehen, so wurden die befallenen 
Blütenstiele und Blätter gesammelt und verbrannt. Auf den mehr frei 
gelegenen Flächen war der Schaden grösser als da, wo die Erdbeeren 
etwas Schatten hatten. Bei einzelnen Sorten, wie bei Laxtons Noble, 
wurde die Ernte durch den Erdbeerstecher fast gänzlich vernichtet. Auch 
der Zweigabstecher war im verflossenen Jahre in grossen Mengen auf den 
Erdbeeren anzutreffen. 

Trotz aller Vorbeugungsmassregeln ist es nicht ausgeblieben, dass 
der amerikanische Stachelbeermehltau in den hiesigen Anlagen Eingang ge¬ 
funden hat. In den letzten vier Jahren wurden von ausserhalb keine 
Stachelbeersträucher bezogen, um auf diese Weise der Einschleppung ent¬ 
gegen zu wirken, auch wurden die Stachelbeerpflanzungen in jedem Jahre 
auf das Vorhandensein dieses gefährlichen Schädlings untersucht, wobei 
sich sämtliche Pflanzen bis zum Frühjahre 1912 als nicht befallen erwiesen. 
Im Juli des verflossenen Jahres zeigte sich der Pilz zum ersten Male ganz 
plötzlich auf 2 Sträuchern der „Mertens Gebirgsstachelbeere“, wobei sowohl 
einige junge Triebe als auch mehrere Beeren befallen waren. Durch sofortiges 
Verbrennen der befallenen Teile glaubten wir der Ausbreitung der Krankheit 
Vorbeugen zu können, doch zeigten in wenigen Tagen die meisten Sträucher 
auf den verschiedenen Quartieren der Anlage einen mehr oder weniger 
starken Befall. Eine Vernichtung der befallenen Sträucher war nach Lage 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


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der Dinge ausgeschlossen, denn es wäre gleichbedeutend gewesen mit einem 
Aufgeben der Stachelbeerkultur. Dieses plötzliche Auftreten des Pilzes 
und die überraschend schnelle Verbreitung über die ganze Anlage lässt 
erkennen, dass eine Infektion in grossem Umfange von ausserhalb her 
stattgefunden haben muss. Der nächstgelegene grössere Herd befindet 
sich, soweit dies zu unserer Kenntnis gelangte, in den bekannten Kirschen¬ 
orten Kestert und Camp a. Rh. Ob der Pilz sich von hier aus weiter 
in das obere Rheintal verbreitet hat und so auch in die hiesigen Anlagen 
gelangt ist, entzieht sich unserer Kenntnis. Da der amerikanische Stachel¬ 
beermehltau auch in anderen Obstanlagen der Geisenheimer Gemarkungen 
gefunden wurde, liegt die Möglichkeit vor, dass der Pilz durch den Bezug 
von Pflanzen von ausserhalb eingeschleppt worden ist. 

Es gilt jetzt gegen diesen neuen Feind die geeigneten Bekämpfungs- 
massregeln zu ergreifen bezw. die bisher empfohlenen auf ihre Brauchbar¬ 
keit zu prüfen. In den Anlagen der Lehranstalt wurden zunächst während 
des Winters von sämtlichen Sträuchern die befallenen Triebe beseitigt 
und verbrannt. Im Frühjahre sind die Sträucher mit einer 0,5°/ o igen 
Schwefelkaliumbrühe bespritzt. Die Bespritzungen sollen weiter fortgesetzt 
werden. Über das Ergebnis wird im nächsten Jahre berichtet werden. 


Wenn von verschiedenen Fabriken immer wieder neue Mittel an- 
geboten werden, die, den Anpreisungen nach zu urteilen, besser sein 
sollen als die bisherigen, so können wir auf Grund der an der hiesigen 
Anstalt gesammelten praktischen Erfahrungen allen Obstzüchtern nur 
dringend dazu raten, vorderhand an den bisherigen bewährten Mitteln 
festzuhalten, denn etwas wirklich Wertvolles und somit Empfehlenswertes 
haben wir bis heute unter diesen „Neuheiten“ noch nicht herausge¬ 
funden. In den hiesigen Anlagen kommen als besondere Bekämpfungs¬ 
mittel zurzeit zur Anwendung: 

1. Die Kupferkalkbrühe zur Bekämpfung von Fusicladium, Sphaerella 
und mehreren anderen Pilzen. 

2. Der Schwefel zur Bekämpfung des Oidiums auf Reben. 

3. Die Quassiaschmierseifenbrühe zur Bekämpfung der Blattläuse, Schmier- 
läuse, des Stachelbeerspanners, der Kirschenblattwespe u. a. m. 

4. Die Insektenharzölseife zur Bekämpfung der Blutlaus im Sommer. 

5. Das Carbolineum zur Bekämpfung der Blutlaus und Schildlaus (im 
Winter 40 %, kurz vor dem Austreiben 30°/ o ) sowie Spritzen der 
Bäume mit einer I0°/ O igen Lösung dicht vor dem Austrieb gegen 
verschiedene tierische Schädlinge, die sich auf den Bäumen vorfinden. 

6. Die Schwefelkaliumbrühe zur Bekämpfung des amerikanischen Stachel¬ 
beermehltaues. 

7. Das Anlegen der Oürtel im Sommer zum Fang der Obstmade und 
verschiedener Rüsselkäfer. 

8. Das Anlegen der Raupenleimringe zum Fange der Frostspanner. Da, 
wo die Fanggürtel vom Sommer her an den Stämmen sich vorfinden, 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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werden diese gleichzeitig im Herbst zum Aufstreichen des Raupen¬ 
leime s benutzt. 

Die Versuche mit der Californischen Brühe sind noch nicht ab¬ 
geschlossen, so dass ein endgültiges Urteil über ihren Wert zurzeit nicht 
gefällt werden kann. 


8. Stand der alten Anlagen. 


Die grossen Vorteile einer rationellen Düngung, einer gründlichen 
Bewässerung sowie sorgfältigen Bodenbearbeitung treten auf den alten 
Quartieren immer mehr in die Erscheinung. Jeder Besucher der Anlagen, 
der diese von früheren Jahren her kennt, ist von der guten Entwicklung 
der alten Bestände, zumal der Birnhochstämme, überrascht. Mag mancher 
ältere Baum auch den verwöhnten Ansprüchen eines nach tadellosen Formen 
suchenden Beschauers nicht mehr genügen, so lehren doch die ständig 
steigenden Erträge, dass diese, und nicht die Form, für die Beibehaltung 
solcher älteren Bestände bestimmend sein müssen. 


Folgende Zahlen, welche eine Übersicht über die in den Jahren 1896 
bis 1911 erzielten Einnahmen aus Obst geben, mögen dieses beweisen: 

Jahr: 1896 1897 1898 1899 1900 1901 1902 1903 

Obstverkauf in M.: 3740 4165 2639 4138 3701 1707 6365 2933 


Jahr 

Obstverkauf in M. 


1904 1905 1906 1907 1908 1909 1910 1911 

6740 5994 6329 5978 8564 9803 11462 11579 


Aus diesen Zahlen dürfen freilich keine Schlüsse über die Ein¬ 
träglichkeit der Obstkulturen im allgemeinen gezogen werden, da in den 
hiesigen Anlagen mit besonderen Umständen gerechnet werden muss, auf 
die kurz hingewiesen werden soll. 

Zunächst ist zu berücksichtigen, dass in den letzten 4 Jahren einzelne 
Quartiere der alten Anlagen, die abgängig waren, geräumt wurden, um 
Nachpflanzungen Platz zu machen, die zurzeit noch keine Erträge liefern. 
Auch mussten für die ausgeführten Neubauten eine grössere Anzahl von 
zum Teil recht ertragreichen Bäumen entfernt werden. Während im Jahre 
1905 die durch tragfähige Obstbäume in Anspruch genommene Fläche rund 
20 Morgen betrug, ist dieselbe in den alten Anlagen durch obige Umstände 
vom Jahre 1909 ab auf ca. 17 Morgen zurückgegangen. 

Für die Ertragsberechnungen verdient noch besonders hervorgehoben 
zu werden, dass die Zahl der Sorten, den Aufgaben einer Lehranstalt 
entsprechend, eine sehr grosse ist. Wir zählen zurzeit in den alten An¬ 
lagen rund 185 Apfelsorten, 160 Birnensorten und 120 Steinobstsorten. 
Viele dieser Sorten besitzen nur pomologischen Wert, liefern unbedeutende 
Ernten und haben geringen Handelswert. Für Unterrichtszwecke müssen 
diese Sorten jedoch beibehalten bleiben. Trotz dieser Verhältnisse können 
die bisherigen Ertragsergebnisse als recht günstige bezeichnet werden, hat 
doch die Fläche, auf 1 Morgen Grösse (2500 qm) berechnet, im Durchschnitt 
der letzten 4 Jahre rund 600,00 M. Rohertrag geliefert, wobei die Unter¬ 
kulturen von Gemüse, die ansehnliche Einnahmen bringen, noch keine Be¬ 
rücksichtigung gefunden haben. 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


43 


Mit welchen Erträgen bei einzelnen Bäumen in den alten Anlagen 
gerechnet werden kann, mögen folgende Aufzeichnungen des verflossenen 


Jahres 

Ein 

zu erkennen geben: 
40jähriger Hochstamm von 

Sparbirne. 

5 Ztr. 

11 

40 

11 

11 11 

Amanlis Butterbirne . . 

6 

11 

11 

40 

11 

11 11 

Sommer Eierbirne. . . 

7 

11 

11 

40 

11 

11 11 

Grumbkower Butterbirne 

7 

>i 

11 

40 

11 

11 11 

Gellerts Butterbirne . . 

7,5 

11 

11 

40 

11 

11 11 

Hochfeine Butterbirne . 

5 

11 

11 

30 

11 

11 11 

Diels Butterbirne . . . 

7 

V 

n 

40 

11 

11 11 

Olivier de Serres . . . . 

9 

11 


Es steht zu erwarten, dass die Erträge der alten Anlagen im Laufe 
der folgenden Jahre noch weiter zunehmen werden. 

4. Stand der neuen Anlagen. 

Auf sämtlichen Quartieren weisen die Bäume eine recht gesunde 
Entwicklung auf. Leider vernichtete der Frost auch hier einen grossen 
Teil der Blüten an den Pfirsichen, Kirschen, Birnen und Erdbeeren. Trotz¬ 
dem konnten wir aus dieser 6jährigen Anlage auf rund 10 Morgen für 
etwa 3000 M. Obst ernten. Dazu wird Gemüsebau als Unterkultur in 
intensiver Weise betrieben. 

Sehr gut trugen bereits die Birnen, so u. a. die Sorten Präsident 
Drouard, Diels B.-B., Gute Louise von Avranches, Williams Christbirne, 
Geheimrat Dr. Thiel und Birne von Tongre. Auch die Äpfel brachten 
zum Teil gute Erträge, was besonders für die Geisenheimer Züchtung 
„Minister von Hammerstein“ zutrifft. Eine andere Apfelsorte, die besser 
trägt wie diese, gibt es zurzeit in den hiesigen Anlagen nicht. Vielleicht, 
dass die Neuzüchtung „Geheimrat Dr. Oldenburg“ dem Minister von Hammer¬ 
stein in der Tragbarkeit gleich kommen wird. Ausserdem zeigten guten 
Fruchtansatz die neueren Apfelsorten „Ernst Bosch“ und „Goldrenette 
Freiherr von Berlepsch“. 

Das Steinobst, mit Ausnahme der oben genannten Arten, brachte eben¬ 
falls schon gute Erträge, so „Zimmers Frühzwetsche“, „Italienische 
Zwetsche“, „Bühler Frühzwetsche“, „Grosse grüne Reineclaude“, „Mirabelle 
von Nancy“ und „Doppelte Herrenhäuser Mirabelle“. Die „italienische 
Zwetsche“, über deren schlechte Tragbarkeit vielfach geklagt wird, zählt 
hier zu den einträglichsten Sorten. Von den Sauerkirschensorten befriedigten 
bisher am besten „Bettenburger Glaskirsche“, „Schattenmorelle“ und 
„Schöne von Chatenay“; von den Süsskirschen verdient besonders die 
„Beste Werdersche“ hervorgehoben zu werden. Diese Sorte reift in der 
2. Kirschenwoche, trägt sehr reich und bringt grosse, plattrunde, dunkel¬ 
braune Früchte von ausgezeichnetem Geschmack. 

Vom Beerenobst brachten besonders die Himbeeren reiche Erträge. 
Die Sorten Superlativ und Hörnet sind für hiesige Verhältnisse am besten; 
Fastolf hat sich hier garnicht bewährt. Die Erdbeeren, die schon durch 


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44 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 

den Prost gelitten hatten, wurden noch vom Erdbeer- und Zweigabstecher 
befallen, der einen grossen Teil der Blütenstiele und Blätter abstach. Der 
Ertrag aus den Erdbeeren fiel deshalb nur gering aus. 

In dem Birnenhalbstammquartier, das eine Zwischenpflanzung von 
Äpfelbuschbäumen aufweist, musste leider festgestellt werden, dass ver¬ 
schiedene Buschbäume, die auf Paradies veredelt sein sollten, auf Doucin- 
unterlage stehen. Infolgedessen wachsen die Bäume sehr stark und stehen, 
da sie auf 2,75 m gepflanzt sind, zu eng. Die Bäume wurden von ersten 
Baumschulfirmen geliefert. Mögen die Baumschulbesitzer doch stets be¬ 
denken, dass durch Lieferung von Bäumen auf falscher Unterlage die Ren¬ 
tabilität einer ganzen Anlage in Frage gestellt wird. Der Obstzüchter 
muss aber verlangen, dass die Angaben über die Unterlage auch den Tat¬ 
sachen entsprechen. 

5. Düngungsversuche im Obstbau. 

Im Jahre 1897 wurde an der hiesigen Anstalt unter Mitwirkung der 
Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft ein besonderes Obstbaumdüngungs- 
Versuchsfeld eingerichtet, das unter der Leitung des Vorstandes der öno- 
chemischen Versuchsstation stand. Diese Versuche wurden im Jahre 1911 
eingestellt. Ein positives Ergebnis, aus welchem irgend welche Schlüsse 
lür die Praxis hätten gezogen werden können, hat sich bei diesen Ver¬ 
suchen nicht ergeben. 

Auch in dem Obstbaubetriebe der Anstalt wurde der Frage der Obst¬ 
baumdüngung bisher die nötige Aufmerksamkeit geschenkt. Wohl wird 
seitens der Praxis immer wieder der Wunsch ausgesprochen, dass an den 
Lehranstalten Düngungsversuche ausgeführt würden, die zur Klärung dieser 
noch viel umstrittenen Frage beitragen könnten. So nützlich und not¬ 
wendig es auch auf der einen Seite erscheinen mag, dass solche Versuche 
angestellt werden, so darf ihre Bedeutung für die obstbauliche Praxis 
auch nicht überschätzt werden, da die Nutzanwendung aus den Ergebnissen 
mehr oder weniger nur für die Verhältnisse am Ort selbst Gültigkeit hat. 

Wenn man die Resultate der bisher an anderen Orten angestellten 
Düngungsversuche miteinander vergleicht, so ergeben sich hierbei grosse 
Unterschiede, die das Gegenteil von einer Klärung der Düngungsfrage sind. 
Die Ursache dieser Erscheinung wird in erster Linie in den wechselnden 
Bodenverhältnissen zu suchen sein, die für das jeweilige Wachstum der 
Bäume sowie deren Ertrag bestimmend sind. Je nach der chemischen 
Zusammensetzung des Erdreiches (seinem natürlichen Nährstoffgehalt) sowie 
dessen physikalischen Eigenschaften (Bindigkeit, Tiefgründigkeit, Wasser¬ 
gehalt) wird die Wirkung einer Düngung im allgemeinen, sowie der Zufuhr 
bestimmter Düngerarten und -mengen im besonderen verschieden ausfallen. 
Es ist deshalb auch nicht richtig, aus den Ergebnissen von Düngungs¬ 
versuchen, die unter bestimmten Verhältnissen zur Ausführung kommen, 
ohne weiteres Schlussfolgerungen für die Obstbaumdüngung im allgemeinen 
zu ziehen. 


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Original fro-m 

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Bericht über Obstbau, Gemüsebau asw. 


45 


Dahin muss gewirkt werden, dass jeder Obstzüchter mit dem nötigen 
Verständnis die Düngung seiner Kulturen derart durchzuführen versteht, 
dass ohne unnötige Geldausgaben das Wachstum der Bäume gefördert und 
ihre Erträge gesteigert werden. Eis kommt deshalb auch darauf an, dass 
man die Düngung den gegebenen Verhältnissen anzupassen versteht und 
dass man mit dem nötigen offenen Auge die Wirkung der Düngung zu 
beurteilen und hieraus die Schlussfolgerungen für die zukünftige Weiter¬ 
behandlung zu ziehen vermag. Obstzüchter, die sich von diesen Gesichts¬ 
punkten bei praktischen Düngungsversuchen leiten lassen, werden wirk¬ 
lichen Nutzen hieraus ziehen. 

Auch die Obstanlagen der hiesigen Anstalt boten für die Ausführung 
praktischer Düngungsversuche im grossen ein geeignetes Feld der Be¬ 
tätigung. Der Zustand der Bäume auf den alten Quartieren war vor 
10 Jahren ein derart schlechter, dass diesen das Todesurteil bereits ge¬ 
sprochen war. Das Heraushacken alter Bäume ist nun leichter geschehen, 
als die Heranzucht junger Bäume an derselben Stelle. Daher wurde von 
dem Berichterstatter der Wunsch ausgesprochen, zunächst noch einmal 
versuchen zu dürfen, durch geeignete Massnahmen den alten Beständen 
wieder aufzuhelfen. Demzufolge wurde der Plan der Räumung der alten 
Quartiere wieder aufgegeben, nicht zum Nachteil der Anlagen. 

Dem Boden waren früher einseitig zu viel künstliche Dünger zu¬ 
geführt, die Stallmistdüngung aber war vernachlässigt worden. Zudem 
fehlte es dem Boden an Bodenbearbeitung und vor allen Dingen an Wasser. 
Dies alles hatte das Zurückgehen der Baumbestände hervorgerufen. Dem¬ 
zufolge wurde zunächst die Zufuhr künstlicher Dünger gänzlich ein¬ 
gestellt und eine regelmässige Stallmistdüngung in der Weise eingeführt, 
dass jedes Quartier alle 2 Jahre pro Morgen im Durchschnitt 300 Ztr. 
besten Rindviehdünger erhielt. In dem Zwischenjahre wurde, soweit als 
angängig, noch mit Komposterde oder Jauche nachgeholfen. Um dem 
Wassermangel abzuhelfen, wurde das Rohrnetz erweitert, und an Stelle 
des bisherigen Göpelbetriebes mit Ochsengespann trat eine neue, leistungs¬ 
fähige Pumpe mit elektrischem Antrieb, die die Anlage täglich mit 45 cbm 
Wasser zu versehen vermag. Schliesslich wurde eine bessere Boden¬ 
bearbeitung im Herbste und im Sommer durch Vermehrung der Arbeits¬ 
kräfte, sowie die Einführung leistungsfähiger Bodenbearbeitungsgeräte für 
Pferdegespanne ermöglicht. 

Der Erfolg dieser Massnahmen ist nicht ausgeblieben. Schon nach 
wenigen Jahren stellte sich bei fast sämtlichen Bäumen neue Triebkraft 
ein und viele derselben haben in den letzten Jahren mehr an Kronen¬ 
umfang zugenommen, als in den vorhergehenden 20—30 Lebensjahren. So 
gibt Abb. 7 einen Baum wieder, der den Zuwachs in den letzten Jahren 
als Folge der besseren Bodenpflege deutlich erkennen lässt. 

Jeder -Massnahme im praktischen Erwerbsobstbau, die erhöhte Un¬ 
kosten erfordert, muss aber auch eine grössere Einnahme gegenüber stehen, 
sonst lohnt sich die Kultur nicht. Dass die vermehrte Zufuhr von Stall- 


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46 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


dünger, die Bewässerungsanlage sowie die erhöhten Unkosten für die 
häufigere Bodenlockeruug sich reichlich bezahlt machen werden, gehen 
jetzt schon die regelnlässigeren Ernten, die höheren Erträge sowie die 
vollkommenere Ausbildung der Früchte deutlich zu erkennen. Auch 
die Entwicklung der Gemüse als Unterkultur ist eine ganz andere, wie 
vor Jahren. Das Zahlenmaterial auf Seite 42 besagt, dass die jährlichen 
Einnahmen im Durchschnitt der Jahre von 1896—1907 4535 M. betrugen; 
diese Einnahmen sind in den letzten 4 Jahren auf durchschnittlich 

10 352 M. gestiegen. 

Diese Belebung der alten 
Anlagen ist nichts weiteres, 
als ein praktischer Düngungs¬ 
versuch im grossen, der die 
besten Erfolge zeitigte und 
der uns erkennen liess, was 
der Boden benötigt, um die 
Lebensdauer der Bäume zu 
erhöhen, die Erträge und 
somit die Einnahmen zu 
steigern und auch die Untei- 
kulturen in ihrer Ergiebig¬ 
keit und Güte günstig zu 
beeinflussen. 

Wenn im obigen hervor¬ 
gehoben wurde, dass in den 
letzten Jahren von der Zu¬ 
fuhr künstlicher Dünger ab¬ 
gesehen wurde, so erfolgte 
dies mit Rücksicht auf die 
früher zu reichliche und ein¬ 
seitige Verwendung dieser 
Stoffe, die, in grossen Mengen 
aufgespeichert, erst jetzt im 
Verein mit den reichlichen 
Gaben von Stalldünger zur 
Wirkung gelangen. Düngungsversuche, bei denen jahrelang nur die künst¬ 
lichen Dünger Verwendung finden, wobei aber die gleichzeitige Verbesserung 
des Bodens nach der physikalischen Seite ganz ausser acht gelassen wird, 
werden wohl selten zu günstigen Resultaten führen. 

Nachdem der Boden in den hiesigen Anlagen wieder in guten Kultur¬ 
zustand versetzt ist, und mit der Zufuhr von Stalldung die Bewässerung 
und Bodenlockeruug Hand in Hand gehen, finden jetzt auch die künstlichen 
Dünger als Beidünger wieder Verwendung. Für die Berechnung der zu 
verabreichenden Düngermenge werden die Zahlen der „Statik des Obst¬ 
baues“ von Prof. Steglich benutzt, da diese ohne Zweifel die zurzeit 



Abb. 7. Baum der Giffards B. B. 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


47 


brauchbarsten Anhaltspunkte für die Düngung von im Ertrage stehenden 
Obstpflanzungen bieten. Bei der Feststellung der Düngermenge muss 
gleichzeitig die Ausnutzung des Bodens durch Gemüsekulturen berück¬ 
sichtigt werden, die während eines Jahres die Flächen durch 2, selbst 
3 maligen Fruchtwechsel stark in Anspruch nehmen. Die Berechnung der 
für die Gemüse erforderlichen Düngermengen erfolgt nach den Angaben 
von Wagner, „Die Ernährung gärtnerischer Kulturpflanzen“. 

Die in Frage stehenden Quartiere sind mit Birnenhochstämmen im 
durchschnittlichen Lebensalter von 35 Jahren bepflanzt. Als Zwischenkultur 
finden Zwetschen- und Pflaumenhochstämme Verwendung, die zurzeit eben¬ 
falls im Durchschnitt 35 Jahre alt und zum grössten Teile bereits beseitigt 
sind. Als Unterkultur hat in den Baumreihen Beerenobst Verwendung 
gefunden, während die 5 m breiten Streifen zwischen den Baumreihen durch 
Gemüsekultur ausgenutzt werden. Die Zufuhr von Dünger erfolgt jetzt 
in nachstehender Weise: 

Alle 2 Jahre erhalten die Quartiere im Durchschnitt pro Morgen 
300 Ztr. Stalldung. In dem Zwischenjahre werden künstliche Dünger zu¬ 
geführt, deren Menge unter besonderer Berücksichtigung der anzubauenden 
Unterkulturpflanzen in jedem Jahre berechnet wird. Augenblicklich be¬ 
nötigt z. B. ein Quartier, auf dem als Unterfrucht Kohlgewächse gebaut 
werden, pro Morgen ausser 300 Ztr. Stalldünger noch 50 kg 18%iges 
Superphosphat, 75 kg 40°/ 0 iges Kalisalz und 100 kg schwefelsaures Ammo¬ 
niak (20°/ o ). Im folgenden Jahre werden der Fläche bei Verwendung von 
Wurzelgewächsen als Unterkultur und bei Ausschluss der Stallmistdüngung 
gegeben: 60 kg Superphosphat, 50 kg 40°/ o iges Kalisalz und 75 kg schwefel¬ 
saures Ammoniak. 

Diese Düngermengen dürften manchem Leser reichlich hoch er¬ 
scheinen; bei der Flachgründigkeit und dem geringen Nährstoffgehalte 
des Bodens sowie der intensiven Ausnutzung der Fläche unter gleich¬ 
zeitiger Berücksichtigung des Alters und der Leistungsfähigkeit der Bäume 
wird diese reichliche Nährstoffzufuhr aber zur Notwendigkeit. Zurzeit 
kann ein Urteil noch nicht abgegeben werden, ob wir mit obigen Dünger¬ 
mengen das Richtige getroffen haben; wir betrachten diesen Düngungs¬ 
versuch im grossen deshalb noch nicht als abgeschlossen. 

Wenn zunächst an dieser Stelle über die Erfolge der Obstbaum¬ 
düngung in den alten Anlagen berichtet wird, so hoffen wir, den Obst¬ 
züchtern hiermit eine Anregung zu geben, der Düngung in alten Anlagen 
in Zukunft erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Sicherlich liessen sich 
die Einnahmen aus vielen älteren Obstpflanzungen noch um ein bedeutendes 
steigern, wenn die Düngung unter genauester Anpassung an die vor¬ 
handenen Bodenverhältnisse und der Art der Ausnutzung der Flächen in 
Zukunft mit mehr Verständnis ausgeführt würde. Man bedenke hierbei, 
dass Obstbaumdüngung in erweitertem Sinne „Belebung der Wurzeltätig¬ 
keit“ bedeutet, und dass hierbei nicht nur der Gehalt des Bodens an 
Nährstoffen, sondern seine Verbesserung nach der physikalischen Seite 


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48 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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berücksichtigt werden muss. In allen Fällen muss mit der Zufuhr von 
Dünger die Regulierung der Wasserverhältnisse sowie eine sachgemässe 
Bodenbearbeitung Hand in Hand gehen. 

6. Düngungsversuche in den neuen Anlagen. 

Den berechtigten Wünschen der Praxis Rechnung tragend, wurden 
in den neuen Obstanlagen im Laufe der letzten Jahre mehrere Düngungs¬ 
versuche eingeleitet, durch welche festgestellt werden soll, inwieweit durch 
eine Volldüngung, d. h. durch Verwendung von natürlichem und künst¬ 
lichem Dünger eine Steigerung der Erträge erzielt werden kann. Da die 
Ausführung solcher Düngungsversuche, die mit Messungen, Wägungen und 
einer ständigen Kontrolle verbunden sind, sehr viel Zeit in Anspruch 
nimmt, die Lehranstalt aber auch noch anderen Aufgaben nachgehen muss, 
so wurden diese Versuche auf folgende eingeschränkt: 

1. Düngungsversuch bei Erdbeeren. Grösse der Fläche: 500 qm. 

2. Düngungsversuch bei Himbeeren. Grösse der Fläche: 400 qm. 

3. Düngungsversuch mit Steinobsthochstämmen mit Zwischenpflanzung von 
Birnenspindeln. Grösse der Fläche: 1400 qm. 

4. Düngungsversuch bei Birnenspindeln. Grösse der Fläche: 300 qm. 

5. Düngungsversuch bei Apfelspalieren. Grösse der Fläche: 51 qm 
(U-Formen). 

6. Düngungsversuch bei Birnspalieren. Grösse der Fläche: 51 qm. 

Die Bodenverhältnisse sind, was Obergrund, Untergrund und Feuchtig¬ 
keitsverhältnisse betrifft, auf den einzelnen Versuchsparzellen von gleich- 
mässiger Beschaffenheit, sie werden gleichmässig bearbeitet und auch die 
Unterkulturen werden, soweit solche zur Durchführung gelangen, einheit¬ 
lich betrieben. Bei den Erdbeeren wurden die Düngungsversuche im 
ersten Jahre, bei den Himbeeren im 3. Jahre und bei den übrigen Obst¬ 
arten im 6. Jahre nach der Pflanzung eingeleitet. Bei den Steinobsthoch¬ 
stämmen und auch bei den Birn- und Apfelzwergformen war es somit 
möglich, zunächst einmal festzustellen, ob sich sämtliche Bäume bei gleich- 
mässiger Behandlung in den ersten Jahren auch gleichmässig entwickeln. 
Es ist nämlich hierbei zu berücksichtigen, dass der Boden, der Schnitt, 
sowie etwaiger Befall durch Schädlinge das Wachstum der einzelnen 
Bäume verschieden zu beeinflussen vermögen, so dass bei einer verhältnis¬ 
mässig geringen Zahl von Bäumen, bei denen noch mit der individuellen 
Veranlagung des einzelnen gerechnet werden muss, ein Düngungsversuch 
sehr leicht zu Trugschlüssen führen kann. Nachdem bei obigen Düngungs¬ 
versuchen festgestellt war, dass sämtliche Versuchsbäume eine gleichmässige 
Entwicklung zeigten, der Schnitt bei den Steinobsthochstämmen in seinem 
ersten Stadium auch als beendet angesehen werden konnte, wurde mit der 
Volldüngung bei gleichzeitiger Einführung von Kontrollparzellen ein¬ 
gesetzt. 

Wenn die meisten Versuche auch erst nach einer Reihe von Jahren 
abgeschlossen werden können, so dürfte es von Interesse sein, bereits an 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


49 


dieser Stelle näheres über das bisherige Ergebnis von einigen Versuchs¬ 
parzellen zu erfahren. Mit der Ausführung und Kontrolle dieser Ver¬ 
suche sowie mit der Zusammenstellung des Zahlenmaterials wurde An¬ 
staltsgärtner Wenk betraut, der der Düngungsfrage ein besonderes Inter¬ 
esse entgegenbringt. 


Düngungsversuch bei Erdbeeren. 

Die Erdbeeren werden in den hiesigen Anlagen bei der Pflanzung 
mit 1200 Ztr. Stallmist pro Hektar gedüngt. Im zweiten Jahre erhalten sie 
keinen Dünger, während im dritten Jahre wieder Stallmist gegeben wird. 
Durch den Versuch sollte festgestellt werden, ob durch Zugabe von Kunst¬ 
dünger im zweiten Jahre der Ertrag noch gesteigert werden kann. Da 
mit einer Erdbeersorte keine genügend grosse Fläche bepflanzt ist, musste 
davon abgesehen werden, die spezifische Wirkung der einzelnen Nährstoffe 
zu ergründen; es konnte deshalb nur die Wirkung einer Volldüngung 
festgestellt werden. Die Phosphorsäuregabe wurde jedoch zum Vergleich 
auf einer Parzelle verdoppelt, und auf einer anderen Parzelle der Stick¬ 
stoff zur Hälfte als schwefelsaures Ammoniak, zur Hälfte als Chilesalpeter 
gegeben. 

Der Versuchsplan war folgender: 

a) Sorte: Laxtons Noble, Pflanzweite 80 x 40 cm, Grösse der Parzelle 

100 qm. 

Parzelle I, Volldüngung (pro Hektar 18 kg Phosphorsäure als Super¬ 
phosphat, 60 kg Kali als 40% Kalisalz und 90 kg Stickstoff als 
schwefelsaures Ammoniak.) 

Parzelle II, ungedüngt. 

Parzelle III, Volldüngung (pro Hektar 36 kg Phosphorsäure als 
Superphosphat, 60 kg Kali als 40%iges Kalisalz und 70 kg Stick¬ 
stoff als schwefelsaures Ammoniak). 

b) Sorte: Sharpless, Pflanzweite 80x40 cm. 

Parzelle IV, Volldüngung (pro Hektar 36 kg Phosphor säure als Super¬ 
phosphat, 60 kg Kali als 40%iges Kalisalz und 90 kg Stickstoff, 
zur Hälfte als Chilesalpeter, zur Hälfte als schwefelsaures Ammoniak). 

Parzelle V, ungedüngt. 

Als Anhaltepunkte für die Stärke der Düngergaben dienten die An¬ 
gaben von Lierke, wobei aber noch mit einer Stalldüngernachwirkung 
gerechnet wurde. Die Dünger wurden mit Ausnahme des Chilesalpeters, 
der in zwei Gaben Ende April und Mitte Mai als Kopfdünger gegeben 
wurde, am 22. Februar ausgestreut und flach untergegraben. 

Ergebnis: 

Im Stande der Pflanzen war kein Unterschied zu erkennen; dagegen 
war der Uuterschied im Ertrag ein bedeutender. Nachfolgende Tabelle 
veranschaulicht dies deutlich: 

Geisenheimer Jahresbericht 1912. 4 


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50 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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Laxtons Noble 1 

Sharpless 


Par- 

Par- 

Par- 

Par- 

Par- 


zelle I 

zelle II 

zelle III 

zelle IV 

zelle V 


(Voü- 

(Un- 

(Voll- 

(Voll- 

(Un- 


dtingung) 

gedüngt) 

düngung) 

düngung) 

gedüngt) 

Ertrag berechnet auf 1 ha Grösse 
Geldwert des Ertrages in M. 

5578 kg 

4940 kg 

i 

6370 kg 

8281 kg 

! 

| 6473 kg 

(Preis pro kg 0,80 M.) . . 
Mehrertrag gegenüber „Un¬ 

4462,40 M. 

638 kg 

: 3952 M. 

5096 M. 

1430 kg 

6624,8 M. 

1808 kg 

' 5358,4 M. 

gedüngt“ . 

i 


Kosten der Düngung . . . 

Geldwert des Mehrertrages 

144,55 M. 

t 

150,95 M. 

151,10 M. 


gegenüber „Ungedüngt“ nach 
Abzug der Kosten .... 

365,85 M. 


993,05 M. 

1295,30 M. 



Trotz der starken Stallmistdüngung, die unsere Erdbeeren erhalten, 
wurde also doch noch durch Zugabe von Kunstdünger eine bedeutende 
Ertragssteigerung erzielt. Besonders in die Augen fallend ist die Ertrags¬ 
steigerung in Parzelle III durch Verdoppelung der Phosphorsäuregabe; 
hierdurch wurde der Ertrag von 5578 kg auf 6370 kg pro Hektar gebracht. 

Die Frage, ob es zweckmässig ist, den Stickstoff in Form von 
schwefelsaurem Ammoniak in einer Gabe, oder in Form von schwefel¬ 
saurem Ammoniak und Chilesalpeter in mehreren Gaben zu verabreichen, 
wurde durch den Versuch nicht klar beantwortet. Wohl wurde in 
Parzelle IV (Stickstoff als Chilesalpeter und schwefelsaures Ammoniak) der 
Ertrag um 1808 kg gesteigert, in Parzelle III (Stickstoff als schwefelsaures 
Ammoniak) dagegen nur um 1430 kg gegenüber „Ungedüngt“; doch handelt 
es sich in beiden Parzellen um 2 Sorten, so dass man nicht mit Sicherheit 
Schlüsse ziehen kann. 

Leider konnte im Jahre 1912 die Nachwirkung dieser Düngung, die 
mit Sicherheit zu erwarten war, nicht festgestellt werden, da der Spät¬ 
frost und Schädlinge eine Missernte auf den Versuchsparzellen hervor¬ 
gerufen hatten. Mit solchen unvorhergesehenen Ereignissen muss nun 
einmal bei allen Düngungsversuchen im Obstbau gerechnet werden. 

Düngungsversuch zu Himbeeren. 

Die Himbeeren werden etwas stärker wie die Erdbeeren mit Stall¬ 
mist gedüngt; sie erhalten alle 2 Jahre 800 dz pro Hektar. Durch den 
Düngungsversuch soll nun festgestellt werden, ob durch Beigabe von 
Kunstdüngern neben dieser starken Stallmistgabe noch eine Ertrags¬ 
steigerung erreicht werden kann. Leider liess es auch hier die Grösse 
der Himbeeranlage nicht zu, die Wirkung der einzelnen Nährstoffe zu er¬ 
mitteln; denn es konnten bei einerSorte nur 2 Parzellen angelegt werden. 
Sämtliche Parzellen erhalten als Grunddüngung alle 2 Jahre 800 dz Stall¬ 
dünger pro Hektar und als Differenzdüngung in den Zwischenjahren Kunst¬ 
dünger. Die Grösse der Parzellen beträgt je 100 qm ,; es sind 4 Parzellen 
angelegt, und zwar 2 mit der Sorte Superlativ, 2 mit der Sorte Hörnet. 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


51 


a) Sorte Superlativ, Pflanzweite 1,50 X 0,70 cm. 

Parzelle I erhält alle 2 Jahre Stalldünger, aber keinen 
Kunstdünger. 

Parzelle II erhält alle 2 Jahre Stalldünger und in dem Zwischen¬ 
jahre an Kunstdünger 36 kg Phosphorsäure in Form von Superphosphat 
und 80 kg Kali in Gestalt von 40%igem Kalisalz. Stickstoff wurde nicht 
gegeben, da der Bedarf durch die Stalldüngergabe reichlich gedeckt 
erschien. 

b) Sorte Hörnet; Pflanzweite 1,50x0,70 cm. 

Parzelle III erhält alle 2 Jahre Stalldünger, aber keinen Kunst¬ 
dünger. 

Parzelle IV erhält alle 2 Jahre Stalldünger und in den Zwischeu- 
jahren an Kunstdünger 36 kg Phosphorsäure in Form von Super¬ 
phosphat, 80 kg Kali in Form von 40 0 /„igem Kalisalz und 40 kg Stick¬ 
stoff als schwefelsaures Ammoniak pro Hektar. 

Der Stalldünger wird im Herbst untergegraben; ebenso wird Super- 
phosphat und 40°/ o iges Kalisalz bereits im Herbst ausgestreut; das 
schwefelsaure Ammoniak wird dagegen erst im Frühjahr verabreicht. 

Der Düngungsversuch wurde im Jahre 1911 eingeleitet, so dass sich 
aus dem bisherigen Resultat, das die nachfolgende Tabelle erkennen lässt, 
noch keine bestimmten Schlüsse ziehen lassen; es muss vielmehr das Er¬ 
gebnis mehrerer Jahre abgewartet werden. 



Superlativ 

Hörnet 


Parzelle I ! 
Stalldünger 
ohne 

Kunstdünger | 

Parzelle II 
| Stalldünger 

1 -f- Phosphor¬ 
säure u. Kali 

Parzelle HI 
Stalldünger 
ohne 

Kunstdünger 

Parzelle IV 

1 Stalldünger 
+ Phosphor¬ 
säure, Kali 
und Stickstoff 

Ertrag pro ha 1911. 

6 692,5 kg 

5 365,0 kg 

2940,0 kg 

1 3 297,5 kg 

» „ „ 1912 . 

Somit Gesamtertrag bisher (1911 

6 640,5 „ 

8 682,5 „ 

7034,0 „ 

7 403,0 „ 

und 1912) . 

Mehrertrag der mit Stall- und 
Kunstdünger gedüngten Par¬ 
zellen gegegenüber den nur mit 
Stallmist gedüngten Parzellen 

13 333,0 „ 

14 047,5 „ 

i 

! 

9974,0 „ 

10 700,5 „ 

i 

pro ha . 

Geldwert des Mehrertrages (Preis 

— 

714,5 kg 

— 

; 726,5 kg 

0,80 M. pro kg) . 

Kosten der Differenz - Düngung 

— 

571,60 M. 

— 

581,20 M. 

pro ha (künstlicher Dünger) 
Somit eine Mehreinnahme pro ha 

— 

30,20 „ 

— 

85,80 „ 

infolge der Yolldüngung . . . 

— 

541,40 „ 

i 

— 

495,40 „ 


7. Fortsetzung der Versuche, die auf die Züchtung 
neuer Obstsorten hinzielen. 

Die vorhandenen Sämlinge wurden auch im Berichtsjahre auf ihr 
Verhalten genau beobachtet und die Früchte auf ihren Wert hin geprüft. 
Die in den letzten Jahren als besonders beachtenswert befundenen Säm- 

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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


linge wurden bei Birnen auf Quitte, bei Äpfeln auf Paradis veredelt, um 
sie auch in diesem Zustande weiter beobachten und Vergleiche mit den 
Mutterbäumen anstellen zu können. Die Birnen sind in Spindelform, die 
Äpfel in Buschform gezogen. Zurzeit beträgt die Zahl der Apfelsämlinge 
60, die der Bimensämlinge 55, die verdienen schärfer ins Auge gefasst 
zu werden. Wir hoffen, im Laufe der nächsten Jahre noch mehrere 
brauchbare neue Apfel- und Birnensorten herausgeben zu können. 

Im Berichtsjahre wurden neue Kreuzungsversuche in die Wege ge¬ 
leitet, für die folgende Ziele massgebend waren: 

i. Züchtung brauchbarer Konservenbimen für das Ganzeinmachen. 

Hierfür wurde ein für diesen Zweck bereits tauglicher Sämling ge¬ 
kreuzt mit Stuttgarter Gaishirtle, Bestebirne und Jakobsbirne. 


2. Weitere Verbesserung der vorhandenen, als tauglich befundenen 
Sämlinge durch erneute Kreuzung. 

Hierbei wurden vorzugsweise solche Sorten verwendet, die bisher in 
den hiesigen Anlagen bei den Kreuzungsversuchen bereits gute Resultate 
gezeitigt haben. Als solche sind u. a. zu nennen von Birnen: Diels B. B., 
Edelcrassane, Hardenponts Winter B. B., Olivier de Serres, Clapps Lieb¬ 
ling und Giffards B. B. Bei den Äpfeln wurden für diese Kreuzungen 
benutzt: Coxs Pomona, Minister von Hammerstein, Geheimrat Dr. Olden¬ 
burg und Baumanns Rtte. 

Es wird ferner versucht, durch Kreuzungen auf eine Verbesserung 
der Birnsorten Geheimrat Dr. Thiel hinsichtlich Güte des Fleisches sowie 
der Apfelsorte Minister von Hammerstein hinsichtlich der Färbung hin¬ 
zuwirken. 

Die Kreuzungen selbst wurden im Berichtsjahre von mehreren zu¬ 
verlässigen Eleven der Anstalt ausgeführt. Im allgemeinen nahmen die 
Birnen die künstliche Befruchtung besser an, als die Äpfel. Das Resultat 
der Befruchtungen war, soweit es sich um die Gewinnung der Samen¬ 
früchte handelt, ein zufriedenstellendes. Auch für das kommende Jahr 
sind weitere Kreuzungsversuche vorgesehen, die auf die übrigen Obstarten 
ausgedehnt werden sollen. 

8. Versuche mit Poenickes Fruchtgürtel. 

Im Berichtsjahre sind Versuche ein geleitet, durch welche festgestellt 
werden soll, ob und unter welchen Voraussetzungen die Fruchtgürtel in 
der Praxis mit Erfolg angewendet werden können. 

Für diese Versuche sind in den neuen Anlagen eine Anzahl von 
jüngeren Bäumen in den verschiedenen Formen mit dem Fruchtgürtel ver¬ 
sehen, wobei nicht nur das Kernobst, sondern auch das Steinobst Berück¬ 
sichtigung fand. Die Bäume zeichnen sich sämtlich durch ein üppiges 
Wachstum aus und haben bisher noch nicht getragen, so dass hier 
Resultate am ehesten zu erwarten sind. 


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□ rigiral frcm 

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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


53 


An einzelnen Bäumen wurden nur um einzelne Äste die Fruchtgürtel 
gelegt, während die übrigen verschont blieben. Auf diese Weise kann 
die Wirkung noch besser beobachtet werden; auch sind eher Vergleiche 
möglich. 

Nach Abschluss der Versuche, die sich auf mehrere Jahre erstrecken 
werden, wird über das Ergebnis berichtet. 

9. Sprengversuche mit Romperit. 

Es sind Versuche eingeleitet, um festzustellen, ob die Bodenlockerung 
mittels Sprengstoffen zur allgemeinen Anwendung im Obstbau empfohlen 
werden kann. 

Folgende Sprengungen wurden im Frühjahr 1913 ausgeführt: 

1. Lockerung des Bodens auf 75 cm Tiefe auf einem Baumschulquartiere. 
Zur Kontrolle wurde eine Fläche in der bisher üblichen Weise rigolt. 

2. Lockerung des Bodens für die Pflanzung junger Bäume. Zum Vergleich 
wurden unter denselben Verhältnissen Baumlöcher in der bisher 
üblichen Weise ausgehoben. 

3. Lockerung des Bodens in einer jüngeren Obstpflanzung. Hierbei 
wurde die in einer Tiefe von 1,20 m vorhandene feste Schicht ge¬ 
troffen, welche das Eindringen der Wurzeln in tiefere Erdschichten 
erschwert. Zum Vergleich dienen hier Bäume derselben Sorte und 
in demselben Alter stehend, bei denen jedoch die Bodensprengungen 
unterblieben. 

4. Bodenlockerung auf einem älteren Apfelbuschquartier. Es soll hier 
durch Nachgrabungen festgestellt werden, ob und in welchem Umfange 
durch die Sprengungen das Wurzelwerk, welches die ganze Fläche 
durchzieht, beschädigt wird. 

5. Auf einem besonderen Versuchsstück soll festgestellt werden, ob und 
in welcher Weise durch die sich bei der Sprengung bildenden Gase 
die Tätigkeit der Bodenbakterien beeinflusst wird. 

Da die Beobachtungen über die Wirkung dieser Bodensprengungen 
längere Zeit erfordern, kann erst nach einigen Jahren über das Ergebnis 
dieser Versuche berichtet werden. 

10. Beobachtangen über das Wurzel Wachstum der Obstbäume. 

Für den Bau des neuen Obsthauses musste ein Teil der Bäume eines 
älteren Apfelbuschquartieres beseitigt werden. Bei dieser Gelegenheit 
wurden wiederum Wurzelausgrabungen vorgenommen, von denen einige 
der interessantesten an dieser Stelle im Bilde wiedergegeben werden. 

Abb. 8 gibt die Seitenwurzel eines 40jährigen Apfelbaumes wieder, 
der einen Stammumfang von 74 cm und einen Kronendurchmesser von 
5,50 m aufweist. Die freigelegte Wurzel hatte, wie dies die Abbildung 
erkennen lässt, verschiedene stärkere Verzweigungen und lief ziemlich 
horizontal etwa 70 cm unter der Erdoberfläche hin. Die Länge der frei¬ 
gelegten Wurzel betrug etwas über 8 m. An dieser Stelle war sie ab- 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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gebrochen und zeigte hier eine Stärke von 10 mm. Die Gesamtlänge bis 
zu den feinsten Verzweigungen dürfte somit sicherlich 10 m betragen 
haben. Dieser Befund lehrt wieder einmal, wie irrig die Annahme ist, 
dass die Düngung unter der Kronentraufe zu erfolgen habe. Die Kronen¬ 
traufe war bei diesem Baume 2,80 m vom Stamm entfernt. Zu der Ab¬ 
bildung sei bemerkt, dass die Wurzel durch die perspektivische Wieder¬ 
gabe vorn stärker als 
hinten erscheint. Der 
Deutlichkeit halber wur¬ 
den die Wurzeln mit Kalk¬ 
milch bepinselt. 

Abb. 9 gibt das frei¬ 
gelegte Wurzelwerk eines 
40 jährigen Apfelbusch¬ 
baumes der Sorte „Späher 
des Nordens“ wieder, der 
zu tief gepflanzt war. Die 
über das Loch gelegte 
Latte deutet den Stand 
des Baumes an. Infolge 
des zu tiefen Standes 
hatten sich an dem im 
Boden stehenden Stamm¬ 
teile eine grosse Menge 
von Faserwurzeln sowie 
zahlreiche Wurzeltriebe 
gebildet. Hierdurch wur¬ 
den dem Baume im Laufe 
der Jahre viel Baustoffe 
entzogen, worunter der 
Fruchtansatz zu leiden 
hatte. Nur selten konnten 
von dem Baume Früchte 
geerntet werden. Die 
, , . ., u , „ „ , t Hauptwurzeln des Baumes 

liefen mehr horizontal, um 
für Nahrungs- und Wasserzufuhr zu sorgen; in die Tiefe gingen nur wenige, 
mehr schwache, denen die Aufgabe des Befestigung zufiel. Die Abbildung 
zeigt, wie sich der Baum bei einer fehlerhaften zu tiefen Pflanzung zu 
helfen sucht, um lebensfähig zu bleiben. 

Abb. 10 zeigt eine Reihe 9 jähriger Apfelbuschbäume der Sorte 
Königlicher Kurzstiel, von einem älteren Apfelbuschquartier durch einen 
festen Weg von 2 m Breite getrennt. Der vordere Baum der Kurzstiel¬ 
reihe zeigt eine recht gesunde Entwicklung, während der zweite im Wachs¬ 
tum auffallend zurückgeblieben ist. Hier hat nun nicht der Lichtentzug 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


55 




durch den gegenüberstehenden grossen Apfelbuschbaum das schwache 
Wachstum hervorgerufen, denn die Reihen laufen von Nord nach Süd; die 
Wurzelausgrabungen haben vielmehr ergeben, dass sich auch hier im Boden 


Abb. 9. Zu tief gepflanzter Buschbaum. 


Abb. 10. Apfelbüsche des Kgl. Kurzstieles. 


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56 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


ein Kampf ums Dasein abspielt. Von dem grossen alten, rechts stehenden 
Buschbaume sind, wie die Ausgrabung ergab, stärkere Wurzeln durch den 
Weg, ohne Verzweigungen zu bilden, hindurchgewachsen, um sich alsdann 
in dem von den jungen Äpfelbuschbäumen in Anspruch genommenen Erd¬ 
reiche zu verzweigen. Zwei stärkere Wurzeln des alten Baumes haben den 
jungen Baum des Kgl. Kurzstiel gleichsam umklammert und von unten 
her die gute Erde des Baumloches vollkommen mit ihren Faserwurzeln 
durchzogen. So konnte es nicht ausbleiben, dass der jüngere Baum kein 
Vorwärtskommen zeigt. Ebenso wie hier wird auch in vielen älteren 



Abb. 11. Wurzelbildung eines 8jährigen Apfelbuschbaumes. 

Anlagen die kümmerliche Entwicklung uachgepflanzter junger Bäume auf 
die Inanspruchnahme des Erdreiches durch die Wurzeln der grösseren, in 
der Nähe stehenden Bäume zurückzufübren sein. 

Von welcher Ausdehnung das gesamte Wurzelwerk eines jungen 
Baumes ist, lässt Abb. 11 erkennen. Das Alter dieses Baumes beträgt 
8 Jahre, als Unterlage fand der Sämling Verwendung. Als Stammumfang 
wurde 25 cm, als Kronendurchmesser 1,50 m festgestellt. Die Wurzeln ver¬ 
teilten sich ziemlich gleichmässig im Boden; Faserwurzeln waren an den 
ausgegrabenen Teilen verhältnismässig wenig anzutreffeu. Die feinen Ver¬ 
zweigungen waren bis zu 2,50 m vom Stamm entfernt, so dass auch hier, 
bei einem verhältnismässig jungen Baume, die Kronentraufe nicht als 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


57 


Massstab für das Unterbringen des Düngers gelten kann. Nach den 
STEGLiCH’schen Angaben entpricht dem Stammumfange von 25 cm eine 
Standortsfläche von 6,25 qm, auf die der Dünger unterzubringen wäre. 
Die Grösse der von den Wurzeln in Anspruch genommene Fläche betrug 
aber rund 10 qm. Man sieht, dass auch diese Angaben nur als ungefähre 
Anhaltepunkte gelten dürfen. 

Es wäre erwünscht, dass auch an anderen Stellen solche Wurzel¬ 
ausgrabungen bei passender Gelegenheit ausgeführt würden. Wohl er¬ 
fordern dieselben sehr viel Zeit und Unkosten, doch lassen sich manche 
Lehren aus den Ergebnissen ziehen, die der Praxis wieder zu gute 
kommen. 

B. Obstverwertungsstation. 

Besonderer Wert wurde auf die praktische Ausbildung der Schüler 
und Praktikanten gelegt. Demzufolge wurden die verschiedenen Obst¬ 
und Gemüseprodukte in grösseren Mengen hergestellt, wobei der steigenden 
Nachfrage nach Konserven, Marmeladen und Säften besonders Kechnung 
getragen wurde. Bei der Herstellung sämtlicher Erzeugnisse kamen die 
Verfahren zur Anwendung, die sich auf Grund mehrjähriger Versuche als 
die brauchbarsten erwiesen hatten und die in früheren Jahresberichten 
beschrieben sind. 

Bei dem erfolgten Wechsel im Hilfspersonal, das sich zunächst in 
den Betrieb einarbeiten musste, und bei der erhöhten Inanspruchnahme 
desselben durch andere dienstliche Arbeiten, musste die Einleitung und 
Durchführung grösserer Versuche zuiückgestellt werden. Sobald eine neue 
Hilfskraft zur Verfügung steht, die sich mehr den Arbeiten in der Obst¬ 
verwertungsstation widmen kann, wird die Versuchstätigkeit in erweitertem 
Umfange aufgenommen werden. 

Versuche. 

Seit mehreren Jahren werden Versuche angestellt über die Herstellung 
von kandierten und kristallisierten Früchten, die im Handel immer mehr 
gesucht sind. Diese Versuche werden voraussichtlich im kommenden Jahre 
zum Abschluss gebracht, so dass alsdann über das Ergebnis berichtet 
werden kann. 

Dasselbe gilt für die Herstellung der gefüllten Zwetschen, der sogen, 
„blauen Pflaumen“ sowie der gezuckerten Pasten, die im Handel als bessere 
Obstprodukte recht hoch im Preise stehen. 

G. Gemüsebau. 

Sowohl die Ausbildung, als auch der Ertrag liess bei den einzelnen 
Gemüsearten in dem Berichtsjahre nichts zu wünschen übrig. Wohl übte 
die kühle, regnerische Witterung auf die Entwicklung der Tomaten einen 
nachteiligen Einfluss aus, doch selbst bei den Gurken und Bohnen waren 
die Erträge noch recht befriedigend. 


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58 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 

Neben den alten bewährten Sorten wurden auch Neuheiten zum Ver¬ 
such angebaut. Das Ergebnis dieser Anbauyersuche ist im nachfolgenden 
niedergelegt. 

Weisskohl. Die Frühsorten bildeten sich in diesem Jahre schneller 
und vollkommener aus, wie in den Vorjahren. Die ersten Köpfe wurden 
bereits am 16. Juni geerntet, 35 Tage früher wie im Jahre 1911. Am 
besten bewährte sich die Sorte Heinemanns Sechswochen. Der Samen wurde 
direkt von dieser Firma bezogen; von 10 g Samen wurden aber nur 50 
echte Pflanzen gewonnen. Die Sorte Dithmarsches frühes, die in diesem 
Jahre zeitig im Frühjahre ausgesät und pikiert wurde, entwickelte sich 
sehr langsam, so dass die Ernte erst mit den mittelfrühen Sorten aus¬ 
geführt werden konnte. Diese Sorte ist also nicht als früh, sondern als 
mittelfrüh zu bezeichnen; sie bildet kleine, niedrige, aber sehr feste Köpfe. 
Auch die Sorten Ruhm v. Enkhuizen und Schweinfurter befriedigten im 
Ertrage. Bei den Spätsorten traten Unterschiede in den Sorten nicht zu¬ 
tage. Die Köpfe sämtlicher Sorten blieben klein- und waren nicht so fest, 
wie in den letzten Jahren. Ob die Ursache in dem Saatgute oder in den 
Witterungsverhältnissen zu suchen war, konnte nicht festgestellt werden. 
Angebaut wurden die Sorten Braunschweiger Riesen, Magdeburger, Schwein¬ 
furter und Später Goliath. Als neuere Sorten fanden Dänischer Amager 
Winter und Erfurter grosser Aufnahme. Erstere Sorte entwickelte sich 
mangelhaft und bildete fast keine Köpfe; letztere war sehr ertragsreich 
und konnte etwas früher geerntet werden wie Braunschweiger und 
Magdeburger. 

Rotkohl. Auch hier wurden bei der Frühkultur bessere Resultate 
erzielt, als bei der Spätkultur. Am schnellsten entwickelte sich wieder die 
Sorte Holländischer früher; auch die Sorte ütrechter früher und Zenith 
mittelfrüher bildeten sich vollkommen aus. Bei der Spätkultur versagten 
in diesem Jahre sämtliche Sorten. Da in den letzten Jahren die holländischen 
Kohlsorten zum Anbau besonders empfohlen werden, so wurden in diesem 
Jahre mit einigen neueren Rotkrautsorten Versuche angestellt, die aber 
sehr schlechte Ergebnisse zeitigten. Angebaut wurden die Sorten Hollän¬ 
disches Export Winter und Holländisches Export Herbst; es wurden von jeder 
Sorte 300 Pflanzen ausgepflanzt, aber kaum 100 gute Köpfe geerntet. Zur 
Spätkultur wurden die Sorten Holländisches spätes blutrotes Riesen, Zenith , 
Frankfurter Steinkopf, Holländisches dunkelrotes und Braunschweiger Riesen 
verwendet. Sämtliche Sorten entwickelten sich sehr langsam und brachten 
meistens kleine Köpfe. Das nasskalte Wetter hat sicherlich die Pflanzen 
in ihrer Entwicklung zurückgehalten. Die Hauptschuld an der Missernte 
muss jedoch dem Saatgute zugeschrieben werden. 

Wirsing. Derselbe gedeiht in den hiesigen Anlagen im allgemeinen 
besser, als alle andern Kohlarten. Es wurden neben den alten bewährten 
Sorten Zwei Monats-Wir sing, Wiener früher und Johannistag, die neuen 
Sorten Wundenburger früher und Heinemanns Advent Wirsing angebaut. 
Der Wundenburger frühe wird viel zu hoch, bildet keine geschlossenen 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


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Köpfe und entwickelt sich sehr langsam; Heinemanns Advent Wirsing da¬ 
gegen hat sich sehr gut bewährt. Diese Sorte liefert schöne feste und 
auch ziemlich grosse Köpfe und ähnelt sehr der Sorte Oberräder. Die 
Herbstkultur hätte bei einigen Wirsing-Sorten bessere Resultate liefern 
können. So blieben der Ulmer späte und die in den letzten Jahren mit 
gutem Erfolge angebaute Sorte Kölner Mariä sehr klein und unvollkommen; 
auch die neue Sorte Winter Dauerlcopf bildete nur kleine und lose Köpfe. 
Am besten bewährten sich die Sorten Vertus und Marcellin, die sowohl in 
trockenen, als auch kühlen regnerischen Jahren die höchsten Erträge liefern. 

Blumenkohl. Zum Auspflanzen für die Frühkultur wurden über¬ 
winterte Pflanzen verwendet, die sich aber sehr schlecht entwickelten. 
Bei der Frühkultur wurde des öfteren beobachtet, dass viele der über¬ 
winterten Pflanzen keine Blütenscheiben bildeten und ein sehr langsames 
Wachstum zeigten. Im nächsten Jahre sollen daher nur die im Frühjahr 
im Mistbeetkasten herangezogenen Pflanzen verwendet werden. Die mittel¬ 
frühen und späten Sorten entwickelten sich in diesem Jahre etwas früher, 
und die Ernte war eine sehr gute. An erster Stelle verdient die Sorte 
Algier hervorgehoben zu werden; die Blütenscheiben sind ziemlich gross 
und von schön weisser Farbe. Die Sorte Frankfurter mittelfrüher kam 
etwas später zur Reife wie Algier. Die Sorte Frankfurter Kiesen brachte 
viel frühere Erträge wie in den letzten Jahren. Von neueren Sorten kam 
Erfurter grosser und die Sorte Triumph zum Anbau. Erstere Sorte ent¬ 
wickelt sich sehr schwach und kam spät zur Ernte; trotzdem wird sie in 
den Katalogen meistens als frühe Sorte geführt. Triumph dagegen ver¬ 
dient mehr Beachtung. Sie gleicht der Sorte Algier ; die Pflanzen ent¬ 
wickeln sich gedrungen, haben einen kräftigen Wuchs und bilden sehr 
früh weisse Bltitenscheiben von grosser Vollkommenheit. 

Kohlrabi. In diesem Jahre wurde zur Frühkultur Ulmer früher 
und Weisser Delikatess angebaut. Erstere Sorte entwickelte sich sehr 
langsam, und es platzte auch ein grosser Teil der Knollen auf. Letztere 
entwickelte sich besser und konnte auch früher geerntet werden. Die 
Sorte Ulmer früher wurde nach dem Auspflanzen von einigen Nachtfrösten 
getroffen, infolgedessen die meisten Pflanzen durchschossen. Die Sorte 
Delikatess wurde erst am 8. Mai ausgepflanzt und hatte nicht unter Nacht¬ 
frösten zu leiden. Es ist bekannt, dass jäher Temperaturwechsel, an¬ 
haltende Trockenheit, zu dichter Stand der Pflanzen in den Saatbeeten und 
zu langes Stehenlassen auf denselben Veranlassung zum Durchschiessen 
des Kohlrabi geben können. Je feiner und früher die Sorte ist, umso eher 
tritt dieses in die Erscheinung. Es ist deshalb ratsam, vor Anfang Mai 
keine Kohlrabipflanzen in das freie Land zu bringen. Von Spätsorten 
wurden die bekannten Ooliath weiss und Goliath blau mit gutem Erfolge 
angebaut. 

Rosenkohl. Die Sorten Frankfurter Markt , „Fest und viel 11 und 
Aigburth haben sich auch in diesem Jahre sehr gut entwickelt. Die Rosen 
der beiden ersten Sorten waren zwar nicht so gross, die Strünke waren 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


jedoch von unten bis oben mit Rosen dicht besetzt. Aigburtli hatte be¬ 
sonders grosse Rosen, sie standen jedoch am Strunke nur vereinzelt. 

Schwarzwurzeln. Die Sorte Heinemanns einjährige Riesen, die in 
diesem Jahre am 22. März ausgesät wurde, hat sich bei der einjährigen 
Kultur wieder sehr gut bewährt. Sie wächst im Laufe eines Sommers 
vollständig verbrauchsfertig heran und hat gleichmässig dicke und glatte 
Wurzeln. Diese Sorte kann somit zum allgemeinen Anbau empfohlen 
werden. Die Sorte Russische Riesen entwickelte sich in diesem Jahre auch 
befriedigend, jedoch waren die Wurzeln nicht so lang und so dick, wie 
bei der ersten Sorte. Auch waren viele Wurzeln zu stark verzweigt. 

Sellerie. Es wurden die Sorten Sachsenhäuser dicker, Frager Riesen, 
Imperator und die neuen Sorten Delikatess, Heinemanns Kugel und Ham¬ 
burger Markt angebaut. Der Sachsenhäuser dicke zeichnete sich wieder, 
wie schon in früheren Jahren, durch grosse und glatte Knollen aus. Der 
Prager Riesen entwickelte sich bedeutend besser wie im Jahre 1911, nur 
wurde das Kraut zu hoch und die Knollen sind nicht so glatt, wie bei 
der vorhergehenden Sorte. Imperator hat sich recht gut bewährt und 
verdient allgemein angebaut zu werden. Von den neueren Sorten ver¬ 
dienen noch Delikatess und Hamburger Markt als beachtenswert hervor¬ 
gehoben zu werden. Erstere hat vollständig glatte, oval-runde Knollen, 
ist sehr kurzlaubig und hat schneeweisses Fleisch. Die Sorte Hamburger 
Markt bildet aussergewöhnlich grosse, glatte und weisse Knollen und ist 
auch kurzlaubig. Die Sorte Heinemanns neue glatte Kugel ist zwar 
kurzlaubig und glattknollig, doch bleibt die Knolle viel zu klein und ent¬ 
wickelt sich sehr langsam. 

Möhren. Mit der Aussaat wurde am 22. Februar begonnen; die 
Ernte war eine reiche. Zum zweiten Male wurde die Sorte Frankfurter 
neue hochrote Winter angebaut, die recht befriedigte. Die Sorten Ham¬ 
burger lange rote und Braunschioeiger lange rote sind zum Massenanbau 
sehr zu empfehlen. Auch die Karottenernte fiel in diesem Jahre sehr gut 
aus; es wurden die bisher bewährten Sorten angebaut. 

Kopfsalat. Einen sehr reichen Ertrag lieferten die im Freien 
überwinterten Kopfsalatsorten Oelber und brauner Winter, die widerstands¬ 
fähig gegen Frost und dabei zart im Blatt sind. Auch Nansen ist ein 
sehr gutfer Wintersalat, der runde, feste Köpfe mit zartem Blatt bildet. 
Die Sorten Maikönig, Vorläufer, Fürchtenichts und die neuere Sorte 
Primus befriedigte in jeder Hinsicht. Primus wurde mit Maikönig zu 
gleicher Zeit gepflanzt und lieferte einen früheren Ertrag. Die Köpfe 
werden noch etwas grösser wie beim Maikönig, sind zart und haben eine 
grünlich-gelbe Färbung. Die Sorte soll im nächsten Jahre noch einmal 
mit Maikönig zum Vergleich angebaut werden. Vorzügliche Resultate 
wurden bei der Sommerkultur erzielt. Es kamen die Sorten Oenezeana, 
Graf Zeppelin, HoUschuhs Erfolg, Erfurter Dickopf und die neuen Sorten 
Maximus und Wunder v. Stuttgart zum Anbau. Die Sorte Maximus ver¬ 
dient besonders hervorgehoben zu werden. Die Köpfe werden ausser? 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


61 


gewöhnlich gross und weisen einen Durchmesser von 25—30 cm auf, 
sie sind fest und dabei zart im Blatt; die Pflanzen stehen lange fest im 
Kopf, ehe sie in Samen schiessen. Der Abstand muss ziemlich weit be¬ 
messen werden, damit sich die Köpfe vollständig entwickeln können. 
Wunder von Stuttgart ist auch eine brauchbare Sorte; sie bildet kleinere 
Köpfe wie Maximus, die aber der Hitze recht gut widerstehen. Wir 
haben es hier mit zwei brauchbaren Neuheiten zu tun, die hoffentlich ihre 
guten Eigenschaften längere Zeit beibehalten werden. Die Sorte Holl¬ 
schuhs Erfolg ist auch sehr widerstandsfähig gegen grosse Hitze und 
Trockenheit, bildet aber zu kleine Köpfe. Qenezzana geht in jedem Jahre 
immer mehr zurück; die Köpfe werden kleiner, lockerer und haben auch 
kein gutes Aussehen mehr. Die Sorte Graf Zeppelin ist recht grossköpfig 
und für den Hochsommer geeignet. 

Zwiebeln. Die Ernte war nicht so gut wie in dem vorhergehenden 
Jahre. Es wurden angebaut Braunschweiger rote, Zittauer gelbe Biesen, Tripolis , 
Erfurter grosse gelbe und die zwei neuen Sorten Dauerzmebel grosse gelbe 
und Silberglocke. Die meisten Zwiebeln blieben klein. Die besten Er¬ 
träge lieferte die Zittauer gelbe; mittelmässig im Ertrage war die Braun¬ 
schweiger, gering dagegen Erfurter grosse. Die neue Sorte gelbe Dauer¬ 
zwiebel brachte den besten Erfolg. Diese Zwiebel ähnelt in der Form der 
bekannten Zittauer schwefelgelben; sie unterscheidet sich von dieser durch 
die mehr rötlich-gelbe Farbe und ihre Grösse. Die Zwiebel entwickelt 
sich schnell und ist von grosser Haltbarkeit. Eine recht gute Einmache¬ 
zwiebel ist die neue Sorte Silberglocke-, sie “bringt silberweisse, mittelgrosse 
Zwiebeln und reift sehr früh. 

Stangenbohnen. Die Samen sämtlicher Sorten keimten in dem 
kalten Mai sehr ungleichmässig, doch entwickelten sie sich im Juni und 
Juli noch recht gut. Am widerstandsfähigsten gegen kühle, regnerische 
Witterung zeigten sich die Sorten Rheinische Speck- und Zehnwochen. Die 
Juli-Stangen und Schlachtschwert sind auch ertragreiche Sorten, doch sind 
sie sehr empfindlich gegen Witterungseinflüsse. Von Neuheiten wurden 
die Sorten Meisterstück ohne Fäden angebaut. Die Hülsen sind dunkel, 
dickfleischig und sehr lang; fadenlos war sie jedoch nicht, und der Ertrag 
war sehr gering. 

Buschbohnen. Die erste Aussaat von Buschbohnen wurde am 
29. April ausgeführt. Die Bohnen blieben lange im Boden liegen und 
keimten sehr unregelmässig. Ende Mai setzte jedoch ein warmer Regen 
ein, so dass die Pflanzen sich schneller entwickelten. Angebaut wurden 
die Sorten Kaiser Wilhelm, Hinrichs Riesen, Unvergleichliche, frühe Juni 
und Hundert für Eine. Die Sorte Kaiser Wilhelm brachte den frühesten 
Ertrag. Von dieser Sorte wurden 12 Reihen von je 58 m Länge aus¬ 
gesät; am 10. Juli wurden die ersten Bohnen geerntet und der Gesamt¬ 
ertrag belief sich auf 14 Ztr. 

Von den Neuheiten bewährte sich die Sorte Saxa sehr gut; sie wurde 
am 3. Mai ausgesät und lieferte bereits am 13. Juli die ersten Erträge. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Die Sorte ist sehr früh und ihr Behang geradezu erstaunlich. Es wurden 
von 200 g Samen 40 Pfd. Bohnen geerntet. Auch die neue Sorte Hundert 
für eine ist sehr reichtragend und besitzt kleine, dickfleischige Hülsen. 
Die Sorte Unvergleichliche früheste erwies sich als widerstandsfähig gegen 
Nässe; der Ertrag befriedigte ebenfalls. Die späteren Aussaaten von 
Buschbohnen entwickelten sich anfangs sehr gut und kamen bis zur Blüte; 
infolge der nasskalten Witterung konnten sich die Hülsen jedoch nicht 
mehr weiter entwickeln, so dass die Pflanzen als Gründüngung untergegraben 
werden mussten. 

j Erbsen. Bei der milden Witterung konnte mit der ersten Aussaat 
bereits am 27. Februar eingesetzt werden. Hierfür wurden verwendet: 
Adlerfrüheste Mai, Buchsbaum und Wunder von Amerika. Die erste Ernte 
erfolgte am 30. Mai bei der Sorte Allerfruheste Mai, die auch die reich¬ 
tragendste von den drei genannten Sorten war. Eine spätere Aussaat 
erfolgte am 21. März mit den Sorten Ruhm von Cassel und Orünbleibende 
Folger. Beide Sorten brachten in diesem Jahre nur geringe Erträge. Die 
Pflanzen wuchsen sehr hoch, blühten aber nur vereinzelt. 

Puffbohnen.. Sämtliche Puffbohnensorten lieferten guten Ertrag. 
Angebaut wurden die Sorten Erfurter Markt, Mazagan, Windsor grosse 
grüne, Windsor grosse weisse und Hamburger. Ein Teil der bepflanzten 
Fläche war vorher als Saatbeet für andere Gemüse des öfteren mit Torf 
und Mistbeeterde gedüngt. Auf diesen zwei Beeten konnte festgestellt 
werden, dass Torf und Mistbeeterde die Entwicklung der Pflanzen 
ausserordentlich günstig beeinflussen; auch war der Ertrag doppelt so gross 
wie auf den übrigen Beeten. 

Gurken. Die Gurkenkulturen versagten anfangs infolge der un¬ 
günstigen Witterung; es wurden 3 Aussaaten gemacht, die aber nur 
spärlich aufgingen. Die Nässe im August wirkte so ungünstig auf die 
Pflanzen ein, dass sie bald abstarben. Zum Anbau kamen die Sorten: 
Erfurter lange volltragende, kletternde Delikatess, Erfurter verbesserte 
Schlangen, Kunzendorfer, Walzen von Athen, Allerfrüheste Trauben, Pariser 
Trauben, Unikum, Orüne lange, Chinesische Schlangen, Japanische Kletter¬ 
gurke, Grosse weisse Schlangen und Erfurter grüne Riesen. Als sehr un¬ 
empfindlich gegen ungünstige Witterungseinflüsse erweisen sich die Sorten 
Unikum, Chinesische Schlangen, Japanische Klettergurke und Sachsenhäuser 
halblange-, diese Sorten lieferten trotz der kühlen, regnerischen Witterung 
recht befriedigende Erträge. 

Tomaten. Die Triebentwicklung und der Behang bei sämtlichen 
Pflanzen war sehr gut. Infolge der nasskalten Witterung reifte jedoch nur 
ein geringer Teil der Früchte. Es wurden folgende Sorten angebaut: Geisen- 
heimer Frühe, Meteor, Favorite, Bimförmige rote, Kirschförmige rote, Ponde¬ 
rosa, Gourmet und die neueren Sorten Lucullus, Allerfrüheste Ruhm und 
Erste Ernte. Die Sorte Geisenheimer Frühe, die jetzt nach mehrjähriger 
sorgfältiger Auslese mehr glatte Form erhalten hat, brachte nicht nur die 
ersten Früchte, sondern war auch die reichtragendste unter sämtlichen 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


63 


Sorten. Fast sämtliche Früchte kamen zur Reife. Von den drei neuen 
Sorten ist Erste Ernte, von Weigelt & Co. in Erfurt bezogen, als sehr gut 
zu bezeichnen. Die Pflanzen zeichneten sich durch reiche Tragbarkeit 
aus, doch konnten die Früchte erst 14 Tage später geerntet werden wie 
die der Geisenheimer Frühen. Die Früchte sind mittelgross, glänzend rot 
und ganz glatt. Die Sorte Allerfrüheste Rühm brachte die Früchte, die 
gross, glänzend und glatt sind, sehr spät zur Reife und die Tragbarkeit 
der Pflanzen war eine sehr mässige. Die Sorte Lucullus ist eine sehr 
frühe Sorte; die Früchte reiften fünf Tage nach der Geisenheimer Früh- 
tomate, und der Behang der Pflanzen war in diesem Jahre besser als in 
den Vorjahren. Die Früchte sind mittelgross, von leuchtend roter Farbe 
und glatt. Die Früchte hängen in grossen Mengen traubenförmig an der 
Pflanze. 

Bote Bähen. Wenn auch die Menge zu wünschen übrig liess, so 
war doch die Qualität eine vorzügliche. Es stellte sich wieder einmal 
heraus, dass die kleineren Rüben viel zarter, saftiger und wohlschmeckender 
sind wie die grossen. Angebaut wurden die Sorten: Ägyptische dunkelrote, 
Schwarzrote runde dunkellaubige und Kölner feine halblange bimförmige 
mit schwarzrotem Fleisch und ganz dunkler, glänzender Belaubung. 

Erträge aus Spargelanlagen. 

In den neuen Obstanlagen wurde auf 2 Halbstammquartieren von 
Äpfeln und Birnen eine Zwischenpflanzung mit Spargel ausgeführt. Die 
Art der Ausnutzung dieser Flächen gibt die 
Abb. 12 wieder. Die Halbstämme stehen in 
einer Entfernung von 10 x 7,50 m, in der 
Baumreihe ist zwischen je 2 Apfel-Halbstämmen 
eine Birnspindel, zwischen je 2 Birn-Halb¬ 
stämmen ein Apfelbuschbaum auf Paradies¬ 
unterlage gepflanzt. Das Land zwischen den 
Baumreihen wird durch 3 Reihen Spargel in 
der Weise ausgenutzt, dass Baumstreifen von 
3 m Breite liegen bleiben, die noch mit ein¬ 
jährigen Gemüsekulturen bebaut werden. Auf 
diese Weise soll eine nachteilige Beeinflussung 
der Halbstämme durch die Spargelkultur dau¬ 
ernd vermieden werden, ohne dass hierdurch der 
Gesamtertrag von der Fläche geschmälert wird. 

Die Grösse der mit Birn-Halbstämmen bepflanzten Fläche beträgt 
3880 qm. Insgesamt konnten bei einem Abstande von lxl«t 1440 Spargel¬ 
pflanzen untergebracht werden. Es wurden mehrere Spargelsorten an¬ 
gepflanzt, um ihr Verhalten zueinander unter den hiesigen Verhältnissen 
festzustellen. Es wurden gewählt: Ruhm von Braunschweig, Schneekopf, 
Horburger Riesen und Schwetzinger. 


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Abb. 12. Spargel als Zwischen- 
pflanzung in Obstanlagen. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Die Pflanzung wurde im Frühjahre 1907 in sorgfältigster Weise nach 
vorhergehendem Rigolen ausgeführt, wobei nur einjährige Pflanzen in 
bester Qualität Verwendung fanden. Mit der Ernte wurde im dritten 
Jahre begonnen. Von den 1440 Pflanzen wurden insgesamt im ersten 
Jahre 6 Ztr., im zweiten Jahre 12 Ztr. geerntet, so dass die einzelne Pflanze 
im Durchschnitt 1 Pfd. bezw. 125 g lieferte. Im verflossenen Jahre wurden 
täglich die Erträge von jeder einzelnen Sorte gesondert notiert, um fest¬ 
zustellen, ob sich bei den einzelnen Sorten bereits grössere Unterschiede 
in der Menge ergaben. Die nachfolgende Zusammenstellung gibt das 
Resultat dieser Wägungen, die vom Anstaltsgärtner Schwabz kontrolliert 
wurden, wieder. 

Es tourden geerntet von: 

(Siehe die Tabelle auf Seite 65.) 

Die Tabelle lässt deutlich erkennen, dass bereits im zweiten Jahre des 
Stechens bei den einzelnen Sorten grosse Unterschiede in dem Ertrage zu 
verzeichnen sind. Da der Boden auf der ganzen Fläche von gleichmässiger 
Beschaffenheit ist, die Pflanzen sich auch einer gleichmässig guten Pflege 
erfreuen, wird dieser Unterschied nur durch die Eigenart der Sorte her¬ 
vorgerufen. 

Am einträglichsten erwies sich der Schneekopf, der sich gleichzeitig 
noch durch Frühzeitigkeit auszeichnet. Diesem kommt der Ruhm von 
Braunschweig im Ertrag gleich; wenn diese Sorte auch etwas später mit 
der Ernte einsetzt, so verdient die gleichmässige Ausbildung der Pfeifen 
und der vorzügliche Geschmack besonders hervorgehoben zu werden. Der 
Horburger und Schwetzinger Spargel bleiben im Ertrage weit hinter den 
beiden ersten Sorten zurück. Während der Horburger Spargel schöne ge¬ 
rade und sehr starke Stangen liefert, liess der Schwetzinger in der Ausbildung 
recht zu wünschen übrig; viele Stangen waren innen hohl. 

Es wäre verfrüht, aus diesem Ergebnis bereits ein abschliessendes 
Urteil über die Brauchbarkeit der einzelnen Sorten zu fällen. Die Wägungen 
sollen auch in den folgenden Jahren fortgesetzt werden, um später über 
das Ergebnis berichten zu können. 

Allgemein werden die bereits hohen Erträge auffallen; lieferten doch 
die Pflanzen von Schneekopf und Ruhm von Braunschweig bereits annähernd 
je 1 Pfd. Die Zahlen besagen, dass sorgfältige, nicht zu dichte Pflanzung, 
beste Pflege, vorsichtige Behandlung beim Stechen und rechtzeitiges Ein¬ 
stellen der Ernte die Vorbedingungen für die Gewinnung hoher Erträge 
sind. Nicht die Grösse einer Fläche bedingt die Einträglichkeit der Spargel 
kultur, sondern die Art der Anlage und Unterhaltung der Pflanzung. 

Als weiteres Beispiel für die Richtigkeit dieser Behauptung kann eine 
ältere Spargelpflanzung dienen, die sich als Zwischenkultur auf einem 
12jährigen Apfelbuschquartier vorfindet. Zwischen je 2 Buschobstreihen 
sind 2 Spargelreihen in einem Abstande von 1,20 untergebracht; der Ab¬ 
stand der Pflanzen in den Reihen beträgt 1,00 m. Die Zahl der Spargel- 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


65 


pflanzen beträgt insgesamt rund 1000 Stück. In den einzelnen Jahren 
wurden folgende Erträge von den beiden Sorten Ruhm von Braunschweig 
und Schneekopf notiert: 


1904: 5 Ztr., 
1907: 15 „ 

1910: 22,5 „ 


1905: 12 Ztr., 
1908: 19 „ 

1911: 19,5 „ 


1906: 12,5 Ztr., 
1909: 20 
1912: 20 


Tag der Ernte 

171 Pflanzen 
der Sorte: 
Horburger 

Pfd. 

171 Pflanzen 
der Sorte: 
Schwetzinger 
Pfd. 

342 Pflanzen 
der Sorte: Ruhm 
v. Braunschweig 
Pfd. 

684 Pflanzen 
der Sorte: 
Schneekopf 
Pfd. 

April 30. 

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320 

649 

einzelnen Sorten . 

119 

111 

Durchschnittl. Ertrag 





von einer Pflanze 

Geisenheimer Jahrei 

0,695 

sbericht 1912. 

0,649 

0,935 

0,949 

5 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Die einzelne Pflanze lieferte somit im Durchschnitt der letzten Jahre 
rund 2 Pfd. Spargel. Auch diese Zahlen lehren, dass bei bester Pflege 
und unter günstigen Verhältnissen Erträge aus Spargelanlagen erzielt werden 
können, die diese Kultur zn eine der einträglichsten gestalten. 

Mistbeetkulturen. 

Salate. Bei der Frühtreiberei wurden mit mehreren Salatsorten 
recht gute Resultate erzielt. Zum Anbau gelangten die Sorten: Universal, 
Kahls frühester, Triumph von Frankfurt, Gelber Steinkopf, Büttners Treib-, 
und für die kalten Kästen: Maikönig. Universal bringt wohl grosse Köpfe, 
entwickelt sich aber sehr langsam und fault leicht. Für die Treiberei im 
kalten Kasten scheint sich die Sorte besser zu eignen. Kahls frühester 
gelber Treib erwies sich als recht brauchbar. Die Köpfe gleichen dem be¬ 
kannten Steinkopf, sind aber bedeutend grösser und haben eine noch 
hellere Färbung. Der gelbe Steinkopf hat sich nicht so gut bewährt; die 
Köpfe blieben zu klein und faulten leicht zusammen. Die besten Resultate 
wurden mit Büttners Treibsalat erzielt. Die Köpfe sind gut gebaut und 
haben eine zarte, hellgrüne Farbe. Die Sorte erwies sich als sehr wider¬ 
standsfähig gegen ungünstige Witterungseinflüsse und verdient allgemein 
angebaut zu werden. Der Maikönig ist eine alte bekannte Sorte für Früh¬ 
kultur im freien Lande und im kalten Kasten. Die Aussaat erfolgte bei 
dieser Sorte am 11. Oktober des verflossenen Jahres, die Pflanzen wurden 
in Kästen pikiert und frostfrei überwintert. Am 20. Februar wurden 
die Setzlinge in einen kalten Mistbeetkasten ausgepflanzt, und sie ent¬ 
wickelten sich derart schnell, dass bereits am 25. März die ersten schönen 
Köpfe geerntet werden konnten. 

Gurken. Die meisten Pflanzen entwickelten sich recht gut und 
brachten reiche Erträge. Angebant wurden die Sorten: Noas verbesserte 
Treib, Vorbote, Magnum Multum, Deutscher Sieger, Erfurter Ausstellungs¬ 
gurke, Röllisons Telegraph, Becks Namenlose, Weigelts beste von Allen, Blaus 
Erfolg, Sensation und die neue Sorte Hundert für Eine. 

Am ertragreichsten waren die Sorten Deutscher Sieger, Erfurter Aus¬ 
stellungsgurke, Rollisons Telegraph, Weigelts beste von Allen und die neue 
Sorte Sensation. Hinsichtlich Fruchtbarkeit und Widerstandsfähigkeit gegen 
Witterungseinflüsse nimmt die Sorte Deutscher Sieger einen der ersten Plätze 
ein, sie bringt Früchte bis zu 60—70 cm Länge. Auch die Erfurter Aus¬ 
stellung sgurke trug in diesem Jahre wieder sehr reich, während sie im 
Jahre 1911 vollständig versagte. Becks Namenlose, Rollisons Telegraph 
und Weigelts Beste von Allen haben sich als gute Kastengurken erwiesen. 
Als gute Einmachegurke ist die Sorte Sensation zu bezeichnen; sie gibt 
einen hohen Ertrag, ist schnell wachsend und von lang anhaltender Frucht¬ 
barkeit. Die Früchte werden leider, wenn sie kaum ausgewachsen sind, 
schnell gelb, was ihren Verkaufswert herabsetzt. Die neue Sorte Hundert 
für Eine ist für die Mistbeetkultur etwas zu stark wachsend, sie liess 
jedoch hinsichtlich der Fruchtbarkeit nichts zu wünschen übrig. 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


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Melonen. Die Kultur zeitigte in diesem Jahre günstigere Resultate, 
wie in den Vorjahren. .Die erste Aussaat erfolgte am 25. Februar in 
einem warmen Kasten. Am 12. März wurden die Pflanzen ausgesetzt, und 
die erste Ernte erfolgte am 20. Juni bei der Berliner Netzmelone, die sich 
als die reichtragendste erwies. Von neueren Sorten wurden angebaut: 
Korallenriff, IAebling von Malakav und zwei von Russland eingesandte 
Sorten: Keetscher Melone und Farkasser Melone. Korallenriff ist die 
früheste aller Cantaloupen; die Tragbarkeit ist gut, die Früchte sind von 
orangegelber Farbe und erreichen ein Gewicht von 6—7 Kilo. Die Sorte 
Liebling von Malakav ähnelt der Berliner Netz, ist jedoch schwach¬ 
wachsend, empfindlich gegen Witterungseinfltisse, und die Früchte reifen 
etwas später. Die russische Keetscher Melone ist eine reichtragende Netz¬ 
melone von früher Reife. Die Früchte sind von mittlerer Grösse und das 
Fleisch ist gelblich-rot. Die Früchte der russischen Farkasser Wasser- 
Melone sind nicht zur Reife gekommen. Die Sorte bildet grosse, runde 
Früchte, die Schale ist grün mit schwarzen Streifen, das Fleisch ist 
dunkelrot mit rötlichen Samen. 

j Radies. Ausser den alten, bewährten Sorten wurden die Sorten 
Bubin und Biesen-Butter angebaut. Es stellte sich dabei heraus, dass die 
neuen Sorten nicht früher waren wie Non plus ultra, Buhrn von Mechau 
und Express. Die neue Sorte Biesen-Butter ähnelt der Sorte: Würzburger 
Biesen, nur ist die Form mehr gleichmässig rund. Die Pflanzen können 
längere Zeit in gebrauchsfertigem Zustande stehen bleiben, ehe sie pelzig 
werden. Auch Bubin eignet sich sehr gut zum Treiben; sie ist etwas 
später wie Non plus ultra, hält sich aber länger und platzt nicht so leicht 
auf. Die Farbe ist leuchtend rot. Im Hinblick auf die feine Belaubung 
kann sie auch im warmen Kasten getrieben werden. 

Wirsing. Für die Treiberei wurden die Sorten Zwei-Monats¬ 
wirsing, Wiener niedriger früher Treib und die neue Sorte Wundenburger 
frühester verwendet. Die drei Sorten wurden im Oktober 1911 ausgesät, 
pikiert und frostfrei überwintert. Am 24. Januar 1912 erfolgte das Aus¬ 
pflanzen in einen kalten Mistbeetkasten. Der Zwei-Monatswirsing und 
Wundenburger frühester Treib entwickelten sich sehr langsam, so dass erst 
am 30. Mai die ersten Köpfe geerntet werden konnten. Dagegen hat sich 
die Sorte Wiener frühester Treib schneller entwickelt und konnte 14 Tage 
früher geerntet werden. Die neue Sorte Wundenbtirger frühester bildete 
spitze, lose, hellgrüne Köpfe; der Strunk ist lang und dünn, so dass die 
Pflanzen trotz Anhäufelns leicht Umfallen. Der Zwei-Monatswirsing ist 
ist wohl eine recht brauchbare Sorte, doch wurde bisher der Same nicht 
gut geliefert. In diesem Jahre fanden sich unter 20 Pflanzen nur zwei 
■echte vor; die übrigen waren ausgeartet. Der Wiener frühester Treib¬ 
wirsing ist eine alte Sorte, von der man in jedem Jahre auf einen guten 
Erfolg rechnen kann. 

Blumenkohl. Der Berliner Treib und Erfurter Ziverg lieferten 
frühe und gute Erträge. 

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68 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 

Bei der Treiberei von Kohlrabi fand die Sorte Wiener früher Ver¬ 
wendung; andere Sorten wurden nicht angebaut. 

D. Sonstige Tätigkeit des Berichterstatters. 

Im Laufe des Berichtsjahres wurden von dem Berichterstatter folgende 
Vorträge gehalten: 

Bei Gelegenheit der Vorstandssitzung des Nassauischen Landes- 
Obst- und Gartenbauvereins zu Diez über: Die Anwendung von Geheim¬ 
mitteln bei der Bekämpfung von tierischen und pflanzlichen Schädlingen 
im Obst- und Gartenbau; 

auf der Generalversammlung des Nassauischen Landes-Obst- und 
Gartenbauvereins in Oberlahnstein über: Allgemeine Richtlinien für die 
Abhaltung von Obstausstellungen; 

auf der Generalversammlung des Kreis Vereins zu Höchst a. M. über: 
Die Taxation von Obst- und Gartenkulturen. 

Bei Gelegenheit des V. Repetitionskursus für preuss. Obstbaubeamte 
hatte Berichterstatter folgende Vorträge übernommen: 

1. Zeitfragen im Obstbau. 

2. Obstbau und Baumschulbetrieb. 

3. Neuere Erfahrungen über die Düngung der Obstbäume. 

4. Wertberechnung der Obstkulturen. 

An 3 Nachmittagen fanden praktische Demonstrationen in den Obst¬ 
anlagen und in der Station für Obst- und Gemüseverwertung statt. An 
den Obstbau- und Obstverwertungskursen wurden insgesamt 60 Stunden 
Unterricht und praktische Demonstrationen erteilt. 

Berichterstatter leitete die Zeitschrift „Geisenheimer Mitteilungen über 
Obst- und Gartenbau“, die als Organ der Anstalt im 27. Jahrgange in 
einer Auflage von 18000 Exemplaren erscheint. 

An Schriften wurden im Berichtsjahre herausgegeben: 

1. „Wert und Rentabilitätsberechnung der Obstkulturen auf neuer Grundlage.“ 
II. Auflage. 

2. „Anbauwürdige Beerenobstsorten.“ Mit 20 Farbentafeln. 

3. Die Geheimmittelfrage in ihrer Bedeutung für den Pflanzenschutz. 

Berichterstatter leitete die diesjährige Studienreise der Gartenbau¬ 
schüler- und Eleven, deren Ziel Holland war. Auf dieser Reise, welche in 
der Zeit vom 11.—18. August stattfand, wurden folgende Kulturen und 
Anlagen besichtigt: 

1. Tag: Fahrt über Cöln bis Alkmaar. 

2. Tag: Besichtigung der Gemüsekulturen und der Veiling in Broek ofs Langendyk 

sowie der Obst- und Gemüsekulturen in Purmerand. 

3. Tag: Gartenkulturen in Aismeer sowie die Gartenbauschule daselbst. 

4. Tag: Baumschulen und Gartenbauschule in Boskoop. 

5. Tag: Obst- und Gemüsekulturen des Westlandes. 


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Bericht über Obstbau, Gemüsebau usw. 


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6. Tag: Obst- und Gemüsekulturen des Vorgebirges bei Bonn. 

7. Tag: Besuch des Siebengebirges und Rückfahrt mittels Dampfers. 

Zu besonderem Danke sind wir dem Herrn Reichsgartenbaulehrer 
BoNTHUis-Haag verpflichtet, denn durch seine Bemühungen wurde es uns 
ermöglicht, in viele Betriebe Hollands Einblick zu erhalten und die Kultur¬ 
weisen kennen zu lernen. Allen Personen, die in entgegenkommender 
Weise die Führung übernahmen, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt. 

Mit den älteren Eleven wurden mehrere kleinere Exkursionen in die 
Umgebung von Geisenheim ausgeftihrt, die der Besichtigung von Obst- und 
Gemüsekulturen dienten. 

Im Obstbaubetriebe waren im Berichtsjahre 10 Praktikanten tätig. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Bericht Uber Bienenzucht. 

Von Obergärtner N. Baumann. 

Am Donnerstag, den 30. November, bei einer Temperatur von 10,1 0 C. 
und am Freitag, den 1. Dezember, bei einer Temperatur von 8,5° C. im 
Schatten sind die Bienen noch stark geflogen und trugen sogar Pollen ein. 
Dabei haben sie sich gewiss auch gereinigt. Da das Thermometer im 
Dezember und Januar nicht über 8° C. gestiegen ist, konnten die Bienen 
in dieser langen Zeit keinen einzigen Reinigungsflug halten. Erst am 
9. Februar bekamen wir einen warmen Tag mit 8,6° C. im Schatten, 
es flog aber nur ein Volk. Die Reinigung aller Völker vollzog sich am 
16. Februar bei einem Thermometerstand von 8,5° C. im Schatten. Trotz¬ 
dem die meisten Bienen vom 1. Dezember bis 16. Februar ihre Wohnungen 
nicht verlassen konnten, ist nicht ein einziges Volk krank geworden, ein 
Beweis, dass der Viktoria-Kristallzucker, den wir im September als Winter¬ 
futter gaben, den Bienen gut bekommen ist. Bei der Verdünnung wurde 
wieder wie in früheren Jahren 1 l Zucker und 1 l Wasser genommen. 
Diese Mischung scheint die richtige zu sein, die Bienen nehmen sie gern 
und überwintern gut darauf. 

Am 25. Februar trugen die Bienen die ersten Pollen von Haselnüssen 
und Schneeglöckchen ein und Wasser, das sie an der Tränke neben dem 
Bienenhaus holten. Von diesem Tage an bis zum 16. März war das Wetter 
für die Bienen sehr günstig. Der 16. März brachte uns Regen und Sturm, 
und dabei wurde es kühl. So blieb die Witterung bis zum 23. März. Von 
da an bis 31. März waren die Tage warm. 

Am 12. März sind die Mandeln, am 19. die Aprikosen, am 23. die 
Pfirsiche an den Wänden, am 26. die im Freien und am 27. die Johannis¬ 
und Stachelbeeren in die Blüte getreten. Alle diese Obstarten hatten sehr 
viele Blüten, nur die Mandeln nicht. Diese sind Ende Februar und Anfang 
März von den Blutfinken (Dompfaff) abgepickt worden. Dieser schöne 
Vogel hat in diesem Jahr im Rheingaukreis viel Schaden verursacht, indem 
er an manchen Steinobstbäumen die Blütenknospen verzehrte. 

Die ersten Tage vom April waren warm, dann wurde es am 10. bis 
zum 14. kühl. Das Thermometer stand jede Nacht unter Null, der 13. 
brachte uns sogar — 3 0 C. Dieser Frost hat unsere ganze Pfirsich- und 
Kirschenblüte vernichtet, so dass wir von diesen beiden Obstarten gar 
keine Ernte hatten. Dann blieb es bis zum Schluss des Monates warm. 
In dieser Zeit haben viele Obstarten ihre Blüten geöffnet, am 3. die 
Zwetschen, Pflaumen und Kirschen, am 6. die Birnen, am 18. die Äpfel 
und am 25. die Erdbeeren. Trotz der kalten Tage litten die Zwetschen, 
Pflaumen und Birnen nicht unter der Kälte, sie brachten alle eine gute 
Ernte. Um diese Zeit war im Rheingau der Tisch für die Bienen gedeckt, 
sie haben auch fleissig Honig eingetragen. Bei einer Bienenversammlung, 
die der Rheingauer Bienenzüchter-Verein am 19. Mai in Neudorf bei Eltville 


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Bericht über Bienenzucht. 


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abhielt, teilten mir viele Mitglieder mit, dass sie schon am 22. April Apfel¬ 
blütenhonig schleuderten. Das konnten aber nur Bienenzüchter mit starken 
Völkern und solche, die ihre Bienen im Herbst reichlich fütterten. Da 
hatten jene Imker wiederum recht, die schreiben, dass man die spekulative 
Fütterung nicht im Frühjahr, sondern im Herbst vornehmen soll. Einige 
Bienenzeitschriften raten, diese Arbeit im Frühjahr vorzunehmen, wenn 
die Stachelbeeren blühen. Das mag für andere Gegenden passen, für den 
Rheingauer Bienenzüchter aber nicht. Der Rheingauer Bienenzüchter muss 
seine Bienen im Herbst stark einfüttern, damit der Brutansatz im März 
nicht stockt. Jene Bienen nämlich, die anfangs März ausgebrütet werden, 
geben unsere Trachtbienen für die Obstblüte. Diese setzt bei uns in den 
meisten Jahren im April ein. Dann müssen die Völker in voller Höhe 
stehen, damit sie die Obstblüte gut ausnutzen können. Sind die Völker 
um diese Zeit schwach, dann brauchen wir nicht mehr auf eine Honigernte 
zu rechnen. Im Monat Mai geht im Rheingau leider das Schwärmen los, 
wobei das Einträgen von Honig aufhört. Im Jahre 1912 bestätigte sich 
diese Erfahrung voll und ganz. Da sind die Schwärme wie die Fliegen 
gefallen. Auf unserem Stand fing das Schwärmen schon am 9. Mai an, 
und von da ab gab es, wenn das Wetter nur einigermassen gut war, fast 
jeden Tag einen Schwarm. Vier Schwärme an einem Tage war keine 
Seltenheit. Wir hatten Völker, die viermal schwärmten. Einmal setzten 
sich sogar drei Schwärme an einen Ast und vereinigten sich zu einem 
wahren Riesenschwarm. Er wurde in einem recht grossen Strohkorb ein¬ 
gefangen, der aber lange nicht ausgereicht hat, um alle Bienen in sich 
aufzunehmen. Der Korb war innen vollgefullt, und aussen sass er noch 
ganz schwarz voller Bienen, so dass man ihn kaum anfassen konnte, um 
ihn ins Bienenhaus zu tragen. In dem Gewimmel konnten die Bienen 
gar nicht zu der Königin gelangen. Trotzdem flogen sie nicht weg. Zwei 
Königinnen wurden nach dem Einfangen des Schwarmes von ihrer Rivalin 
abgestochen. Auch der Riesenschwarm behielt nur eine Königin. In der 
Erwartung, das aus den 3 Schwärmen entstandene Volk könnte uns in 
diesem Jahre noch einen schönen Ertrag geben, öffneten wir ihm gleich 
den Honigraum. Sofort zogen alle Bienen, die nach dem Einfangen um 
den Korb sassen, hinein. Als wir aber Ende Juli die Honigräume Weg¬ 
nahmen — wir füttern immer vom 1. bis 10. August etwas Zuckerwasser, 
damit die Bienen nochmals Brut ansetzen — wollten wir auch den Honig¬ 
raum des Riesenvolkes beseitigen und dachten einige Pfund Honig von 
ihm ztf schleudern. Wir wurden schwer getäuscht. Nicht einen Tropfen 
Honig hatte er im Honigraum, trotzdem dieser jetzt noch voller Bienen sass. 
Auch im Brutraum sah es trüb aus, es war nur noch Futter für einige 
Tage vorhanden. Dieses grosse Volk hat vom 15. Mai bis Ende Juli ge¬ 
arbeitet und noch nicht einmal seinen Winterbedarf eingetragen. An 
diesem Schwarm hat sich das Sprichwort: „Ein Schwarm im Mai ist wert 
ein Fuder Heu“ nicht bewahrheitet. Überhaupt alle Maischwärme trugen 
in diesem Jahre nichts ein. Von Mitte Mai an dachten die Bienen nicht 


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n. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


mehr ans Honigeintragen, sondern nur ans Schwärmen. Von 20 Völkern, 
die wir überwinterten und auch gut durchbrachten, haben 16 Völker ge¬ 
schwärmt. Darunter befanden sich welche, die gar nicht stark waren, 
denen es auch nicht an Platz fehlte und doch sind sie zum Schwärmen 
gekommen. Alle Mittel, um das Schwärmen zu verhindern, waren in 
diesem schwarmreichen Jahr vergeblich. Die meisten Bücher über Bienen¬ 
zucht sagen, man könne das Schwärmen gut verhindern, wenn man die 
Völker früh auseinanderziehe und sie dabei recht viel bauen lasse. Wir 
stellten manchen Völkern, die schon alte Waben hatten, acht Halbrähmchen 
mit Kunstwaben nach und nach in den Brutraum und die mit Brut ge¬ 
füllten Waben in den Honigraum. Das wird als das beste Verfahren an¬ 
gegeben, um die Bienen vom Schwärmen abzuhalten. In diesem schwarm¬ 
reichen Jahr ist es gänzlich fehlgeschlagen. Unsere Wohnungen sind 
nicht zu klein. Brut- und Honigraum bestehen aus je 20 Halbrähmchen 
(Albertisches Mafs). Es sind noch 6 alte Blätterstöcke vorhanden, die 
nur 16 Halbrähmchen im Brut- und 16 im Honigraum haben. Trotzdem 
diese 6 Völker auf 32 Halbrähmchen sitzen, schwärmten 'nur 2 davon. 
In den anderen Wohnungen mit 40 Halbrähmchen schwärmten alle Völker. 
Diese Tatsache bewies, dass nicht die Pflege der Bienen oder deren Woh¬ 
nungen das häufige Schwärmen verschuldeten, sondern das Jahr selbst. 
Es ist allen Bienenzüchtern im Bheingau, sogar alten erfahrenen Männern 
in der Bienenzucht, die in Flachter Kanalbeuten imkern, ebenso gegangen. 
Sie bekamen auch mehr Schwärme als HoDig. Die Schwarmwut war so 
gross, dass einige Völker 4 Schwärme abstiessen, die natürlich recht klein 
waren. Trotzdem konnte man sie nicht einfangen. Sobald die Bienen in 
dem Strohkorb eingezogen waren, — wir fassen alle unsere Schwärme 
dahinein und tragen sie bei eingetretener Beruhigung der Bienen in die 
für sie bestimmte Wohnung — so sind sie unruhig geworden und in 
einigen Minuten hingen sie wieder an einem hohen Ast. Von da aus 
ging es dann nach dem Wald auf Nimmerwiedersehen. Alles Bespritzen 
mit Wasser hat nichts geholfen. So ein kleines Bad hat sie gar nicht 
gestört. Sie fächelten kurze Zeit mit den Flügeln, dann war alles Wasser 
auf ihnen verschwunden. Einmal hatten wir einen solchen Nachschwarm 
5 Tage in einer Wohnung mit 10 Halbrähmchen, die mit Kunstwaben¬ 
streifen versehen waren. Die Bienen hatten schon ganz schön gebaut 
und etwas Honig eingetragen. Trotzdem ist das Völkchen wieder aus¬ 
gezogen. Es hat der Königin wahrscheinlich in der neuen Wohnung nicht 
gefallen, darum hat sie sich mit ihrer kleinen Schar im Wald eine bessere 
gesucht. Leider zu ihrem Verderben, denn sie ist gewiss verhungert, weil 
die Bienen den Winterbedarf nicht mehr eintragen konnten. 

Was hat uns nun das häufige Schwärmen gebracht? Recht viel 
Arbeit, die wir durch das Einfangen der Schwärme hatten. Ein Vor¬ 
teil ist aber dabei auch entstanden. Unsere Völker sind fast alle ohne 
unser Dazutun mit jungen Königinnen versehen. Wenn nun das Jahr 1913 
iür die Bienen günstig wird, so müssen wir eine gute Honigernte be- 


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Bericht über Bienenzucht. 


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kommen. Alle Imker, mit denen man über Bienenzucht spricht, behaupten, 
dass nur die Völker auf der Höhe stehen und reiche Ernten bringen, die 
mit jungen Königinnen versehen sind. 

Der Mittelrheingauer Bienenzüchter-Verein hat am 18. August auf 
dem Bienenstand der Königlichen Lehranstalt eine gut besuchte Versamm¬ 
lung abgehalten. Dabei wurden praktische Arbeiten an den Albertischen 
Blätterstöcken ausgeführt und gezeigt, wie die Völker vor der Herbst¬ 
fütterung zu stellen sind. Man hatte zwei Völker, ein schwaches und ein 
starkes vorgenommen. Dem ersteren liess man nur 14 und dem letzteren 
16 Halbrähmchen. Damals überzeugten wir uns, dass die Bienen von 
Mitte Juli ab fast gar keinen Honig mehr eintrugen. Sie hatten in den 
obersten Waben des Brutraumes nur noch einige Streifen Zuckerwasser, 
das wir ihnen vom 1. bis 10. August gereicht hatten. Um diese Zeit 
füttern wir jedes Jahr, damit die Königin noch eine Anzahl Eier legt. 
Dadurch erhält man ziemlich viele junge Bienen für den Winter. In 
diesem Jahre hat die Königin keine Eier gelegt, wohl des schlechten 
Wetters wegen. Manche Völker lebten nur von dem dargereichten Futter, 
sie hatten bei der Herbstfütterung gar keine Nahrung mehr, so dass sie 
ihre Brut herausreissen mussten. Im Jahre 1911 konnten wir im Sep¬ 
tember noch eiuige Töpfe Honig schleudern, während wir in diesem Sep¬ 
tember füttern mussten. 

Dr. Eckardt von der Meteorologischen Station in Weilberg a. Lahn 
hat in der Deutschen Obstbauzeitung auf S. 512 nachgewiesen, dass August 
und September in diesem Jahre so schlecht waren, wie seit langen Jahren 
nicht mehr. Natürlich konnten die Bienen nicht arbeiten. Sie trugen 
noch nicht einmal Pollen ein, was man in guten Jahren um diese Zeit 
mit Freuden wahraimmt. Wir haben in der Nähe unseres Bienenhauses 
zwei lange Rabatten mit Reseda gesät, die den Bienen viel Pollen liefern. 
In diesem Herbst sind die Reseden, die, wenn das Wetter günstig ist, bis 
in den November hinein blühen, schon im September fertig gewesen und 
in der Zeit vom 5. bis 7. Oktober bei —4,1° C. vollständig erfroren. 

Die Honigverwertungs-Genossenschaft für die Rheinprovinz in Bonn 
hat den Imkern in diesem Jahr steuerfreien mit 5 °/ 0 Sand vergällten Zucker 
zur Herbstfütterung empfohlen und zwar in Säcken zu 50 kg ab Braun¬ 
schweig zu 39,70 M. Bei kleineren Bezügen 0,50 M. Aufschlag, Sack 
0,40 M. Nur Imker konnten höchstens 5 kg pro Volk beziehen. Für den 
Regierungsbezirk Wiesbaden hat der Schriftführer des Nassauischen 
Bienenzuchtvereins Lehrer a. D. Strack, Hoiheim im Taunus die Vermittlung 
übernommen. Die Mitglieder des Mittelrheingauer Bienenzuchtvereins 
haben sich von dem angebotenen Zucker schicken lassen. Die Versuche 
sind nicht gut ausgefallen. Alle Mitglieder führten darüber Klage, dass 
der Zucker — es war gemahlener Kristall — nicht sauber war. Er wurde 
durch den Sand verunreinigt. Das sah man sofort beim Auflösen, das 
Zuckerwasser färbte sich wie Kalkmilch. Leider wurde die Flüssigkeit 
von vielen Mitgliedern gleich nach dem Kochen in Flaschen gefüllt, unter 


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74 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 

der Annahme, dass der Sand sich im Kochtopf zu Boden gesetzt hätte. 
Es war aber nicht der Fall, und so haben sich die Flaschen beim Füttern 
verstopft. Bekanntlich stellt man sie mit der Öffnung nach nnten in einen 
Futterteller, dann fliesst nur soviel Flüssigkeit heraus als die Bienen weg¬ 
nehmen. Durch den Sand ist das Zuckerwasser nicht ansgelaufen, der 
Hals hat sich verstopft, und die Flaschen waren am andern Morgen noch 
gerade so voll wie beim Einstellen am Abend vorher. Hätten diese 
Bienenzüchter nach dem Kochen das Zuckerwasser filtriert, so hätten sich 
die Flaschen nicht verstopft. Aber auch die Mitglieder, die das Zucker¬ 
wasser vor dem Einfüllen in die Flaschen filtrierten, klagten, dass die Töpfe, 
in welchen der Zucker gekocht war, ganz schmutzig wurden, ebenso die Ge- 
fasse, in welchen man das Futter den Bienen gereicht hatte. Auf der General¬ 
versammlung des Bienenzüchter-Vereins für den Regierungsbezirk Wies¬ 
baden vom 7.—8. Oktober in Nassau a. d. Lahn wurde den Mitgliedern 
geraten, im nächsten Jahr von der Fütterung dieses Zuckers abzusehen, 
bis noch mehr Erfahrungen darüber gesammelt wären. Vielleicht waren 
die Bienenzüchter auch etwas gegen den mit Sand vergällten Zucker ein¬ 
genommen, weil er zu spät eingetroffen ist. Er kam erst Ende September 
in die Hände der Imker, das war in diesem Jahr zu spät für die Herbst¬ 
fütterung. Die Tage waren schon zu kühl zum Füttern der Bienen. 
Diese nahmen das Zuckerwasser auf, flogen dann zum Stock hinaus, wie sie 
das ja bei jeder Fütterung tun, fielen aber, weil es zu kühl war, auf den 
Boden und konnten trotz allem Fächeln nicht mehr aufstehen, um in ihre 
Wohnungen zurück zu fliegen. Auf diese Weise haben die Völker viele 
Bienen verloren und mussten ganz schwach in den Winter gehen. Das 
bedeutet für den Rhein gauer Bienenzüchter aus den schon oben erwähnten 
Gründen einen grossen Verlust. 

Wir machten in diesem Sommer einen Versuch mit dem Aufhängen 
der Bienenwaben auf den Speicher. In den Bienenbüchem heisst es, dass 
man seine Waben ohne Bedenken in jedem Raume auf bewahren könne, 
vorausgesetzt, dass sie sich nicht berühren und in dem Raume Gegenluft 
sei. Dieser Rat stützt sich auf die Behauptung, der Wachsmotten¬ 
schmetterling könne den Luftzug nicht leiden und lege deshalb keine 
Eier an die Waben. Nach unsern Erfahrungen in diesem Sommer ist 
dieses Verfahren, die Waben aufzubewahren, vollständig falsch. Wir hatten 
sie noch nicht 14 Tage auf dem Speicher stehen, da waren sie schon 
voller Wachsmaden, trotzdem immer Gegenluft war und die Waben so 
standen, dass sie sich nicht berührten. Mottenfrei bleiben die Waben nur 
in einem guten Wabenschrank, der gar keine Ritze zeigt und in jeder 
Bienengeräte-Handlung käuflich ist. Es ist aber nicht jeder Bienenzüchter 
in der glücklichen Lage, sich ein so teures Stück Möbel anzuschaffen. Es 
leistet auch ein gewöhnlicher Schrank gute Dienste. Auf unserm Bienen¬ 
stand stehen 2 Schränke, die im Internat ausser Benutz kamen, weil sie 
aus dem Leim gingen. Diese Schränke wurden von unserm Anstaltsschreiner 
wieder sauber hergerichtet und innen mit Spalierlatten versehen, so dass 


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Bericht über Bienenzucht. 


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man in jeden Schrank 100 Halbrähmchen stellen kann. Es kann auch eine 
grössere Kiste zum Aufbewahren der Waben verwendet werden, voraus¬ 
gesetzt, dass sie keine Ritze zeigt. Trotzdem sind die Waben noch nicht 
für jeden Fall vor den Motten sicher. Die Eier, die die Motte im Herbst 
legt, überwintern und kommen im Frühjahr aus. Die Motten verstehen 
es, durch jeden kleinen Riss, ja sogar durchs Schlüsselloch einzudringen. 
Gelingt ihnen das nicht, so legen sie ihre Eier in den Riss, weil sie durch 
den Wabenduft angezogen werden. Sobald das Würmchen ausgekrochen 
ist, drängt es sich durch den Riss zu den Waben, spinnt sich ein und be¬ 
ginnt sein Zerstörungswerk. Ein ähnliches beobachteten wir bei der Frost¬ 
spannerraupe. Das Weibchen hat keine Flügel, es muss den Stamm 
hinauflaufen, um seine Eier an die Zweige der Krone abzulegen. Um es 
daran zu verhindern, legt der verständige Obstzüchter anfangs Oktober 
Leimringe um seine Obstbäume, an welchen die Schmetterlinge gefangen 
werden. Die Weibchen sind hierbei viel vorsichtiger als die Männchen. 
Sobald sie mit ihren langen Beinen an die Klebringe kommen, so kehren 
sie um und legen ihre grünen Eier unterhalb der Ringe an den Stamm. 
Da bleiben sie den ganzen Winter hängen. Sobald es im Frühjahr warm 
wird, so kriechen aus den Eiern ganz winzige Räupchen. Diese lassen 
sich aber nicht am Stamme verhungern, sondern kriechen im Katzenbuckel 
in die Krone und zehren dort an den Blättern und Früchten. Einen 
ähnlichen Trick braucht das Wachsräupchen. Um die Motten von den 
Waben abzuhalten, mögen sie stehen, wo sie wollen, mnss man sie von 
Zeit zu Zeit ausschwefeln. Hierzu benutzt man Fassschwefel (Schwefelspan), 
der in jeder Apotheke oder Drogerie käuflich ist. Beim Anzünden des 
Schwefels muss man recht vorsichtig sein. Der brennende Schwefel tropft 
ab, fällt auf den Boden des Schrankes und bringt diesen in Feuersgefahr. 
Um dies zu vermeiden, hängen wir den Schwefelspan in eine hohe 
Konservenbüchse, die jetzt in jeder Haushaltung vorhanden ist. Damit 
die Flamme des Schwefelspans die Waben nicht erreicht und das Wachs 
zum Schmelzen bringt, bindet man mittels Draht ein breites Stück Blech 
über die Konservenbüchse, dann kann die Flamme nicht in die Höhe steigen. 
Sind die angegebenen Vorbereitungen getroffen, so wird der Schwefelspan 
angesteckt und der Schrank geschlossen und zwar so, dass gar kein Dampf 
entweichen kann. Solange wir den Schwefel brennen hören, bleiben wir 
wegen der Feuersgefahr bei dem Schrank. Wir öffnen ihn aber nicht, der 
Dampf soll recht lange auf die Maden einwirken. Das Ausschwefeln muss 
von März bis in den Oktober hinein ausgefuhrt werden und zwar am 
1. und 15. eines jeden Monats. 

Die Wabenabfälle und das Gemüll, welches man auf seinem Bienen¬ 
stand sammelt, soll man sofort in den Wabenschrank bringen und nicht 
auf den Bienenwohnungen herum liegen lassen, hier legen die Motten auch 
ihre Eier hinein. Früher haben wir nach erhaltenen Anweisungen diese 
Abfälle zusammengedrückt wie eine Kugel und sie in eine Kammer gestellt. 
Als wir sie im Herbst ausschmelzen wollten, war fast alles zerfressen, es 


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n. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


waren noch Maden darin, fast so gross wie ein kleiner Finger. Hätten 
wir die Abfälle im Wabenschrank aufbewahrt, wie das jetzt geschieht und 
was wir jedem Bienenzüchter empfehlen können, so wäre uns viel Verdruss 
erspart geblieben. 

Die Wachsmotte kommt aber nicht allein in den leeren Waben und 
im Gemüll vor, sondern auch in den Bienenwohnungen selbst Sie kann 
hier, wenn der Bienenzüchter nicht auf Reinlichkeit hält, so stark auftreten, 
dass sie ganze Völker zugrunde richtet oder sie stark in ihrer Entwicklung 
hemmt. Man hat in erster Linie bei seinen Völkern dafür zu sorgen, dass 
sie all ihre Waben besetzen, schon aus dem Grunde, damit die Bienen 
recht warm sitzen und keine Räuberei entsteht. Sobald die Nachbar¬ 
bienen merken, dass in einer Bienenwohnung honiggeftillte Waben stehen, 
die nicht mit Bienen besetzt sind, so ist die Räuberei fertig. 

Im zeitigen Frühjahr belagern die Bienen ihre Waben nicht bis zum 
Bodenbrett. Hier bleibt auch das Gemüll, das sie während des Winters 
abschroteten, liegen, es sind das gewöhnlich Zellendeckel und Wachsteile, 
die beim Ausputzen der Zellen entstehen, darin nisten die Maden auch. 
Aus diesem Grunde muss der Imker seine Bodenbretter im Frühjahr 
reinigen. Das soll er, solange die Bienen noch nicht nach unten gezogen 
sind, alle 8 Tage tun und das Gemüll mit der Reinigungskrücke heraus¬ 
ziehen. Damit werden auch die lästigen Wachsmaden beseitigt. Auch in 
den Ecken am Deckbrett und unter den Fenstern, ganz besonders aber 
zwischen den Halbrähmchen, trifft man die Maden an. Es ist dies ein 
grosser Nachteil der Halbrähmchen. Die Bienen verkitten sie zwar sofort 
beim Einstellen. Es müssen aber immer noch einige Lücken frei bleiben. 
In diese legt der Schmetterling die Eier. Deshalb muss der Bienenhalter 
die obersten Rähmchen öfter heben, damit die Bienen die Maden heraus¬ 
ziehen können. 

Wir finden aber auch Maden besonders im Frühjahr zwischen der 
Brut selbst. Wir kennen sie bei der grossen Wachsmotte daran, dass die 
Made ihre Gänge gewöhnlich direkt unter den Brutdeckeln hat, dadurch 
werden diese etwas gehoben und sehen etwas dunkler aus. Die Made 
der kleinen Wachsmotte sitzt immer unter der Brut, die Zellendeckel, 
womit die Brut gedeckelt ist, sind eingefallen, weil schon viel Brut ab¬ 
gestorben ist. Um nun zu den Motten zu gelangen, heben wir die Zellen¬ 
deckel mit der Messerklinge ab und entfernen, so gut es geht, etwas 
Bienen. Dabei kommt schon eine Anzahl Maden heraus, weil wir sie in 
ihrer Ruhe störten. Damit keiner dieser Schädlinge verloren geht, legen 
wir eine Zeitung unter, darauf fallen alle Maden, die wir dann leicht töten 
können. Der Vorsitzende von unserm Bienenzüchterverein hat immer einen 
fingerlangen Nagel in der Westentasche. Kommt er an den Stand eines 
seiner Mitglieder und er findet solche mit der Made befallenen Waben, so 
fahrt er mit dem Nagel durch die tote Brut und treibt dadurch die Maden 
heraus. Es bleiben aber immer noch einige Maden in den Waben, die 
sich unter der Brut verkriechen. Um auch sie zu entfernen, klopft man 


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Bericht über Bienenzucht. 


77 


mit dem Messer oder mit der Wabenzange auf die Holzteile der Rähmchen. 
Durch das Klopfen gerät die Brut in Erschütterung, und die Maden suchen 
sich beiseite zu schaffen. Sie können das dadurch, weil wir ihnen durch 
das Entfernen der kranken Brut Luft schafften. Wir müssen mit dem 
Klopfen so lange fortfahren, bis keine Maden mehr aus den Waben heraus¬ 
kommen. Nachher stellen wir sie wieder zu dem Volk. Die Bienen ent¬ 
fernen dann noch die vorhandene tote Brut und bauen die Waben wieder 
ganz gut aus. 

Die letzten Pollen wurden in diesem Jahr am Sonntag, den 27., und 
am Montag, den 28. Oktober, den beiden einzigen warmen Tagen, die der 
Oktober brachte, eingetragen, und zwar von der Schotenblätterigen Rampe 
(Diplotaxis Tennifolia), die im Rheingau an den Eisenbahndämmen vor¬ 
kommt und bis spät in den Herbst hinein blüht. Unsere Bienen finden 
an dieser Pflanze, wenn die Witterung im Herbst nicht gar zu schlecht 
ist, ziemlich viel Pollen. Das kommt ihnen sehr zu statten, sie brauchen 
dann im Frühjahr an schlechten Tagen nicht nach Pollen auszufliegen. 
Die in den Zellen überwinterten sind im Frühjahr gerade so gut zum 
Füttern der jungen Brut wie frisch eingetragene. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Bericht Uber Gartenbau, Obsttreiberei und Arbeiten im Parke der 

Königl. Lehranstalt. 

Erstattet von dem Betriebsleiter Garteninspektor F. Glindemann. 

A. Gartenbau. 

1. Allgemeines. 

Die Witterungsverhältnisse des Jahres 1911 und 1912 in Verbindung 
mit der Entwicklung der Pflanzen usw. gaben Veranlassung zu manchen 
interessanten Beobachtungen im Gartenbaubetriebe. 

Mehrere grössere Bäume, wie z. B. eine Ulme, zwei Birken, eine 
Catalpa, die in bester Entwicklung standen, wurden im Frühjahr 1912 
trocken und mussten entfernt werden. Fast die meisten Bäume und 
Sträucber, besonders die Nadelhölzer, zeigten viele abgestorbene Äste und 
Zweige, eine Erscheinung, die jedenfalls auf den Einfluss der Trockenheit 
des vorangegangenen Sommers 1911 zurückgeführt werden kann. 

Überaus reich war im letzten Jahre der Blütenflor der Ziergehölze, 
namentlich an den Syringen, Prunus, Ribes, Paeonien und auch der Bosen, 
gewiss ein Zeichen dafür, dass auch hier die vorangegangene Trockenheit 
und Hitze des Sommers 1911 den Blütenknospenansatz und die Reife des 
Holzes ausserordentlich begünstigt hatte. 

Nicht unerwähnt darf auch bleiben, dass Jasminum undiflorum im 
Herbst 1911 seine ersten Blüten, obgleich der heisse Sommer vorher¬ 
gegangen war, erst Mitte Dezember im Freien öffnete, während im Herbst 
1912 mit dem vorangegangenen kalten, nassen Sommer, der Blütenflor an 
diesem Strauche schon am 2. November einsetzte. Man hätte hier das 
Gegenteil erwarten können, wenn man einen Vergleich der Blütezeiten 
mit den Witterungsverhältnissen der beiden Jahre anstellen würde. 

Den schroffsten Gegensatz zu den Blütezeiten von Jasminum undi¬ 
florum bildete Chimonanthus praecox, der im Herbst 1911 schon Anfang 
Dezember in Blüte stand, während in den Herbstmonaten des darauffolgenden 
Jahres sich noch keine Blütenknospen entfalteten. Erst im Januar 1913 
konnten die ersten offenen Blüten an dem Strauche beobachtet werden. 

In den Gewächshäusern legte man im verflossenen Jahre auf die 
Kultur nachstehender Handelspflanzen einen besonderen Wert, die in 
grösserem Umfange gezogen wurden: 

1. Englische Pelargonien (Odier Pelargonien), 

2. Primula obconica und chinensis, 

3. Cyclamen, 

4. Hortensien. 

Bei den englischen Pelargonien konnte bei den Kulturarbeiten die 
Erfahrung gesammelt werden, dass das Verpflanzen der überwinterten 
jungen Pflanzen nicht zu zeitig im Frühjahr vorgenommen werden sollte. 
Die ungünstigen trüben und kalten Witterungsverhältnisse, mit denen man 
in der Regel im Februar und März zu rechnen hat, sind den verpflanzten 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


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englischen Pelargonien oft recht nachteilig. Die Pflanzen kommen im 
Wachstum nicht voran und viele gehen, wenn nicht ganz besonders vor¬ 
sichtig gegossen wird, in der Entwicklung zurück oder sterben ab. Ausser¬ 
dem erscheint es ratsam, die englischen Pelargonien nach dem Verpflanzen, 
wenn irgend möglich und wenn auch nur für kurze Zeit, auf einen er¬ 
wärmten oder heizbaren Mistbeetkasten zu bringen, wo eine leichte Boden¬ 
wärme von 15—18 0 C. gegeben werden kann. Bei einer solchen Boden¬ 
wärme werden die Pflanzen die Störungen, die durch das Verpflanzen 
hervorgerufen werden, schnell überwinden, zu einem guten Austrieb an¬ 
geregt und kräftigere Triebe bilden. Die Bodenwärme braucht den Pflanzen 



Abb. 13. Teilansicht eines Pflanzenkni tur-Hauses der Koni gl. Lehranstalt mit englischen Pelargonien, 

die in voller Blüte stehen. 


allerdings nur kürzere Zeit (3—4 Wochen) geboten werden, denn später 
lohnt es sich mehr, die Weiterkultur in luftigen, geräumigen Häusern vor¬ 
zunehmen. 

Von den hier kultivierten Sorten können die nachstehenden mit Rück¬ 
sicht auf Grösse und Färbung der Blüten sowie auf Reichblütigkeit be¬ 
sonders empfohlen werden: 

Obergärtner Henze, Dr. Nagel, 

Schneewittchen, Georg Künzel, 

Regine Neubronner, Anna Rolloff, 

Frau Cora Scheuzer, Direktor Zink, 

Perle von Neuulm, Mein Liebling, 

Deutscher Ruhm, Wolfgang von Goethe, 

Fürstin Antoniette von Hohenzollern, Frl. Kettner. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Bei der Kultur der Primula obconica haben vergleichende Versuche 
gezeigt, dass es nicht ratsam ist, die Kultur dieser Pflanzen in leichter oder 
stark gedüngter Erde vorzunehmen; auch die Vermischung des Erdreichs 
mit Torf hat sich nicht bewährt. Das Gelbwerden der Blätter und die 
mangelhafte Entwickelung der Pflanzen scheinen direkte Folgen hiervon zu 
sein. Eine gute Gartenerde, mit etwas Düngererde vermischt, unter Zusatz 
von genügenden Mengen scharfen Flussand, scheint die besten Kulturerfolge 
zu sichern. 

Bei der Kultur von Alpenveilchen scheint von besonderem Werte zu 
sein, nur Saatgut von besten Mutterpflanzen und anerkannt ersten Züchtern 
für die Aussat zu verwenden, wenn man auf Sämlinge mit guten Eigen¬ 
schaften in bezug auf Haltung und Form der Blüte, Blütenfärbung, Be¬ 
laubung etc. mit Bestimmtheit rechnen will. Die durch Aussaat gewonnenen 
oder die direkt bezogenen Sämlinge scheinen sich, je nach den einzelnen 
Züchtern, von denen das Saatgut oder die Sämlinge bezogen wurden, bei 
der späteren Kultur und in ihren Eigenschaften sehr abweichend zu ver¬ 
halten. Die in dieser Beziehung gesammelten Erfahrungen sollen im 
nächsten Jahresbericht, nachdem die Beobachtungen zum Abschlus ge¬ 
kommen sind, in eingehender Weise besprochen werden. 

Bei der Kultur der Hortensien wurden fast ausschliesslich die 
französischen Züchtungen verwendet, unter denen die nachstehenden Sorten 
als besonders empfehlenswert bezeichnet werden können: 

1. Generalin Vicomtesse de Vibraye, ist ausserordentlich reichblühend 
und bringt grosse lebhaft rosagefärbte Dolden. 

2. Souvenir de Mme Reault, zählt zu denjenigen Sorten, die mit 
den grössten Blütendolden ausgezeichnet sind. 

3. Souvenir de Mme Chantard, hat sich als sehr reichblühend aus¬ 
gezeichnet, mit mittelgrossen, lebhaft rosagefärbten Blüten. Eine der besten 
Sorten zur Erzielung der blauen Blütenfärbung. 

4. Mme E. Mouillere, mit fast reinweissen Blüten, die sehr reich an 
den Pflanzen erscheinen. Sie steht in der Keichblütigkeit wohl oben an. 

5. La Lorraine, bringt mit die grössten Blütendolden, deren Blüten 
rosa gefärbt und mit leicht gezacktem Bande versehen sind, wodurch die 
Blüten ein sehr gefälliges Aussehen zeigen. 

6. Bouquet Rose, bringt ebenfalls recht grosse Blütenstände in leb¬ 
haft rosa Färbung. Für die blaue Färbung der Blüten ist sie sehr' geeignet. 

7. Radiant, mit grossen ballförmig geschlossenen Blütenständen, die 
auf langen, straffen Stielen getragen werden. Von Natur zeigen die 
Blüten eine tief rosa Färbung, die sich leicht blau färben lassen. 

8. Souvenir de Claire, ist reichblühend, scheint aber die Blüten nur 
auf Trieben an einjährigem Holz zu bringen. Auch diese Sorte ist für 
die Erzielung einer blauen Blütenfärbung sehr geeignet. 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


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I. Prüfung von Pflanzenneuheiten. 

Ageratum Koppitz. 

Diese Pflanzenneuheit ist eine Einführung der Firma Bornemann- 
Blankenburg a. Harz und bildet ein Gegenstück zu der älteren Sorte 
„Leipziger Kind“. Der Bau der Pflanze ist niedrig und gedrungen. Der 
Blütenflor ist ein überaus reicher, und die Blüten weisen eine dunkelblaue 
Färbung auf mit einem leicht rosig-violetten Schein. Zur Einfassung von 
Blumenbeeten ist diese Pflanzenneuheit sehr zu empfehlen, doch ist dabei 
zu beachten, dass sie auf nicht zu stark gedüngtem Boden stehen muss, 
wenn sie anstatt einer starken Laubentwicklung sich durch reichen Blüten¬ 
flor auszeichnen soll. 

Primula chinensis Salmoneum. 

In dieser Pflanzenneuheit haben wir eine Primel, welche im Farben¬ 
spiel der Blüten mit dem der Cyclamen Salmoneum fast übereinstimmt. 
Die Farbe der Blüten wechselt vom zartesten Rosa bis zum leuchtenden 
Carminrosa und ist für das Auge ausserordentlich angenehm in der Wirkung. 
Sie bildet ein gutes Gegenstück zu der ebenso wertvollen älteren Sorte 
„Morgenröte“, indem sie neben der schönen Färbung sich durch grosse 
Blüten, schönen Bau der Pflanze und gute Haltung ausgezeichnet. Für 
den Handel wird diese Primel von grossem Werte sein und dürfte recht 
bald eine weite Verbreitung in den Kulturen finden. 

Pelargonium Zonale „Bavaria“. 

Die Pflanze zeigt einen gedrungenen Bau, blüht sehr reich und bringt 
starke Blütenstände, die hoch über dem Laubwerk getragen werden mit 
recht grossen Einzelblüten. Die Färbung der Blüten ist leuchtend dunkel¬ 
rot und hat eine grosse Ähnlichkeit mit der älteren Sorte „Cardinal“. 
Gegen Niederschläge zeigten sich die Blüten recht widerstandsfähig, so 
dass es eine Sorte zu sein scheint, die zur Bepflanzung der Blumenbeete 
wertvoll ist. 

Pelargonium Zonale „Edelweiss“. 

Diese Sorte ist in der Form und Farbe der Blüten mit der älteren 
Sorte Frau Rentier Wünsche zum Verwechseln ähnlich, nur scheint sie 
gedrungener im Bau zu bleiben. Gegen Niederschläge scheint sie sehr 
empfindlich zu sein, denn jeder stärkere Regen bringt die Blütenblätter 
zum Abfall. Als Freilandpelargonie ist sie als wertlos zu bezeichnen. 

Pelargonium Zonale „Nobel“. 

Die grossen Blüten dieser Sorte weisen eine leicht lachsrote Färbung 
auf, doch tritt sie in der Wirkung nicht genügend hervor. Auch der 
Blütenreichtum liess an den Pflanzen zu wünschen übrig. Der Bau der 
Pflanze ist gedrungen und das Wachstum schwach. Es scheint nur eine 
Sorte zu sein, welche sich zur Dekoration der Pflanzenhäuser eignet. 

II. Dem Gartenbaubetriebe überwiesene Geschenke. 

1. Von der Stadtgärtnerei Frankfurt a. M. eine Anzahl englischer Pelargonien der 
Sorte: Ostergruss. 

Geleenheimer Jahresbericht 1912. ® 


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U. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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2. Von der Stadtgärtnerei Essen a. Ruhr einige Pflanzen von: 

Verbena hybrida „Das Märchen“. 

„ „ „Miss Ellen Willmott“. 

Ageratum Blue Perfection. 

„ Gertrud Thomi. 

3. Von der Landwirtschaft!. Hochschule Tokio (Japan) einige neue Chrysanthemum. 

4. Von Herrn Obergärtner Peters in Godesberga.Rh. eine Pflanze Allamanda Hendersoni. 

5. Von der Firma Goos & Koenemann in Nieder-Walluf a. Rh. einige Pflanzen der 
Nelkenzüchtung „Titania“. 

6. Aus der Grossherzogi. Hofgärtnerei Karlsruhe einige Pflanzen von Vittadinia triloba. 

7. Aus der städt. Gartenverwaltung Wiesbaden Samen von Vittadinia triloba. 

8. Von der Firma Gerbitz & Wiebicke in Hamburg-Eilbeck verschiedene Modelle von 
Fenstersprossen und Lüftungsvorrichtungen für Gewächshäuser. 

Den freundlichen Gebern sei an dieser Stelle noch einmal der Dank der Königl. 
Lehranstalt ausgesprochen. 


2. Beobachtangen über die Widerstandsfähigkeit verschiedener 
Rosensorten gegen die Witterungseinflüsse des letzten Sommers. 

Die ungünstigen Witterungsverhältnisse des letzten Sommers, be¬ 
sonders während der Monate August—September, übten im allgemeinen 
einen recht ungünstigen Einfluss auf den zweiten Blütenflor der Rosen aus 
und manche Sorte, die in den anderen Jahren sich recht gut bewährte, 
hat in dem letzten fast vollständig versagt oder nur vereinzelt ihre Blüten 
zur vollen Entfaltung gebracht Selbst der Blütenreichtum, wie er in 
anderen Jahren manchen Sorten eigen ist, hatte derart zu leiden, dass auch 
diese Eigenschaft nicht zur Geltung kam. Man erkennt hieraus die grosse 
Verschiedenheit der einzelnen Rosensorten lin ihrer Widerstandsfähigkeit 
gegen die Witterungseinflüsse. Nach den von mir gemachten Beobachtungen 
haben sich die nachstehenden Sorten recht gut bewährt und trotz des 
kühlen regnerischen Wetters und bei guter gesunder Belaubung einen 
vollen Blütenflor zur Entfaltung gebracht. 

1. Charlotte Klemm, Teehybridrose. 

Die Blüten sind mittelgross, gut gefüllt mit brennend blutroter 
Färbung. Bei guter Verzweigung der Pflanze entwickelt sich ein reicher 
Blütenflor und beide Eigenschaften machen diese Sorte zu einer sehr 
dankbaren Gruppenrose. 

2. Dean Hole, Teehybridrose. 

Die sehr zahlreich erscheinenden Blüten sind gross, schön geformt 
und in der Färbung lebhaft lachsfarben. Es ist eine Sorte, die alle Be¬ 
achtung verdient und der Empfehlung wert ist. 

3. Celia, Teehybridrose. 

Die gut gefüllten Blüten sind lebhaft rosa gefärbt, werden auf straffen 
Trieben getragen und erscheinen, namentlich im Herbstflor, überaus zahl¬ 
reich. Als Hochstammrose ist sie besonders empfehlenswert. 

4. Rosomane Narcisse Thomas, Teerose. 

Die Blüte ist mittelgross, schön in Form und Scharlach in kupferrot 
übergehend gefärbt. Der Blütenflor ist ein reicher. 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


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5. Kaiser Wilhelm II., Teehybridrose. 

Die Färbung der Blüten ist karmoisin- und feuerrot mit samtig¬ 
schwarzem Anflug. Die leicht sich öffnenden Blüten erscheinen sehr zahl¬ 
reich und halten selbst bei grosser Hitze recht gut die Färbung. 

6. Jonkheer J. L. Mock, Teehybridrose. 

In der leuchtend lilaroten Färbung der Blumenblätter, die umgeschlagen 
silberig erscheinen, erinnert sie an die bekannte Sorte „Farbenkönigin“ 
und trägt ihre Blüten schön aufrecht auf starken Trieben. 

7. Lady Ashtown, Teehybridrose. 

Neben reichem Blütenflor ist es die schöne Form und die reinrosa 
Färbung der Blüten, die diese Sorte zu einer der besten neueren Rosen¬ 
sorte macht. 

8. Laurent Carle. 

Die schön geformten, gut gefüllten scharlachroten Blüten dieser Sorte 
werden meist einzeln auf langen Stielen getragen und erscheinen recht 
zahlreich an den Pflanzen. 

9. Le Progress, Teehybridrose. 

Neben einer gesunden Entwicklung der Pflanze zeigen die schön 
geformten Blüten eine goldgelbe bis nankingelbe Färbung und sind recht 
wirkungsvoll. 

10. Mme Jenny Gillemot, Teehybridrose. 

Die Blütenknospe ist nankingelb gefärbt, schön hoch gebaut und edel 
in der Form. Die offene Blüte ist gut gefüllt und safrangelb. Eine sehr 
dankbar blühende Rosensorte. 

11. Mme Ravary, Teehybridrose. 

Die grossen kugelförmig gebauten Blüten weisen eine orangegelbe 
Färbung auf und erscheinen sehr zahlreich an den Pflanzen. 

12. Mme Segoud Weber, Teehybridrose. 

Die schalenförmigen Blüten sind zart lachsrosa gefärbt mit leuchtender 
Mitte und werden auf langen, straffen Stielen getragen. Der Blütenflor ist 
sehr reich. * 

13. Mrs. Arthur Robert Waddell, Teehybridrose. 

Als Gruppenrose ist diese Sorte besonders wertvoll, weil sie überaus 
dankbar blüht und durch das Farbenspiel der Blüten eigenartig wirkt. Die 
Färbung der Blüten ist lachsfaibig mit granatroter Rückseite der Blüten¬ 
blätter. 

14. Natalie Böttner, Teehybridrose. 

Die Blüten sind hellgelb, schön gebaut und gut gefüllt. Der kräftige 
Wuchs und die straffe Haltung der Triebe machen diese Sorte wertvoll 
zur Bepflanzung von Gruppen. 

15. Pharisäer, Teehybridrose. 

Die Färbung der Blüten ist weisslich rosa mit dunkler lachsrosa 
Mitte. Die Blütenknospen sind schön hoch gebaut. 

6 * 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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16. Mad. Gaston Worth, Teehybridrose. 

Die meist einzeln auf langen Trieben getragenen Blüten sind karmin- 
rosa gefärbt und auf der Rückseite der Blütenblätter macht sich ein leicht 
gelber Anflug bemerkbar. 

17. Prince de Bulgarie, Teehybridrose. 

Die Färbung der Blüten ist fleischrosa mit lachsfarbigem Schimmer. 
Blütenknospe und geöffnete Blüte sind von edler Form. Die grosse Be¬ 
laubung unterstützt die Wirkung des Blütenflors. 

18. Richmond, Teehybridrose. 

Die ziemlich gefüllten, scharlachrot gefärbten Blüten haben die gute 
Eigenschaft, dass sie sich im Verblühen nicht blau färben. 

19. Hugh Dickson, Remontant-Rose. 

Die sehr zahlreich erscheinenden Blüten sind schön geformt und 
scharlachrot gefärbt. Gegen die Einwirkung der Sonnenstrahlen ist sie 
widerstandsfähig, indem sie nicht verbrennt. 

20. Nervelt, Teehybridrose. 

Die Blüten sind feuerrot in der Färbung, öffnen sich sehr leicht und 
werden auf langen Trieben getragen. 

21. Rayon d’or. 

Die eigenartige Färbung der Blüten, die rein kadmiumgelb ist, ist so 
auffallend in der Wirkung, dass diese Sorte für den Rosenliebhaber sehr 
wertvoll erscheint. 

Es ist jedenfalls der Beachtung wert, auch die Eigenschaften der 
einzelnen Sorten in dieser Hinsicht festzustellen und sowohl bei der Ver¬ 
wendung in den Gartenanlagen wie auch besonders bei der Neuzüchtung 
von Rosensorten hierauf Rücksicht zu nehmen, damit nicht nur neue, 
sondern auch widerstandsfähige Sorten gewonnen werden. Unter den 
zahlreichen Rosenneuheiten der letzten Jahre sind leider viele Sorten, die 
in bezug auf Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse usw. recht zu 
wünschen übrig lassen. 

B. Obsttreiberei. 

In dem grossen Weintreibhause waren im verflossenen Jahre grössere 
Arbeiten erforderlich. Das Alter der vorhandenen Rebstöcke und damit 
im Zusammenhang stehend die geringe Grösse der Trauben und der 
Einzelbeeren, machten es erforderlich, eine Erneuerung eintreten zu lassen. 
Bei diesen Erneuerungsarbeiten sind 2 Verfahren eingeschlagen worden. 
Auf d£r einen Seite des Weintreibhauses (Sattelhaus) sind die vorhandenen 
Rebstöcke gänzlich entfernt, das Erdreich rigolt und teilweise durch neues 
ersetzt und zur Neubepflanzung junge, einjährige Topfreben verwendet 
worden. Auf der anderen Seite des Hauses sind die vorhandenen Reb- 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usvv. 


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stocke nur verjüngt, d. h. auf etwa 30 cm über dem Boden zurück- 
gescünitten, um aus ihnen wieder einen neuen Stock zu ziehen. 

Diese beiden Verfahren sind eingeschlagen worden, um festzustellen, 
ob eine Neupflanzung oder die Verjüngung der vorhandenen Stöcke im 
gegebenen Falle als vorteilhafter bezeichnet werden kann. Das Ergebnis 
soll in den später erscheinenden Jahresberichten der Lehranstalt ver¬ 
öffentlicht werden. 

0. Arbeiten im Parke der Lehranstalt. 

1. Bepflanzung von Blumenbeeten. 

ln der Bepflanzung der Blumenbeete des letzten Jahres haben sich 
die nachstehenden Zusammenstellungen als recht wirkungsvoll im Farben¬ 
spiel erwiesen: 

a) Zusammenstellung in der Bepflanzung für den Frühjahrsflor. 

Beet Nr. 1. Zur Verwendung kamen: Darwin-Tulpen in der Sorte 
Henry Veitch in lockerer, gleichmässiger Verteilung auf der ganzen Beet- 



Abb. 14. Blumenbeet Nr. 3. Bepflanzung in voller Blüte stehend. 


fläche mit einer Unterpflanzung von Primula elatior aurea grandiflora 
(Vierländer Primel) und einer schmalen Einfassung von Aubrietia tauricola. 
Die satte Färbung der Tulpenblüte (dunkel kastanienbraun) hebt sich vor¬ 
züglich auf dem goldgelben Untergründe der Primelblüte ab und bildet 
mit dem lichten Violettblau der Aubrietienblüte ein wirkungsvolles Farben¬ 
spiel, zumal alle drei Pflanzen zu gleicher Zeit blühen und auch in der 
Blütendauer ziemlich übereinstimmend sind. 

Beet Nr. 2. Zur Bepflanzung wurde die Tulpe (Chapeau de Cardinal) 
in lockerer Verteilung auf der ganzen Beetfläche mit einem Untergrund 
von Viola tricolor „Azurblau“ verwendet. Die dunkelrote Färbung der Tulpen¬ 
blüte steht vorzüglich zu der azurblauen Färbung der Stiefmütterchenblüte 
und gibt der gärtnerischen Anlage eine schöne Farbenwirkung. 

Beet Nr. 3. Für die Bepflanzung des Beetes wurde die Tulpensorte 
Proserpine verwendet mit einem Untergrund von Arabis albida fl. pl. 
Auch in dieser Zusammenstellung ergab sich eine schöne Farbenwirkung. 
Die carminrosa Färbung der Tulpenblüte auf dem weissen Untergründe der 
Arabisblüte ist von schöner Wirkung. 


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II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


b) Zusammenstellung in der Bepflanzung für den Sommerflor. 

Beet Nr. 1. Lobelia cardinalis Queen Viktoria in einzelnen Trupps 
auf der Beetfläche verteilt mit einem Untergründe blaublühender Verbenen 
und einer Einfassung von Mesembrianthemum cordifolium fol. var. Die 
tiefdunkelroten Blätter und die leuchtendroten Blüten der Lobelien auf 
dem sattblauen Untergründe der Verbenenblüten heben sich vorzüglich ab, 
und die Leuchtkraft des Farbenspiels wird durch die rahmweisse Ein¬ 
fassung noch unterstützt. Die Zusammenstellung der Bepflanzung wirkt 
locker und leicht, weil sich die Lobelien hoch über den Verbenen erheben. 

Beet Nr. 2. Pelargonium zonale „Wilhelm Langguth“ mit einer Ein¬ 
fassung von Ageratum „Leipziger Kind“. 

Die Wirkung des Farbenspiels dieser Bepflanzung war recht schön. 
Die feurigroten Blüten der Pelargonien auf der weissbunten Belaubung dieser 
Pflanze heben sich vorzüglich aW und bildet mit der lichtblauen Einfassung 
der Ageratumblüte eine schöne und für das Auge wohltuende Wirkung. 

2. Beobachtungen über verschiedene Pflanzen, welche in den 
Parkanlagen Verwendung fanden. 

a) Vittadinia triloba. 

Unter den Geschenken, die im letzten Jahre der Kgl. Lehranstalt 
überwiesen wurden, ist die obige Pflanze bereits angeführt. Es ist eine 
kleinlaubige, sich reich verzweigende Pflanze, die einen Durchmesser von 
etwa 30 cm erreicht und deren Triebe sich fast kriechend über den Boden 
legen. Sie bringt eine Fülle kleiner, weisser Sternblüten, die im Ver¬ 
blühen eine leicht rötliche Färbung annehmen und überaus zahlreich von 
Mitte Mai bis zum Spätherbst erscheinen. Durch Aussaat Anfang März 
vermehrt, liefert sie schon für die Pflanzzeit ein passendes Material. Die 
Pflanzen sind mehrjährig, müssen im Kalthause überwintert werden und 
lassen sich dann auch durch Stecklinge leicht vermehren. Zur Einfassung 
grösserer Blumenbeete oder Staudenrabatten, sowie zur Unterpflanzung 
höherwachsender Pflanzen auf den Blumenbeeten ist sie sehr zu empfehlen. 

b) Zonal Pelargonie Wilhelm Langguth. 

Die Witterungsverhältnisse des letzten Sommers waren für manche 
Pelargoniensorten, die zur Bepflanzung der Blumenbeete Verwendung fanden, 
recht ungünstig. Die Widerstandsfähigkeit der Blüten gegen Niederschläge 
und Fäulnis, der Blütenreichtum, das gedrungene Wachstum Hessen bei 
vielen Sorten sehr zu wünschen übrig. Manche Sorte hat auch fast voU- 
ständig versagt, wie bereits an anderer Stelle ausführlicher berichtet 
worden ist. Am besten bewährte sich hier, ausser der älteren Sorte Vesuv, 
die noch weniger bekannte und verwendete Sorte Wilhelm Langguth. Die 
feurigroten Blüten, die, auf straffen Stielen getragen, sich hoch über der 
weissbunten Belaubung der Pflanze erheben, haben trotz der regnerischen, 
kalten Witterung fast gar nicht geUtten und sich gut entfaltet. Nach den 
hier gesammelten Erfahrungen zählt diese Sorte zu einer der wertvollsten 
für die Verwendung auf den Blumenbeeten. 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


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c) Crocus speciosus und Zonatus. 

Unter den im Spätherbst (Oktober-November) noch blühenden Zwiebel¬ 
gewächsen sind diese beiden Crocus von allerliebster Wirkung. Die erstere 
bringt dunkelblaue und die letztere lavendelblaue Blüten zur Entfaltung 
und ihr Blütenflor hält 3—4 Wochen an. Vorteilhaft ist es, dieselben in 
leichter Gruppierung, namentlich zwischen locker gestellten Nadelhölzern, 
auf den Rasenflächen zu verteilen und die Pflanzung gegen Anfang Sep¬ 
tember vornehmen zu lassen. Wählt man bei der Pflanzung ausserdem 
noch einen halbschattigen Standort, so wird dadurch die Blütezeit noch 
wesentlich verlängert. Die Ansiedelung in den Gärten kann für Blumen¬ 
liebhaber sehr empfohlen werden. 

d) Colchicum speciosum. 

Nicht minder wertvoll für den Herbstflor ist auch diese riesenblütige, 
aus dem Kaukasus stammende Herbstzeitlose, welche bis zu 20 cm lange, 
prächtig blauviolette Blüten bringt. Starke Zwiebeln verwendet, gehört 
es nicht zu den Seltenheiten, dass oft 6—8 Einzelblüten sich aus jeder 
Zwiebel entfalten, die wie kleine Blütensträusse wirken. Auch diese 
Zwiebel wird Anfang September gepflanzt und eignet sich vorzüglich zur 
Ansiedlung auf den Rasenflächen in Verbindung mit locker gestellten 
Laub- oder Nadelhölzern. 

e) Tritoma uvaria Pfitzeri. 

Die Tritomen als Dekorationspflanzen auf den Rasenflächen verteilt 
oder auf den Staudenrabatten verwendet sind von gleich guter Wirkung 
und von hohem Wert für die Ausschmückung gärtnerischer Anlagen sowie 
für den Blumenschnitt. Die oft zahlreich erscheinenden Blütenschäfte in 
ihren leuchtenden Farben sind von ganz hervorragender Wirkung, zumal 
der Blütenflor im Hochsommer beginnt und sich bis in den Herbst hinein 
fortsetzt. Besonders gilt dies von der oben angeführten Sorte, die hier 
verwendet, sich als besonders reich blühend gezeigt hat und die fast den 
ganzen Sommer hindurch ihre Blüten zur Entfaltung brachte. Sie ist 
entschieden als Gartenstaude zur Anpflanzung zu empfehlen und verdient 
die weiteste Verbreitung in den Gärten. 

f) Fuchsie „Alice Hoffmann“. 

Für die Bepflanzung kleinerer Blumenbeete oder zur Einfassung derselben 
gibt es wohl kaum eine geeignetere Fuchsie als die oben erwähnte Sorte. 
Bei schwachem Wachstum zeigt sie einen recht gedrungenen Bau, ist 
kleinlaubig und bringt eine Fülle von Blüten, die fast senkrecht gestellt 
sind und sich hoch über dem Laubwerk erheben. Die Färbung der Blüten, 
deren Sepalen dunkelrot und deren Korolle reinweiss gefärbt ist, ist recht 
lebhaft und sehr wirkungsvoll. In voller Sonne stehend, nehmen die Blätter 
einen rötlich-braunen Ton an und bilden mit dem Farbenspiel der Blüten 
einen besonderen Schmuck der Pflanze. 


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88 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 

g) Rose Charlotte Klemm, Teehybridrose. 

Als Gruppenrose ist diese Sorte von hohem Wert. Sie bringt eine 
Fülle brennend blutroter, mittelgrosser leicht gefüllter Blüten, die auf 
straffen Stielen hoch über dem Laubwerk getragen werden und blüht fast 
ununterbrochen während der ganzen Sommerzeit bis spät in den Herbst. 
Niedrig bleibend und sich reich verzweigend sind Eigenschaften, die als 
Gruppenrose sehr geschätzt werden. Unter den Witterungsverhältnissen 
des letzten Sommers hat sie nicht zu leiden gehabt, was zu erkennen gibt, 
dass sie widerstandsfähig ist. 

h) Primula Forbesii. 

Unter den Primeln, die zur Topfkultur wertvoll sind und auch im 
freien Lande während der Sommerzeit Verwendung finden können, ist die 
Primula Forbesii von besonderem Wert. Das Saatgut derselben Anfang 
Dezember auf einer Schale im Gewächshaus ausgesät und die jungen 
Pflanzen in geeigneter Weise behandelt, erhält man bis Anfang Mai starke 
Pflanzen, die mit ihrem Blütenflor einsetzen und ununterbrochen bis zum 
Spätherbst blühen. Die Blüten erscheinen überaus reich und sind in ihrer 
rosalila Färbung von aparter Wirkung. Ein halbschattiger Standort sagt 
den Pflanzen am meisten zu. 

i) Dimorphoteca aurantiaca. 

Auf den Wert dieser Pflanze zur Ausschmückung der Blumenrabatten 
ist bereits in einem früheren Jahresbericht der Königl. Lehranstalt hin¬ 
gewiesen worden. Wenn auch in diesem Jahre noch einmal Gelegenheit 
genommen wird, diese Pflanze zu erwähnen, so geschieht dies aus dem 
Grunde, um auf verschiedene Eigenschaften hinzuweisen, die bei der 
weiteren Verwendung der Beachtung wert sind, wenn sie zur vollen 
Geltung kommen soll. Dimorphoteca ist nicht nur wertvoll zur Verwendung 
auf den Blumenrabatten, sondern auch zur Bepflanzung von Blumenbeeten 
geeignet, wo sie in der Massenwirkung noch mehr zur Geltung kommt. 
Der ausserordentlich reiche Blütenflor, die grossen Margueriten ähnlichen 
Blüten in ihrer dunkel orangegelben Färbung sind von ganz auffallend 
schöner Wirkung, und schön steht die Farbe zwischen weiss und einem 
lichten Blau. Leider hat sie die Eigenschaft, dass sie ihre Blüten erst 
spät am Morgen öffnet und bei genügender Wärme. An trüben Tagen, an 
schattigen Stellen angepflanzt oder in rauhen Gegenden verwendet, wird 
sie ihre Schönheit nur wenig zur Geltung bringen und ihren Zweck kaum 
erfüllen, weshalb ein sonniger Standort, eine geschützte Lage für die Ver¬ 
wendung in Betracht gezogen werden müssen. Es empfiehlt sich weiterhin 
diese Pflanze vorwiegend für die Monate Juni, Juli bis Mitte August zur 
Bepflanzung der Blumenbeete zu verwenden, da sie in den Herbstmonaten, 
mit Rücksicht auf die früher erwähnten Eigenschaften der Blüten, kaum 
lohnend ist. Eine zeitige Aussaat (Anfang März) und eine Vorkultur in 
Töpfen, damit die Pflanzen bei der Verwendung Ballen halten, ist zu 
empfehlen. 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


89 


Als geeignete Zusammenstellungen können empfohlen werden: Dimor- 
photeca aurantiaca in leichter Anordnung auf der Beetfläche verteilt mit 
einem Untergründe von Lobelia „Hamburgia“ und einer Einfassung von 
Ageratum „Leipziger Kind“. Wirkungsvoll ist auch die Verwendung in 
der Weise, dass Dimorphoteca den Bestand des Beetes bildet, und dass 
eine Einfassung von weissblühenden Ageratum oder Lobelien gewählt wird. 
Die in den Handel als Neuheiten gebrachten Hybriden sind weniger wertvoll, 
weil die Färbung der Blüten nicht rein ist. 

k) Fuchsie Adolf Wenzel. 

In empfehlenswerter Weise muss auch an dieser Stelle auf die oben 
erwähnte Fuchsie hingewiesen werden, obgleich es eine ältere Sorte ist. 
Die Sepalen der Blüte sind korallenrot und die Korolle purpurviolett ge¬ 
färbt. Die Blüten erscheinen ganz besonders reich an den Pflanzen und 
der Blütenflor hält ununterbrochen an. Wertvoll ist die Eigenschaft, dass 
die Blüten über dem Laubwerk erscheinen, und dass sie mehr in wage¬ 
rechter und aufrechter Stellung getragen werden. Für die Anzucht von 
Hochstämmen eignet sich wohl kaum eine Sorte so gut wie diese, und es 
gelingt mit Leichtigkeit, von der Frühjahrsvermehrung noch 0,80 bis 
100 cm hohe Stämmchen zu ziehen, die bis Anfang Juni mit vorgebildeter 
Krone fertig zum Auspflanzen sind. 

I) Antirrhinum majus nanum „Morgenröte“. 

Die Verwendung der Sommerblumen zur Ausschmückung von 
Staudenrabatten usw. hat auch die Aufmerksamkeit auf verschiedene 
Löwenmaulsorten gelenkt, die in ihrem Blütenreichtum, dem anhaltenden 
Blütenflor und der Widerstandsfähigkeit gegen die Witterungsverhältnisse 
von hervorragendem Werte sind. Ganz besonders schön ist die von der 
Firma Gebr. DiPPEe in Quedlinburg als Neuheit in den Handel gebrachte 
Sorte „Morgenröte“. Die Blüten sind leuchtend Zinnoberscharlach mit 
weissem Schlund. Sie verdient die grösste Beachtung und ist wertvoll 
für jeden Garten. 

m) Antirrhinum majus nanum „Creseia“, Schwarzer Prinz. 

Eigenartig in der Wirkung des Farbenspiels der Blüten und Blätter 
ist auch diese Sorte. Die tief dunkelbraunrote Färbung der Blätter steht 
in vorzüglicher Wirkung zu den dunkel-blutroten Blüten. In geeigneter 
Weise verwendet, natürlich auf hellfarbigem Untergründe, ist auch diese 
Sorte der Beachtung wert. 

3. Interessante and wertvolle Gehölze aus den Parkanlagen 
der Kgl. Lehranstalt. 

Syringa dubia Pers. 

Der zweifelhafte oder chinesische Flieder, welcher auch häufig unter 
der Bezeichnung S. chinensis Willd. oder S. rothomageusis Renault geführt 
wird, ist infolge seines ausserordentlichen Blütenreichtums und seiner 


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90 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


lang anhaltenden Blüten wegen gar nicht genug zur Ausschmückung 
gärtnerischer Anlagen zu empfehlen. Er blüht entschieden viel reicher 
als S. vulgaris und seine Abarten, ist mit seinen dünnen Ästen und Zweigen 
viel zierender als letzterer und besitzt dabei die gute Eigenschaft, dass 
er nicht so üppig wächst und wenig Ausläufer bildet. 

Seine volle Schönheit entfaltet der Strauch besonders dann, wenn er 
einzeln steht und wenn ein recht sonniger Platz bei seiner Anpflanzung 
gewählt wird. Leider wird er in den Gärten vielfach an schattigen Stellen 
unter den Bäumen gepflanzt, angetroffen, was entschieden als ein grosser 



Abb. 15. Syringa dubia Pers., zweifelhafter oder chinesischer Flieder. Syn. S. chinensis WillcL, 
S. Rothomagensis A. Rieh., Strauch in voller .Blüte stehend. 


Fehler anzusehen ist und wodurch sein Blütenreichtum ganz auserordent- 
lich geschmälert wird. Die Abbildung 15 zeigt den Strauch in voller Blüte 
stehend und in einem Durchmesser von 5 m. 

Citrus trifoliata L., Dreiblättrige Zitrone. 

„Citrus trifoliata“, die dreiblättrige Zitrone, auch fälschlich unter dem 
Namen „Thriphasia trifoliata“ in den Gärten vorkommend, ist ein noch 
ziemlich seltener und weniger bekannter Strauch Japans, der noch lange 
nicht die gebührende Anerkennung und Verbreitung in den Gärten ge¬ 
funden hat, die er verdient. 

Citrus trifoliata gehört zur Familie der Rutaceae, der Rautengewächse 
und erreicht eine Höhe von 1—2 m. Die kahlen, grünen Zweige sind 
kantig und gedreht und mit den einzelnen, in den Achsen der Blätter 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


91 



stehenden, langen Dornen besetzt. Der Bau des Strauches ist leicht und 
zierlich; die aufrechtstehenden Äste sind mit graziös stehenden Zweigen 
besetzt. Die leuchtend dunkelgrünen, dreizähligen Blätter werden auf 
mehr oder weniger breitgeflügelten, langen Stielen getragen. Die wohl¬ 
riechenden, weissen, zarten, ziemlich grossen Blüten erscheinen im Mai, 
oftmals aber auch noch vereinzelt später im Sommer, einzeln oder zu 
zweien, achselständig. Die Frucht ist kugelig anfangs grün, später mit 
Eintritt der Herbstmonate goldgelb und angenehm duftend. Die volle 


Abb. 16. Citrus trifoliata L dreiblättrige Zitrone, Strauch in voller Blüte stehend. 

Schönheit dieses Strauches kommt aber nur dann zur Geltung, wenn er 
als Einzelstrauch auf Rasenflächen steht. Hier dürfen ihn aber auch, wenn 
er im Mai in der Pracht seiner Blüten oder im September—Oktober im 
Schmucke seiner goldgelben Früchte steht, kaum ein anderer Strauch in der 
Schönheit übertreffen. In warmen geschützten Lagen angepflanzt, hält die 
dreiblättrige Zitrone ohne jede Deckung, wie hier am Rhein seit Jahren 
beobachtet wurde, aus, doch ist es zweckmässig, dass dieser Strauch an 
weniger günstig gelegenen Plätzen oder in rauheren Gegenden angepflanzt, 
eine gute Deckung mit Fichtenreisig im Winter erhält. 

Die Vermehrung geschieht durch Samen und ist es zweckmässig, die 
Aussaat auf Kästen oder Schalen in einem Gewächshause auszuführen, wie 


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92 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


es sich auch weiter empfiehlt, die Anzucht der jungen Pflanzen in den 
ersten Jahren in Töpfen vorzunehmen. 

Chimonanthus praecose L., Gemeine Winterblüte oder frühblühender 

Gewürzstrauch. 

Syn. Calycanthus praecox L. 

Chimonantus fragrans Lindl. 

Calycanthus fragrans Lindl. 

Dieser aus Japan eingeführte und zu der Familie der Calycanthaceae, 
der Gewürzsträucher, gehörige, prächtige Strauch hat trotz seiner Schön¬ 
heit noch lange nicht die gebührende Verbreitung in den Gärten gefunden, 
in denen er vielmehr immer noch zu den seltenen Erscheinungen gehört. 

Er erreicht eine Höhe von 2—2 1 / 2 m, sein Bau ist leicht und zier¬ 
lich, die braunen Äste sind mit graziös stehenden Zweigen besetzt. Seine 
Schönheit kommt deshalb auch nur dann zur vollen Geltung, wenn er als 
Einzelstrauch auf Rasenflächen steht; hier dürfte ihm aber auch, wenn er 
im Monat März, oft schon früher, in der Pracht seiner zahlreichen braun¬ 
gelben, köstlich duftenden Blüten steht, kaum ein anderer, gleichzeitig 
blühender Zierstrauch an die Seite zu stellen sein. Nach der Blütezeit 
entfalten sich die etwa 10 cm langen, lebhaft glänzend dunkelgrün ge¬ 
färbten, lanzettförmigen, auf der Oberseite rauhen Blätter, die im Herbst 
sich durch die gelbe Herbstfärbung auszeichnen. 

In geschützten, sonnigen Lagen, wo Kirschlorbeer und Aukuben aus- 
halten, angepflanzt, wird der Chimonanthus oder die Winterblüte recht gut 
fortkommen und ist ohne Deckung durch den Winter zu bringen, doch 
dürfte es sich empfehlen, eine leichte Bodendeckung mit Laub oder Fichten¬ 
reisig voizunehmen. Dort, wo die Winter strenge sind, ist eine starke 
Deckung des Strauches mit Fichtenreisig unumgänglich notwendig. 

Die Vermehrung dieses Strauches geschieht durch Ableger, kraut¬ 
artige Stecklinge oder aus Samen; letzterer wird bei uns in Deutschland, 
wie es scheint, nur an älteren Sträuchern hervorgebracht und ist nur in 
ganz vereinzelten Jahren, wo während der Blütezeit günstiges Wetter 
herrschte, anzutreffen. 

Alle die oben erwähnten guten Eigenschaften mögen dazu beitragen, 
diesen wirklich wertvollen Blütenstrauch in unseren Gärten und Park¬ 
anlagen mehr anzupflanzen, für die er einen prächtigen Frühjahrsschmuck 
bildet. 

Viburnum plicatum tomentosum Miquel, Filziger Schneeball. 

Dieser in Japan heimische und in Deutschland eingeführte Strauch 
hat leider in den gärtnerischen Anlagen noch recht wenig Verbreitung 
gefunden, obgleich er zur Anpflanzung sehr empfohlen werden kann. 

Der Strauch ist schwachwachsend, kaum die Höhe von 1,50 m über¬ 
schreitend, zeigt eine reiche Verzweigung mit ausgebreitetem Bau und 
bringt auf seinen fast wagerecht gestellten einjährigen Zweigen eine Fülle 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


93 


kugelförmiger Scheindolden, die in ihrer Grösse, in der langen Blüten¬ 
dauer und der schönen Haltung, deu gewöhnlichen Schneeball Viburnum 
opulus sterile bei weitem übertreffen. Als Eiuzelstrauch auf den Rasen- 



Abb. 17. Viburnum plicatum tomentosum Miquel, Filziger Schneeball. Strauch in voller Blüte stehend. 

flächen verwendet oder am Rande der Gruppen mit den Staudenpflanzungen 
vereinigt, ist er von hervorragender Wirkung und dient jeder Gartenanlage 
zur Zierde. 

Cornus florida L., Gemeiner Blumen-Hartriegel. 

Dieser in den östlichen Vereinigten Staaten von Nord-Amerika, 
namentlich in Florida, heimische, zu der Familie der Cornaceae, den Hart¬ 
riegelgewächsen, zählende Strauch, hat in unseren gärtnerischen Anlagen 
noch wenig Verbreitung gefunden. 

Der Blumen-Hartriegel ist ein, unser Klima im allgemeinen gut ver¬ 
tragender, langsam wachsender Strauch mit grünen, später rotbraunen 
Zweigen, die sich mehr wagerecht ausbreiten. 


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94 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


Die kleinen, vor Ausbruch der Laubblätter im Monat Mai erscheinen¬ 
den gelben Blüten sind von einer Rosette herzförmig ausgebreiteter, weisser, 
blumenblattartige Deckblätter umgeben, die sich später rötlich färben 
und die oftmals als die eigentlichen Blütenblätter angesehen werden. 

Nach der Blütezeit entfalten sich die eirunden bis ovalen, ganz- 
randigen, blassgrünen Laubblätter, welche sich im Herbst durch eine 
prächtige Herbstfärbung auszeichnen. 

Es empfiehlt sich, den Strauch mit Rücksicht auf sein schwaches 
Wachstum in Einzelstellung auf den Rasenflächen zu verwenden und einen 
halbschattigen Standort bei der Anpflanzung desselben auszusuchen. In 



Abb. 18. Cornus florida L., Gemeiner Blumen-Hartriegel. Strauch in voller Blüte stehend. 


dieser Verwendung ist er von hervorragendem Werte und dürfte sowohl 
zur Zeit der Blüte, wie auch im Schmucke seiner prächtigen Herbstfärbung 
die Aufmerksamkeit des Pflanzenfreundes auf sich lenken. 

D. Prüfung von Geräten, Materialien usw. 
a) Frühbeetfenster Rekord, 

hergestellt von dem Metallziehwerk Rekord, G. m. b. H., Eltville a. Rh. 

Die Herstellung dieser Fenster geschieht nach den Angaben der Firma 
in folgender Weise: „Ein massiver, mit einem besonderen Öl getränkter 
Holzkern wird mit einem gefalzten Stahlmantel luftdicht umzogen und zum 
Fensterrahmen elektrisch zusammengeschweisst. Das Metall als guter 
Wärmeleiter wird von dem als schlechten Wärmeleiter bekannten Holz¬ 
kern beeinflusst und nimmt die Temperatur des Holzes ohne weiteres an, 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


95 


so dass jede plötzliche Temperaturschwankung allmählich ausgeglichen 
wird. Das lästige Abtropfen wird dadurch sehr vermindert.“ Dazu wird 
weiter angegeben, dass das Rekordfenster noch folgende Eigenschaften 
besitzt: „Es hat alle Vorteile der Holz- und Eisenfenster ohne deren Nach¬ 
teile. Es garantiert für einen dauernden luftdichten Abschluss, ein Ver¬ 
ziehen ist unmöglich; in bezug auf Stabilität wird es von keinem anderen 
Fenster übertroffen. Die Lebensdauer dieses Fensters ist eine unbegrenzte.“ 

Zur Prüfung obiger Angaben sind im Frühjahr 1912 6 Stück Rekord¬ 
fenster versuchsweise für die Frühbeetkästen zur Verwendung gekommen. 
Über das Ergebnis der Beobachtungen soll im nächsten Jahresbericht mit¬ 
geteilt werden. Vorläufig muss erwähnt werden, dass diese Fenster leicht 
in der Handhabung sind und irgendwelche Nachteile während der Zeit der 
Verwendung nicht gezeigt haben. 

b) Blumenwatte, 

bezogen von der Firma J. C. Schmidt, Hoflieferant, Erfurt. 

Es ist eine dunkelgrün gefärbte Baumwollwatte, welche in der 
Blumenbinderei eine Bedeutung hat. Wird diese Watte in Wasser ge¬ 
taucht und werden damit die Schnittflächen abgeschnittener Blütenstiele 
umgeben, so bildet dieselbe ein vorzügliches Ersatzmittel für das sonst 
zur Verwendung kommende Moos. Gegenüber dem letzteren Material hat 
es den Vorzug, dass es sich leicht verarbeiten lässt, schon in geringen 
Mengen verwendet, die Feuchtigkeit gut hält und somit zur Frischhaltung 
der Blüten, Zweige usw. beiträgt. Infolge der grünen Färbung tritt die 
Blumenwatte in keiner Weise störend bei der Verwendung in den Blumen¬ 
bindearbeiten auf. Für Blumengeschäftsinhaber bildet die Blumenwatte 
ein sehr geschätztes Material und kann als solches nur empfohlen werden. 

c) Ufers grünes Gärtnerband, 

bezogen von der Firma H. G. Ufer, Barmen-R. (Wuppertal). 

Es ist ein grün gefärbtes Band, welches als Ersatz für Raffiabast in 
den gärtnerischen Betrieben verwendet werden soll. Wir haben dieses 
Band zu gleicher Zeit mit dem gewöhnlichen Rafflabast im Herbst (Ok¬ 
tober) 1912 zum Heften von Schlingsträuchem im Freien zur Anwendung 
gebracht. Nachdem dasselbe jetzt bereits 1 / a Jahr den Witterungsverhält- 
nissen ausgesetzt war, hat es sich ganz gut bewährt. Ob dieses Band, 
gegenüber dem Rafflabast haltbarer ist, kann erst später festgestellt 
werden, nachdem es längere Zeit im Gebrauch war. Wertvoll erscheint 
dieses Material in erster Linie durch seine grüne Färbung, indem es zum 
Aufbinden von Topfpflanzen, wie z. B. Nelken usw. sich recht gut eignet 
und in seiner Färbung sich den Pflanzen anschliesst. 

d) „Blumenfreund“-Geräte, 

geliefert von der Firma Adolf Prestien, Hannover-Linden. 

Es sind dies Geräte, welche aus Eisen hergestellt sind und die den 
Zweck haben, als Halter für Pflanzen, die in Töpfen stehen, zu dienen. 


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96 II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 

Infolge der eigenartigen Konstruktion sichern sie die Pflanzen gegen Stoss 
und Sturm und sie können sowohl im Zimmer, auf Baikonen, wie im 
Freien, Verwendung finden. Vorwiegend sind sie dazu bestimmt, an den 
Wänden befestigt zu werden und namentlich den Schlingpflanzen als Halter 
zu dienen. Werden dieselben mit besonderen Haltern in Verbindung, ge¬ 
bracht, wie solche auch von der Firma geliefert, so können dieselben auch 
in freier Aufstellung benutzt werden. Die Konstruktion der Blumenfreund- 
Geräte scheint sehr solide zu sein und dabei sind sie in der Gesamtheit 
sehr gefällig gearbeitet und haben einen Zierwert. Für Blumengeschäfts¬ 
inhaber haben diese Geräte einen besonderen Wert, da sie zur Aufstellung 
der Pflanzen in den Verkauferäumen besonders geeignet erscheinen. 

e) Zementholz-Frühbeetkästen 

von der Firma Aug. Vogel, Kunst- und Dübbelstein-Fabrik in Langenzeun i. Bayern. 

Diese Kästen sollen gegenüber den Zementbeton-Kästen den Vorzug 
haben, dass sie wärmer sind, dabei vollständig frost-, schwamm- und 
wurmsicber und sowohl als feststehende, wie als transportable Kästen 
Verwendung finden können. Aus einer feuerfesten Masse hergestellt, bieten 
sie den Zementbeton-Kästen gegenüber noch den Vorzug, dass sie genagelt 
und geschraubt werden können und dass die einzelnen Teile, soweit sie 
ohne Drahteinlage versehen sind, sich sägen lassen. Auch ganze Treib¬ 
häuser, Überwinterungskästen usw. werden aus Zementholz geliefert. 

Die Königliche Lehranstalt hat von diesen Kästen im verflossenen 
Jahre mehrere in Gebrauch genommen und es soll später über Brauchbar¬ 
keit, Haltbarkeit usw. berichtet werden. Jedenfalls kann schon jetzt ge¬ 
sagt werden, dass diese Kästen für die Pflanzenkultur brauchbar zu sein 
scheinen. 

E. Beobachtungen über die Temperatnrschwanknngen des Wassers 
in den Holz- und Gementbetonfässern. 

Die Verwendung der Holz- und Cementbetonfässer in den gärtnerischen 
Betrieben hat zu der Frage Veranlassung gegeben, ob die ersteren nicht 
nur mit Rücksicht auf die grössere Dauerhaftigkeit gegenüber den Holz- 
fassem als vorteilhafter bezeichnet werden können, sondern ob auch ein 
Unterschied in der Temperatur des Wassers, welches in den Behältern 
aufgespeichert wird, sich ergeben würde. 

Zur Prüfung dieser Frage wurden 2 Fässer nebeneinander aufgestellt, 
wovon das eine Fass aus Holz, das andere aus Cementbeton hergestellt 
war. Letzteres war von der Firma Klein & Co., Roisdorf b. Bonn a. Rh. 
bezogen worden. Beide Fässer hatten einen Rauminhalt von 300 l und 
waren mit gleichen Wandstärken versehen. Die Füllung der Behälter mit 
Leitungswasser geschah zu gleicher Zeit und die Temperaturmessungen % 
des Wassers wurdeD stündlich abgelesen. 

Das nachstehende Zahlenmaterial konnte bei den Ablesungen ge¬ 
wonnen werden: 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


97 


Ablesungen am 8. Juni 1912, 

Die höchste Temperatur betrug an diesem Tage + 25 0 C. 


a) Des Wassers im Holzfass 

b) Des Wassers im Zementbetonfass 

Zeit der Ablesung 

Grade nach 
Celsius 

Zeit der Ablesung 

Grade nach 
Celsius 

7 Uhr 

vormittags .... 

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7 Uhr vormittags. . . . 

14,5 

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21,7 


Ablesungen am 9. Juni 1912, 

nachdem das Wasser in den Behältern 24 Stunden gestanden hatte. 
Die höchste Temperatur betrug an diesem Tage + 26 0 C. 


a) Des Wassers im Holzfass 

b) Des Wassers im Zementbetonfass 

Zeit der Ablesung 

Grade nach 
Celsius 

Zeit der Ablesung 

Grade nach 
Celsius 

7 Uhr 

vormittags .... 

16,5 

7 Uhr vormittags.... 

16,5 

8 

ii 

ii .... 

16,5 

8 

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16,9 

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16,8 

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17,8 

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17,3 

10 


18,4 

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ii 

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18,0 

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18,6 

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20,5 

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21,4 


Ablesungen am 16. Juli 1912. 

Die höchste Temperatur betrug an diesem Tage 28 0 C. 


a) Des Wassers im Holzfass 

b) Des Wassers im Zementbetonfass 

Zeit der Ablesung 

Grade nach 
Celsius 

Zeit der Ablesung 

Grade nach 
Celsius 

7 Uhr 

vormittags .... 

17,3 

7 Uhr vormittags.... 

17,3 

8 

ii 

ii .... 

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8 

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Geisenheimer Jahresbericht 1912. 


7 


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98 


II. Tätigkeit der Anstalt nach innen. 


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Ablesungen am 17. Juli 1912, 

nachdem das Wasser in den Behältern 24 Standen gestanden hatte. 
Die höchste Tagestemperatur betrug an diesem Tage -4- 30 # C. 


a) Des Wassers im Holzfass 

b) Des Wassers im Zementbetonfass 

Zeit der Ablesung 

Grade nach 
Celsius 

Zeit der Ablesung 

Grade nach 
Celsius 

7 Uhr vormittags .... 

20,7 

7 Uhr vormittags. . . . 

21,4 

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21,3 

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23,5 

1 „ nachmittags . . . 

24,2 

2 ,, „ .... 

24,1 

2 „ „ ... 

24,7 

3 „ „ .... 

24,8 

3 „ „ ... 

25,5 

4 „ „ .... 

25,2 

4 „ „ ... 

25,9 

5 ,, „ .... 

25,5 

5 „ „ ... 

26,0 

6 „ „ .... 

25,6 

6 „ „ ... 

26,4 

7 , „ . . . . ( 

25,5 

7 .. ... 

26,5 

i 


Schlussbetrachtung. 

Die Beobachtungen haben somit das Resultat ergeben, dass die 
Cementbetonfässer nicht nur in bezug auf die Haltbarkeit wertvoller sind 
als die Holzfässer, sondern auch noch den Vorzug besitzen, dass sich in 
ihnen das Wasser höher erwärmt als in denen, tRe aus Holz gearbeitet 
worden sind. Es ist dieses ein besonderer Vorzug, der in der Pflanzen¬ 
kultur nicht zu unterschätzen ist. 

F. Sonstige Tätigkeit. 

Der Berichterstatter leitete folgende Exkursionen der Gartenbaueleven und 
Gartenbauschüler. 

Am 2. April: Besuch der Kurparkanlagen in Wiesbaden und Besichtigung der Ver¬ 
änderungsarbeiten daselbst unter Führung des städtischen Gartendirektors Berthold. 

Am 22. April: Besuch der Orchideensammlung des Herrn G. Weber, Schloss 
Rheinberg bei Geisenheim. 

Am 29. April: Besuch des Schlossparkes in Biebrich a. Rhein und Besichtigung 
der in der Ausführung begriffenen Gartenanlage Alfred Dyckerhoff, der Anlagen am 
Landesdenkmal in Biebrich sowie des Villengartens von J. Schetter in Wiesbaden. 
Die Besichtigung erfolgte unter Führung des Gartenarchitekten K. Hirsch in Wiesbaden. 

Am 10. Mai: Besuch der Baumschulen und Staudengärtnerei von Goos & Koene- 
mann, der Rosenschulen von Kreis und der Staudengärtnerei und Rosenschule von 
Keim in Nieder-Walluf a. Rh. 

Am 13. Mai: Besichtigung des neu angelegten Hausgartens von J. Klein und 
H. Klein in Johannisberg a. Rhein. 

Am 14. Juni: Besichtigung der von Ridderschen Parkanlagen, des Villengärtens 
Hochstrasser und des Villengartens der Frau von Grunelius in Cronberg i. Taunus unter 
Führung des Gartenarchitekten F. Wirtz aus Rödelheim bei Frankfurt a. M. Ferner 
Besichtigung des Palmengartens in Frankfurt a. M. unter Führung des Garteninspektors 
Kraus. 


Am 21. und 22. Juni: Besichtigung der Anlagen am Helenenwall in Deutz, der 
Anlagen am Frankenwerft und Kuniberts-Kloster, der Anlagen am Deutschen Ring, des 


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Bericht über Gartenbau, Obsttreiberei usw. 


99 


Stadtwaldes, des Lortzingplatzes, Klettenbergpark, Volksgarten, des botanischen Gartens, 
des Vorgebirgsparkes und des Südparkes mit den umliegenden Villengärten in Köln 
a. Rh. unter Führung des Stadtgartendirektors Encke und Beamten der städtischen 
Gartenverwaltung. 

Am 15. Juli: Besichtigung der städtischen Gartenanlagcn in Bingen a. Rhein und 
der Villa Sachsen daselbst. 

Am 19. Juli: Besuch des Villengartens der Frau Albert (Ausführung der Anlage 
nach den Entwürfen von Professor Leuger-Karlsruhe) und der Baumschulen und 
Handelsgärtnerei von Weber & Co. sowie der Nerothal-Anlagen in Wiesbaden. 

Am 30. Juli: Besichtigung des Südfriedhofes mit dem neuen Urnenhain in Wies¬ 
baden. 

Am 26. September: Besuch der Herbstobst- und Blumenausstellung von Weber 
& Co. in Wiesbaden und der städtischen Anlagen daselbst. 

Am 30. September: Besuch der Obstausstellung des Rheingauer Vereins für Obst-, 
Wein- und Gartenbau in Oestrich a. Rhein. 

Am 21. Februar 1913: Besuch der Blumentreibereien von F. Sinai und des 
Palmengartens in Frankfurt a. M. 

Am 28. März 1913: Besuch der Nelkenkulturen von A. Moll und der Rosen¬ 
treiberei von Weygand in Soden a. Taunus sowie des Hauptfriedhofes in Frankfurt a. M. 
unter Führung des Herrn Stadtgartendirektors Bromme. 

Berichterstatter war wiederholt als gerichtlicher Sachverständiger tätig. Er 
bekleidete ferner das Amt eines Vorsitzenden der Gärtner-Vereinigung des Rheingaues, 
sowie das Amt eines Geschäftsführers des Rheingauer Vereins für Obst-, Wein- und 
Gartenbau. Er leitete ferner die vom Ufieingauer Verein in Oestrich a. Rhein ver¬ 
anstaltete Obstausstellung. 


7* 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen 

Institute. 


Bericht Uber die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen 
Versuchsstation. 

Erstattet von Prof. Dr. Karl Kboemer, Vorstand der Station. 

A. Wissenschaftliche Tätigkeit. 

1. Über die Keimnng und das Keimwurzelsystem des Apfelbaums. 

Von K. Kboemer. 

Um die Wurzelbildung der Obstbäume genauer zu erforschen, wurden 
im Berichtsjahre in Anlehnung an einen früher mitgeteilten Arbeitsplan 
Beobachtungen über die Keimung und Entwicklung der Sämlingswurzeln 
bei den Kernobstgehölzen angestellt. Beide Vorgänge verdienen im Hin¬ 
blick auf die Anzucht von Unterlagen und neuen Sorten aus Sämlingen 
Beachtung und müssen auch deswegen klar gelegt werden, weil anzunehmen 
ist, dass sie über das Wachstum und die Lebensbedingungen der Wurzeln 
älterer Bäume Aufschlüsse geben werden. Von den bisherigen Ergebnissen 
dieser Untersuchungen, die wegen anderer dringender Arbeiten und mangels 
geeigneter Hilfskräfte leider noch nicht zum Abschluss gebracht werden 
konnten, seien hier nur diejenigen kurz besprochen, die sich auf die Ver¬ 
hältnisse beim Apfelbaum beziehen. 

Der Samen des Apfelbaums setzt sich zusammen aus der Samen¬ 
schale, einer verhältnismässig dünnen Schicht von Nährgewebe und dem 
Keimling. Die Hauptmasse des Samens bilden die fleischigen Keimblätter 
des Embryos. Anatomisch zeigen die einzelnen Bestandteile folgenden Ban. 
Die Samenschale besitzt eine Epidermis aus prismatischen Zellen, die in 
der Flächenansicht gestreckt vierseitig, auf dem Querschnitt des Samens 
wenig radial gedehnt erscheinen. Ihre Aussenwand ist stark verdickt und 
lässt auf dem Querschnitt eine dünne, mit einer zarten Kutikula überzogene 
Primärlamelle, darunter eine grosse Anzahl farbloser stark quellbarer 
Schleimlamellen und daran anschliessend eine ziemlich dicke, nicht quell¬ 
bare Schicht erkennen, die den Innenraum der Zelle begrenzt und 
allmählich dünner werdend auch auf die übrigen Wände sich fortsetzt. 
Die Primärlamelle und die Schleimlamellen bleiben in Chlorzinkjod farblos, 
während die festeren Inuenschichten sich mit diesem Reagens leicht bräunen 
und mit Phloroglucin-Salzsäure rot färben, also schwach verholzt sind. Die 
Schleimlamellen quellen im Wasser sehr stark auf und sprengen dabei, sich 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysröloghscben ö Versuchsstation. 101 

^ r li* J ' * K ‘ e * 

nach aussen vorwölbend, die primäre Lamelle und die Kutikula. Auf ihrer 
Anwesenheit beruht die bekannte Erscheinung, dass die Samen im Wasser 
schlüpfrig werden. Für die Keimung sind die Schleimlamellen deswegen 
von Bedeutung, weil sie die Befestigung des Samens an den Bodenteilchen 
ermöglichen, die aufgenommene Feuchtigkeit festhalten und die Quellung 
begünstigen. 

Unter der Epidermis liegt eine Hartschicht, die aus 6—10 oder mehr 
stark gebräunten Zellreihen besteht und die Färbung des Samens bedingt. 
Die Zellen dieses Gewebes erscheinen auf dem Samenquerschnitt vieleckig, 
isodiametrisch, an den Kanten etwas abgerundet und an den Seiten meist 
schwachwellig eingebogen. Auf Flächenschnitten zeigen sie langgestreckte 
Form und lassen hier deutlich schräg aufsteigende, stellenweise auch kleine 
länglich-runde Tüpfel erkennen. Die braun gefärbten, stark verdickten 
Wände sind in der Regel unverholzt. Zerstreut finden sich in der Hart¬ 
schicht aber auch einzeln liegende Zellen, die deutlich verholzt sind und 
sich meist schon durch hellere Wände von dem umgebenden Gewebe ab¬ 
heben. Interzellularen sind in den äusseren Teilen der Hartschicht 
nicht mit Sicherheit nachzuweisen; wo sie beim Wachstum der Zellen 
entstehen, scheinen sie nachträglich durch braune Füllmassen wieder 
verstopft zu werden. Am Innenrande der Hartschicht liegen die hier 
unregelmässig geformten, an den Längswänden zum Teil vielfach ein¬ 
gebuchteten Zellen lockerer. Auf die Hartschicht folgt eine weniger 
breite Gewebeschicht, deren ziemlich dünnwandige Zellen zu den Fasern 
der Hartschicht fast sämtlich rechtwinklig angeordnet und durch grössere 
Interzellularen getrennt sind. An den Schmalseiten des Samens erweitert 
sich dieses lockere Gewebe zu einem Keil von annähernd dreiseitigem 
Querschnitt. Nach innen zu grenzt es an eine dicke Haut, die in ihren 
äusseren Teilen gelblich gefärbt und kutinisiert, in den inneren Schichten 
farblos und stark lichtbrechend ist. Sie besteht aus obliteriertem Nuzellus- 
gewebe und schliesst an eine Endospermschicht von drei bis vier wohl- 
ausgebildeten Gewebereihen an, deren vieleckige annähernd isodiametrische 
Zellen mit Aleuronkörnern und Öltröpfchen dicht gefüllt sind. Gegen 
den Embryo grenzen sie sich durch eine Haut ab, die aus zusammen¬ 
gedrückten obliterierten Zellschichten besteht, wie durch Einlegen der 
Schnitte in Kalilauge oder Eau de Javelle leicht nachzuweisen ist. 

Am Embryo sind Keimknospe und Würzelchen gut entwickelt. Die 
fleischigen Keimblätter zeigen auf dem Querschnitt eine meist 5—6-seitig^ 
kleinzellige Epidermis, deren zarte Wände noch keine Kutikula ausgebildet 
haben. Auf der späteren Blattoberfläche schliessen sich daran 4—6 Reihen 
radial gestreckter Zellen, und auf diese folgt in der Mitte des Blattes ein 
mehrere Zellschichten starkes Gewebe aus polygonalen breiteren Zellen, 
welches mehrere embryonale Leitbündel einschliesst. Zwischen dieser Mittel¬ 
schicht des Keimblattes und der Epidermis der späteren Blattunterseite 
liegen wieder mehrere Reihen radial gestreckter Zellen, die jedoch nicht 
so lang sind wie die korrespondierenden Zellen der Blattoberseite. Die 


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102 Ili. Bericht, pbej; die'Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

• * * « • . • - ■* 

.*•-: v*; : *:• 

Epidermis und alle parenchymatischen Zellen der Keimblätter fuhren als 
Speicherstoffe wie das Enosperm reichlich Aleuronkörner und fettes Öl. 


Für die Keimung sind die Verhältnisse wichtig, unter denen man 
in der Praxis die Aussaat vornimmt. In den Baumschulen werden die 
Samen entweder gleich im Herbst zusammen mit Trebern und Kernhaus¬ 
resten ausgelegt oder in den Fällen, wo man die Verluste durch Mäusefrass 
vermeiden will, im Herbst nach mehr oder minder sorgfältigem Auslesen 
in Kisten oder zementierten Behältern mit Zwischenlagen von feuchtem 
Sand, Erde, Kohle oder Mennige eingeschlagen, um erst im Frühjahr in 
den Saatschulen ausgesät zu werden. Durch diese Behandlung sucht man 
das Austrocknen der Samen zu verhüten und die Keimung zu beschleunigen. 
Trocken aufbewahrte Obstsamen, die erst im Frühjahr vom Händler be¬ 
zogen werden, stratiflziert man in der Weise, dass man sie in Blumentöpfe 
einschichtet, mit warmem Wasser angiesst und dann in warme Mistbeete 
ein gräbt. 

In Anbetracht dieser Verhältnisse verdient die Wasseraufnahme der 
Samen bei der Keimung Beachtung. Einige Aufklärung darüber bieten 
Bestimmungen, die der Assistent der Station, Dr. Heinrich, auf meine 
Veranlassung ausgeführt hat. Ihre Ergebnisse sind in der nachstehenden 
Tabelle niedergelegt. 


Wasseraufnahme von je 25 Apfelsamen in Prozenten des ursprünglichen Gewichts. 






Nach Stunden 





1 

3 | 

7 

21 

46 

72 

Frische, der Frucht 
entnommene Samen 
(grüner Fürstenapfel) 

Ganz in Wasser liegend 

10,60 

13,35 

15,95 

19,76 

21,31 

21,55 

Nach der Entnahme 









aus der Frucht 

10 Tage trocken auf-« 
bewahrte Samen 


In feuchtem Raum auf 
Gipsblöcken liegend . 

7,84 

15,27 

20,91 

35,00 

47,94 

54,77 

(grüner Fürstenapfel) 









6 Monate alte Samen J 

1 

Ganz in Wasser liegend 
In feuchtem Raum auf 
Gipsblöcken liegend . 

33,95 

37,46 

41,70 

51,67 

64,34 

69,70 

(Handelsware) | 

l 

6,05 

11,44 

15,54 

26,62 

37,85 

46,54 

.Trocken aufbewahrte, j 

Ganz in Wasser liegend 

24,99 

28,48 

30,32 

38,47 

48,50 

55,60 

9 Jahre alte Samen \ 

1 

i 

In feuchtem Raum auf 



| 




(Handelsware) ' 

1 

Gipsblöcken liegend . 

5,22 

9,57 

14,12 

21,32 

32,17 

40,08 


Wie man sieht, nehmen frische Samen die Hauptmenge des zur 
Quellung benötigten Wassers schon im Laufe des ersten Tages auf. Bei 
Samen, die einige Zeit trocken gelegen haben, ist die Gewichtszunahme im 
Wasser auffallend gross, was auf die starke Austrocknung und den Luft¬ 
gehalt solcher Samen zurückzuführen ist. Dass Apfelsamen beim Liegen 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 103 


an der Luft schon nach kurzer Zeit grosse Mengen von Wasser verlieren, 
beweisen die folgenden Zahlen: 


Gewichtsverlust von 25 an der Luft liegenden Samen des grünen Fürstenapfels: 


24 Stunden nach der Entnahme aus der Frucht . . 28,82% 
48 „ )• n n »))»•• 29,20 „ 

72 „ „ „ „ » n » 30,15 ,, 


des 

ursprüng¬ 

lichen 

Gewichts. 


Aus diesen Zahlen geht die Bedeutung der in der Praxis üblichen 
Aufbewahrungsart der Samen klar hervor. Beachtenswert ist die starke 
Wasseraufnahme von Samen, die sich in einem feuchten Raum auf nasser 
Unterlage, d. h. unter ähnlichen Verhältnissen befinden, wie sie im Boden 
vorliegeu dürften. Die Wasseraufsaugung dürfte in diesem Falle durch 
die Schleimschichten der Epidermis stark gefördert werden. Erwähnt sei 
schliesslich, dass bei frischen Samen nach dreitägigem Liegen in Wasser 
bereits die Keimung beginnen kann. 

Die günstige Einwirkung einer Warmwasserbehandlung auf die Keimung 
zeigte sich bei mehreren Versuchen. Die Samen werden dabei 24 und 
48 Stunden lang in Wasser von 40 0 und 60 0 C. eingelegt. 

Beschleunigend wirkte auf die Keimung auch eine kurze Behandlung 
der Samen mit Schwefelsäure, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass 
die Membranen der lederartigen Hartschichten in Schwefelsäure stark auf¬ 
quellen und für Wasser leichter durchlässig werden. Bei trockenen, l / 2 Jahr 
alten Samen genügte z. B. eine Schwefelsäurebeize von 15 Minuten, um 
sie nach 4 Tagen zur Keimung zu bringen. Vorbedingung des Erfolges 
ist in diesem Falle allerdings, dass die Samen nach dem Einlegen in die 
Säure wieder sorgfältig gewässert werden. 

Bei der Keimung wird die Samenschale an der Spitze oder etwas 
seitlich davon längs der Schmalseiten gesprengt, worauf die hier aus¬ 
tretende Keimwurzel schnell bis zur Länge von 2—4 cm heranwächst. 
Erst wenn die Keimung soweit vorgeschritten ist, beginnt sich auch das 
Hypokotyl stärker zu strecken und grade zu richten. Zu derselben Zeit 
lösen sich die Kotyledonen aus der Samenschale, worauf sich sogleich die 
ersten Laubblätter einstellen. Keimlinge, die im Gewächshaus der Ver¬ 
suchsstation angezüchtet wurden, erreichten diese Entwicklungsstufe am 
6.—8. Tage nach dem Hervorbrechen des Würzelchens aus dem Samen. 
Die Hauptwurzel solcher Pflänzchen war in der Regel 6—8 cm lang, am 
Grunde bereits mit Wurzelzweigen 1. Ordnung besetzt und mit Ausnahme 
einer an der Spitze liegenden Zone von 1—1,5 cm Länge mit kurzen 
Wurzelhaaren dicht bekleidet. Im feuchten Raum erzogene Keimlinge 
zeigten diese Art der Behaarung sehr deutlich, und die Wurzelhaare blieben 
auch unter solchen Bedingungen verhältnismässig klein. Das Hypokotyl 
erreichte bis zum Ablauf der dritten Woche nach Beginn der Keimung in 
der Regel eine Länge von 2—3 cm. Die ersten Seitenwurzeln 2. Ordnung 
stellten sich in den meisten Fällen nach etwa 3 Wochen ein; zwischen 


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104 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


der vierten und siebenten Woche erschienen regelmässig auch Wurzel¬ 
zweige 3. Ordnung. Die Länge der Hauptwurzel betrug bei 4 Wochen 
alten Sämlingen durchschnittlich 15 cm, bei 7 Wochen alten Pflanzen 
etwa 25—30 cm. Die Seiten wurzeln 1. Ordnung waren bei Sämlingen 
dieses Alters im Verhältnis zur Hauptwurzel meist ziemlich lang und selbst 
dicht verzweigt. 

Noch schärfer trat diese Art des Wachstums an einem Sämling 
hervor, der im Alter von 30 Tagen unter möglichster Schonung der ge¬ 
bildeten Wurzeln in einen Beobachtungskasten des Wurzelhauses ver¬ 
pflanzt wurde. Es stellte sich an dieser Pflanze dichte Verzweigung der 
Wurzel und verhältnismässig lebhaftes Wachstum der Seitenwurzeln ein, 
während sich ihre Hauptwurzel weniger stark entwickelte. Die Pflanze 
bildete eine buschig verzweigte Wurzelkrone, die sich in den oberen 
Wurzelschichten ausbreitete und in der Zeit vom 13. Juni bis zum 
16. September 1912 nur bis zu einer Tiefe von 55 cm in den Boden ein¬ 
drang. Ein gleichzeitig gepflanzter Birnensämling von gleichem Alter er¬ 
reichte mit der äussersten Spitze seiner Hauptwurzel in derselben Zeit 
eine Bodenschicht von 1 m Tiefe. Die von der Praxis oft behaupteten 
Unterschiede in der Bewurzelung von Äpfelbäumen und Birnbäumen liessen 
sich also schon an den Sämlingen in ganz ausgeprägter Form nachweisen. 
Was die Wachstumsenergie der Wurzeln anbelangt, so Hess sich fest- 
steHen, dass sie sich mit der Bodenfeuchtigkeit und auch mit der Tempe¬ 
ratur ändert. Völliger Stillstand im Wurzelwachstum trat erst im Ok¬ 
tober ein, nachdem infolge der starken Fröste die jungen Pflanzen ihre 
Blätter abgeworfen hatten. Wieder aufgenommen wurde das Wachstum 
in der Zeit von Ende März bis Anfang April, und zwar nicht nur bei den 
Versuchspflanzen des Wurzelhauses, sondern auch bei Topf bäumen, die im 
Boden eingesenkt im freien Feld überwintert hatten. Wie eine genaue 
Untersuchung ergab, werden bei Apfelbäumen wie bei Birnbäumen im 
Frühjahr nicht nur ganz neue Wurzelzweige gebildet, sondern auch alte 
Vegetationspunkte von neuem in Tätigkeit gesetzt. Es können also auch 
bei den Obstbäumen, wie ich das früher für die Rebe nachgewiesen habe, 
Wurzelspitzen im Ruhezustände den Winter überdauern und im Frühjahre 
ihre Zellteilungen von neuem aufnehmen. Bei den Versuchspflanzen waren 
die so entstandenen Wurzelverlängerungen durch ihre hellweissüche Fär¬ 
bung von den älteren gebräunten Teilen der Wurzeln zwar anfangs immer 
scharf abgegrenzt, aber sonst äusserUch nicht von ihnen verschieden. 

Der innere Aufbau der Wurzeln bietet wenig Besonderheiten. Die 
Saugwurzeln gehören nach ihrer Gewebeanordnung zum Wurzeltypus 4, 
wie ich ihn in einer früheren Arbeit 1 ) beschrieben habe. Den Wurzeln fehlt 
eine verkorkte Hypodermis; die Zellwände der Wurzelhaut und der 
Hypodermis neigen aber zur Metadermbildung Diese steUt sich auch in 
den Randschichten der Vegetationspunkte ein, sowie diese in den Ruhe¬ 
zustand übergehen. Für die Rinde der Saugwurzeln ist eine ausserhalb 

’) Bibliotheca botanica Heft 59. 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 105 


der Endodermis liegende, mechanisch wirksame Scheide aus #- Zellen 
charakteristisch. 

2. Untersuchungen über eine in überschwefelten Mosten .auftretende 
Hefe der Gattung Saccharomycodes. 

Von Kroembb und Heinrich. 

Die in früheren Berichten besprochenen Untersuchungen über die 
Einwirkung von schwefliger Säure auf die Gärungserreger des Weines sind 
im letzten Jahre unter Mitwirkung von Prof. Dr. C. von der Heide fort¬ 
gesetzt worden. Von den dabei gewonnenen Ergebnissen soll an dieser 
Stelle nur die Tatsache mitgeteüt werden, dass wir in stärker geschwefelten, 
nicht pasteurisierten Mosten als Gärungserreger nicht echte Weinhefen, 
sondern regelmässig eine Saccharomycodes-Art beobachtet haben. Diese 
Wahrnehmung bestätigt die Angaben von Mensio 1 ) sowie Baragiola und 
Godet, 2 ) wonach in überschwefelten Mosten südlicher Herkunft derartige 
Hefen gleichfalls auftreten. Mensio hält es für wahrscheinlich, dass in 
der von ihm beobachteten Art Saccharomycodes Ludwigü Hansen Vor¬ 
gelegen habe. Die von uns aufgefundene Saccharomycodes-Art ist mit 
Saccharomycodes Ludwigii zwar nicht völlig identisch, aber doch so nahe 
verwandt, dass man sie wohl als eine Varietät dieser Art anzusehen 
haben wird. 

In jungen Mostzuchten zeigen die beiden Hefen verschiedene Zell¬ 
formen. Saccharomycodes bildet unter diesen Verhältnissen neben den 
typischen zitronenförmigen Zellen und den Übergangsformen von den 
jungen, mehr oder weniger ovalen Sprossen zur Zitronenform sehr viel 
langgestreckte wurstförmige Zellen von meist beträchtlicher Grösse. Bei 
dem neu gezüchteten Saccharomycodes sind dagegen wurstförmige Zellen, 
wie sie bei Saccharomycodes Ludwigii Vorkommen, äusserst selten; man 
findet hier höchstens langgestreckt zitroneDförmige oder längliche ovale 
Zellen. Infolge des häufigen Auftretens wurstförmiger Zellen neigt 
Saccharomycodes Ludwigii auch mehr als die andere Form zur Flocken¬ 
bildung. Die Zellgrösse schwankt bei Saccharomycodes Ludwigü stärker 
als bei unserem Pilz. Unförmliche Riesenzellen, wie sie bei ersterem 
manchmal in Mostkulturen auftreten, konnten bei dem verwandten Saccharo¬ 
mycodes nur in Riesenkolonien gefunden werden. Die Einzellkulturen in 
festen Nährböden, sowie die Riesenkolonien Hessen im allgemeinen nur 
kleinere nicht tiefergehende Unterschiede erkennen. Bei Oberflächenzuchten 
auf schräg erstarrter Mostgelatine zeigen sich Wachstumsverschiedenheiten, 
die als Rassenmerkmale in Betracht gezogen werden können. Das Haut¬ 
bildungsvermögen ist bei der neuen Form noch weniger ausgeprägt als 
bei S. Ludwigii, dagegen findet sich in den Hautzuchten beider Formen 
die bereits von Hansen bei S. Ludwigii beobachtete Mycelbildung. Mycel- 

*) Staz. sperim. agr. ital. 1911 Bd. 44, S. 829. 

*) Mitteilungen aus dem Gebiete der Lebensmitteluntersuchung und Hygiene. 
Veröff. v. Schweiz. Gesundsheitsamt 1912 Bd. 3, S. 105. 


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106 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


ähnliche Zellverbände kommen bei beiden Pilzen auch auf festen Nährböden 
(Riesenkolonien) vor, wie überhaupt die neue Saccharomycodes-Form, 
ähnlich wie S. Ludwigii, auf festen Böden sehr viel langgestreckte wurst¬ 
förmige Zellen hervorbringt. In der Sporenbildung und Sporenkeimung 
weichen die beiden Pilze etwas voneinander ab. Die Kardinalpunkte der 
Sporenbildung fallen nicht zusammen, doch sind die Unterschiede in dieser 
Beziehung nicht so gross, dass man sie als ein artunterscheidendes Merk¬ 
mal ansehen könnte. Im allgemeinen scheint die im Wein auftretende 
Form von Saccharomycodes noch leichter Sporen zu bilden als S. Ludwigii. 
Im Verhalten gegen Zuckerarten stimmen die beiden Formen überein, des¬ 
gleichen annähernd in der Gärkraft, im Gärverlauf und im Alkoholbildungs¬ 
vermögen sowie in der oberen Wachstumsgrenze. Gegen schweflige Säure 
ist die neue Form widerstandsfähiger als S. Ludwigii. Die Glykogenbildung 
ist bei beiden Hefen gleich stark ausgeprägt. 

Eine genauere Charakteristik der neuen Hefe wird an anderer Stelle 
gegeben werden. 

3. Über das Vorkommen von Zygosaccharomyces-Arten im Wein. 

Von Matsumoto und Kroemer. 

Hefen, die zur Gattung Zygosaccharomyces Barker gehören oder ihr 
nahestehen, sind schon in den verschiedenartigsten Medien aufgefunden 
worden, so Zygosaccharomyces Barkeri Saccardo und Sydow in einer mit 
Ingwer und Nährsalzen versetzten Saccharoselösung, Z. Priorianus Klöcker 
im Körper von Honigbienen, Z. japonicus Saito in Soya-Sauce, Z. lactis 
Dombrowski in Butter, Debaryomyces globosus Klöcker in Erde von 
St. Thomas (Westindien) und Guillermondia Nadson und Konokotin im 
Schleimfluss einer Eiche (Petersburg). Man darf daraus schliessen, dass 
kopulierende Hefen in der Natur ziemlich verbreitet sind. Da andererseits 
einzelne von ihnen in Most üppig gedeihen, ist von vornherein auch mit 
der Möglichkeit zu rechnen gewesen, dass Zygosaccharomyceten auch unter 
den Gärungserregern des Weines nicht fehlen werden. Wie Untersuchungen, 
die im letzten Jahre in der Versuchsstation ausgeführt worden sind, er¬ 
geben haben, finden sie sich in manchen Weinen in der Tat vor, vermut¬ 
lich allerdings nur in solchen, die mit unzulänglichen Mitteln und ohne 
Anwendung von Reinhefen hergestellt werden. Sicher haben wir Zygo¬ 
saccharomyceten bisher in einem russischen und in einem deutschen Rot¬ 
wein (Handelswein) nachgewiesen. Wie eine genaue Prüfung ergeben hat, 
handelt es sich um zwei einander nahestehende Formen, die nach ihren 
Gestalts- und Wuchsmerkmalen anscheinend in die Verwandtschaft des 
Debaryomyces globosus Klöcker gehören, sich von diesem Pilz aber durch 
die Beschaffenheit ihrer Sporen und einige andere Eigenschaften unter¬ 
scheiden. Sie wachsen üppig in Most und auf Mostgelatine, vergären 
Dextrose und Lävulose, jedoch nicht Saccharose, Maltose und Lactose. 
In Würze vermehren sie sich nur ganz spärlich. Hautbildung ist in 
flüssigen Nährböden nicht zu bemerken, dagegen fast immer das Auftreten 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 107 


eines Heferinges. Sporen bilden beide Formen anscheinend nur nach vor- 
ansgegangener Kopulation, am leichtesten in dünner Mostschicht auf dem 
Deckglas oder nach Übertragung von jungen Zellen in dünne Schichten 
steriles Wasser. Ihr Gärvermögen ist schwächer als das der echten 
Weinhefen. 

Die Menge des in 100 ccm Most im Verlauf von 35 Tagen gebildeten 


Alkohols betrug bei 

der kopulierenden Hefe 1.4,64 g 

n w »2.5,57 „ 

„ Weinhefe Assmannshausen.7,49 „ 


Eine genauere Charakteristik der Hefen wird an anderer Stelle ge¬ 
geben werden. 

4. Untersuchungen über die systematische Stellung der in Obst- und 
Traubenweinen vorkommenden Saccharomyces apiculatus-Formen. 

Bearbeitet von Dr. Heinrich. 

In den letzten Jahren sind die sogen. Apiculatus-Hefen wiederholt 
genauer untersucht worden, wobei sich herausgestellt hat, dass unter dieser 
Bezeichnung früher Pilze sehr verschiedener systematischer Stellung zu¬ 
sammengefasst worden sind. Man ordnet die apiculatusartigen Hefen mit 
Klöcker heute zweckmässig in die beiden Gattungen Hansoniaspora und 
Pseudosaccharomyces ein, von denen die erstere zu den Saccharomycetaceen, 
die letztere zu den Torulaceen gehört. Von der Gattung Pseudosaccharo¬ 
myces hat Klöcker neuerdings 16 Arten unterschieden und dabei gezeigt, 
dass diese Pilze zum Teil Merkmale besitzen, die man bei den bisher 
untersuchten Apiculatus-Hefen nicht beobachtet hat. 

Nach diesen Beobachtungen erschien es gerechtfertigt, die in Obst¬ 
und Traubenweinen auftretenden Hefen von Apiculatusform auf ihre Zu¬ 
gehörigkeit zu den neu aufgestellten Gattungen zu prüfen. Mit dieser 
Aufgabe wurde der Assistent der Station, Herr Dr. Heinrich, betraut. 
Das Ausgangsmaterial seiner Untersuchungen bildeten aus je einer Zelle 
gezüchtete Stämme, die zum Teil aus Obstweinen, zum Teil auch aus 
Gartenerde stammten. Die bisher angestellten Ermittlungen führten zu 
folgenden Ergebnissen. 

Die isolierten Apiculatus-Hefen liessen sich in zwei deutlich von 
einander verschiedene Gruppen einordnen. Bei der einen Gruppe zeigten 
die Zellen in 3—4 Tage alten Mostzuchten bei 20—22° C. vorwiegend 
typische Zitronenform (gedrungen bis länglich zitronenförmig), bei der 
anderen, weitaus kleineren Gruppe, wurden fast durchwegs länglich ovale 
bis wurstförmige Zellen ausgebildet, die von der Zitronenform überhaupt 
nichts oder nur sehr wenig mehr erkennen liessen. Innerhalb der beiden 
Gruppen sind Unterschiede in der Form zwar vorhanden, doch sind sie 
meist so gering, dass hieraus kein Schluss auf eine bestimmte Art oder 
Rasse gezogen werden kann. Auch die Grössenverhältnisse, die bei ein- 
und derselben Form meist stark wechseln, besagen für sich allein wenig 
als Art- oder Rassecharaktere. Riesenzellen konnten vereinzelt fast bei 


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108 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

allen Formen beobachtet werden. Grösser sind die Gestaltsunterschiede 
unter anderen Verhältnissen. Ergebnisse hierüber liegen vorläufig nur 
von vier genauer untersuchten Formen vor. So zeigten zwei dieser Hefen 
in Mostgelatine-Stichkulturen verschiedene Zellform, obwohl sie in den 
Mostzuchten kaum von einander zu unteischeiden waren. Von Interesse 
ist, dass eine Form, die in Most wurstförmige Zellen bildet, ziemlich lange 
Zellen hervorbringt, die vereinzelt zu myzelähnlichen Sprossverbänden ver¬ 
einigt sind. Es konnte sogar eine einzelne Zelle von 80 (i Länge auf¬ 
gefunden werden. Riesenkolonien und Stichkulturen zeigten bei den er¬ 
wähnten vier Formen kaum Unterschiede. Sporenbildung konnte nach dem 
üblichen Verfahren auf Gipsblöcken bei keiner Art beobachtet werden. 
Die in Most gebildete Alkoholmenge schwankte zwischen 3,21 und 
3,71 Vol.-°/ 0 . Die Untersuchungen werden fortgesetzt. 

B. Sonstige Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 

' 1. Verkehr mit der Praxis. 

Die Station stand auch im Berichtsjahre in regem Verkehr mit der Praxis. 
Insbesondere wurde sie häufig um gutachtliche Äusserungen ersucht über Fragen der 
Pflanzenernährung der Wein- und Obstweinbereitung und der Obstverwertung. 

2. Kurse. 

Die Station war beteiligt an dem Wiederholungskursus für Wein-, Obst- und 
Landwirtschaftslehrer in der Zeit vom 22.—26. Juli mit 2 Vorträgen über das Wurzel¬ 
leben der Obstbäume und einem Vortrag über den Anschauungsunterricht in der 
Anatomie und Physiologie der Pflanze; an dem Obstverwertungskursus für Frauen in 
der Zeit vom 29. Juli bis 3. August mit 5 Vorträgen über die Mykologie der Obst¬ 
verwertung; an dem Obstverwertungskursus für Männer in der Zeit vom 6.—17. August 
mit 6 Vorträgen über den gleichen Gegenstand. 

In der Zeit vom 12.—24. August 1912 wurde in der Station ein Kursus über 
Weingärung, Weinkrankheiten und Anwendung von reingezüchteten Weinhefen ab¬ 
gehalten, an dem sich 31 Herren beteiligten. Von den Hörern waren 18 aus Preussen, 
3 aus Hessen, je 2 aus Spanien und Elsass-Lothringen, sowie je 1 aus Baden, Bayern, 
Österreich, Schweiz, Japan und Russland. 

Im Laboratorium der Station arbeiteten im Berichtsjahre als Praktikanten die 
Herren Friedrich von Marschall, Geisenheim a. Rh., Hans Karl von Külmer, Turin, 
Schwarzburg-Sondershausen, Felix Seidel, Warschau (Russland), Ernst Wicht, Halle 
a. d. Saale, Camilo Arocena, Irun (Spanien), Prof. Dr. Hetoski Matsumto, Kioto (Japan), 
Robert Votteler, Walter Vohrer, beide aus Helenendorf (Kaukasus) und Dr. Bjelouss, 
Slonim (Russland). 

3. Vorträge. 

1. Die bisherige Tätigkeit Preussens auf dem Gebiete der Rebenveredlung , auf der 
Herbstzusammenkunft der Rebenveredlungskommission in Geisenheim a. Rh. 

2. Über die Wurzelbildung der Rebe im Sonderausschuss für Rebendüngungsversuche 
am 30. Dezember 1912 in Geisenheim a. Rh. 

3. Die Kulturbedingungen der Rebe unter den Verhältnissen der Neuzeit , auf dem 
Vortragskursus für praktische Landwirte (abgeh. v. d. Grh. Hess. Landwirtschafts¬ 
kammer) am 9. Januar 1913 in Mainz. 

4. Lebensgeheimnisse der Pflanze , am 9. Februar 1913 in Geisenheim. 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenphysiologischen Versuchsstation. 109 


4. Veröffentlichungen. 

1. Kroemer, K., Wege und Ziele des neuen Weinbaues. Bericht der Senkenbergischen 
naturforschenden Gesellschaft für 1912. Frankfurt a. M. 

2. Kroemer, K., Über die Bedingungen der Blüten- und Fruchtbildung. Möllers 
Deutsche Gartenzeitung 1912. 

3. Kroemer, K., Die Kulturbedingungen der Rebe. Hessische Landwirtschaftliche 
Zeitschrift 1913, S. 181. 

4. Kroemer, K., Die Fruchtbarkeit der Obstbäume in ihrer Abhängigkeit von äusseren 
Bedingungen. Geisenheimer Mitteilungen über Obst- und Gartenbau 1913, S. 21. 

5. Heinrich, Fr., Saccharomyces anamensis. Geisenheim 1913. 

5. Neuanschaffungen. 

Von wertvolleren Neuanschaffungen sind zu nennen: 

Für das Laboratorium: 1 Mikroskop, Seibert VI B, 1 Beleuchtungsapparat mit 
Irisblende, 1 Kippscher Apparat, 1 Seitz-Filter, 4 Büretten, eine Anzahl feiner Mess- 
gefässe, 3 Anaerobengefässe, Gipsblockformen und Geräte für d. Einzell-Kultur von 
Hefen, Sterilisationsgeräte, 1 Drehstrom-Transformator, 12 Zylinderthermometer und 
10 Holzkulturzylinder. 

Für den Unterricht und die Sammlungen des Instituts: 1 gr. Projektionsobjektiv, 
10 Wandtafeln, eine Reihe mikroskopischer Apparate und Glasphotogramme. 

Für die Bibliothek: Ausser den laufenden Zeitschriften: Amtsblatt der Land¬ 
wirtschaftskammer, Bakteriologisches Centralblatt, Jahrbuch für Wissenschaft!. Botanik, 
Weinbau und Weinhandel und einer Reihe von Lieferungswerken die Bücher: Ahrens, 
Technologie; Benecke, Leben der Bakterien; Bersch, Die Entstehung des Weines; 
Gerlach, Das landwirtsch. Versuchswesen; Giesenhagen, Lehrbuch der Botanik; 
Goethe, Deutscher Obstbau; Hegi, Flora von Mittel-Europa, Bd. 3; Koch,-Der Weinbau 
an der Saar und Mosel; Kramer, Bakt. Untersuchung über das „Umschlagen“ des 
Weines; Mach, Nachweis und quantitative Bestimmung von Milchsäure und Butter¬ 
säure in Weinen usw.; Meyer, Die Zelle der Bakterien; Nussbaum, Karsten und Weber, 
Lehrbuch der Biologie; Palladin, Pflanzenphysiologie; Scala, Most- und Weinschönung 
und Filtration; Schaller, Reblausgesetze; Vageier, Die organischen und mineralischen 
Nährstoffe; Will, Biologische Untersuchungen. 

Die Station erhielt ausserdem von dem Herrn Minister für Landwirtschaft: 
Landw. Jahrbücher 1912, Statistische Nachweisungen aus dem Gebiete der landw. 
Verwaltung von Preussen 1911; vom Reichsamt des Innern: Berichte über Landwirt¬ 
schaft; von der Kaiserl. Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft zu Dahlem- 
Berlin: Bericht über die Krankheiten und Beschädigungen der Kulturpflanzen im 
Jahre 1911; vom Württembergischen Weinbau verein: Der Weinbau 1912 und vom 
Staatsdepartement für Landwirtschaft in Washington: Experiment Station Record. 

6. Personalveränderungen. 

Die Assistentenstelle der Versuchsstation war vom 1. April bis zum 1. Oktober 
1912 von Herrn Paul Lange besetzt. Nach dessen Anstellung als Obstbauwanderlehrer 
an der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden wurde die Stellung 
vom 1. November 1912 ab Herrn Dr. Franz Heinrich aus Weissenborn (Bayern) über¬ 
tragen. Als Schreibgehilfen waren an der Station tätig vom 1. April bis 31. Dezember 
1912 Eugen Doerner aus Frankfurt a. M. und vom 1. Januar bis 14. März 1913 Karl 
Gauweiler aus Buchloe. Sein Nachfolger wurde am 25. März 1913 Martin Sehring 
aus Langen, Bez. Darmstadt. Als Institutsdiener trat zu Beginn des Berichtsjahres 
Andreas Müller in die Station ein. 


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110 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


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Bericht Uber die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 

Erstattet von C. von der Heide, Vorstand der Station. 

1. Untersuchung von Mosten des Jahres 1912 ans den prenssischen 

W einbangebieten. 

(Maingau, Eheingau, linkes und rechtes Kheintal, Nahe, Lahn, Mosel, 
Saar, Ahr und ostdeutschem Weinhaugebiet.) 

Zur statistischen Untersuchung wurden insgesamt 643 Moste ein- 
gesandt und zwar 634 weisse und 9 rote Moste. 


Davon entfallen auf das Gebiet: 

Weiss Rot 

Maingau. 7 — 

Rheingau. 302 — 

Rechtes Rheintal ) unterhalb . . 8 4 

Linkes „ ) des Rheingaues . . 5 — 

Nahe.24 — 

Lahn.— 1 

Mosel .171 1 

Saar.110 — 

Ahr.— 3 

Ostdeutsches Weinbaugebiet. 7 — 

634 9 


Die Einzelergebnisse der gesamten Untersuchung werden mitgeteilt 
werden in den Arbeiten aus dem kaiserlichen Gesundheitsamte. Die 
folgenden Tabellen geben eine kurze Zusammenfassung der ganzen Unter¬ 
suchung. 

Infolge der frühzeitig eingetretenen Herbstfröste sind die Säuregehalte 
durchgehends sehr hoch, die Mostgewichte sehr niedrig. Je unreifer die 
Trauben waren, als sie vom Froste befallen wurden, um so grösser war 
der angerichtete Schaden, sowohl bezüglich der Qualität als auch der 
Quantität. 

Im Rheingau beträgt das mittlere Mostgewicht etwa 70°, das niedrigste 
42°, das höchste 106°. Dagegen betrug voriges Jahr das mittlere Most¬ 
gewicht mehr als 95°, wobei es schwankte zwischen 70 und 205°. 

Im gesamten Moselgebiet beträgt das mittlere Mostgewicht etwas 
weniger als 55°. Das niedrigste 33°, das höchste 86°. Dagegen betrug 
voriges Jahr das mittlere Mostgewicht 70°, wobei es schwankte zwischen 
55 und 100°. 

Im Rheingau ist der mittlere Säuregehalt etwas über 1,3 g, der 
niedrigste 0,94 g, der höchste 2,20 g. Dagegen war voriges Jahr der 
mitttlere Säuregehalt etwa 0,8 g, wobei er schwankte zwischen 0,5 
und 1,5 g. 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


111 


lm gesamten Moselgebiet beträgt der mittlere Säuregehalt 1,7 g, der 
niedrigste 1,06, g, der höchste 2,56 g. Dagegen betug voriges Jahr der 
durchschnittliche Säuregehalt 1,0 g , wobei er schwankte zwischen 0,7 
und 1,5 g. 

Nimmt man an, dass alle Moste unter 85° Oe. gezuckert werden 
dürfen, so können von 643 untersuchten Mosten nur 41, das sind 6,4°/ 0 
nicht gezuckert werden. Zweifelsfrei ist, dass aus einer grossen Anzahl 
diesjähriger Moste infolge der abnorm hohen Säuregehalte durch die 
zulässige Streckung um 20% allein ein handelsfähiger Wein nicht ge¬ 
wonnen werden kann. 


Tabelle I. 


Mostgewicht 
Grad Öchsle 

fl 

cö 

U) 

- 

’S 

Rheingau 

Rechtes Linkes 

Nahe 

Lahn 

Mosel 

Saar 

«M 

CO 

a> , 

-c A 

O 2+3 
x 5 ui 

■MrQ -H 
ES S rCl 

<X> ‘Z* OJ 

® fcUD 
+-> P" 
co p» 

O 

Insgesamt 

Rhein tal 
unterhalb des 
Rheingaues 

25— 34,9 







3 

6 



9 

35— 44,9 

— 

3 

— 

— 

— 

— 

8 

63 

— 

— 

74 

45— 54,9 

2 

13 

— 

— 

4 

— 

72 

36 

— 

2 

129 

55— 64,9 

2 

80 

— 

— 

12 

— 

37 

5 

— 

4 

140 

65— 74,9 

2 

116 

— 

2 

5 

— 

38 

— 

— 

1 

164 

75- 84,9 

1 

66 

3 (1 R) 

1 

1 

1(1R) 

12 

— 

1(1») 

— 

86 (3 R) 

85— 94,9 

— 

18 

8 (3 R) 

2 

1 


2 (IR) 

— 

2(2 R) 

— 

33 (6 R) 

95—104,9 

— 

5 

1 

— 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

7 

105—114,9 

— 

1 

— 


— 


— 

— 

— 

— 

1 

Zusammen: 

7 

302 

12 (4 R) 

5 

24 

i (IR) 

172 (1 R) 

110 

3(3R) 

7 

643 (9 R) 


Tabelle II. 




fl 

Rechtes 

Linkes 






CO 

a> . 

ä A 


Freie Säuren 

g in 100 ccm 

a3 

fco 

Ö 

’oö 

6ß 

fl 

‘55 

Rhein tal 
unterhalb des 
Rheingaues 

Nahe 

Lahn 

Mosel 

Saar 

< 

X 5 <D 

♦JrP-H 

fl fl rQ 

<P *H (P 

"ö ® 60 

g* 

Insgesamt 

0,60—0,79 



I 


2 






2 

0,80—0,99 

— 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

i (i R) 

— 

2 (1 R) 

1,00-1,19 

— 

39 

1 

— 

— 

DIR) 

2 

— 

2(2 R) 

— 

45 (3 R) 

1,20—1,39 

2 

144 

9 (3 R) 

4 

8 


43 (1 R) 

4 

— 

— 

214 (4 R) 

1,40—1,59 

2 

85 

1 (1 R) 

1 

4 

— 

47 

15 

— 

2 

154 (1 R) 

1,60—1,79 

2 

30 

1 

— 

3 

— 

37 

11 

— 

1 

85 

1,80—1,99 

1 

2 

— 

— 

7 

— 

17 

25 

— 

2 

54 

2,00—2,19 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

17 

20 

— 

1 

38 

2,20—2,39 

— 

1 

— 

— 

— 

— 

7 

23 

— 

1 

32 

2,40—2,59 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

5 

12 

— 

— 

17 

2,60 u. mehr 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 


Zusammen: 

7 

302 

12 (3 R) 

5 

24 

i (i R) 

172 (1 R) 

110 

3(3R) 

7 

643 (9 R) 


2. Untersuchung von Naturweinen des Jahres 1911 aus den 
preussischen Weinbaugebieten. 

Im Laufe des Jahres 1912 wurden 378 naturreine Weine des Jahr¬ 
ganges 1911 aus den preussischen Weinbaugebieteu untersucht. Unter 


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112 


m. Bericht Aber die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


ihnen befinden sich Rotweine. Von den Proben entfallen auf den Rheingan 
75, das Rheintal unterhalb des Rheingaues 15, die Nahe 35, die Mosel 151, 
die Saar 94, die Ahr 2, den Maingau 2 und das ostdeutsche Weinbau¬ 
gebiet 4. 

Über den Jahrgang 1911 ist das Wichtigste schon bei der Most¬ 
statistik dieses Jahres gesagt worden. 1 ) Hervorgehoben mag folgendes 
werden: 

Die Weine des Jahres 1911 haben sich fast durchweg leicht und 
vollständig geklärt und zur Flaschenreife ausgebaut, so dass sie als voll¬ 
blumige und bukettreiche Rasseweine geschätzt und dementsprechend hoch 
bezahlt werden. 


Die Anbaufläche und die Mosternte betrug im Jahre 1911: 



Anbaufläche 

Ernte 

Ertrag 
pro Hektar 

Wert eines 
Hektoliters 


ha 

hi 

hl 

M. 

Rheingau 

2158 

57060 

26,4 

129 

Rheingebiet 

. . . . 2327 

29811 

12,8 

75 

Nahe. . . 

. . . . 3055 

54190 

17,7 

59 

Mosel . . 

. . . . 6878 

362996 

52,8 

80 

Ahr . . . 

.... 697 

14908 

21,4 

70 

In ganz 

Preussen: 17100 

537197 

31,4 

82,2 


Eine kurze Übersicht über die Ernteerträgnisse in Preussen ergibt 
sich aus folgendem: 

Seit 1902 sank die Anbaufläche langsam, aber stetig von 18336 auf 
17 100 ha. 


Geerntet wurden: 



1000 hl 

MUl. Mark 


1000 hl 

Mill. Mark 

1902 . 

. . 418,8 

18,2 

1907 . 

. . 370,1 

20,5 

1903 . 

. . 598,9 

21,9 

1908 . 

. . 355,1 

17,0 

1904 . 

. . 604,7 

36,3 

1909 . 

. . 309,4 

15,4 

1905 . 

. . 335,2 

16,3 

1910 . 

. . 263,1 

21,9 

1906 . 

. . 283,7 

19,2 

1911 . 

. . 537,2 

44,1 


Danach ist das Jahr 1911 der Menge nach zwar nicht das reichste, 
denn es wird von 1903 und 1904 noch übertroffen, dagegen ist der 
Gesamtwert des Ertrages weit höher als selbst der des Jahres 1904. 

Die Tabelle H enthält die gesamten Einzelergebnisse der analytischen 
Untersuchung aufgeführt. 

Tabelle I gibt eine zusammenfassende Übersicht über die ermittelten 
Weinbestandteile. Zu Tabelle I ist folgendes zu bemerken: 

*) Vergl. Arbeiten aus dem Kais. Gesundheitsamte Bd. XLII, S. 218 (1912). 


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Original fro-m 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 










Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


113 


In diesen Jahren prägt sich der charakteristische Unterschied in der 
Zusammensetzung der Weine der einzelnen Weinhaugebiete besonders 
deutlich aus. 

Im Durchschnitt haben die Rheingauer Weine 8—10 g Alkohol; die 
Moselweine 6—8 g; wobei die Saarweine im grossen und ganzen meist 
6—7, die eigentlichen Moselweine 7—8 g aufweisen. 

Die freie Säure beträgt im Rheingau 0,6—0,8 g, an der Mosel 0,7 
bis 0,9 g. 

Sehr gering ist durchgehends der Milchsäuregehalt. Im Rheingau 
wurde kein Wein mit mehr als 0,19 g Milchsäure beobachtet; auch an der 
Mosel und an der Saar haben über die Hälfte der Weine nicht mehr als 
0,19 g und nur in wenigen Fällen steigt der Gehalt über 0,29 g. Auch 
hier bestätigt sich die Tatsache, dass in guten Jahrgängen der Säure¬ 
rückgang verhältnismässig gering ist. 

Der Gehalt an flüchtiger Säure ist im Rheingau durchschnittlich 
etwas höher (0,02—0,06 g) als an der Mosel und Saar (0,02—0,04 g). 
Dies hängt selbstverständlich mit dem höheren Alkoholgehalt der Rhein¬ 
gauer Weine zusammen. 

Die Gesamtweinsäure beträgt im Rheingau 0,10—0,29 g, an der 
Mosel 0,30—0,49 g, an der Saar 0,40—0,59 g. 

Die Extraktgehalte betragen im Rheingau durchschnittlich 2,25 bis 
2,74 g, an der Mosel 2,00—2,24 g. 

Die Extraktgehalte abzüglich der nichtflüchtigen Säure betragen im 
Mittel im Rheingau 1,75—1,99 g\ an der Mosel und Saar 1,25—1,49 g; 
in etwa 10°/ 0 der untersuchten Weine ist der Extraktgehalt abzüglich der 
nichtflüchtigen Säure kleiner als 1,24 g. Der Aschengehalt im Rheingau 
sehr wechselnd. Es finden sich einerseits Weine mit Gehalte unter 0,16 g 
(Tischwein), andererseits Weine mit Gehalten von 0,25—0,46 g (Auslese¬ 
wein). Im Mittel dürfte der Aschengehalt etwa zwischen 0,18 und 0,30 g 
liegen. An der Mosel und Saar ist der Aschengehalt ausserordentlich 
niedrig. Er beträgt 0,12—0,20 g. In niedrigen Fällen schwankt er 
zwischen dem Minimum von 0,11 und 0,12 g, steigt aber auch bis zum 
Maximum von 0,20—0,25, ja ganz vereinzelt noch etwas höher. 

Die Aschenalkalität der Mehrzahl sämtlicher Weine liegt zwischen 
1,0 und 2,0 ccm n. Vereinzelt kommen sehr niedrige Alkalitäten (unter 
1,0 ccm n) vor. 

Die Phosphatrestbestimmungen wurden nach dem eleganten, von 
LoRENZSchen Verfahren ausgeführt. Die Mehrzahl der Mosel- und Saar¬ 
weine enthalten 10—30 mg P0 4 . 

Der Gesamtstickstoff und der Ammoniakgehalt der Moselweine ist 
abnorm niedrig. So steigt der Stickstoffgehalt überhaupt nicht über 60 mg; 
in der Mehrzahl der Weine beträgt er etwa 10—50 mg. Der Ammoniak¬ 
gehalt beträgt höchstens 8 mg (nur in einem Wein 9 mg); im Durchschnitt 
beträgt der Ammoniakgehalt 2—6 mg. 

Geisenheimer Jahresbericht 1912. 


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8 


Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



L4 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute 


g in 100 ccm 

Rheingau 

' 'S » 

Ul 

« j 3 
j* * *g 

«P 

<D 

■s 

^3 

0Q 

o 

£ 

i! 

•SA 

< 

1 

s , 

ü 2 p 

sls 

g.9-g 

oa P“ 

O 

Insgesamt 

Alkohol 

bis 5,99 

3 

m 

H 

7 

4 

■ 

■ 

■ 

14 

von 6,00 „ 6,99 

2 



62 

49 

— 

n 


118 

„ 7,00 „ 7,99 

5 

B 

19 

74 

33 

— 


1 

139 

„ 8,00 „ 8,99 

11 

B 

■9 

8 

8 

2 


3 

48 

„ 9,00 „ 9,99 

32 

1 

4 

— 

— 

— 

B 

— 

36 

10,00 und mehr 

22 

Bi 

Bgll 

— 

— 

— 

Bl 

— 

23 

Zusammen: 

75 

15 

35 

151 

94 

2 

2 

4 

378 

Gesamtsäure 










bis 0,59 

1 

9 

2 

8 

1 

2 

— 

4 

27 

von 0,60 „ 0,69 

21 

4 

5 

28 

7 

— 

1 

— 

66 

„ 0,70 „ 0,79 

33 

2 

13 

44 

31 

— 

— 

— 

123 

„ 0,80 „ 0,89 

17 

— 

8 

48 

24 

— 

1 

— 

98 

„ 0,90 „ 0,99 


— 

7 

16 

15 

— 

— 

— 

40 

„ 1,00 „ 1,09 


— 

— 

6 

12 

— 

— 

— 

19 

„ 1,10 „ 1,19 

1 

— 

— 

1 

4 

— 

— 

— 

5 

1,20 and mehr 


— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Zusammen: 

75 

15 

35 

151 

94 

2 

2 

4 

378 

Milchsäure 










bis 0,09 

42 

1 

33 

■a 

13 

— 

WM 

1 

107 

von 0,10 „ 0,19 

23 

11 

2 

mm 

56 

2 


3 

169 

„ 0,20 „ 0,29 


3 


51 

20 


H 

BBB 

74 

„ 0,30 „ 0,39 




11 

5 




16 

„ 0,40 „ 0,50 

im 

B 


1 

— 


■HB 


1 

Zusammen: 

65 

15 

35 

151 

94 

2 

D 

4 

367 

Flüchtige Säure 







1 



von 0,020 bis 0,039 

33 

6 

4 

146 

67 

— 


2 

258 

„ 0,040 „ 0,059 

31 

8 

27 

3 

27 

2 


2 

101 

„ 0,060 „ 0,079 

4 

1 

4 

2 

— 

— 


— 

11 

0,080 und mehr 

7 

— 

— 

— 

— 

— 

B 

— 

8 

Zusammen: 

75 

15 

35 

151 

94 

2 

2 

4 

378 

Ge samt wein säure 










































































Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


115 


g in 100 ccm 

fl 

S) 

•1 

» 

s 

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<v 

1 

<v 

OQ 

O 

a 

00 

£ 

◄ 

.2 

03 

S 

Ostdeutsches 

Weinbau¬ 

gebiet 

Insgesamt | 

Nichtflüchtige 

Säure 

bis 0,49 


4 


5 


2 


3 

14 

von 0,50 „ 0,69 

42 

9 

15 

42 

23 

— 

1 

1 

133 

» 0,70 „ 0,89 

32 

2 

18 

90 

45 

— 

1 

— 

188 

„ 0,90 „ 1,09 

1 

— 

2 

14 

26 

— 

— 

— 

43 

„ 1,10 und mehr 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

Zusammen: 

75 

15 

35 

151 

94 

2 

2 

4 

378 

Extrakt nach Abzug 
der 0,1^ üb ersteigen¬ 
den Zuckermengen 
von 1,50 bis 1,74 








2 

2 

» 1,75 „ 1,99 

— 

7 

— 

23 

16 

— 

— 

2 

48 

„ 2,00 „ 2,24 

6 

3 

12 

104 

53 

1 

— 

— 

179 

„ 2,25 „ 2,49 

18 

2 

11 

23 

25 

1 

— 

— 

80 

„ 2,50 „ 2,74 

30 

3 

12 

1 

— 

— 

— 

— 

46 

„ 2,75 „ 2,99 

3 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

3 

„ 3,00 3,24 

6 

— 

— 

— 

— 

— 

1 

— 

7 

„ 3,25 ,, 3,49 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

1 

„ 3,50 „ 3,99 

2 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

2 

., 4,00 „ 5,99 

7 

— 

— 

— 

— 

— 

1 

— 

8 

„ 6,00 „ 7,27 

2 

— 

— 

— 

4 — 

— 

— 

— 

2 

Zusammen: 

75 

15 

35 

151 

94 

2 

2 

4 

378 

Extrakt nach Abzug 
der 0,1^ üb ersteigen¬ 
den Zuckermengen 
und der nichtflttch- 
tigen Säure 
von 1,00 bis 1,24 




14 

17 

• 


2 

33 

„ 1,25 „ 1,49 

6 

9 

5 

117 

73 

— 

— 

2 

212 

,. 1,50 „ 1,74 

11 

1 

23 

19 

3 

1 

— 

— 

58 

„ 1,75 „ 1,99 

32 

2 

4 

1 

1 

1 

— 

— 

41 

„ 2,00 „ 2,24 

8 

3 

3 

— 

— 

— 

— 

— 

14 

„ 2,25 „ 2,49 

6 


— 

— 

— 

— 

1 

— 

7 

„ 2,50 „ 2,74 

1 


— 

— 

— 

— 

— 

— 

1 

„ 2,75 ,, 2,99 

2 

— 

— 

— 

— 

— 


— 

2 

„ 3,00 „ 3,49 

1 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

1 

,, 3,50 ,, 3,99 

1 

— ! 

— 

— 

— 

— 


— 

1 

„ 4,00 „ 4,99 

5 

— 

— 

— 

— 

— 

1 

— 

6 

„ 6,00 „ 6,55 

2 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

— 

2 

Zusammen: 

75 

15 

35 

151 

94 

2 

2 

4 

378 









8* 



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Original frnm 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 











































































Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


117 


g in 100 ccm 

1 

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S s 

Nahe 

Mosel 

§ 

GO 

Ahr 

Main 

Ostdeutsches 

Weinbau¬ 

gebiet 

Insgesamt 

Ammoniak 

von 0,002 bis 0,0029 




33 

4 




37 

„ 0,003 „ 0,0039 

— 

— 

— 

65 

57 

— 

— 

— 

122 

„ 0,004 „ 0,0049 

— 

— 

— 

25 

17 

— 

— 

— 

42 

„ 0,005 „ 0,0059 

— 

— 

— 

18 

9 

— 

— 

— 

27 

„ 0,006 „ 0,0069 

— 

— 

— 

7 

6 

— 

— 

— 

13 

„ 0,007 „ 0,0079 

— 

— 

— 

2 

1 

— 

— 

— 

3 

„ 0,008 „ 0,0089 

— 

— 

— 

— 

— 

—■ 

— 

— 

— 

„ 0,009 „ 0,0099 

— 

— 

— 

1 

— 

— 

— 

— 

1 

Zusammen: 

— 

— 

— 

151 

94 

— 

— 

— 

245 


3. Über die Bildung von flüchtigen Säuren durch Hefe 
bei der Umgärung von Weinen. 

Von C. von der Heide und E. Schwenk. 

(Biochemische Zeitschrift Bd. 42, S. 281—288.) 

Dass die Hefe flüchtige Säuren erzeugt, ist bekannt. So dürften die 
in jedem normalen Weine vorkommenden geringen Mengen flüchtiger Säure 
von 0,01—0,04 g (in 100 ccm ) auf die Tätigkeit der Hefe zurückzu¬ 
führen sein. Gärt man Weine um (d. h. versetzt man säurereiche, aber 
alkoholarme Naturweine mit Zuckerlösungen und unterwirft sie einer noch¬ 
maligen Gärung), so steigt auch der flüchtige Säuregehalt. Versteht man 
die Umgärung richtig zu leiten, so beträgt die Zunahme an flüchtiger 
Säure meist nur 0,02—0,04 g. Ganz anders aber gestaltet sich die 
Sachlage, wenn bei der abermaligen Einleitung der Gärung technische 
Fehler begangen werden. Dann erreicht der Gehalt an flüchtiger Säure 
leicht eine Höhe von 0,09—0,12 g, ja unter Umständen wird der Wein 
vollständig stichig. So ist es eine bekannte Tatsache, dass in früheren 
Zeiten, als die Verwendung der Reinhefe in technischen Betrieben noch 
unbekannt war, bei der Umgärung nicht unbedeutende Weinmengen infolge 
Stichigwerdens verloren gingen. Ja sogar heute werden manchmal noch 
technische Fehler bei der Umgärung begangen, deren gewöhnlichste Folge 
ebenfalls ein unerwünschtes Ansteigen des flüchtigen Säuregehaltes ist. 

Vielfache praktische Erfahrungen zeigten mir, dass besonders immer 
dann die Weine in Gefahr geraten, stichig zu werden, wenn die Hefe¬ 
aussaat zu gering gewählt worden ist. Es erschien mir daher nicht un¬ 
möglich, dass der Hefevermehrung in gezuckerten Weinen, die doch 
immerhin einige Prozente Alkohol besitzen, eben wegen dieser ungünstigen 
Lebensbedingungen gewisse Schwierigkeiten erwachsen, die sich in einer 
vermehrten flüchtigen Säureerzeugung kundgeben. 

Wir suchten durch die vorliegende Arbeit festzustellen, ob tatsächlich 
durch verschieden grosse Hefezusätze bei der Umgärung die Menge der 
gebildeten flüchtigen Säure beeinflusst werden kann. 


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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 
















118 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Gleichzeitig prüften wir, ob es auch von einem verschieden hoch be¬ 
messenen Anfangsgehalt des Gärgutes an Alkohol oder von einem ver¬ 
schieden grossen Znckerznsatz zum Gärgut abhängig sei, wieviel flüchtige 
Säure die Hefe zu erzeugen vermag. Wir gingen dabei in folgender Weise 
vor: Ein Traubenwein wurde im luftverdünnten Baum auf ein Zehntel 
seines Maßes eingedampft, so dass er von seinem Gehalt an Alkohol voll¬ 
ständig und an flüchtiger Säure grösstenteils befreit wurde. Durch Wasser¬ 
zusatz wurde der Eindampfrückstand wieder auf das ursprüngliche Mass 
gebracht. 

Gleichzeitig wurde soviel reiner Alkohol zugesetzt, dass die Flüssig¬ 
keit gerade 3 g Alkohol enthielt. (Ausserdem wurde die flüchtige Säure 
in zwei Versuchen zu 0,010 g ermittelt.) 

Mit diesem Weine wurden 3 Versuchsreihen, jede aus 12 Einzel¬ 
versuchen bestehend, durchgeführt. 

Die 3 Eeihen unterschieden sich dadurch voneinander, dass den 
Versuchen der ersten Reihe wenig, denen der zweiten mässig viel, denen 
der dritten sehr viel Hefe zugesetzt wurde. 

Es enthielt nämlich 1 l Gärgut der 

1. Reihe. 0,672 Mill. Hefezellen (18 Zählungen), 

2. „ .25,12 „ „ (25 „ ), 

3. „ . 489600 „ „ (25 „ ). 

Die 12 Versuche jeder Reihe gliedern sich in 4 Gruppen zu je 

3 Versuchen. 

Das Gärgut der 1. Gruppe enthielt 3 g Alkohol, das der 2. Gruppe 

4 g, das der 3. Gruppe 5 g und das der 4. Gruppe 6 g. Deshalb musste, 
da das ursprüngliche Gärgut nur mehr 3 g Alkohol enthielt, für die Ver¬ 
suche der 2., 3. und 4. Gruppe dem Weine Alkohol in berechneter Menge 
zugesetzt werden. 

Als die Hefe sich nach beendigter Hauptgärung abzusetzen begann, 
wurde sie anfangs täglich, später alle 3 Tage durch kräftiges Schütteln der 
Flaschen wieder aufgerührt. Nach 10 Wochen Gärdauer wurden die 
vollständig klaren Weine von der Hefe getrennt. Die Hefen wurden 
makroskopisch und mikroskopisch auf ihre Reinheit geprüft. Es liess sich 
bei keiner der 36 Hefeproben eine Beimischung fremder Organismen fest¬ 
stellen; insbesondere waren keine Essigsäurebakterien, Eahmhefen oder 
Schimmelpilze nachzuweisen. 

(Siehe die Tabelle auf Seite 119.) 

Die Versuche zeigten — entgegen unserer anfangs gehegten Ver¬ 
mutung —, dass die flüchtige Säuremenge, die bei der Umgärung gebildet 
wird, von der Anzahl der im Gärgut ausgesäten Hefezellen durchaus un¬ 
abhängig ist. Obwohl nämlich in der 1. Versuchsreihe 700000 mal 
weniger Zellen in der Masseinheit vorhanden waren als in der 3. Versuchs¬ 
reihe, sind doch die gebildeten Säuremengen in allen korrespondierenden 
Versuchen fast gleich gross. 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


119 


1. Reihe. 

1 l des Gärgutes enthält 672000 Hefezellen (18 Zählungen). 


Nr. 

des Versuchs 

Alkohol 

9 

Flüchtige 

Säure 

9 

Nr. 

des Versuchs 

Alkohol 

9 

Flüchtige 

Säure 

9 

1. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 3 g. 

3. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 5 g. 

1 

6,34 

0,032 

7 

6,79 

0,024 

2 

8,49 

0,039 

8 

8,49 

0,034 

3 

10,44 

0.051 

9 

10,81 

0,048 

2. Gruppe: 

Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 4 g. 

4. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 6 g. 

4 

6,34 

0,030 

10 

6,99 

0,026 

5 

8,56 

0,035 

11 

8,84 

0,031 

6 

10,81 

0,048 

12 

10,96 

0,040 


2. Reihe. 


1 l des Gärgutes enthält 25120000 Zellen (25 Zählungen). 


Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 3 g. 


13 

6,21 

0,035 

19 

6,73 

14 

8,42 

0,042 

20 

8,70 

15 

10,14 

0,054 

21 

10,81 


3. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 5 g. 

0,032 
0,038 
0,046 

Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 6 g. 

0,027 
0,031 
0,040 

3. Reihe. 

1 l des Gärgutes enthält 489600000000 Hefezellen (20 Zählungen). 


2. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 4 g . 


16 

6,73 

0,032 

22 

6,99 

17 

8,63 

0,039 

23 

8,77 

18 

10,59 

0,055 

24 

10,82 


1. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 3 g . 


3. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 5 g . 


25 

6,34 

0,032 

31 

6,93 

0,029 

26 

8,28 

0,043 

32 

8,56 

0,038 

27 

10,59 

0,056 

33 

10,81 

0,047 

Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 4 g. 

4. Gruppe: Alkoholgehalt des Gärgutes 
etwa 6 g. 

28 

6,59 

0,031 

34 

6,53 

0,029 

29 

8,70 

0,038 

35 

9,42 

0,035 

30 

10,74 

0,054 

36 

10,96 

0,044 


Ferner konnten wir zeigen, dass auch der Anfangsgehalt des Gärgutes 
an Alkohol auf die Menge der gebildeten flüchtigen Säure keinen nennens¬ 
werten Einfluss hat. 

Nachdem wir also gezeigt haben, dass es bei Umgärungen von 
Weinen mit reingezüchteten Hefen theoretisch gleichgültig ist, ob die 
Hefeaussaat gross oder klein bemessen wird, bleibt noch der Widerspruch 
dieser Ergebnisse mit den oben erwähnten Erfahrungen der Praxis auf- 


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120 


m. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


zuhellen, nach denen mit zu wenig Hefe umgegorene Weine häufig 
stichig werden. 

Wir glauben uns diesen Unterschied so erklären zu sollen: 

Während wir unsere Versuche mit sterilem Gärgut angestellt haben, 
arbeitet die Praxis stets mit Weinen, die eine mehr oder weniger reich¬ 
haltige Bakterienflora aufweisen. 

Dabei sind besonders solche Bakterienarten vertreten, die in bekannter 
Weise Zucker in Milchsäure zerlegen und dabei als Nebenprodukte flüchtige 
Säure bilden. 

Wenn nun in einem nochmals mit Zucker versetzten Weine infolge 
reichlicher Hefeaussaat der Zucker rasch vergoren wird, so ist den Bakterien 
jede Möglichkeit genommen, ihre verderbliche Tätigkeit zu entfalten. 

Bei kärglicher Hefeaussaat hingegen dauert es sehr lange, bis die 
Alkoholbildung lebhaft einsetzt. Bis zu diesem Zeitpunkt ist aber den 
Bakterien die günstigste Gelegenheit geboten, sich in dem stark zucker¬ 
haltigen, aber alhoholarmen Gärgut zu vermehren und jene unerwünschten 
Stoffe zu erzeugen. 

Dabei sei noch auf folgenden Umstand hingewiesen: Unsere Ver¬ 
suche lassen zwar keinen Einfluss der Hefemenge auf die Menge der ge¬ 
bildeten flüchtigen Säure erkennen, dagegen bleibt mit steigendem End¬ 
gehalt an Alkohol bei geringerer Hefeaussaat ein grösserer Zuckerrest 
unvergoren als bei starker Hefeaussaat. 

In der Praxis sind gerade diese kleinen unvergorenen Zuckerreste 
nicht unbedenklich; sie verursachen häufig das unangenehme Trübwerden 
des Weines — sei es, dass später nochmals die Hefegärung beginnt, oder 
dass Bakterien sich an der Zuckerzersetzung beteiligen. 

4. Abänderungen der Verfahren zur Bestimmung der Bernstein- 

nnd Äptelsäure im Weine. 

Von C. von der Heide und Erw. Schwenk. 

(Zeitschr. f. analyt. Chem. 1912, Bd. 51, 628—638.) 

Vor einiger Zeit haben H. Steiner und der eine von uns 1 ) angegeben, 
wie Bernstein- und Äpfelsäure im Weine quantitativ bestimmt werden 
können. Über diese Verfahren haben wir unterdessen weitere praktische 
Erfahrungen gesammelt, die einzelne Abänderungen der ursprünglichen 
Vorschriften als zweckmässig erscheinen lassen. 

A. Bernsteinsäure. 

Ans 50 ccm Wein wird nach dem amtlichen Verfahren die flüchtige 
Säure abgetrieben und bestimmt. Der Destillationsrückstand wird verlust¬ 
los in eine 200 ccm fassende Porzellanschale übergespült. Man gibt 
5 ccm einer 10°/ o igen Baryumchloridlösung zu und fügt noch Zusatz von 
Phenolphtalein soviel einer heissgesättigten Baryumhydroxydlösung hinzu, 
dass die ßotfärbuug bestehen bleibt. Hierauf nimmt man unverzüglich 

*) Ztschr. f. Unters, d. Nahrungs- u. Genussmittel, Bd. 17, 291—320 (1909). 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


121 


den Überschuss des Baryumhydroxyds durch Einleiten von Kohlensäure 
weg und dampft auf dem Wasserbad auf etwa 10 ccm ein. Dann spült 
man den Rückstand mit wenig Wasser möglichst vollständig in ein ge¬ 
eichtes 100 ccra-Kölbchen, das auch bei 20 ccm eine Marke trägt. Bis 
zu dieser Marke füllt man mit Spülwasser nach, setzt unter tüchtigem 
Mischen 96 °/ 0 igen Alkohol zu, temperiert bei 15° und stellt endgültig mit 
Alkohol auf die 100 ccm Marke ein. Man mischt gut durch, lässt 
mindestens 2 Stunden stehen und filtriert dann durch ein glattes Filter. 

Das Fitrat (ohne die Waschwässer!) wird gesammelt; ein aliquoter 
Teil davon (50—80 ccm) dient zur Milchsäurebestimmung nach W. Mös- 
linger. Der Niederschlag auf dem Filter wird mit 80°/ o igem Alkohol 
(80—100 ccm) gut ausgewaschen, da hierdurch besondes bei extraktreichen 
Weinen die nachfolgende Oxydation bedeutend erleichtert wird. Darauf 
wird der Niederschlag restlos mit heissem Wasser in die zur Füllung ver¬ 
wendete Schale zurückgespült und, zur Entfernung des Alkohols, auf etwa 
30 ccm eingeengt. Dann wird unter gleichzeitigem Erhitzen mit je 3—5 ccm 
einer gesätttigten Kaliumpermanganatlösung so lange versetzt, bis die 
rote Farbe 5 Minuten bestehen bleibt. Man gibt jetzt nochmals 5 ccm 
Kaliumpermanganatlösung zu und lässt weitere 15 Minuten einwirken. 
Verschwindet die Rotfärbung abermals, so ist der Permanganatzusatz zu 
wiederholen. Meist braucht man 50—80 ccm Permanganatlösung. Ist die 
Oxydation beendet, so zerstört man den Überschuss an Permanganat durch 
Zusatz von festem Natriumbisulfit. Nach dem Verschwinden der Rotfärbung 
säuert man mit 25prozentiger Schwefelsäure sehr vorsichtig an; dabei 
hält man die Schale mit einem Uhrglas bedeckt. Dann setzt man weiter 
Natriumbisulfit zu, bis der ausgeschiedene Braunstein in Lösung gegangen 
ist. Man bringt die Schale aufs Wasserbad, hält sie aber noch so lange mit 
dem Ührglas bedeckt, bis die Gasentwicklung aufgehört hat. Dann entfernt 
man das Uhrglas, spült es sorgfältig ab und dampft nunmehr den Schalen¬ 
inhalt auf etwa 30 ccm ein. Der Rückstand (Flüssigkeit und Niederschlag) 
wird mit Wasser verlustlos in einen Ätherperforationsapparat gespült, indem 
man schliesslich durch Zusatz von 40°/ o iger Schwefelsäure dafür sorgt, 
dass die Flüssigkeit etwa 10°/ 0 freie Schwefelsäure enthält. 

Nach 9 ständigem Perforieren ist in den meisten Fällen die Bernstein¬ 
säure völlig in den Äther übergegangen; nach 12 Stunden ist dies mit 
Sicherheit der Fall. 

Man destilliert nun etwa die Hälfte des Äthers ab, gibt dann in das 
Kölbchen 10—20 ccm Wasser und treibt den Äther langsam vollständig ab. 

Unter Verwendung von Phenolphtalein als Indikator macht man die 
im Kölbchen befindliche wässerige Lösung der Bernsteinsäure mit halogen¬ 
freier Barytlösung deutlich alkalisch; dann erwärmt man etwa 10 Minuten 
auf dem Wasserbad. Verschwindet hierbei die Rotfärbung, so setzt man 
nochmals Barytlauge zu und erwärmt wieder. Bleibt die Färbung schliess¬ 
lich bestehen, so leitet man in die alkalische Flüssigkeit bis zur Ent¬ 
färbung Kohlensäure ein. Dann erhitzt man noch etwa 10 Minuten auf 
dem Wasserbad, um etwa gebildetes, lösliches Monobaryumkarbonat in 


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122 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


unlösliches sekundäres überzuführen. Da Baryumsuccinat in der Kälte 
leichter löslich ist als in der Hitze, lässt man zunächst auf Zimmer¬ 
temperatur abkühlen. Dann filtriert man durch ein kleines glattes Filter 
in ein geeichtes 100 ccm-Kölbchen, jedoch so, dass das Filtrat einschliesslich 
des Waschwassers nicht mehr als 75 ccm beträgt. Hierauf gibt man in 
das Masskölbchen 20 ccm Vio n-Silbernitratlösung, füllt nach dem Temperieren 
bei 15° mit destilliertem Wasser bis zur Marke auf und schüttelt tüchtig 
durch. Nach mindestens 2 ständigem Stehen filtriert man durch ein 
trockenes Faltenfilter, wobei man in üblicher Weise den zuerst durch¬ 
laufenden Anteil verwirft. Schliesslich titriert man in einem aliquoten 
Teil des Filtrates (50—80 ccm) nach Zusatz von Salpetersäure und Eisen¬ 
ammoniakalaunlösung mit Vio^lHmdaiilösung das überschüssige Silbersalz 
zurück. 

Hat man 50 ccm Wein verarbeitet, zur Titration der mit Äther aus¬ 
gezogenen Säuren 20 ccm 1 / 10 n-Silbernitratlösung vorgelegt und zur Zurücb- 
titration von 50 ccm Filtrat r ccm 1 / l0 n-Rhodanammonlösung verbraucht, so 
sind in 100 ccm Wein x = 0,0236 ag oder y = 0,4 a ccm n-Bernsteinsäure 
enthalten, wobei a = 10 — r ist. 

B. Äpfelsäure, 
a) Fällung der Weinsäure. 

100 ccm Wein werden auf dem Wasserbade in einem Becherglase, 
das bei 20 ccm eine Marke trägt, auf dieses Mafs eingeengt. Es empfiehlt 
sich, zunächst 50 ccm Wein auf etwa 10 ccm einzudampfen, dann die rest¬ 
lichen 50 ccm zuzugeben und nun erst endgiltig auf 20 ccm einzuengen. 
Zu der noch warmen Lösung gibt man 8 g fein gepulvertes Kaliumchlorid 
hinzu, bringt es durch Rühren vollständig in Lösung und setzt hierauf 
0,5 ccm Eisessig, 0,5 ccm einer 20°/ o igen Kaliumazetatlösung und 6 ccm 
Alkohol von 96 Massprozent hinzu. Man mischt und reibt nötigenfalls die 
Glaswand mit einem Glasstabe, um die Abscheidung des Weinsteins ein¬ 
zuleiten. Nach 15 ständigem Stehen filtriert man durch einen Goochtiegel, 
der mit Papierfilterstoff beschickt ist, mit Hilfe der Wasserstrahlpumpe ab. 

Zum Auswaschen dienen 20 ccm einer Lösung von 15 g Kalium¬ 
chlorid, 20 ccm Alkohol von 96 Massprozent und 100 ccm destilliertem 
Wasser. Das Becherglas wird mindestens dreimal sorgfältig ausgespült, 
der Goochtiegel samt Niederschlag dreimal sorgfältig ausgewaschen. 
Filtrat und Waschwasser werden zusammen in einem geeichten 100 ccm- 
Kölbchen aufgefangen; sie dienen später zur Apfelsäurebestimmung (siehe 
weiter unten unter b). Der Niederschlag samt der Papiermasse wird dann 
in bekannter Weise mit heissem Wasser in das Becherglas, das zu seiner 
Füllung benutzt worden ist, übergespült und nach kurzem Aufkochen 
unter Verwendung von Phenolphtalein bis zur schwachen Rotfärbung mit 
Vs n-Lauge titriert. 

In 100 ccm Wein sind dann vorhanden w = ~ (b + 0,15) g oder v = 

(b + 0,15) ccm n-Weinsteinsäure, wobei b die zur Neutralisation des Wein¬ 
steins nötige Menge Ve n-Lauge bedeutet. 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


123 


b) Bestimmung von Äpfelsäure und Bernsteinsäure zusammen. 

Das von Weinsäure befreite Filtrat hat man, wie oben unter a) 
angegeben, zusammen mit 20 ccm Waschflüssigkeit in einem geeichten 
100 ccm Masskölbchen aufgefangen. Nunmehr füllt man dieses bei 15 0 mit 
Wasser bis zur Marke auf und mischt sorgfältig durch. 50 ccm des 
Filtrates werden in einer kleinen Porzellanschale mit 5 ccm einer 10°/ o igen 
Baryumchloridlösung versetzt und auf dem Wasserbad fast bis zur Trockne 
eingedampft, wobei man die entstehenden Kristallkrusten mit einem kleinen 
Glaspistill zerdrückt. Ist Essigsäure nicht mehr durch den Geruch wahl¬ 
zunehmen, so versetzt man den Rückstand mit Barytlauge bis zur deutlich 
alkalischen Reaktion gegen Phenolphtalein. Man erwärmt auf dem Wasser¬ 
bad, wobei die alkalische Reaktion bestehen bleiben soll. Im anderen Falle 
ist der Barytzusatz zu wiederholen. Schliesslich nimmt man durch Ein¬ 
leiten von Kohlensäure den Barytüberschuss fort und dampft gerade bis 
zur Trockne ein. Dann gibt man genau 15 ccm Wasser zu, bringt durch 
gutes Umrühren mit dem Pistill den Niederschlag möglichst in Lösung, 
versetzt mit 85 ccm Alkohol von 96 Massprozent, rührt wieder gut durch 
und lässt mit einem Uhrglase bedeckt mindestens 2 Stunden stehen. Nun 
wird durch ein glattes, nicht zu dichtes Filter filtriert, wobei man zuerst 
klare Flüssigkeit aufgiesst und dann den Niederschlag aufbringt. Die 
Schale und der Niederschlag auf dem Filter werden gründlich mit Alkohol 
von 80 Massprozent gewaschen, wozu etwa 100 ccm nötig sind. Nun wird 
der Niederschlag mit heissem Wasser in die Schale zurückgespritzt und 
in ihr wieder zur Trockne gedampft. Ein unnötig langes Erhitzen ist zu 
vermeiden. Zum Abdampfrückstand lässt man in der Kälte aus einer 
kleinen Pipette tropfenweise 1 bis höchstens 3 ccm (je nach der Menge 
des Niederschlages) 40°/ o ige Schwefelsäure zutropfen. Durch fortwährendes 
Verreiben mit einem Pistill sorgt man dafür, dass der Niederschlag von 
der Säure völlig durchfeuchtet wird. Dem so erhaltenen Brei wird nun 
unter stetem Rühren, nötigenfalls in mehreren Pausen, um eine örtliche 
Überhitzung zu vermeiden, tropfenweise 1—1,5 ccm konzentrierte Schwefel¬ 
säure zugesetzt. Hierauf gibt man feingepulvertes, entwässertes Natrium¬ 
sulfat zu, um den Überschuss an Wasser und Schwefelsäure zu binden. 
Wie viel Natriumsulfat zur Aufsaugung verwendet werden soll, lässt sich 
nicht genau angeben. Meist genügen im ganzen 20—30 g. Man gibt am 
besten das feingepulverte Natriumsulfat in kleinen Anteilen zu und sorgt 
durch gutes Verreiben für eine innige Mischung mit dem breiigen Schalen¬ 
inhalt. Es empfiehlt sich, wenn die Hälfte des Natriumsulfates eingetragen 
ist, die Schale einige Stunden im Exsikkator stehen zu lassen, um das Ab¬ 
binden zu befördern. Hat man schliesslich die ganze nötige Natrium¬ 
sulfatmenge zugegeben, so stellt man über Nacht in den Exsikkator und 
verreibt anderen Tages mit Hilfe des Pistills den nun trockenen Schalen¬ 
inhalt zu einem nicht zu feinen Pulver. (Zu lange darf man die Masse 
nicht mehr stehen lassen. Ist dies versehentlich doch einmal geschehen, 
so kann durch Stehenlassen an der Luft unter gelegentlichem Mischen die 


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124 IH. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

Masse wieder weich gemacht werden.) Schliesslich füllt man das Pulver 
verlustlos in eine ScHLEiCHER-SCHüLLsche Extraktionshülse von 25 mm Durch¬ 
messer und 100 mm Höhe. Die an der Schalenwand klebenden Teile 
werden mit Hilfe eines Platinspatels und unter Nachspülen mit Natriumsulfat 
verlustlos in die Hülse gebracht. Wenn man richtig gearbeitet hat, so 
wird die Hülse nicht ganz voll. Man verschliesst die Hülse oberflächlich 
mit einem Wattepfropfen, setzt sie in einen Soxhletapparat und zieht 
6 Stunden mit Äther aus. Nach dieser Zeit sind Äpfelsäure und Bernstein¬ 
säure vollständig in die ätherische Lösung übergegangen. Man destilliert 
zunächst etwa die Hälfte des Äthers ab, versetzt dann mit 10—20 ccm 
Wasser, treibt den Äther vollständig ab, erwärmt den Rückstand auf dem 
Wasserbad und versetzt unter Verwendung von Phenolphtalein als Indikator 
mit Barytlösung bis zur deutlichen Rotfärbung. Man erwärmt dann wieder 
auf dem Wasserbad, wobei die Rotfärbung etwa 5 Minuten bestehen bleiben 
soll, widrigenfalls der Barytzusatz zu wiederholen ist. Nachdem man 
schliesslich durch Einleiten von Kohlensäure den Barytüberschuss weg¬ 
genommen hat, wird die Flüssigkeit nochmals auf dem Wasserbad erwärmt, 
um etwa gebildetes Monobaryumkarbonat zu zersetzen. Die auf etwa 
20—30° abgekühlte Flüssigkeit wird durch ein kleines Filter in einen 
etwa 150 ccm fassenden Platinkessel filtriert und das Filter mit warmem 
Wasser gründlich ausgewaschen. Das Mafs der Flüssigkeit soll schliesslich 
mindestens 100 ccm betragen. Der Inhalt des Platinkessels wird auf dem 
Wasserbad zur Trockne gedampft. Bei grösseren Äpfelsäuremengen bildet 
sich auf der Flüssigkeitsoberfläche eine Salzhaut, die das Eindampfen ausser¬ 
ordentlich erschwert. Durch häufiges Schwenken der Schale lässt sich 
für gewöhnlich diesem Übelstande begegnen. Die zur Trockne gebrachten 
Baryumsalze werden, um ein Verspritzen zu vermeiden, mit der grössten 
Vorsicht verascht, wobei die Asche nicht völlig weiss gebrannt werden 
muss. Nun gibt man einen angemessenen Überschuss an 1 / 6 n-Salzsäure 
zu, bedeckt mit einem Uhrglas und erwärmt etwa 5 Minuten auf dem 
Wasserbade. Hat sich das Baryumkarbonat gelöst, so spült man das Uhr¬ 
glas ab und titriert mit 1 / Q n-Lauge unter Verwendung von Phenolphtalein 
bis zur beginnenden Rotfärbung. 

Bei Jungweinen, oder überhaupt bei Weinen, die einen hohen Apfel¬ 
säuregehalt aufweisen, genügt es nicht nur 25 ccm des Filtrates von der 
Weinsäurefällung zur Bestimmung des Summen wertes von Äpfel- und Bem- 
steinsäure zu verwenden, sondern es ist dies sogar wegen des leichteren 
Eindampfens der Baryumsalzlösung vorzuziehen. 

Es ergab sich, dass das beschriebene Verfahren zur Weinsäure- und 
Äpfelsäurebestimmung auch für Moste geeignet ist. Man verwendet jedoch 
dann zweckmässig zur Äpfelsäurebestimmung nur 25 ccm Filtrat von der 
Weinsäurefällung, entsprechend 25 ccm Most. 

Werden bei Verwendung von 50 ccm des Filtrates von der Wein¬ 
säurebestimmung, entsprechend 50 ccm Wein, d ccm 1 / 6 n-Salzsäure vor- 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


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gelegt und zum Zurücktitrieren e ccm 1 / 6 n-Lauge verbraucht, so ent¬ 
sprechen die Karbonate aus 100 ccm Wein 

c = Vs (d — e) ccm n-Säure. 

Da ferner nach Seite 631 100ccm Wein y = 0,4 a ccm n-Bernstein- 
säure enthalten, so sind in 100 ccm Wein 

u = c — 0,4 a ccm n- oder 
z = (c — 0,4 a). 0,067 g Äpfelsäure. 


5. Kritische Bemerkungen zur direkten Extraktbestimmung 

im Weine. 

Von C. von der Heide und Erw. Schwenk. 

(Zeitschr. f. analyt. Chemie 1912, Bd. 51, S. 429—466.) 

I. Einleitung. 

Nach der amtlichen Anweisung vom 25. Juni 1896 wird der Extrakt¬ 
gehalt des Weines bestimmt entweder dnrch Eindampfen von 50 ccm 
auf dem Wasserbad und Trocknen des Rückstandes nach bestimmten Vor¬ 
schriften (sogenanntes direktes Verfahren) oder durch Ermittlung der 
Dichte des entgeisteten Weines, worauf aus einer Tafel die der gefundenen 
Dichte entsprechende Extraktmenge entnommen wird (indirektes Verfahren). 

Gleichzeitig zwei schon in ihren Grundlagen so verschiedene Ver¬ 
fahren nebeneinander vorzuschreiben, muss zu grundsätzlichen Bedenken 
Anlass geben, wenn man auch entschuldigend anführen kann, dass jedes 
Verfahren nur für eine bestimmte Klasse von Weinen angewendet werden soll. 

Man ist auf diesen unbefriedigenden Ausweg wohl nur deshalb ver¬ 
fallen, weil man bald erkannt hat, dass bei zuckerhaltigen Weinen das 
sogenannte direkte Verfahren zu niedrige Werte liefert, Werte, die mit¬ 
unter niedriger sind, als der direkt bestimmte Zuckergehalt. Wenn man 
bei niedrigem Extraktgehalt dennoch an dem sogenannten direkten Ver¬ 
fahren festgehalten hat, so dürfte das wohl auf den Umstand zurück- 
zufuhren sein, dass man sich von seiner Bezeichnung als einem „direkten“ 
Verfahren hat blenden lassen. 

Ohne Zweitel ist in allen Fällen ein direktes Verfahren einem indirekten 
vorzuziehen; allein bei der Extraktbestimmung des Weines führt das 
sogenannte direkte Verfahren diesen Namen durchaus mit Unrecht; es ist 
in Wirklichkeit kein direktes, sondern ein rein konventionelles, dem alle 
die bekannten Fehler und Mängel solcher Verfahren anhaften. In der 
Natur der ganzen Verhältnisse liegt es, dass gerade bei diesem konven¬ 
tionellen Verfahren auch noch dem persönlichen Empfinden des Analytikers 
allzu grosser Spielraum gelassen werden muss. Bei so schwerwiegenden, 
grundsätzlichen Bedenken ist es nicht merkwürdig, dass auch die experi¬ 
mentell erhaltenen Werte schlecht übereinstimmen. 

Zu den rein äusserlichen, praktischen Mängeln der sogenannten 
direkten Extraktbestimmung kommen aber auch noch chemische Bedenken. 
Schon die starke Braunfärbung des Extraktes zeigt, dass bei der Trocknung 
bedeutende Veränderungen vor sich gehen. 


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126 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Wir hoffen, zeigen zu können, dass das sogenannte direkte Verfahren 
unbedingt verlassen werden muss, da es, abgesehen von seiner praktischen 
Mangelhaftigkeit, den einfachsten theoretischen Ansprüchen nicht genügt. 

Wir behandeln im folgenden zuerst die Veränderungen, die einzelne 
im Weine vorkommende Stoffe erleiden, wenn sie im chemisch reinen Zu¬ 
stande nach Art des Weinextraktes getrocknet werden. Ferner haben 
wir in verschieden zusammengesetzten Gemischen die gegenseitige Ein¬ 
wirkung dieser Stoffe kennen gelernt. Nötigenfalls ist auch das Verhalten 
von Kunstweinen genau bekannter Zusammensetzung herangezogen werden. 
Die so aufgefundenen Tatsachen lassen einen Rückschluss auf die Art und 
Weise zu, wie sich die betreffenden Stoffe bei der Herstellung des Wein-' 
extraktes verhalten oder wie sie auf einander einwirken. Immer aber sind 
unsere Ergebnisse an reinen oder gezuckerten Traubenweinen überprüft 
worden. 

II. Flüchtige Säuren. 

Da längst bekannt ist, dass bei der einfachen Destillation des Weines 
zum Zwecke der Alkoholbestimmung ein Teil (gewöhnlich mehr als die 
Hälfte) der vorhandenen flüchtigen Säuren in das Destillat gelangt, so 
muss beim Eindampfen des Weines zur Trockne ein noch grösserer Anteil 
von ihnen verloren gehen. Nimmt man das nach der amtlichen Anweisung 
erhaltene Weinextrakt mit Wasser auf und treibt nach den üblichen Ver¬ 
fahren mit Wasserdampf 200 ccm Flüssigkeit über, so erhält man zwar 
stets ein noch sauer reagierendes Destillat, allein man braucht zur Neu¬ 
tralisation der übergangenen flüchtigen Säuren in der Regel nur 0,1 ccm 
Lauge, gleichgiltig, ob der ursprüngliche Wein viel oder wenig flüchtige 
Säuren enthalten hat. 

Da also die für die flüchtigen Säuren erhaltenen Werte sehr niedrig 
sind, so ist damit zunächst bewiesen, dass bei der Herstellung des Extraktes 
tatsächlich zum mindesten der grösste Teil der flüchtigen Säure entfernt wird. 

III. Milchsäure. 

Der eine von uns hat schon früher nachgewiesen, dass reine Milch¬ 
säurelösungen beim Eindampfen auf dem Wasserbade beträchtliche Verluste 
erleiden. Diese Versuche haben wir an einer reinen Säure (Kahlbaum) 
mit demselben Erfolge wiederholt. 

Aus weiteren Versuchen lässt sich als wichtigstes Ergebnis feststellen, 
dass die Milchsäure auf dem Wasserbad bedeutend rascher verdampft als 
im Trockenschrank. Offenbar hängt dies damit zusammen, dass auf dem 
Wasserbad durch die lebhafte Luftbewegung und Wasserdampfentwickelung 
die über der Schale lagernden Milchsäuredämpfe gleich entfernt werden, 
während allseitig im geschlossenen Trockenschrank ein ähnlich schnelles 
Fortführen der Dämpfe unmöglich ist. 

Übrigens scheint auch die Art des Erhitzens nicht ohne Einfluss auf 
die Milchsäure Verluste zu sein, da sich die Versuche nicht mit genau dem 
gleichen Ergebnis wiederholen lassen. Wir gingen nun dazu über, Milch- 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


127 


Säurelösungen im Gemisch mit verschiedenen anderen reinen Säuren in 
ähnlicher Weise wie die Weinextrakte zu trocknen. Dabei stellte sich 
heraus, dass die Milchsäureverluste verschieden gross sind, je nachdem 
man einen Zusatz von Weinsäure oder Bernsteinsäure verwendet. Denn 
während die Verluste bei Gegenwart von Weinsäure die Höhe der bei 
reinen Milchsäurelösungen auftretenden kaum erreichen, sind sie bei Gegen¬ 
wart von Bernsteinsäure noch etwas grösser. 

Die auffallende Veränderung der Flüchtigkeit der Milchsäure bei Zusatz 
anderer organischer Säuren ist vermutlieh auf ihre gegenseitige Veresterung 
zurückzuführen. 

Ferner studierten wir das Verhalten der Milchsäure beim Trocknen 
nach Art des Weinextraktes bei Gegenwart von Glyzerin. Auch hierbei 
liessen sich Milchsäureverluste feststellen. 

Auf Grund unserer Vorversuche durften wir erwarten, dass auch bei 
der Herstellung des Weinextraktes wenigstens ein Teil der Milchsäure 
flüchtig wird. Die Versuche mit milchsäurehaltigen Weinen lehrten, dass 
bei Weinen mit sehr niedrigen Milchsäuregehalten kein oder nur ein geringer 
Verlust eintritt. Bei Weinen mit grösseren Milchsäuremengen stiegen auch 
die Milchsäureverluste beträchtlich, ohne dass sie jedoch dem ursprüng¬ 
lichen Milchsäuregehalt irgendwie proportional wären, und ohne dass sie 
die Verluste unserer mit reiner Milchsäure ausgeführten Versuche erreichen 
würden. 

Für uns genügt hier, festgestellt zu haben, dass bei der Extrakt¬ 
trocknung ein unbestimmtes Anteil der vorhandenen Milchsäure verloren 
gehen kann. 

IV. Weinsäure. 

Aus Vorversuchen ergab sich, dass die Weinsäure unter den Be¬ 
dingungen der Weinextraktgewinnung hartnäckig Wasser zurückhält, da 
ja selbst bei fünfstündigem Trocknen im Weinextrakttrockenschrank die 
Gewichte der Rückstände bedeutend höher als die theoretischen Werte sind. 

Weitere Versuche zeigten, dass Weinsänre beim Eindampfen und 
Trocknen sowohl mit Glyzerin, als auch mit Zucker Ester bildet (da hier 
die titrierbare Säure stark zurückgeht), dass ferner die Trockenrückstände 
nur geringe Mengen von freier d-Weinsäure und von Metaweinsäure ent¬ 
halten; die Hauptmenge der ursprünglich vorhandenen Weinsäure liegt 
also in der Form des primären Weinsäureesters des Glyzerins vor. 

Bei den mit Zuckerzusatz ausgeführten Versuchen scheint die Ver¬ 
esterung, wobei primäre Weinsäureester des Zuckers entstehen dürften, 
nicht so weit fortzuschreiten, wie beim Glyzerin. 

Nunmehr prüften wir, ob sich auch im Weinextrakt ein Teil der 
Weinsäure der Fällung als Weinstein entzieht. Wir konnten hierbei die 
von Th. Roettgen zuerst festgestellte Tatsache bestätigen, dass sich in 
den mit Wasser aufgenommenen Extrakten nach dem amtlichen Verfahren 
nicht mehr die ganze, im Wein vorhanden gewesene Weinsäure aufflnden 


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ÜL Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


lässt. Verseift man jedoch die in Wasser gelösten Extrakte zunächst mit 
einem Alkaliüberschuss und fällt dann erst nach der amtlichen Anweisung 
die Weinsäure, so erhält man fast die ganze Menge der im Wein ursprüng¬ 
lich vorhandenen Weinsäure wieder. 

Aus unseren Versuchen ergibt sich, dass von einem wirklichen Ver¬ 
schwinden der Weinsäure kaum gesprochen werden kann. Die im Wein 
vorhandene freie Weinsäure wird vielmehr zum grössten Teil beim Trocknen 
des Extraktes von Glyzerin, Zucker oder anderen Stoffen, die Hydroxyl¬ 
gruppen enthalten, verestert. Dieser Anteil kann durch Verseifen wieder 
in d-Weinsäure übergeführt werden, so dass er nachher bei der Fällung 
als Weinstein wieiergefunden wird. Theoretisch ist ferner bekannt, dass 
Säuren beim Erhitzen mit Alkoholen, selbst wenn diese im Überschüsse 
sind, nicht vollständig in Ester übergeführt werden können. Es bleibt 
also auch beim Eindampfen des Weines ein Teil der Weinsäure unverestert, 
der sich bei der Extrakttrocknung wenigstens teilweise in Metaweinsäure 
verwandelt. Diese geht aber bei der Verseifung nur schwer wieder in 
d-Weinsäure über, so dass sich dieser Anteil endgiltig der Fällung als 
Weinstein entzieht. 

V. Bernsteinsäure. 

Aus unseren Versuchen ergab sich, dass bei der Extraktherstellung 
auch die Bernsteinsäure teilweise verestert wird. Im übrigen findet man 
im Extrakt die ursprünglich im Wein vorhandene Bernsteinsäure voll¬ 
ständig wieder. 

VI. Äpfelsäure. 

Auch das Verhalten der Äpfelsäure beim Trocknen prüften wir zu¬ 
nächst durch Vorversuche. Die Äpfelsäure wurde teils für sich allein, teils 
in Gemischen mit anderen Säuren nach Art des Weinextraktes getrocknet. 

Nach unseren Versuchen tritt also unter den Bedingungen der Extrakt¬ 
trocknung eine Abnahme des Äpfelsäuretiters ein. Nach vorgenommener 
Verseifung wird jedoch die gesamte Säuremenge wiedergefunden. Nun hat 
schon P. Walden nachgewiesen, dass Äpfelsäure bei anhaltendem Erhitzen 
auf 100° Wasser abgespaltet und in die dreibasische Malomalsäure über¬ 
geht, gemäss der Gleichung 2 C0 2 H . CH OH. CH 2 . C0 2 H — 0H 2 = C 6 H 7 0 8 
(C0 2 H) 8 . 

Wir ziehen deshalb aus unseren Versuchen den Schluss, dass auch 
schon bei zweieinhalbstündiger Trocknung diese Umwandlung eintritt. Von 
reiner Äpfelsäure wird unter diesen Umständen etwa 10% anhydrisiert, 
während die Anwesenheit anderer Säuren den Vorgang etwas zu Ver¬ 
langsamern scheint. 

Wir haben ferner geprüft, ob die Äpfelsäure im Weinextrakt voll¬ 
ständig wiedergefunden wird, oder ob sie sich, durch irgendwelche Um¬ 
stände begünstigt, der Bestimmung entziehen kann. 

Aus den Versuchen kann gefolgert werden, dass Äpfelsäure bei der 
Extrakttrocknung tatsächlich nicht zerstört wird. 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


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VII. Gesamtsäure. 

Die mit den einzelnen Säuren durchgeführten Versuche lassen er¬ 
warten, dass der Säuretiter des Weinextraktes niedriger ist als der des 
Weines. Nach unserer Beweisführung spielt hierbei die Veresterung der 
Säuren mit Glyzerin eine Hauptrolle. 

Daneben kommt noch die Flüchtigkeit der Essig- und Milchsäure, 
sowie die innere Veresterung der Milch- und Äpfelsäure in Betracht. Zum 
Beweis, welchen grossen Einfluss die Gegenwart des Glyzerins bei der 
Säureabnahme ausübt, haben wir Versuche angestellt. 

VIII. Glyzerin. 

Die Ansichten über die Flüchtigkeit des Glyzerins mit Wasserdämpfen 
(von 100° bei 760 mm Druck) sind schwankend. Während z. B. F. Beilstein 
ohne Einschränkung erwähnt, Glyzerin sei mit Wasserdämpfen flüchtig, 
findet 0. Hehner, dass zwar 70- und höherprozentige Glyzerinlösungen bei 
100—110° Glyzerin verlieren, dass jedoch bei niedrigeren Konzentrationen 
keine Verluste eintreten. 

Wir haben Versuche angestellt, um die Flüchtigkeit des Glyzerins 
unter den Bedingungen der Extrakttrocknung kennen zu lernen. Zu diesem 
Zwecke wurden wechselnde Mengen reinen Glyzerins in Weinextraktschalen 
auf dem Wasserbad eingedampft uDd dann in verschiedener Weise weiter 
getrocknet. 

Wenn auch die so erhaltenen Werte der Grössenordnung nach mit 
den von .T. Nessler und M. Barth erhaltenen Zahlen übereinstimmen, so 
vermögen wir dennoch, weder aus unseren Versuchen noch aus denen der 
genannten Forscher dieselben Schlussfolgerungen zu ziehen, wie diese selbst. 

Ohne hier auf Einzelheiten eingehen zu wollen, sei doch wenigstens 
hervorgehoben, dass der Grundirrtum J. Nessler’s und M. Barth’s darin 
liegt, an eine Flüchtigkeit des Glyzerins mit Wasserdämpfen aus verdünnten 
Lösungen zu glauben. 

Nach diesen Vorversuchen durfte man auch bei der Herstellung der 
Weinextrakte Glyzerinverluste erwarten, wobei man allerdings bedenken 
muss, dass nach unseren früheren Versuchen ein grosser Teil des Glyzerins 
durch Veresterung mit Säuren vor der Verflüchtigung geschützt ist. Tat¬ 
sächlich ergaben unsere Versuche nur eine geringe Abnahme des Glyzerins. 

IX. Zucker. 

Um uns über das Verhalten des Invertzuckers gegen organische Säuren 
unter den Bedingungen der Weinextrakttrocknung Aufschluss zu verschaffen, 
haben wir durch Versuche festgestellt, dass der Zuckergehalt in den Rück¬ 
ständen in dem Mafse abgenommen hat, als die Dissiziationskonstante der 
zugesetzten Säuren wächst. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Weinsäure den Invertzucker 
am stärksten angreift. Unter sonst gleichen Umständen wird daher von 
zwei Weinen der an Weinsäure reichere das zuckerärmere Extrakt liefern. 

Geisenheimer Jahresbericht 1912 . 9 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Zum Schluss haben wir auch einige Bestimmungen des Zuckers in 
Weinextrakten ausgeführt, wobei wir in Übereinstimmung mit den Ver¬ 
suchen Th. Roettüens stets eine starke Abnahme des Reduktionsvermögens 
feststellen konnten. Wir verfuhren zu dem Zwecke so, dass wir die ge¬ 
wonnenen Weinextrakte mit Wasser wieder zum ursprünglichen Mafse 
auffüllten, die so erhaltenen Lösungen nach dem Bleiverfahren reinigten 
und schliesslich in den Filtraten den Zuckergehalt nach Schoorl er¬ 
mittelten. 

X. Spezifisches Gewicht. 

Nachdem wir in den vorhergehenden Abschnitten hinlänglich gezeigt 
haben, dass das nach dem Reichsverfahren gewonnene Extrakt seiner 
theoretischen Definition: „Wein abzüglich Wasser und Alkohol“ in keiner 
Weise entspricht, soll im folgenden noch ein indirekter Beweis für die 
Unzulänglichkeit des Verfahrens geliefert werden. Es gelingt dies mit 
Hilfe des Unterschiedes, der zwischen dem spezifischen Gewicht des mit 
Wasser auf das ursprüngliche Mafs aufgefüllten (auf dem sogenannten 
direkten Wege gewonnenen) Extraktes einerseits und dem des entgeisteten 
und auf das ursprüngliche Mafs wieder aufgefülltcn Weines andererseits 
besteht. Würden bei der Herstellung des Extraktes keine Verluste, keine 
Zersetzungen und keine Umsetzungen eintreten, so müsste die wässerige 
Lösung des Extraktes dasselbe spezifische Gewicht aufweisen wie der ent- 
geistete Wein. Das ist aber niemals der Fall, vielmehr ist fast stets das 
spezifische Gewicht des aufgelösten Extraktes kleiner als das des ent¬ 
geisteten Weines. Nachdem wir oben gezeigt haben, dass mit der 
Extraktdarstellung unvermeidbar Veränderungen und Verluste der Wein¬ 
bestandteile einhergehen, war dieses Ergebnis allerdings vorherzusehen. 
Nun könnte man zunächst vermuten, dass die sogenannten direkt er¬ 
haltenen Extraktwerte wenigstens einigermassen mit denen übereinstimmen 
würden, die sich mit Hilfe der Extrakttafel aus dem spezifischen Gewicht 
des wieder mit Wasser aufgenommenen Extraktes ergeben. In Wirklichkeit 
zeigen sich jedoch auch hier manchmal nicht unbeträchtliche Unterschiede. 
Erinnert man sich jedoch, dass jene Extrakttafel eigentlich den Gehalt 
einer Rohrzuckerlösung angibt, während die Weinexträktlösung aus einer 
Reihe der verschiedensten Stoffe besteht, so ist erklärlicherweise hier eine 
Übereinstimmung nicht zu erhoffen. Ja, man darf nicht einmal erwarten, 
dass die Abweichungen stets denselben absoluten oder relativen Betrag 
erreichen werden, weil ja zum Beispiel anorganische Salze das spezifische 
Gewicht anders beeinflussen, als beispielsweise die organischen Säuren oder 
das Glyzerin usf. 

Dem entspricht auch unser Befund: Diese beiden Werte stimmen 
manchmal fast überein, bald zeigen sich beträchtliche Unterschiede. 

XI. Schluss. 

In den einzelnen Abschnitten haben wir gezeigt, welche Veränderungen 
beim Eindampfen des Weines und Trocknen des Rückstands zum Zwecke 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


131 


der sogenannten direkten Extraktbestimmung vor sich gehen. Zur besseren 
Übersicht seien die Ergebnisse kurz zusammengefasst. 

1. Essigsäure und ihre Homologen finden sich nicht mehr im Extrakt 

2. Von der Milchsäure wird ein unbestimmter Teil flüchtig. 

3. Die Weinsäure geht zum Teil in Metaweinsäure über. 

4. Die Bernsteinsäure bleibt unverändert. 

5. Die Äpfelsäure geht teilweise in Malomalsäure über. 

6. Sämtliche nicht flüchtig gewordenen Säuren werden grösstenteils in 
Form von sauren (?) Estern an Glyzerin gebunden. 

7. Die Gesamtsäure (titrierbare Säure) des Extraktes ist infolge der unter 
1—6 angeführten Tatsachen bedeutend niedriger als die des Weines. 

8. Glyzerin scheint nur wenig verloren zu gehen. 

9. Zucker wird grösstenteils zerstört. 

10. Das spezifische Gewicht des mit Wasser aufgenommenen Extraktes 
ist aus den unter 1—9 angeführten Gründen geringer als das des 
entgeisteten Weines. Die Ergebnisse dieser Arbeit zwingen uns zu 
dem Vorschlag, man möge das Verfahren der sogenannten direkten 
Extraktbestimmung vollständig fallen lassen. 

Zwar sind bei genauester Einhaltung der Vorschriften die Ab¬ 
weichungen zweier Extraktbestimmungen nach der direkten Methode nicht 
um vieles grösser als ±0,02; allein aus den eben besprochenen Gründen 
sind die für verschiedene Weine erhaltenen Werte nicht ohne weiteres 
unter sich vergleichbar. Es sind deshalb auch alle Schlüsse, die man 
bisher über Extraktabnahme beim Ausbau der Weine gezogen hat, 
analytisch nicht begründet und bedürfen einer nochmaligen Nachprüfung. 
Gerade dieser Umstand bewegt uns hauptsächlich, das sogenannte direkte 
Verfahren als fehlerhaft zu verwerfen. 

Da es mithin vorläufig nicht gelingt, auf direktem Wege den Extrakt¬ 
gehalt zu ermitteln, so bleibt kein anderer Weg übrig, als mit Hilfe einer 
Tafel den Extraktgehalt aus dem spezifischen Gewicht des entgeisteten 
Weines zu ermitteln. 

Zunächst erhebt sich hier die Frage, ob man das spezifische Gewicht 
des entgeisteten Weines direkt durch Wägung ermitteln oder ob man es 
mit Hilfe der TABARiEschen Formel aus dem spezifischen Gewicht des 
Weines und dem des alkoholischen Destillats berechnen soll. 

Wir halten es auf jeden Fall für zweckmässiger, das spezifische Ge¬ 
wicht des entgeisteten Weines nicht zu berechnen, sondern wirklich zu 
bestimmen, da dann die Unsicherheit nur ±0,0001 beträgt. 

Nach unserem Vorschlag wäre die TABARiEsche Formel nur zur Über¬ 
prüfung der Richtigkeit der drei Einzelbestimmungen zu verwenden mit dem 
Zugeständnis, dass der Wert (s w + 1 — s a — s e ) bis zu 0,0003 steigen darf. 

XII. Leitsätze. 

Auf Grund all dieser Erwägungen schlagen wir vor, das Verfahren 
der sogenannten direkten Extraktbestimmung zu verlassen. An seine 

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132 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


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Stelle hat das Verfahren der indirekten Extraktbestimmung zu treten. 
Dabei ist das spezifische Gewicht des entgeisteten Weines nicht durch 
Rechnung, sondern durch Wägung zu ermitteln. Mit Hilfe der Rohrzucker¬ 
tafel wird aus dem spezifischen Gewicht des entgeisteten Weines der 
Extraktgehalt bestimmt. Die TABARiEsclie Formel (S w + 1 — S a — S e ) dient 
zur Kontrolle der Richtigkeit der drei spezifischen Gewichtshestimmungen, 
wobei ein Fehler von ±0,0003 als zulässig erachtet werden darf. 

6. Zur Bestimmung der Phosphorsäure im Weine. 

Von C. von dbb Heide und J. Schwenk. 

(Zeitschr. f. analyt. Chem. Bd. 51, S. 615—627 [1912]). 

In Übereinstimmung mit R. Woy schlagen wir vor, zur Phosphor¬ 
säurebestimmung im Weine das in üblicher Weise (ohne jeden Zusatz!) 
hergestellte Weinextrakt zu veraschen, da sich das bisher vorgeschriebene 
amtliche Verfahren nicht bewährt. 

Wir haben ferner geprüft, ob nicht mit Vorteil eines der neueren 
Phosphorsäurebestimmungsverfahren an Stelle der amtlichen Vorschrift, das 
sich noch aus zwei Fällungen zusammensetzt, treten können. Unsere 
Untersuchungen beziehen sich auf die Verfahren von A. Nf.umann, 1 ) 
N. v. Lorenz 2 ) und E. A. Grete. 3 ) 

Aus unseren Versuchen ergab sich, dass alle drei Verfahren dem 
amtlichen gleichwertig sind. 

Die Fehlergrenze liegt stets innerhalb 1 mg P0 4 für 100 ccm Wein, 
nur das NEUMANNSche Verfahren ist bei geringem Phosphorsäuregehalt 
weniger genau. Gleichzeitig lieferten unsere Versuche den Beweis, dass 
zur Vorbereitung das einfache Veraschungsverfahren dem unbequemen 
amtlichen Schmelz verfahren, sowie dem umständlichen Aufschlussverfahren 
mit Schwefel- und Salpetersäure nach F. Glaser und K. Muhle gleich¬ 
wertig ist. 

Ferner haben wir geprüft, ob Phosphorsäure in organischer Bindung 
beim Veraschen ohne Sodazusatz verloren gehen können. Auch hier Hessen 
sich Verluste nicht feststellen. Ebensowenig erleidet man beim direkten 
Veraschen von Hefe Phosphorsäureverluste. 

Schliesslich stellten wir fest, dass auch stark zuckerhaltige Weine 
beim direkten Veraschen keine Phosphorsäureverluste erleiden, so dass sie 
unbedenklich ohne Zusatz für die Phosphorsäurebestimmung verascht werden 
können. In der Praxis wird man wegen des starken Aufblähens stark 
zuckerhaltige Weine vor dem Veraschen zweckmässig vergären lassen. 
Wir versuchten auch rihch den Angaben von E. Philippe und M. Duper- 
thuis 4 ) die organisch gebundene Phosphorsäure von der anorganischen zu 
trennen. Das Verfahren beruht auf der Unlöslichkeit des tertiären Baryum- 

*) Zeitschr. f. physiol. Chem. Bd. 37, S. 115 (1902); Bd. 43, S. 35 (1904). 

2 ) Die landw. Vers.-Stat. Bd. 55, S. 183 (1901). 

a ) Ber. d. deutsch, chem. Gesellschaft Bd 42, S. 3106 (1909). 

4 ) Mitt. a. d. Gebiete d. Lebensmittelunteis. u. Hyg. 1, 125 (1910). 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 133 

Phosphates und der Löslichkeit der Baryumsalze der organisch gebundenen 
Phosphorsäure in Wasser. Vor versuche ergaben die Möglichkeit der 
Trennung beider Formen der Phosphorsäuren. 

Weitere Versuche lehrten, dass es nach dem GRETESchen Verfahren 
möglich ist, direkt im Weine den gesamten Phosphorsäuregehalt zu er¬ 
mitteln, während die anderen Verfahren erst eine Zerstörung der organischen 
Stoffe erfordern. 

Zusammenfassung: 

1. Im Weine kommt Phosphorsäure vor: 

a) in Form primärer Phosphate, 1 ) 

b) als organisch gebundene Phosphorsäure. 

Die organisch gebundene Phosphorsäure beträgt nur einen kleinen 
Anteil der Gesamtphosphorsäure. 

2. Das Verfahren von E. Philippe und M. Duperthuis gestattet, die 
beiden Formen der Phosphorsäure voneinander zu trennen. Fällt man im 
Wein direkt nach dem Verfahren von R. v. Lorenz die Phosphorsäure, 
so erhält man nur den anorganischen Anteil; das Verfahren von E. A. Grete 
hingegen liefert im Weine die Menge der gesamten Phosphorsäure. Die 
Gesamtphosphorsäure erhält man auch, wenn man zunächst die organischen 
Stoffe zerstört, sei es durch Veraschen oder durch Verbrennen auf nassem 
Wege. 

3. Bei der Veraschung von Tischweineu, Süssweinen, Mosten oder 
Hefen ist ein Soda-Salpeterzusatz, um Phosphorsäureverluste zu verhindern, 
überflüssig und unzweckmässig. 

4. Zur Phosphorsäurebestimmung im Weine verfährt man zweck¬ 
mässig folgendermassen: 50 ccm Wein werden eingedampft und verkohlt. 
(Zuckerhaltige Weine lässt man nach der Entgeistung erst vergären; doch 
können sie auch ohne weitere Vorbereitung verkohlt werden). Die Kohle 
zieht man mit heissem Wasser (nicht mit Säuren!) aus. Die ausgewaschene 
Kohle wird endgültig verascht, in Salpetersäure gelöst und zu dem zuerst 
erhaltenen, rein wässerigen Aschenauszug filtriert. Im elektrischen Ofen 
lässt sich die Asche in einer Operation weiss brennen, so dass man sofort 
mit Salpetersäure aufnehmen kann.) In der so erhaltenen Lösung wird 
die Phosphorsäure bestimmt. 

5. Das amtlich vorgeschriebene Verfahren zur Phosphorsäurefällung 
ist unzweckmässig. Man ersetzt es am besten durch das Verfahren von 
v. Lorenz. Auch die Verfahren von Neumann und Grete liefern aus¬ 
gezeichnete Ergebnisse. Das Verfahren von Grete gestattet sogar, im 
Weine direkt die Gesamtphosphorsäure zu ermitteln, falls der Zuckergehalt 
0,5 °/ 0 nicht übersteigt. 

# *) Vgl. 0. von drr Heide und W. J. Baragiola, Beiträge zur Chemie und Analyse 

des Weines (landw. Jahrbücher 39, S. 1032. 1910;; W. Fresenius und L. Grünhut (Zeitschr. 
f. anal. Chem. 51, S. 106. 1912.) 


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134 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

7. Der Einfluss des Schönens auf die chemische Zusammensetzung 

der Weine. 

Von C. von der Heide. 

(Zeitschrift für Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel. Bd. 24, S. 253—265. 1912). 

Im Jahre 1904 haben Karl Windisch und Theodor Röttgen eine 
Arbeit „Über die Veränderungen der Zusammensetzung der Weine durch 
Behandeln mit einigen Schönungsmitteln“ veröffentlicht; ein halbes Jahr 
später Hessen dieselben Autoren eine zweite Arbeit unter dem Titel er¬ 
scheinen: „Über die Veränderungen der Zusammensetzung der Weine durch 
Schönen mit Hausenblase, Gelatine, Eiweiss und spanischer Erde“. 

Die Zahlenangaben aus diesen beiden Arbeiten und die von K. Windisch 
und Th. Röttgen daraus gezogenen Schlussfolgerungen sind bereits in 
mehrere Lehrbücher über Weinbereitung übergegangen. Wenn nun auch 
jene Untersuchungen vom Standpunkte des Weinfachmannes ohne grosse 
Bedeutung sind, so trifft dies nicht ohne weiteres für den Nahrungsmittel¬ 
chemiker zu, der bei der Beurteilung von Weinen gelegentlich deren Ver¬ 
änderungen durch das Schönen berücksichtigen muss. Bei dem Ansehen, 
das K. Windisch als Weinfachmann geniesst, halte ich es für notwendig, 
die Fehler, die ihm bei seinen Arbeiten sowohl in theoretischer als auch 
in experimenteller Hinsicht unterlaufen sind, aufzudecken, dann aber auch 
die ganze Frage nochmals experimentell nachzuprüfen. 

I. Teil. 

Hier wird nachgewiesen, dass K. Windisch und Th. Röttgen sich 
über die Leistungsfähigkeit des von ihnen angewandten analytischen Ver¬ 
fahrens nicht klar sind. Ferner wird gezeigt, dass die genannten Autoren 
einem verhängnisvollen Irrtum zum Opfer gefallen sind, weil sie zur Ent¬ 
fernung des Schönungstrubes die Weine über Asbest und Papier filtrierten. 

II. Teil. 

Will man die Frage nach den Veränderungen bei der Schönung 
prüfen, so kann man zunächst mit vollständiger Sicherheit ableiten, um 
wieviel sich im Höchstfälle (d. h. wenn alle zugeführten Stoffe im Wein 
gelöst bleiben) die einzelnen Bestandteile überhaupt vermehren können, 
da man die Menge und die Zusammensetzung des Schönungsmittels kennt. 

Hier wird gezeigt, dass die von K. Windisch und Th. Röttgen ge¬ 
fundenen Zunahmen einzelner Weinbestandteile durch die Schönung grösser 
sind, als die in Schönungsmitteln enthaltenen Stoffe. 

III. Teil. 

Nachdem gezeigt worden ist, dass eine wesentüche Vermehrung irgend¬ 
welcher Weinbestandteile durch Schönungsmittel, die den Anforderungen 
der Kellerwirtschaft entsprechen, nicht herbeigefuhrt wird, bleibt noch die. 
Frage zu erledigen, ob sie den Gehalt an irgendwelchen Stoffen zu ver¬ 
mindern vermögen. 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


135 


Diese Frage kann nur experimentell geprüft werden, denn von vorn¬ 
herein ist nicht einzusehen, ob und gegebenenfalls wieviel Extraktstoffe 
(oder Salze usf.) zusammen mit dem Schönungstrub niedergerissen werden. 
Wir führten deshalb an einem und demselben Weine, einem verbesserten 
Obermoseler mit einem Gehalt von etwa 8 g Alkohol und etwa 0,7 g Säure 
eine Reihe von Schönungsversuchen aus. Als Schönungsmittel wendeten 
wir an: Hausenblase, Gelatine, Hühnereiweiss, Magermilch, Casein, frischen 
Quark, Molken, Tierkohle und Holzkohle. Dabei Hessen wir die Mengen 
der Schönungsmittel in sehr starkem Mafse wachsen, um zu sehen, ob bei 
Höchstgaben, wie sie in der Kellerwirtschaft kaum noch Anwendung finden, 
ein Ausschlag analytisch festgestellt werden kann, was nach den Erörte¬ 
rungen im II. Teil dieser Arbeit für kleine Gaben im positiven Sinne jeden¬ 
falls nicht zu erwarten ist. 


Zu jedem Versuche verwenden, wir 1500 ccm Wein. Nachdem zu 
jeder Probe das Schönungsmittel unter tüchtigem Mischen zugesetzt worden 
war, füllten wir mit dem Wein je eine 1200 ccm fassende Flasche völUg 
an, verkorkten sie und lagerten sie 4 Wochen im kühlen Keller. Hierauf 
heberten wir vom Trübe vorsichtig ab und analysierten die völlig 
klaren Proben, ohne sie vorher filtrieren zu müssen. Ausser den Weinen 
analysierten wir z. T. auch die Schönungsmittel. Es ergab sich dabei 
folgendes Bild: 


Tabelle I. Zusammensetzung der Schönungsmittel. 


Asche 

Hausenblase . . . 0,55°/, 

Gelatine . . . . 1,06 „ 

Casein.3,58 „ 


Stickstoff Eiweiss (NX X 6,25) 
15,15 °/ 0 94,68 °/o 

14,35 „ 89,69 „ 

12,85 „ 77,19 „ 


Tabelle II. Zusammensetzung der Schönungslösungen. 


Bezeichnung 

Herstellung der Lösung 

100 ccm enthalten g 

der Lösung 

Asche 

Stickstoff 

Eiweiss 

Hausenblaselösung 

10 g Hausenblase -f- 47 ccm Wasser 
mit Wein auf 1000 ccm ergänzt. 

0,176 

0,169 

1,05 

Gelatinelösung 

10 g Gelatine + 99 ccm Wasser mit 
Wein auf 1000 ccm ergänzt . . 

0,169 

0,172 

1,07 

Hühnereiweiss 

Frisches Eiweiss mit Glasscherben 
zerschnitten und durch ein Tuch 
getrieben. 

0,827 

1,88 

1,17 

Magermilch 

— 

0,752 

0,516 

3,23 

Quarklösung 

Aus 1 l Milch wurde durch 4 ccm 
20°/ o ige Essigsäure der Quark aus¬ 
geschieden, gewaschen, dann unter 
Zusatz von 24 ccm N-Lauge zu 

1 / gelöst. 

0,325 

0.446 

2,80 

Molken 

Hierzu diente das vom Kasein be¬ 
freite Milchfiltrat. 

0,562 | 

0,072 

0,45 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


136 


Tabelle III. Chemische Zusammensetzung der geschönten Weine. 


Ver- 


$25 

Extrakt 

Asche 

Stickstoff 

Gerbstoff 

suchs- 

Nr. 

Art des Zusatzes 







fl CÖ _ 
v aa © 



g in 100 

ccm 


Ursprüng¬ 
licher Wein 

Ohne Zusatz . . 

— 

1,87; 

1,84; 

1,88; 

1,86 

0,180; 0,181; 
0,180 

0,030; 0,031 

0,064 : 0,062 

1 

Hausenblase . . 

2,5 ff 

1,87; 

1,84 

0,180; 0,180 

0,030 

0,052 

2 

Desgl. 

5,0 ff 

1,87; 1,87; 
1,88 

0,181; 0,184; 
0,180 

0,029 

0,050 

3 

Desgl. 

10,0 g 

1,87; 1,87; 
1,88 

0,178; 0,177; 
0,180; 0,180 

0,030 

0,046 

4 

Gelatine .... 

5 g 

1,87; 

1,88 

0,177; 0,178 

0,029 

0,052 

5 

Desgl .... 

10 g 

1,85; 

1,84 

0,177; 0,179 

0,029 

0,049 

6 

Desgl. 

20 g 

1,82; 

1,87 

0,178; 0,178 

0,029 

0,046 


Frisches Hühner- 




( 

eiweiss . . . 

50 g 

1,87; 

1,89 

0,175; 0,176 

0,030 

0,052 

8 

Desgl. 

125 g 

1,83; 

1,84 

0,178; 0,177 

0,030 

0,048 

9 

Desgl. 

200 g 

1,87; 

1,87 

0,177; 0,178 

0,030 

0,043 

10 

Magermilch. . . 

1 / 

1,89; 

1,92 

0,184; 0,183 

0,031 

0,010 

11 

Desgl. 

3 l 

193; 

1,97 

0,190; 0,189 

0,031 

0,031 

12 

Desgl. 

5 l 

2,03; 

2,04 

0,197; 0,201 

0,032 

0,024 

13 

Quarklösung . . 

1 / 

1,88; 

1,86 

0,181; 0,180; 

0,029 

0.043 

14 

Desgl. 

2 / 

1,84; 

1,84 

0,182; 0,177 

0,029 

0,035 

15 

Desgl. 

3 l 

1,82; 

1,84 

0,183; 0,180 
0.177 

0,030 

0,028 

16 

Kasein .... 

30 g 

1,85; 1,87; 
1,89 

o 

00 

o 

3-® 

00 

0,029 

0,056 

17 

Desgl. 

60 g 

1,86; 1,89; 

1.89 

0,183; 0,178 

0,029 

0,050 

18 

Desgl. 

90 g 

1,89; 

1,86 

0,178; 0,179 

0,030 

0,045 

19 

Milchalbumin- 




lösung (Molken) 

2,5 l 

2,01; 

2,02 

0,187; 0,186 

0,029 

0,051 

20 

Desgl .... 

5,0 / 

2.08; 

2,11 

0,194; 0,189 

0,029 

0,048 

21 

Desgl. 

7,5 l 

2,19; 2,21; 
2.24 

0,199; 0,198 

0,030 

0,044 

22 

Tierkohle . . . 

20 g 

1,89; 

1,87 

0,181; 0,180 

0,030 

0,055 

23 

Desgl. 

80 g 

1,86; 

1,87 

0,181: 0,180; 
0,176 

0,030 

0,049 

24 

Desgl. 

160 ff 

1,88; 

1,86 

0,185; 0,182 

0,030 

0,050 

25 

Holzkohle . . . 

20 g 

1,87; 

1,85 

0,180; 0,181 

0,0°0 

0,057 

26 

Desgl. 

80 g 

1,88; 

1,86 

0,180; 0,183 

0,030 

0,056 

27 

Desgl. 

160 g 

1.87; 

184 

10,183; 0,186 

0,030 

0,053 


Es ergibt sich aus den vorliegenden Zahlenwerten ein Bild, das den 
theoretischen Betrachtungen des II. Teils selbstverständlich entspricht, 
das aber auch zeigt, dass mit Ausnahme des Gerbstoffs andere Stoffe durch 
die Schönung in nachweisbarer Menge nicht entfernt werden. 

So tritt, wie zu erwarten war, durch Hausenblase, Gelatine, Eiweiss, 
Quark, Kasein, Tierkohle und Holzkohle eine Vermehrung oder Ver¬ 
minderung des Extraktes oder der Asche nicht ein. Nur bei sehr hohen 
Zusätzen von Holz- und Tierkohle glaube ich eine kleine Aschen Vermehrung 
(vergl. die Versuche Nr. 24 und 27) feststellen zu können 

Diese Vermehrung hängt natürlich von der Sorgfalt ab, mit der die 
Kohle vorher mit Säuren von den eingeschlossenen Salzen befreit worden 
ist, so dass hieraus verallgemeinernde Schlüsse nicht gezogen werden dürfen. 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


137 


Anders liegen die Verhältnisse bei der Schönung mit Magermilch 
und Molken. Wie schon im II. Teile dieser Arbeit erwähnt worden ist, 
muss beim Schönen mit grösseren Mengen Milch oder Molken infolge deren 
beträchtlichem Gehalte an Milchzucker (4—ö°/ 0 ) und Asche (0,75%) eine 
Vermehrung des Extrakt- und Aschengehaltes sich bemerkbar machen. 
Tatsächlich stiegen der Extraktgehalt und der Aschengehalt des Weines 
in folgender Weise: 

Tabelle IV. 

Bei Zusatz von Extrakt von 1,86 g Asche von 0,180 g 

1 l Milch.auf 1,90 g auf 0,183 g 

2 „ „.„ 1,95 „ „ 0,189 „ 

5 n n.>i 2,03 „ „ 0,199 „ 

2.5 „ Molken.„ 2,01 ,, „ 0,186 „ 

5 ,, ü .i: 2,09 „ „ 0,191 ,. 

7.5 ,. „ „ 2,21 „ „ 0,198 „ 

Auch der Stickstoffgehalt der Weine blieb bei unseren Versuchen 
konstant; denn er schwankte zwischen 0,029 und 0,031 g\ nur bei der 
Schönung mit 5 l Magermilch (entsprechend 150 g Eiweisstoffen!) stieg er 
auf 0,032 g, so dass hier tatsächlich geringe Mengen von Milcheiweiss sich 
der Ausfällung entzogen haben. In den meisten Fällen einer gelungenen 
Schönung, d. h. wenn mit normalen Mengen gearbeitet wird, dürfte sich 
eine Stickstoffvermehrung analytisch nicht feststellen lassen. Hier verdient 
noch erwähnt zu werden, dass die Behauptung von K. Windisch und 
Th. Röttgen, die Kaseinschönung bleibe niemals stecken, sondern falle stets 
wieder glatt heraus (Arbeit A), im Widerspruch steht mit den Beobach¬ 
tungen W. Kehlhofers über Obstwein und mit den Erfahrungen R. Seuffkr- 
helds, die dieser im praktischen Betrieb mit Traubenweinen gemacht hat. 
W. Kehlhofer schreibt: „Am schlechtesten erfolgte die Klärung bei süss 
abgepressten Weissweinen .... Ganz unbefriedigende Resultate erzielten 
wir endlich bei Biruweinen . . . , die nur ausnahmsweise und erst mit 
verhältnismässig grossen Mengen Lactocolle vollkommen klar zu bringen 
waren, . . . .“ 

R. Seufferheld sagt: „In zahlreichen Fällen ging die Kaseinschönung 
garnicht durch, blieb stecken, so dass man zur Filtration gezwungen war, 
wodurch der Wein nochmals angegriffen wurde.“ Im Gegensatz hierzu 
gibt F. Muth zwar an, dass Kasein durch die Säure des Weines mit 
Sicherheit wieder ausgeschieden werde, bei einer mündlichen Unterredung 
erklärte er mir aber, dass mitunter (z. B. bei schleimigen Weinen) die 
Ausscheidung in so fein verteilter Form erfolge, dass ohne darauf folgende 
Filtration eine Klärung des Weines nicht möglich sei. 

Schliesslich muss noch auf das Verhalten des Gerbstoffs beim Schönen 
eingegangen werden. Es darf als festgestellt angesehen werden, dass alle 
Schönungsmittel ohne Ausnahme (und wohl auch alle Filtermittel) dem 
Weine Gerbstoff entziehen, gleichgültig ob zu ihrer Ausflockung aus 
kolloidaler Lösung der Gerbstoff nötig ist (wie z. B. bei Gelatine) oder 


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138 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


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ob zu ihrer Fällung die Anwesenheit von Gerbstoff nicht erforderlich ist 
(wie z. B. beim Kasein) oder ob sie schliesslich in fester Form als fein¬ 
verteiltes Pulver dem Weine zugesetzt werden (wie z. B. Kohle, Asbest, 
Zellulose). 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch auf die Wirkungsweise der 
Schönungsmittel überhaupt eingehen, da sich hierüber in den Lehrbüchern 
häufig unzutreffende Darstellungen finden. Der Wein kann getrübt werden 
durch Ausscheidung anorganischer Stoffe (Weinstein, Ferritannat, Farbstoffe, 
Stoffe unbekannter Natur) oder durch Organismen (Hefe, Bakterien). Alle 
diese sehr fein verteilten, trübenden Schwebestoffe werden durch Ober¬ 
flächenanziehung von den Schönungsflocken mit niedergerissen, ja die 
Schönungsflocken vermögen sogar gelöste Stoffe (Färb-, Gerb-, Geschmacks¬ 
und Geruchsstoffe) dem Weine zu entziehen. 

Man teilt zweckmässig die Schönungsmittel in 2 Gruppen: 

1. Solche, die als feste, unlösliche, aber mechanisch sehr fein verteilte 
Pulver dem Weine zugefügt werden, so dass sie also mit keinem Wein¬ 
bestandteil eine chemische Umsetzung eingehen. 

Hierher gehören spanische Erde, Holz- und Tierkohle, Hefegeläger, 
Asbest, Zellulose usw. 

2. Solche, die in wenig Wasser oder Wein kolloidal gelöst, der Haupt¬ 
menge des Weines zugesetzt werden, wobei zwischen ihnen und einem 
Weinbestandteil eine chemische Umsetzung stattfindet. Die meisten der 
zu dieser Gruppe gehörigen Schönungsmittel gehen mit dem Gerbstoff des 
Weines eine chemische Umsetzung ein, so z. B. Hausenblase, Gelatine, 
Hühnereiweiss, Milchalbumin. Zu ihrer Ausfällung ist die Anwesenheit 
von Tannin erforderlich. Der Käsestoff der Milch (Quark) und das im 
Handel erhältliche Natriumcaseinat hingegen werden durch die Säuren des 
Weines ausgelallt. Obwohl zu ihrer Ausfällung Gerbstoff nicht vorhanden 
sein muss, vermögen sie ihn dennoch dem früher gesagten zufolge mit 
niederzureissen. 

Die Filtration des Weines über Asbest, Zellulose usw. betrachte ich 
demnach als einen Sonderfall einer Schönung. 

Die hier mitgeteilten Analysen führte Herr Dr. Krohn aus, dem ich 
für seine sorgfältige analytische Arbeit zu grossem Danke verpflichtet bin. 

In einem Nachtrag zu dieser Arbeit (Zeitschr. f. Unters, d. Nahr.- 
und Genussmittel, Bd. 24, S. 624—627, 1912), habe ich die von K. Windisch 
und Th. Röttgen erhobenen Einwände (dieselbe Zeitschr. Bd. 24, S. 466, 
1912), zurückgewiesen. 

9. Sonstige Tätigkeit der Station, 
a) Veröffentlichungen. 

Der Berichterstatter veröffentlichte in den „Arbeiten aus dem Kaiserlichen Ge¬ 
sundheitsamte“ Bd. 42, 1912, S. 35—53 den Bericht über die preussische Weinstatistik 
für das Jahr 1910 und an demselben Ort S. 218—251 den Bericht über die preussische 
Moststatistik für das Jahr 1911; in den Mitteilungen des Deutschen Weinbau-Vereins 
1912. 7. S. 205—207 „Die Zusammensetzung der Moste des Jahres 1912“; in der Zeit- 


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Bericht über die Tätigkeit der önochemischen Versuchsstation. 


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schrift für Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel 1912 Bd. 25, S. 57—58 
„Untersuchung von Mosten des Jahres 1912 aus den preussischen Weinbaugebieten“. 
Ferner veröffentlichte Berichterstatter in Gemeinschaft mit E. Schwenk in der Zeit¬ 
schrift für analytische Chemie 1912, Bd. 51, S. 427—466 „Kritische Bemerkungen zur 
direkten Extraktbestimmung im Wein“; in Gemeinschaft mit demselben in derselben 
Zeitschrift S. 628—638 „Abänderung des Verfahrens zur Bestimmung der Äpfel und 
Bernsteinsäure im Wein“; in Gemeinschaft mit demselben in der Biochemischen Zeit¬ 
schrift 1912, Bd. 42, S. 281—288 „Uber die Bildung von flüchtigen Säuren durch Hefe 
bei Umgärungen von Weinen und in Gemeinschaft mit J. Schwenk in der Zeitschrift für 
analytische Chemie 1912, Bd. 51, S. 615—627 „Zur Bestimmung der Phosphorsäure im 
Wein“. Schliesslich veröffentlichte der Berichterstatter noch eine Arbeit: „Der Ein¬ 
fluss des Schönens auf die chemische Zusammensetzung der Weine“ in der Zeitschrift 
für Untersuchung der Nahrungs- und Genussmittel 1912, Bd. 24, S. 253—265, nebst 
einen Nachtrag hierzu in derselben Zeitschrift S. 624—627, sowie einen Beitrag: „Be¬ 
reitung des Weines“ in der Chemischen Technologie der organischen Verbindungen 
von R. 0. Herzog, Heidelberg 1912, S. 265—281 und gab die VII. Auflage von „Barths 
Obstweinbereitung“, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, 92 Seiten, heraus. 

b) Vorträge, Kurse, Unterricht. 

Der Berichterstatter nahm teil an den Beratungen der Kommission für die amt¬ 
liche Weinstatistik in Kreuznach am 26. und 27. September 1912, dabei erstattete er 
folgendes Referat: 

„Über den Einfluss der Zuckerkonzentrationen auf die Bildung der flüchtigen 
Säure bei der alkoholischen Gärung.“ Ferner bearbeitete Berichterstatter für die Neu¬ 
ausgabe zur Anweisung für die chemische Untersuchung durch das Kaiserl. Gesund¬ 
heitsamt folgende Abschnitte: 1. Best. d. Extraktes, 2. Best. d. freien Säure, 3. Best, 
d. Phosphorsäure, 4. Best. d. Apfelsäure, 5. Best. d. Bernsteinsäure, 6. Nachweis d. 
Benzoe-Säure, 7. Nachw. d. Zimmt-Säure, 8. Best. v. Eisen u. Aluminium, 9. Best. d. 
Schwefelsäure, 10. Best. d. Chlors. 

An dem Obstverwertungskursus für Männer vom 6.—17. August 1912 war die 
Station mit 6 Vorträgen, an dem Obstverwertungskursus für Frauen vom 29. Juli bis 
3. August 1912 mit einem Vortrag beteiligt. 

Der Kursus über die chemische Untersuchung der Weine und die Wein¬ 
behandlung fand vom 30. Juli bis 10. August 1912 unter einer Beteiligung von 
33 Hörern statt. 

Ferner arbeiteten auch in diesem Berichtsjahre in dem Laboratorium der Ver¬ 
suchsstation eine Anzahl Praktikanten. 

, c) Gutachten. 

Auch in diesem Jahre wurde eine Anzahl von schriftlichen Gutachten an die 
Praxis abgegeben. Ferner erteilte der Berichterstatter in einigen Fällen Gutachten an* 
die Königl. Staatsanwaltschaft und trat als Sachverständiger vor Gericht auf. 

d) Honoraranalysen. 

Im Berichtsjahre wurden 88 Untersuchungen teils in privatem, teils in amtlichem 
Aufträge ausgeführt. Gegenstand der Untersuchungen waren Weiss- und Rotweine, 
Obst- und Beerenweine und Fruchtsäfte, Schaumweine, Moste, in vereinzelten Fällen 
auch Kognak, Wasser, Kupfervitriol und Weinbergschwefel. 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Bericht Uber die Tätigkeit der pflanzenpathologischen 
Versuchsstation. 

Erstattet von G. Lüstner, Vorstand der Station. 

A. Durch tierische Feinde hervorgerufene Schäden. 

1. Der Buchen-Springrüssler (Orchestes fagi L.) als gefährlicher 

Obstbaumschädling. 

Von verschiedenen Seiten, so z. B. aus Hermeskeil (Rheinprovinz), 
Bicken (Dillkreis), Aulenhausen und Wolfenhausen (Oberlahnkreis) liefen 
Mitte bis Ende Juni dieses Jahres hier Anfragen und Einsendungen ein, 
die sich auf einen Schädling bezogen, der sich namentlich an Apfelfrüchten, 
daneben aber auch an Kirschfrüchten (Aulenhausen) zeigte und sie durch 
seinen Frass sehr empfindlich schädigte. Wie die Untersuchung des ein¬ 
geschickten Materials ergab, handelt es sich in allen diesen Fällen um 
keinen eigentlichen Obstbaufeind, sondern um einen Forstschädling, den 
Buchen-Springrüssler oder Buchenrüssler (Orchestes fagi L.), der, wie sein 
Name besagt, gewöhnlich nur auf Buchen vorkommt, und nur ausnahmsweise 
auch auf Obstbäume, Himbeeren, Blumenkohl und Roggenähren übergeht. 

Der Käfer überwintert unter dem Laube des Waldbodens und er¬ 
scheint Ende April bis Anfang Juni, um sich von dem jungen, noch zu¬ 
sammengefalteten Buchenlaube, in das er kleine, runde Löcher frisst, zu 
ernähren. Sobald die Blätter entfaltet sind, legt das Weibchen ein Ei auf 
ihre Unterseite in der Nähe der Mittelrippe ab. Die aus dem Ei hervor¬ 
gehende Larve bohrt sich aisbad ins Innere des Blattes ein und frisst sich 
zunächst einen schmalen Gang, der an der Spitze oder Seite des Blattes 
platzartig erweitert wird. Die angefressenen Stellen der Blätter sterben 
schnell ab und färben sich braun, so dass sie aussehen, als ob sie erfroren 
wären, und tatsächlich wird dieser Larvenfrass häufig für Frostschaden 
gehalten. Bei starkem Auftreten des Insektes weisen fast alle Blätter der 
Buchen den beschriebenen Schaden auf, wodurch natürlich ihre Entwicke¬ 
lung empfindlich gestört wird. Die Verpuppung der Larve erfolgt im 
Innern des Blattes, und aus der Puppe geht im Juni der Käfer hervor. 
Derselbe ernährt sich von den Blättern und Früchten, geht aber auch 
die Keimpflänzchen der Buchen an und befallt nun auch das oben genannte 
Obst und Gemüse sowie die Roggenähren. 

Das Auftreten des Käfers an den Obstfrüchten in diesem Jahre war 
ein sehr starkes. Der von ihm an diesen hervorgerufene Schaden bestand 
in lochartigen Vertiefungen, die die Käfer ausgefressen hatten, und die 
ziemlich tief ins Fruchtfleisch hineingingen. Diese Frassstellen nahmen 
bis zur Hälfte die Oberfläche der Früchtchen ein und waren unregelmässig 
über sie verteilt. Sie fanden sich häufig an der Ansatzstelle des Stieles 
vor, doch wurden sie nicht selten auch am und in der Nähe des Kelches 
und an den Seiten angetroffen. 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 141 


Ein Bekämpfungsmittel für den Schädling ist nicht bekannt. Es 
dürfte sich jedoch empfehlen, einmal einen Versuch zu machen, die Käfer 
frühmorgens, wenn sie noch taulahm sind, auf 
untergelegte Tücher abzuklopfen, einzusammeln 
und zu vernichten. Vielleicht gelingt es so, 
die Tiere unschädlich zu machen, bevor sie 
fortspringen oder wegfliegen. Eine Bespritzung 
der Früchtchen mit Arsensalzen, die vielleicht 
sehr wirksam sind, möchte ich ihrer Gefähr¬ 
lichkeit wegen nicht allgemein empfehlen, zu¬ 
mal dadurch auch die bei uns überall vorhandenen Unterkulturen mit 
getroffen werden. 

2. Über das Vorkommen der Blutlaus auf Cotoneaster horizontalis. 

Auf einem Exemplar dieser Pflanze haben wir das Insekt, wie Abb. 20 
zeigt, in grossen Mengen vorgefunden. Es hielt sich vorwiegend auf 




Abb. 20. Cotoneaster horizontalis, von der Blutlaus befallen. 


einem stärkeren Triebe auf, während dessen Seitenzweige viel weniger 
befallen waren. Die Kolonien hatten sich rings um den Trieb angesiedelt; 
eine Bevorzugung der Unterseite, wie sie bei dem Auftreten der Laus auf 
dem Apfelbaum nicht selten zu beobachten ist, war nicht zu erkennen. 
Die befallenen Stellen waren aufgeplatzt und zeigten knollige Wucherungen, 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


wie sie stets auch auf Apfeltrieben unter Blutlauskolonien in die Er¬ 
scheinung treten. 

3. Über von einem Käfer hervorgerufene Schälwunden «an 

Obstbaumtrieben. 

„Seit etlichen Jahren tritt im Mai ein Schädling auf, welcher an den 
Bäumen meiner Baumschule an den Rückschnittstellen die Rinde ahfrisst 
oder die einjährigen Zweige ringelt. Dieses Jahr zeigt sich der Schädling 
besonders stark, hat die votiges Jahr gemachten Kronenveredlungen fast 



Abb. 21. Vom pechbraunen Lappenriiasler befressene Apfelzweige. Links oben der Käfer. 

durchweg stark benagt und auch au den diesjährigen Veredlungen die 
Reiser geringelt. Der Schädling muss bei Nacht diese Arbeit ausführen, 
am Tage habe ich ihn trotz sorgfältigen Suchens noch nicht wahrnehmen 
können. Beim Behacken der Baumschule fanden sich in der Nähe des 
Wurzelhalses der beschädigten Bäume im Boden Rüsselkäfer vor, und zwar 
wurden an einem Bäumchen über 100 Stück gezählt. Ich sende mit 
gleicher Post einige der beschädigten Triebe sowie eine Anzahl der Käfer 
und bitte festzustellen, ob dieses Insekt der Übeltäter ist“. So lautet ein 
Schreiben, das wir im vergangenen Frühjahr von einem Kreisbaumwart 
erhielten. Da die in demselben genannten Schäden eine weniger häufig 
auftretende Erscheinung sind, halten wir es für angebracht, sie auch in 
dieseu Berichten zu besprechen. 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 143 


Zunächst sei bemerkt, dass der im Boden in Nähe der Bäumchen 
gefundene Käfer tatsächlich der Urheber des Schadens ist, denn er ist als 
solcher nicht allein bekannt, sondern er setzte auch seinen Frass bei uns 
in der Gefangenschaft ruhig fort. Es ist der pechbraune Lappenrüssler, 
Otiorrhynchus singularis L.-O. picipes F. (s. Abb. 21). 

Der Käfer ist ein Nachttier. Bei Tage hält er sich in der Erde, 
unter Schollen oder unter Steinen verborgen. Zur nächtlichen Nahrungs¬ 
suche begibt er sich auf die Triebe verschiedener Holzpflanzen und nagt 
an ihnen die Rinde ab, wodurch die darüber befindlichen Triebteile zum 
Absterben gebracht werden. In dieser Weise wird er namentlich in Baum¬ 
schulen schädlich, in denen er mit Vorliebe die Äpfel und Zwetschen, 
auch Eichen befallt; auch auf Rosen ist er schon beobachtet worden. 
Abbildung 21 zeigt seinen Schaden an Apfeltrieben. Die von ihm ver¬ 
ursachten Schälwunden erstrecken sich oft rings um den Trieb herum. 
Mitunter zeigen sie auch einen spiraligen Verlauf. Es werden Triebe bis 
über 1 cm Durchmesser befressen. 

Die Bekämpfung des Schädlings ergibt sich aus der Gewohnheit des 
Käfers, nur nachts zu fressen, tagsüber sich jedoch im Boden auszuruhen. 
Er muss also in jeder Nacht aufs neue zu den Frassstellen wandern. Um 
ihn davon fernzuhalten, ist das Anlegen von Klebringen an die Stämmchen 
zu empfehlen, was allerdings in Baumschulen schwer durchführbar sein 
wird. Auf ihnen muss jedoch der Leim sehr dick aufgetragen werden, 
weil sie sonst von dem gut laufenden Käfer leicht überschritten werden. 
Auch das Absuchen der Käfer nachts bei Laternenbeleuchtung, sowie das 
Aufsuchen derselben bei Tage am Fusse der Bäumchen im Boden, wobei 
man sich zum Wegräumen der Erde am besten eines Blechlöffels bedient, 
können zur Vertilgung des Feindes empfohlen werden. Von gutem Erfolg 
dürfte wohl eine Bespritzung der Triebe mit Schweinfurtergrün oder arsen¬ 
saurem Blei sein, jedoch möchte ich diese Mittel ihrer Giftigkeit wegen 
nicht empfehlen. 

4. Über ein stärkeres Auftreten des gebuchteten Prachtkäfers, 
Agrilns sinnatus, in einer Strassenpflanzung. 

Von dem Käfer ist in diesen Berichten schon einmal die Rede gewesen. 
(S. d. Bericht vom Jahre 1890/91, S. 37). Nach R. Goethe, der in diesem 
Bericht die erste ausführliche Mitteilung über den Käfer veröffentlichte, 
fugt das Insekt den Obstbäumen empfindlichen Schaden zu und verdient 
infolgedessen grosse Beachtung. Dieser Ansicht können wir nur zustimmen, 
denn in der Strassenpflanzung bei Wetzlar, auf die sich unsere Beob¬ 
achtungen beziehen, war der von dem Käfer angerichtete Schaden ein ganz 
erheblicher. Die Stämmchen der jungen Apfel- und Birnbäumchen waren 
in allen ihren Teilen von ihm befallen, dicht über der Erde, in der Mitte 
und ganz oben bei der Verzweigung in die Krone. Die Larvengänge lagen 
oft dicht übereinander und erstreckten sich über den ganzen Umfang der 
Stämmchen. Unter dem Larvenfrass litten die Bäumchen empfindlich Not; 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


sie blieben im Wachstum zurück, zeigten Spitzen- und Astdürre und einige 
waren vollständig eingegangen. Es hat den Anschein, als ob das starke 
Auftreten dieses Käfers mit der Dürre des Sommers 1911 in ursächlichem 
Zusammenhang steht, die ja in manchen Gegenden auch einen stärkeren 
Befall der Obstbäume durch Borkenkäfer im Gefolge hatte. Sollte dies 
der Fall sein, so käme, um die Bäume vor weiterem Befall zu schützen, 
zunächst in Betracht, sie wieder widerstandsfähig gegen den Käfer zu 
machen, was durch eine gründliche Düngung und Bewässerung erreicht 
werden könnte. 

Um den Käfer vor der Eiablage an den Stämmchen abzuhalten, empfiehlt 
Goethe einen Anstrich mit dickem Lehm, der Ende Mai aufgetragen und 
bis Ende Juli erhalten werden muss. Auch für die Bekämpfung der Larven, 
die darunter ersticken sollen, bringt Goethe einen dicken Überzug von 
Lehm und reinem Kuhdung, der mit Leinwandlappen fest zu verbinden 
ist, für die befallenen Teile in Vorschlag. 

5. Starker Käferfrass an Reben auf* Jungfeldern. 

In der Umgebung von Kreuznach traten die beiden Rüsselkäfer 
Eusomus ovulum Germ, und Foucartia squamulata, die wir bereits 1900 
als Rebenschädlinge kennen gelernt und beschrieben haben (Geisenheimer 
Jahresbericht 1900/01, S. 137) in grösseren Mengen auf und riefen durch 
Abfressen der jungen Triebe stärkeren Schaden hervor. Näheres darüber 
ist veröffentlicht in „Weinbau und Weinhandel“, Jahrg. 1912, S. 221. 

6. Über das Auftreten der Wanze Nysins senecionis in den 
deutschen Weinbergen. 

Anfangs dieses Sommers ging eine Nachricht durch die Fachpresse 
und Tageszeitungen, nach der in Frankreich auf Jungfeldern ein neuer, 
zu den Insekten gehöriger Rebfeind sich in grosser Zahl bemerkbar mache 
und durch seine Nahrungsaufnahme die Reben in kurzer Zeit zum Absterben 
bringe. Es handelt sich um eine Wanze, Nysius senecionis, die seither 
nur in Algier als Rebenfeind beobachtet worden war, in Europa sich jedoch 
noch nicht gezeigt hatte. Wohl ist sie auch bei uns schon lange vor¬ 
handen und auf einem Kreuzkraut (Senecio silvaticus) gefunden worden, 
die Reben jedoch wurden von ihr seither nicht angegangen. Es bestand 
somit auch für Deutschland die Möglichkeit, dass dieser Pflanzenfeind sein Ver¬ 
halten ändern und von dem Unkraut auf die Kulturpflanze übergehen konnte. 

Dieser Fall ist bald nach deu französischen Veröffentlichungen ein¬ 
getreten, denn am 6. August wurde ich von Herrn Weinbaulehrer Röder- 
Ahrweiler auf einen Rebfeind aufmerksam gemacht, der sich in der Gemarkung 
Walporzheim an der Ahr eingestellt hatte und dort seither noch niemals 
gesehen worden war. In seinem Schreiben teilte mir Herr Röder mit, 
dass der Baumann, des betreffenden Gutes, der ihm den Schaden meldete, 
wahrgenommen hatte, dass auf einem einjährigen Jungfelde eine Anzahl 
Stöcke, die noch zwei Tage vorher kerngesund waren, plötzlich mit voll- 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 145 


ständig vertrockneten Blättern dastanden. Die fraglichen Stöcke waren 
von zahllosen kleinen Tierchen von schmutzig gelbbrauner Farbe mit 
schwarzen Zeichnungen besiedelt. Die Tiere waren sehr lebhaft und Hessen 
sich bei der geringsten Berührung der Triebe zu Boden fallen. Ihre Grösse 
schwankte zwischen 0,5—3 mm. Sie sassen an den grünen Loden, den 
Blattstielen und den Blättern, welche sie durch ihr Saugen zum Absterben 
brachten. Ihr Zerstörungswerk war ein so schneUes, dass die befallenen 
Reben in drei Tagen vollständig vertrocknet waren. Es waren jedoch 



Abb. 22. Von der Wanze Nysius senecionis befallener junger Rebstock. 


nicht allein einjährige Stöcke befallen, sondern auch vierjährige, die in 
einem an das fragliche Jungfeld angrenzenden Weinberge standen. Der 
Schädling sass an diesen älteren Stöcken teils an den jungen Loden und 
Blättern, teils aber auch an den bereits verholzten Trieben, wo er sich 
vorwiegend an den Augen aufhielt. 

Diese Mitteilung weckte in mir die Vermutung, dass es sich in diesem 
Falle mögUcherweise um denselben Schädling handele, der in diesem Jahre 
in einigen Gegenden Frankreichs die jungen Reben heimgesucht hatte, 
weshalb ich mich sofort an Ort und Stelle begab, um das Insekt selbst 
zu beobachten. Bei der Besichtigung fand ich die Triebe der jungen 

Geisenheimer Jahresbericht 1912. 10 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Stöcke über und über mit kleinen Tierchen besetzt, die tatsächlich die 
Larven und Nymphen einer Wanze darstellteu. Nach einigem Suchen 
wurden auch Imagines gefunden, deren Bestimmung ergab, dass der auf¬ 
gefundene Schädling identisch mit dem neuen französischen Rebenfeind 
war. Er heisst wissenschaftlich Nysius senecionis — Heterogaster Senecionis 
Schill und gehört zu den Sandwanzen. In dem fraglichen Weinberg war 
er stellenweise ungemein häufig, und zwar nicht allein auf den Stöcken, 
sondern auch in der Erde. Namentlich unter Steinen wurde er massenhaft 
vorgefunden, auch in grösserer Entfernung von den Stöcken zwischen den 
Zeilen. Die Abb. 22, die von Herrn Röder auf meine Veranlassung 
hin aufgenommen wurde, gibt nur ein schwaches Bild von der Häufigkeit 
des Insektes auf den Trieben, da sich dasselbe, wie gesagt, bei der ge¬ 
ringsten Berührung des Stockes zu Boden fallen lässt und hier verkriecht. 
Am 8. August waren noch seine Larven und Nymphen in der Mehrzahl 
vorhanden, Imagines wurden nur vereinzelt angetroffen. An den befallenen 
Stöcken waren die grünen Teile vertrocknet, einzelne Stöcke waren bereits 
abgestorben. Bis jetzt ist das Auftreten nur ein lokales, doch machen 
sich bereits in den Nachbarweinbergen die ersten Anzeichen des Schadens 
bemerkbar. 

Allem Anscheine nach handelt es sich nur um einen Gelegenheits¬ 
schädling, der ebenso schnell, wie er gekommen ist, wieder verschwinden 
wird. Er ist nur aus dem Grunde auf die Reben übergegangen, weil er 
nicht mehr imstande war, sich von seiner eigentlichen Wirtspflanze zu 
ernähren. 

Diese Pflanze ist vermutlich^ in unserem Falle das gewöhnliche Kreuz¬ 
kraut oder die Kreuzwurz (Senecio vulgaris), obgleich Kaltenbach (Die 
Pflanzenfeinde aus der Klasse der Insekten, S. 365) nur Senicio silvaticus 
als Nährpflanze angibt. Senecio vulgaris ist in den Weinbergen ein weit¬ 
verbreitetes Unkraut und findet sich auch in den Ahrweinbergen, nament¬ 
lich in den von der Wanze befallenen, häufig vor. Während jedoch diese 
Pflanze zur Zeit der Untersuchung im Rheingau noch üppig grün war, 
war sie an der Ahr (Gemarkung Walporzheim) infolge einer lang an¬ 
haltenden Trockenperiode bereits abgestorben und dürr, so dass die Wanze 
nicht mehr imstande war, sich von ihr zu ernähren. Es ist also wahr¬ 
scheinlich, dass sie aus diesem Grunde vom Kreuzkraut auf die Rebe über¬ 
gegangen ist. Diese Annahme gewinnt noch dadurch an Wahrscheinlich¬ 
keit, dass das Insekt auch auf einem Wustfeld, das hauptsächlich mit 
Kreuzkraut, daneben u. a. noch mit Gänsedisteln und Ackerwinde bestanden 
war, an und in der Nähe der erstgenannten Pflanze wohl im Boden, nicht 
aber auf den oberirdischen, allerdings schon dürren Teilen angetroffen 
wurde. In dem befallenen Weinberge war ausserdem das Unkraut vor 
einigen Tagen ausgehackt worden, so dass auch hierauf der Befall der 
Reben zurückgeführt werden kann, zumal dabei die in der Erde vorhandenen 
Wanzen wieder ans Tageslicht gebracht wurden. Kreuzblütler (Kruziferen), 
auf denen die Wanze in Frankreich leben und von denen aus sie dort auf 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 147 


die Reben übergegangen sein soll, waren in dem befallenen Weinberg an 
der Ahr nicht vorhanden. 

Die Wanze hat im erwachsenen Zustande eine Körperlänge Von 4 mm. 
Ihre Farbe ist schmutzig bräunlichgelb. Über den Kopf, die Brust und 
das Schildchen zieht sich ein gelber Längsstreif; auf der tief punktierten 
Brust sind daneben beiderseits noch zwei gelbe Längsstreifen vorhanden. 
Die rotbraunen Fazetteaugen sind ebenso wie die zwei Punktaugen ver¬ 
hältnismässig gross und vorstehend. Fühler schwarz, viergliederig, End¬ 
glied verdickt. Beine gelblich, Fusspitzen schwarz. Membran mit fünf 
Längsadern, ihr Hinterrand beiderseits mit zwei schwarzen Flecken. 

Zur Bekämpfung des Schädlings wurde zunächst ein Versuch mit 
der GrRETHERSchen Schwefelkohlenstoff-Emulsion und mit Quassia-Schmier- 
seife ausgeführt. Dabei wurden wohl eine Anzahl Tiere abgetötet, viele 
blieben aber am Leben. Es ist dies darauf zurückzuführen, dass von diesen 
Mitteln wohl die oberirdisch an den Reben sitzenden Wanzen, nicht 
aber die im Boden und unter Steinen vorhandenen getroffen werden, 
die später die Stöcke wieder bevölkern. Man wird mit diesen Mitteln 
vielleicht dann zum Ziele kommen, wenn sie mehrmals hintereinander an¬ 
gewendet werden, so dass auch diejenigen Tiere, welche sich nach einer 
Bespritzung auf den Stöcken wieder einfinden, getötet werden. Versuche 
nach dieser Richtung hin sind im Gange. Von günstigerer Wirkung sind 
vielleicht pulverförmige Mittel, mit denen die Stöcke bestäubt werden. 
So scheinen Stöcke, die mit dem GRETHERschen Malacid behandelt worden 
sind, von der Wanze gemieden zu werden. Auch die Anwendung von 
Insektenpulver dürfte Aussicht auf Erfolg haben, und sind Versuche damit 
gleichfalls beabsichtigt. Der hohe Preis dieses letzten Mittels kommt 
einstweilen nicht in Frage, da die Zahl der befallenen Stöcke noch keine 
grosse ist. 

Als natürlicher Feind der Wanze wurde die Larve einer Florfliege 
erkannt. Es konnte beobachtet werden, dass dieser Nützling die jungen 
Larven der Wanze mit seinen Kiefern erfasst und aussaugt. 

7. Vorkommen des bekreuzten Traubenwicklers in Johannisbeeren. 

Die Raupen des einbindigen Traubenwicklers treten bekanntlich nicht 
allein an der Rebe, sondern noch an einer ganzen Anzahl anderer Pflanzen 
auf. Nach einer Zusammenstellung von Dewitz sind sie bis jetzt gefunden 
worden auf Feldahom, wildem Wein, Hartriegel, Pfaffenhütchen, Epheu, 
Liguster, Geissblatt, Faulbaum, roten Johannisbeeren, Flieder und Schnee¬ 
ball; nach Chatanay sollen sie auch auf schwarzen Johannisbeeren und 
gemeinem Labkraut leben. Bei dem bekreuzten Wickler liegen die Ver¬ 
hältnisse wesentlich anders, denn man hat seine Raupen meines Wissens 
seither nur auf Waldrebe, wildem Wein, Hartriegel und Daphne gnidium, 
einer Seidelbastart, gefunden. 

Während der Flugzeit der Heuwurmmotten in diesem Frühjahr 
konnte ich nun beobachten, dass diejenigen des bekreuzten Wicklers nicht 

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HI. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


allein die Reben, sondern auch Johannisbeersträucher, die in deren 
Nähe standen, umschwärmten. Auch im Innern dieser Sträucher hielten 
sich die Motten auf und konnten durch Anschlägen derselben aufgescheucht 
werden. Hieraus war zu schliessen, dass die Motten die Sträucher wahr¬ 
scheinlich nur zu dem Zwecke aufsuchen, um sie mit ihren Eiern zu 
belegen. War dies der Fall, dann mussten sich späterhin in den Johannis¬ 
beeren die Raupen dieses Wicklers nachweisen lassen. Die Nachsuche 
nach ihnen am 12. und 13. Juni bestätigte diese Vermutung, denn es 
gelang an diesen Tagen, die Raupen des bekreuzten Wicklers in schwarzen 
und weissen Johannisbeeren nachzuweisen. Sie hatten in den Frucht¬ 
ständen einzelne Beeren fast vollständig ausgefressen und zusammen¬ 
gesponnen. Auch rote Johannisbeeren fand ich in dieser Art beschädigt, 
allein sie waren bereits von den Raupen verlassen, so dass, obgleich es 
sehr warscheinlich ist, mit Sicherheit nicht gesagt werden kann, ob diese 
Gespinste vom bekreuzten Wickler herrühren. Ausser den Raupen des be¬ 
kreuzten Wicklers wurden auch diejenigen des einbindigen in den Johannis¬ 
beeren angetroffen, welches Vorkommen schon länger bekannt ist (Moritz). 
Das Auftreten des Heuwurms, des bekreuzten und einbindigen Wicklers in 
den Johannisbeeren kann jedoch nicht als häufig bezeichnet werden, denn es 
wurden in einem grösseren Sortiment nur 17 Gespinste und in ihnen nur 
4 gelbköpfige und 5 schwarzköpfige Würmer angetroffen, wobei allerdings 
zu beachten ist, das sich der Heuwurm in der hiesigen Gemarkung diesmal 
viel seltener zeigte, wie in den letzten Jahren. 

Auch die Himbeeren der betreffenden Pflanzung wurden von einzelnen 
Motten des bekreuzten Wicklers umschwärmt, so dass die Möglichkeit 
besteht, dass seine Raupen auch in den Früchten dieses Strauches Vor¬ 
kommen. Bis jetzt ist es mir jedoch noch nicht gelungen, sie in den¬ 
selben aufzufinden. 

B. Durch pilzliche Feinde hervorgerufene Schäden. 

8. Über ein massenhaftes Eingehen von Coniferen-Veredlnngen. 

Im folgenden möchte ich über einen Fall berichten, den ich vor 
einiger Zeit zu beobachten Gelegenheit hatte, und der wohl auch weitere 
Kreise interessieren dürfte, da bei ihm von 3000 Coniferen-Veredlnngen 
in kurzer Zeit 70°/ o — also 2100 Pflanzen — zugrunde gegangen sind. 

Es handelt sich um Veredlungen von Chamaecyparis Lawsoniana und 
Thuya occidentalis, die aus Norddeutschland bezogen worden waren. Die 
Pflanzen wurden nach ihrer Ankunft sofort eingeschlagen, dann im Dezember 
je nach Bedarf ins Treibhaus geholt, gesäubert, veredelt und hierauf ins 
Vermehrungsbeet eingeschlagen in ein Gemisch von Torfmull, Mistbeeterde 
und reichlich Sand. Über diese Erde wurde nach dem Einschlagen noch 
eine Schicht gewaschenen Sandes gestreut, um Schimmelbildung zu ver¬ 
hüten. Im Beet kamen die Pflanzen ziemlich dicht zu stehen, was im 
Interesse einer guten Ausnutzung des Platzes geschehen musste. Auf die 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 149 


Vermehrungsbeete wurden daun, um ein gutes Anwachsen der Veredlungen 
zu ermöglichen, Fenster gelegt, auch war für genügende Feuchtigkeit durch 
gründliche Bewässerung beim Einlegen gesorgt worden; später wurde nur 
hin und wieder nach Bedarf leicht gespritzt. Geheizt wurde anfangs gar- 
nicht, erst nach vierzehn Tagen wurde ganz mässig mit 15—18° C. be¬ 
gonnen, und allmählich wurde 
die Bodenwärme bis auf 25 0 C. 
gesteigert. Ende Januar fingen 
die Unterlagen und auch be¬ 
reits einige der Edelreiser an 
zu treiben, und es zeigte sich 
bei genauerer Untersuchung, 
dass viele der Reiser schon 
recht gut verwachsen waren. 

Dabei wurde aber auch gleich¬ 
zeitig beobachtet, dass sich bei 
einer grossen Zahl der Unter¬ 
lagen an der Veredlungsstelle 
weisse Pünktchen gebildet 
hatten, und dass an solchen 
Pflanzen die Wurzeln meist 
schon mehr oder weniger braun 
und abgestorben waren. Auf 
Abb. 23 sind diese weissen 
Pünktchen zwischen den Bind¬ 
faden deutlich zu erkennen. 

An eine Abräumung der Beete 
konnte noch nicht gedacht 
werden, weil eine Anzahl der 
Pflanzen mit den Reisern noch 
nicht genügend verwachsen 
waren. Um das weitere Ein¬ 
gehen zu verhüten, wurde für 
bessere Lüftung Sorge ge¬ 
tragen. 

Im März wurden dann alle 
gesunden Pflanzen eingetopft, 
wobei festgestellt wurde, dass bereits 20—35°/ 0 am Eingehen waren. Die 
übriggebliebenen wurden im Hause temperiert, und zwar anfangs ziemlich 
geschlossen gehalten, um die Bewurzelung zu fordern, dann aber wurde 
stark gelüftet und nach wie vor öfter leicht gespritzt. Trotzdem gingen 
in den nächsten Wochen noch 10—15°/ 0 ein. Die Pflanzen kamen nun 
in kalte Mistbeetkästen, die andauernd stark gelüftet wurden, bis schliesslich 
die Fenster ganz weggelassen werden konnten. Es starben aber immer 
noch Pflanzen ab, sogar noch nach dem Mitte Mai erfolgten Auspflanzen 



Abb. 23. Durch ein Fusarium zum Absterben gebrachte 
Thuja-Veredlungen. 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


ins Freie, so dass schliesslich im ganzen etwa 70 °/ 0 davon eingegangen 
waren. 

Diese Krankheit steht meines Erachtens mit den genannten weissen 
Pünktchen in ursächlichem Zusammenhang, den Sporenlagern eines in die 
Gattung Fusarium gehörigen Pilzes. Er hat zunächst die Unterlagen 
befallen und ist von diesen aus später auch auf die Edelreiser übergegangen. 
Auf der Unterlage ist er allem Anschein nach schon beim Bezüge vor¬ 
handen gewesen, denn der betreffende Gärtner will schon beim Veredeln 
die weissen Pünktchen beobachtet haben, denen er jedoch keine Bedeutung 
beigelegt hat. Auf jeden Fall wurde die Weiterentwicklung des Pilzes 
durch die ihm sehr zusagenden Feuchtigkeits- und Wärmeverhältnisse, 
unter denen die Veredlungen gehalten wurden, sehr begünstigt, so dass 
er in kurzer Zeit die Pflanzen znm Absterben bringen konnte. 


0. Bekämpfungsversnche. 

9. Prüfung von Geheimmitteln. 

Nachdem unsere, eine längere Reihe von Jahren durchgeführten 
Prüfungen von Geheimmitteln ergeben haben, dass sich unter diesen Fabrikaten 
kaum etwas Brauchbares befindet, und dass sie in fast allen Fällen nichts 
besseres darstellen als die altbewährten Bekämpfungsmittel, dabei immer 
teurer als diese sind, werden von uns in Zukunft solche Mittel überhaupt 
nicht mehr erprobt werden, nur dann, wenn diese Mittel ein besonderes 
Interesse für uns haben, werden wir Versuche mit ihnen vornehmen. 

10. Über den Stand der Hen- und Sauerwurmbekämpfung, 
a) Allgemeines über die Traubenwickler. 

Im vergangenen Jahre wurde sowohl für den einbindigen, als auch 
für den bekreuzten Wickler ein starker Rückgang in ihrem Auftreten fest¬ 
gestellt, dessen Ursache mit Sicherheit noch nicht aufgeklärt ist. Hier¬ 
nach war für 1912 ein spärlicheres Erscheinen der beiden Schädlinge zu 
erwarten, was im allgemeinen eingetreten ist. Immerhin konnte dabei 
festgestellt werden, dass der bekreuzte Wickler weiter in der Zunahme 
begriffen ist. Seine ersten Motten wurden im Rüdesheimer Berg am 
24. April beobachtet. 

Ich bin immer noch der Ansicht, dass wir in dem bekreuzten Wickler 
einen neuen Eindringling in unsere Weinberge vor uns haben und nicht 
einen alten, zu plötzlicher Vermehrung gekommenen Feind. Sein haupt¬ 
sächliches Vorkommen an den geschützt stehenden Spalieren und in den 
besten, wärmsten Lagen sowie im Schutze der Ortschaften weisen darauf 
hin, dass er die Wärme liebt und wahrscheinlich südlichen Weinbauländem 
entstammt. Er ist vor seinem Auftreten in der neueren Zeit in Deutsch¬ 
land seither mit Sicherheit niemals als Rebenschädling beobachtet worden, 
während er in Italien schon längere Zeit als solcher den Winzern Sorge 
bereitet. Ich habe deshalb früher schon die Vermutung ausgesprochen, dass 
er mit Tafeltrauben oder auch mit Trauben zur Weinbereitung erst in 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation 151 


jüngster Zeit von Südeuropa aus bei uns eingeführt worden ist und sich 
über die Spalierreben hinweg in die Weinberge verbreitet hat. Auf dem 
Weinbaukongress in Mannheim (Mitt. des Deutschen Weinbau-Vereins 1907, 
S. 365), habe ich bereits darauf hingewiesen, dass anfangs der achtziger 
Jahre des vergangenen Jahrhunderts die aus Italien zur Champagner¬ 
bereitung in Kisten eingeführten Trauben bei ihrer Ankunft im Rheingau 
förmlich von Sauerwürmern gewimmelt haben sollen, die wohl zum grössten 
Teil der bekreuzten Art angehört haben werden, die dort häufiger ist, wie 
die einbindige. Man darf wohl annehmen, dass ein Teil dieser Würmer 
an den Verbrauchsorten der Trauben zur Verpuppung gelangte, von wo 
aus sich dann das Insekt allmählich weiter verbreitete. Die Annahme einer 
solchen Neueinführung ist meines Erachtens mindestens ebenso berechtigt, 
als die einer plötzlichen Ausbreitung, für die bis jetzt keine genügenden 
Beweise erbracht sind. Ich halte an meiner Ansicht umsomehr fest, als 
auch der einbindige Wickler allem Anscheine nach aus dem Süden zu uns 
gekommen ist. So kennt ihn Hübner (1796), wie aus den älteren Literatur¬ 
angaben zu ersehen sein wird, nur aus Italien und auch Treitschke gibt 
noch 1829 an, dass er vorwiegend in diesem Lande vorkommt. 

b) Kritik der seitherigen Bekämpfungsmassnahmen. 

Wenn wir uns heute die Frage vorlegen, ob wir ein einfaches und 
leicht durchführbares, also für die Praxis geeignetes Bekämpfungsmittel 
für die beiden Traubenwickler besitzen, so müssen wir dieselbe mit nein 
beantworten. Wir müssen dies tun, obgleich uns eine Anzahl Mittel und 
Massnahmen zur Verfügung steht, die bei ihrer Anwendung Erfolge nach 
sich ziehen. Allein, ihre allgemeine Durchführung scheitert an der Zeit, 
die sie bei der Verwendung in Anspruch nehmen und an den Kosten, die 
sie dabei und bei ihrer Beschaffung verursachen. Dazu kommt noch, dass 
sie meist nur dann wirksam sind, wenn sie geschlossen, d. h. von allen 
Besitzern einer Gemarkung gebraucht werden. Im einzelnen sind sie mehr 
oder weniger wirkungslos, weil die dabei vernichteten Individuen alsbald 
wieder durch Zuflug anderer aus den Nachbarweinbergen ersetzt werden. 
Für die allgemeine Benutzung fehlen aber die Arbeitskräfte. 

Zu diesen wirksamen Mitteln rechne ich alle Kontakt- und Magen¬ 
gifte, die sich seither mit gutem Erfolg bei kleineren und auch grösseren 
Versuchen als brauchbar erwiesen haben, z. B. die NESSLERsche Flüssig¬ 
keit, das DüFOURsche Wurmgift, verschiedene Öle, die Schmierseife und 
Harzölseife, die Arsen- und Nikotinpräparate. Sie haben sich alle bei 
sorgfältiger Anwendung bewährt, allein bei ihrem Übergang in die Praxis 
Hessen sie mehr oder weniger zu wünschen übrig, so dass sie sich in ihr 
nicht einbürgern konnten. Sie setzen alle eine Einzelbehandlung der Ge¬ 
scheine voraus und eine solche ist in der grossen Praxis im allgemeinen 
nicht mögüch, ganz abgesehen davon, dass sie zur Erreichung eines wirk- 
Hchen Erfolges in grossen Mengen verspritzt werden müssen, die Wirtschafts¬ 
kosten also ganz bedeutend erhöhen. Solange diese Mittel kein einfacheres 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


und schnelleres Arbeiten gestatten, können sie nicht als praktische be¬ 
zeichnet werden, denn man muss bedenken, dass die Zeit, in der sie zur 
Vorspritzung gelangen, für den Winzer die arbeitsreichste des ganzen 
Jahres ist. 

Der Grund für die Schwierigkeit der Bekämpfung der Heuwürmer 
liegt einmal in ihrem Gespinst, das sie vorzüglich gegen Benetzung schützt, 
dann aber auch in der von Tag zu Tag stärker werdenden Belaubung der 
Stöcke, durch die die Gescheine verdeckt werden imd die ihr Treffen mit 
Flüssigkeiten sehr erschwert. Mit diesen beiden Umständen muss stets 
gerechnet werden und sie stellen dem Auffinden eines für die Praxis 
wirklich brauchbaren Wurmbekämpfungsmittels ganz bedeutende Schwierig¬ 
keiten in den Weg. Denn die Flüssigkeiten, welche im Stande sind, die 
Heuwurmgespinste zu durchdringen, benachteiligen fast alle die Gescheine 
und anderen grünen Eebteile, so dass bei ihrer Anwendung grosse Vor¬ 
sicht geboten ist. Man benutzt sie deshalb auch stets in starker Ver¬ 
dünnung, aber je mehr diese zunimmt, um so mehr lässt ihre Wirksamkeit 
und ihre Mischbarkeit mit Wasser nach (Schwefelkohlenstoff, Benzol, 
Petroleum usw.). Sie scheiden sich dann schnell ab, wodurch eine gleich- 
mässige Verspritzung, wenn die Spritze nicht fortwährend geschüttelt wird 
oder mit einem Rührwerk versehen ist, unmöglich ist. 

Bei der Bekämpfung der Sauerwürmer liegen die Verhältnisse ganz 
ähnlich. Hier gesellt sich zu den Schwierigkeiten, die durch die starke 
Belaubung hervorgerufen werden, der Umstand, dass Stoffe mit besonderem 
Geruch oder Geschmack keine Verwendung finden dürfen, weil die Gefahr 
besteht, dass sie auf den Trauben bis zur Lese haften bleiben und dann 
beim Keltern derselben in den Most und in den aus diesem werdenden 
Wein übergehen. Gerade aus letzterem Grunde scheut sich die Praxis 
sehr mit Recht, derartige Mittel zur Anwendung zu bringen. 

Bei der Verwendung des Nikotins kommt noch hinzu, dass sich dieses 
Gift leicht verflüchtigt und noch leichter vom Regen ausgewaschen werden 
kann, wodurch natürlich seine Wirksamkeit mehr oder weniger vermindert 
wird. Diese wird also je nach den Witterungsverhältnissen eine ver¬ 
schiedene sein, wenn das Verfahren nach einem stärkeren Regen nicht 
alsbald wiederholt wird, wodurch aber wieder die Kosten erhöht werden. 
Seines Geruches und Geschmackes wegen kommt es für die 2. Generation 
nicht in Frage. 

Die einzigen Massnahmen, die den Winzern mit gutem Gewissen zur 
Bekämpfung der Würmer empfohlen werden können, sind meines Erachtens 
nur das Auslesen der Heuwürmer aus den Gescheinen und das Auslesen 
der Wurmheeren aus den Trauben. Ihrer Umständlichkeit wegen eignen 
sie sich jedoch nicht für die Allgemeinheit, wohl aber für die besseren 
Lagen. Sie stellen allerdings auch nichts vollkommenes dar, weil ihr 
Erfolg durch Zuflug aus der Nachbarschaft beeinträchtigt wird, immerhin 
kann sich der Besitzer durch sie gegen grössere Verluste schützen, zumal 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 153 


auch durch das Entfernen der Wurmheeren aus den Trauben, diese bis 
zu einem gewissen Grade gegen Fäulnis geschützt werden. 

Das Fangen der Würmer in Fallen ist gegen die beiden Arten nicht 
in gleicher Weise wirksam. Derartige Vorrichtungen werden nur 
von den Raupen des bekreuzten Wicklers angenommen, während 
sie gegen diejenigen des einbindigen versagt haben. Sie werden in der 
einfachsten Weise aus Tuchstücken hergestellt, die um die Schenkel und 
in der Höhe der Bogreben um die Pfähle gebunden werden. Sie lassen 
also auch zu wünschen übrig, obgleich man damit vielleicht den bekreuzten 
Wickler stärker dezimieren kann, was jedoch erst noch durch grössere 
Versuche ermittelt werden muss. 

Der Fang der Motten mit dem Klebefächer hat seit dem Auftreten 
des bekreuzten Wicklers viel von seiner Wirksamkeit eingebüsst. Dessen 
Motten sind sehr flink und fluggewandt, so dass sie nicht so leicht zu er¬ 
haschen sind. Sie entkommen deshalb sehr häufig den Fängern und finden 
dadurch Gelegenheit, ihre Eier abzusetzen. Nur für die Gebiete, die allein 
den einbindigen Wickler beherbergen, hat diese Massnahme noch eine 
Bedeutung, vorausgesetzt, das sie ständig und allgemein durchgeführt wird, 
wofür jedoch auch wieder nicht genügende Arbeitskräfte vorhanden sind. 

Die Wirkung der Fanglampen ist unsicher. Sie liefern nur in dunklen, 
warmen und windstillen Nächten einigermafsen befriedigende Resultate, 
während sie in hellen, kalten und windigen Nächten vollständig versagen. 
Überhaupt scheint mir die Zahl der damit seither gefangenen Motten gegen¬ 
über der Menge der tatsächlich in den Weinbergen vorhanden gewesenen 
eine nur sehr geringe zu sein, so dass sie kaum zur Bekämpfung empfohlen 
werden können. Ihre Aufstellung hat nur dann einen Zweck, wenn sie 
allgemein erfolgt, denn bei der Benutzung im einzelnen werden sie auch 
auf die Motten der weiteren Umgebung anziehend einwirken, also veran¬ 
lassen, dass sich diese in den Weinberg begeben, in dem sie aufgestellt 
sind. In dem betreffenden Weinberge kann somit, trotzdem durch die 
Lampen eine Menge Motten unschädlich gemacht wird, ihre Zahl dennoch 
vermehrt werden, da nur ein Teil der angezogenen Motten in den Lampen 
seinen Tod findet. 

Genau so liegen die Verhältnisse bei dem Fang der Motten mit 
Fanggefässen. Sie haben bei der ersten Generation vollständig versagt, 
während ihre Wirkung bei der zweiten Generation eine bessere war. Ob 
jedoch bei dieser ihre Wirkung eine immer gleiche sein wird, bleibt ab¬ 
zuwarten. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass bei den ausgedehnten 
Versuchen des Jahres 1911 infolge der trockenen und heissen Witterung 
das Fangergebnis nach der günstigen Seite hin beeinflusst worden ist. 
Ihr schnelles Verschwinden aus den Weinbergen lässt erkennen, was die 
Praxis von dieser neuen Massnahme hält. 

Ebensowenig wie ein brauchbares Anlockungsmittel ist bis jetzt ein 
Schreckmittel für die Motten gefunden worden. Die Erlangung eines 
solchen stösst überhaupt auf grosse Schwierigkeiten, da wir, worauf ich 


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154 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

früher schon hingewiesen habe, nicht wissen, wodurch die Motten ver¬ 
anlasst werden, ihre Eier auf die Gescheine und Trauben zu legen. Es ist 
möglich, ja wahrscheinlich, dass sie hierbei durch ihren Geruchssinn ge¬ 
leitet werden, und dementsprechend hat man auch versucht, sie durch 
Aufbringung bestimmter Geruchstoffe auf die Gescheine und Trauben von 
der Eiablage abzuhalten. Dabei ist man lediglich aufs Probieren ange¬ 
wiesen, denn es ist nicht gesagt, dass Stoffe, welche dem menschlichen 
Geruchssinn zuwider sind, das Riechorgan der Motten in derselben Weise 
affizieren und umgekehrt, Düfte, die uns sympathisch sind, auch von diesen 
Tieren als angenehm empfunden werden. Es ist somit sehr schwer, ein 
derartiges Mittel aufzufinden, weil man dabei ganz auf den Zufall an¬ 
gewiesen ist. 

Als eine der besten Massnahmen für die Winterbekämpfung der 
Traubenwickler wird die Vernichtung der Puppen durch Abbürsten oder 
Abkratzen der Bebschenkel empfohlen. Es ist selbstverständlich, dass bei 
sorgfältiger Durchführung dieser Arbeit eine Menge Puppen unschädlich 
gemacht werden kann, aber trotzdem hat sie für alle Weinhaugebiete mit 
Pfahlerziehung, solange die an den Pfählen vorhandenen Puppen nicht 
mit vernichtet werden, nur eine geringe Bedeutung, denn das Gros der 
Puppen steckt in den Pfählen, an denen ihre Bekämpfung nicht auszu¬ 
führen ist. Um diese Massnahme wirksamer zu gestalten, kann der Über¬ 
gang zur Drahterziehung nur empfohlen werden, wobei Holz so wenig 
wie möglich verwendet werden soll. 

Schliesslich erhoffe ich auch von der Hilfe der insektenfressenden 
Vögel , sowie der tierischen und pflanzlichen Parasiten der Würmer und 
Puppen im Kampfe gegen die Traubenwickler keinen durchgreifenden Er¬ 
folg. Die meisten der für unsere Zwecke in Betracht kommenden Vögel 
meiden die Weinberge, und ihre künstliche Ansiedlung in denselben stösst 
auf grosse Schwierigkeiten. Man hat dies durch Anlegung von Vogel¬ 
schutzgehölzen und Aufhängen von Nisthöhlen zu erreichen gesucht und 
will damit auch bereits gute Erfolge erzielt haben. Diesen Angaben stehe 
ich persönlich sehr skeptisch gegenüber, denn ich kann mir nicht vor¬ 
stellen, in welcher Weise die Meisen — andere Vögel kommen wohl kaum 
in Betracht — in den Weinbergen einen grösseren Nutzen stiften sollen, 
weil es ihnen nicht möglich ist, die tiefer sitzenden Puppen mit ihrem 
kurzen Schnabel zu erlangen. Ihre guten Dienste sind also nur beschränkte, 
sie erstrecken sich nur auf die oberflächlich liegenden Puppen und deshalb 
dürfen wir ihren Nutzen bei objektiver Beurteilung nicht zu hoch an¬ 
schlagen. Dazu kommt noch, dass sie sich von den Schutzgehölzen 
aus nicht weit in die umliegenden Weinberge hinein wagen, sondern nur 
in deren unmittelbaren Nähe für uns arbeiten, wie sich das aus den Ver¬ 
suchen mit den von mir in Vorschlag gebrachten provisorischen oder be¬ 
weglichen Vogelschutzgehölzen in den Königl. Weinbaudomänen an der 
Mosel und Saar ergeben hat. Hiernach müssten somit für eine einiger- 
massen befriedigende Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes durch die 


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Vögel eine grosse Zahl von Vogelschutzgehölzen in den Weinbergen an¬ 
gelegt werden, was praktisch nicht durchführbar ist. Es ist auch zu be¬ 
denken, dass derartige Gehölze nicht allein von Meisen und anderen In¬ 
sektenfressern, sondern auch noch von anderen Vögeln bezogen werden. 
Namentlich Drosseln werden sie zum Aufenthalt nehmen und von ihnen 
aus die Weinberge befliegen, um sich von den Trauben zu ernähren. 
Dabei können sie grössere Schäden anrichten, wie sie von den Sauer¬ 
würmern verursacht werden, so dass der von den Meisen gestiftete Nutzen 
mehr wie aufgehoben werden wird. Wer je einmal beobachtet hat, in 
welchen Mengen und mit welcher Emsigkeit Drosseln von angrenzenden 
Feldgehölzen aus die Weinberge heimsuchen, wird mir zustimmen, wenn 
ich davor warne, dass Vogelschntzgehölze in zu grosser Zahl oder in zu 
grossem Umfange in der Nähe der Rebpflanzungen angelegt werden. Ich 
bin wahrlich kein Gegner der Vogelschutzbestrebungen, nein, im Gegenteil, 
ich suche sie aus ethischen und ästhetischen Gründen soviel wie möglich 
zu fördern und habe dies seither nach Kräften betätigt. Meiner Ansicht 
nach dürfen wir jedoch aus diesen Bestrebungen für den Weinbau nicht 
zu viel erhoffen, wie es jetzt meist geschieht, sondern wir müssen ob¬ 
jektiv bleiben und den Wert der Vögel für die Wurmbekämpfung so ab¬ 
schätzen, wie er es tatsächlich verdient. Hierzu sollten uns auch die 
Beobachtungen ermuntern, die man in Weinbergen machen kann, die in 
der Nähe grösserer Parks liegen oder von grösseren Baumpflanzungen um¬ 
geben sind; sie leiden nach meinen Ermittelungen genau so unter Heu- 
und Sauerwurmschäden, wie die freiliegenden, obgleich doch in ihnen die 
nützlichen Vögel ihre Tätigkeit entfalten können. Den Hauptgrund für 
die Abnahme der insektenfressenden Vögel erblickte ich in ihrer so un- 
gemein starken Dezimierung in südlichen Ländern und solange dieser 
Massenmord nicht aufgehoben wird, werden auch die Erfolge unserer 
Vogelschutzbestrebungen nur geringe sein. Was will es besagen, wenn 
wir in unserem Lande die Vögel um ein paar Hunderte im Jahr ver¬ 
mehren und in demselben Jahr dafür im Süden Tausende vernichtet werden. 
Hier ist der Punkt, wo eingesetzt werden muss, wenn unser heimischer 
Vogelschutz Früchte zeitigen soll. 

Auch die künstliche Vermehrung der pilzlichen und tierischen Schmarotzer 
der Raupen und Puppen, überhaupt aller Entwicklungsstände der Trauben¬ 
wickler wird meines Erachtens nicht zu dem erhofften Ziele führen. Es 
handelt sich dabei um Lebewesen, deren Entwicklung und Vermehrung, 
wie diejenige aller anderen, an bestimmte Verhältnisse geknüpft ist, ohne 
die sie nicht zu einer grösseren Ausbreitung gelangen können. Man hofft, 
mit diesen Organismen Epidemien erzeugen zu können, denen die Trauben¬ 
wickler in irgend einem Stadium erliegen sollen, und denkt dabei nicht 
an die Ursachen, durch die derartige Erscheinungen in der freien Natur 
ganz von selbst ausgelöst werden. Soweit dabei die parasitischen Pilze 
in Frage kommen, schliesse ich mich ganz der Ansicht Sorauers an, die 
derselbe über das Zustandekommen von Pilzepidemien überhaupt geäussert 


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hat (s. Handbuch der Pflanzenkrankheiten, Bd. 1, S. 15). Er setzt für 
die Bezeichnung Epidemie den Ausdruck Landseuche , wobei das Wort 
„Seuche “ die Vielheit der erkrankten Individuen im Gegensatz zum ver¬ 
einzelt auftretenden Krankheitsfall andeuten soll. Gemeinsames Erkranken 
zahlreicher Individuen unter übereinstimmenden Faktoren über weite Länder¬ 
strecken hin kennzeichnet die Erscheinung einer Epidemie. Bei ihrem 
Ausbruche müssen also Zustände vorhanden sein, „welche den Organismus 
zahlreicher Individuen in seinen Funktionen so stark erschüttern, dass er 
mit einem vorzeitigen Abschluss seines Lebens bedroht ist oder schliesslich 
diesem Abschluss zugeführt wird. Die Erschütterung beruht auf äusseren 
Ursachen. Wenn dieselben in Form parasitärer Organismen auftreten, so 
sind sie in ihrer Existenz abhängig von den ihre übermässige Vermehrung 
begünstigenden Wachstumsfaktoren, zu denen eine Lockerung der Immunität 
des Nährorganismus gehört“. Nur sie sind ausschlaggebend für das Zu¬ 
standekommen einer Epidemie, denn solange die Parasiten keine Gelegenheit 
haben, sich stärker zu vermehren und auszubreiten, können sie niemals 
eine Epidemie auslösen. Für das Zustandekommen einer solchen ist also 
nicht die Gegenwart des Parasiten, sondern die seine Ausbreitung be¬ 
günstigenden Umstände ausschlaggebend. Hiernach kann somit das Behäufeln 
der Rebe mit Erde als eine sehr zweckmässige Massnahme zur Bekämpfung der 
Winterpuppen der beiden Traubenwickler bezeichnet werden, denn sie zielt 
darauf hin, den Pilzen, die auf diesen Puppen schmarotzen und sie dadurch 
töten, die günstigsten Lebens- und Entwicklungsbedingungen zu bieten. 
Aber was hilft dies alles, wenn sich diese Massnahme allein auf die Stöcke 
beschränkt und nicht auf die Pfähle und anderen Rebstützen ausgedehnt 
werden kann und wenn bei hohen Erziehungsarten die oberen Schenkel¬ 
teile von ihr ausgeschlossen werden müssen? Solange sie nicht gleich- 
mässig auf alle Örtlichkeiten ausgedehnt werden kann, in denen Puppen 
überhaupt Vorkommen, wird sie niemals als praktisch bezeichnet werden 
können. 

Sokauer weist auch darauf hin, dass sowohl bei Endemien als auch 
Epidemien das gleichzeitige Erkranken grosser Mengen von Individuen aut 
ein längeres Stadium der Vorbereitung bis zum tatsächlichen Ausbruch der 
Seuche hindeutet. Nach ihm ist jede Epidemie gleichsam die Explosion 
einer längere Zeit vorher stattgefundenen Ladung. Bei parasitären 
Epidemien ist das massenhafte Auftreten der Mikroorganismen durchaus 
nicht das erste Stadium der Erscheinung, sondern schon ein Schlusseffekt 
langer Vorbereitungen. Und diese Vorbereitungen bestanden einerseits in 
der allmählichen Herstellung der für die enorme Vermehrung günstigen 
Lebensbedingungen der Mikroorganismen, andererseits in der, wie wir 
glauben, damit stets vorhandenen allmählichen Schwächung einiger und 
korrelativer Steigerung anderer Funktionen des Nährorganismus. 

Also Epidemien sind Krankheitsformen, die nur durch weitergreifende 
Faktoren gezeitigt werden. Nur bestimmte Witterungskombinationen von 
längerer Dauer sind als die einleitende Ursache zu betrachten. Natürlich 


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wird die Intensität der Epidemie lokal variieren, weil örtliche Faktoren 
spezielle Begünstigungen schaffen werden. Daraus erklärt sich das Auf¬ 
treten von Nestern, in denen die Seuche zuerst erscheint und am spätesten 
schwindet, falls nicht alle Individuen gemeinsam in kurzer Zeit abgetötet 
werden. Daraus erklärt sich ferner der Rückgang der Epidemie zur Endemie, 
d. h. zu engbegrenzten „Krankheitsherden“. 

Es sind also in letzter Linie Witterungsverhältnisse, welche die Ent¬ 
stehung von Pilzepidemien bedingen, und diese zu beeinflussen, dürfte 
sehr schwer sein. Vergegenwärtigen wir uns das Gesagte doch einmal 
an einem konkreten Beispiele, nämlich an der Peronospora des Wein¬ 
stockes. Sie ist stets und ständig in den Weinbergen vorhanden, ohne 
dabei aber schädlich auftreten zu müssen, wie es z. B. im Sommer 1911 
der Fall war. Man hätte damals die Reben über und über mit Perono- 
sporasporen bedecken können, ohne auch nur eine einzige Infektion zu 
erzielen, weil damals eben dem Pilze die Bedingungen für seine Ent¬ 
wicklung, tropfbar flüssiges Wasser, gefehlt haben. Sind diese aber in 
den Weinbergen vorhanden, so fasst der Pilz ganz von selbst auf den 
durch dieselben Witterungsverhältnisse besonders empfindlich gewordenen 
Blättern sofort festen Fuss und breitet sich nicht allein über Weinberge, 
sondern gleich über ganze Weinbaugebiete aus. Und genau ebenso liegen 
m. E. die Verhältnisse bei der Infektion von Sauerwurmpuppen durch 
Pilze, z. B. durch die Isarien. Auch diese sind überall in den Weinbergen 
vorhanden, wenn auch in verschiedener Stärke. Sie haben also stets Ge¬ 
legenheit, auf die Puppen überzugehen und ihre uns nützliche Tätigkeit 
zu entfalten, allein sie tun es nicht immer, sondern nur zeitweise, und 
zwar nur dann, wenn es ihnen die Witterungsverhältnisse und wahr¬ 
scheinlich auch eine besondere Empfindlichkeit der Puppen ermöglichen. 
Sie kommen und wirken dann ganz von selbst, während wir im um¬ 
gekehrten Falle sie millionenweise in die Weinberge bringen können, ohne 
auch nur eine Spur von einer Wirkung zu erzielen. 

Genau dasselbe gilt für die tierischen Schmarotzer der beiden Trauben¬ 
wickler. So sehr uns ihre Hilfe bei dem Kampfe gegen dieselben erwünscht 
ist, dürfen wir nicht ständig mit ihnen rechnen. Auch sie finden sich 
stets in den Weinbergen vor, allein zu einer stärkeren Vermehrung kommen 
sie nur dann, wenn ihnen die Natur hierzu die Möglichkeit bietet. Wie 
man aus bei anderen Insekten beobachteten Verhältnissen schliessen kann, 
scheint dies der Fall zu sein, zu einer Zeit, in der die Würmer zu einer 
sehr starken Vermehrung gekommen und für den Befall besonders empfindlich 
geworden sind, denn es ist doch auffällig, dass sie dieses Verhalten nicht 
immer zeigen. Man hat infolgedessen auch angenommen, dass z. B. die 
Schlupfwespen nur kranke Raupen befallen, wenn man dabei vielleicht auch 
etwas zu weit gegangen ist. Jedenfalls spielen bei dem Befall der ver¬ 
schiedenen Stadien der Traubenwickler durch tierische Parasiten bestimmte, 
uns noch nicht bekannte Verhältnisse eine Rolle, die wir ebenso wenig zu 
beeinflussen imstande sein werden, wie diejenigen, die ihre Infektion durch 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


die Pilze ermöglichen. Ich meine, wir könnten bei all diesen Fragen mehr 
aus den früheren deutschen, als aus den neueren amerikanischen Versuchen 
lernen, auf welch letztere jetzt von einigen Seiten so vielverheissend hin¬ 
gewiesen wird. Die umfangreichen Versuche, die vor Jahren zur Be¬ 
kämpfung der Nonne mit ihren natürlichen Feinden ausgeführt worden 
sind, haben alle zu einem Erfolge nicht geführt, und ich fürchte, dass 
auch die nach dieser Richtung hin eingeleitete Bekämpfung des Heu- und 
Sauerwurmes mit einem negativen Resultate endigen wird; sie hat meines 
Erachtens kein praktisches, sondern nur wissenschaftliches Interesse. Sie 
muss selbstverständlich fortgesetzt werden, damit die Zeit zeigen kann, 
was von ihr zu halten ist. 

Wenn man aber die Traubenwickler mit ihren natürlichen Feinden 
bekämpfen will, dann muss man es voll und ganz tun; man darf dann 
keine halbe Arbeit schaffen. Sie wird nur dann rationell sein, wenn alle 
übrigen Bekämpfungsmassnahmen nicht mehr ausgeführt werden und die 
Arbeiten sich allein darauf beschränken, den Parasiten ihre Existenz¬ 
bedingungen so günstig wie nur möglich zu gestalten. Das ist aber 
leichter gesagt wie getan, denn wenn wir z. B. der Entwicklung der 
Isarien durch Schaffung der für ihre Vermehrung günstigen Feuchtigkeit 
im Sommer zu Hilfe kommen wollen, begünstigen wir gleichzeitig das Auf¬ 
treten der Peronospora, die dann den errungenen Vorteil sofort wieder 
zu nichte machen wird. 

Für verfehlt halte ich es auch, der Winzerbevölkerung neben dem 
Abreiben der Stöcke zur Bekämpfung der Winterpuppe zugleich die 
Schonung und Verbreitung der tierischen Parasiten anzuraten, weil durch 
die erstgenannten Massnahmen die Nützlinge mit zugrunde gerichtet 
werden. Das eine dieser Verfahren schliesst eben das andere aus, und 
um zielbewusst vorzugehen, muss man sich entscheiden, welches von beiden 
man zur Durchführung bringen will. Entweder überlässt man hierbei den 
Wurm seinem Schicksal und wartet ab, bis seine Parasiten ihn von selbst 
zum Verschwinden bringen, oder aber man vernichtet ihn auf chemischem 
oder mechanischem Wege, wie man es für am zweckmässigsten hält. 

Ich halte es auch nicht für zweckmässig, zwei oder gar drei Schäden 
mit nur einer Massnahme zugleich bekämpfen zu wollen, z. B. neben 
dem Heu- und Sauerwurm noch die Peronospora oder das Oidium oder 
gar alle drei zusammen. Hierbei gilt die alte Erfahrung, dass niemand 
zwei Herren zu gleicher Zeit dienen kann, es sei denn, dass er einen ver¬ 
nachlässigt. Allein schon das verschiedene Vorkommen von Heu- und 
Sauerwurm und Peronospora einerseits und von Heu- und Sauerwurm und 
Oidium anderseits machen verschiedene Behandlungen der Reben erforderlich. 
Werden dieselben miteinander verbunden, so wird zu gleicher Zeit die 
Aufmerksamkeit der sie Ausführenden geteilt, weil sie bald den Gescheinen, 
resp. den Trauben, bald dem Blattwerk zugewendet werden muss. So 
zu arbeiten ist aber für den Winzer auf die Dauer sehr schwierig; mit 
seiner Ermüdung nimmt das Interesse für die Arbeit ab, er wird nach- 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 159 


lässig und die Folge davon ist, dass beide Arbeiten notleiden. Das einzige 
Richtige ist, jede Krankheit und jeden Feind für sich allein zu bekämpfen, 
weil nur auf diese Weise mit der nötigen Sorgfalt und Aufmerksamkeit 
vorgegangen werden kann. Gewiss ist eine Vereinigung der Bekämpfungs¬ 
arbeiten wegen des überall herrschenden Arbeitermangels und der hohen 
Kosten, die sie verursachen, erstrebenswert, und ich habe selbst versucht, 
dieses Ziel zu erreichen, allein nach den dabei von mir gesammelten Er¬ 
fahrungen kann ich nur sagen, dass eine solche Arbeitsvereinigung zurzeit 
noch nicht empfohlen werden kann. 


c) Ältere Nachrichten über den Heu- und Sauerwurm 
und seine Bekämpfung. 

Im vorliegenden Abschnitt habe ich versucht, den Wert der einzelnen 
Bekämpfungsmittel und -massnahmen für die beiden Traubenwickler so 
objektiv wie möglich zu beurteilen. Das Resultat davon ist, dass wir dem 
Schädling im allgemeinen augenblicklich noch so gut wie machtlos gegen¬ 
überstehen. Gewiss werden bei der Durchführung aller der genannten 
Massnahmen auch im kleinen Erfolge erzielt, denn die dabei getöteten 
Individuen können natürlich keinen Schaden mehr verursachen, allein diese 
sind im Vergleiche zu der Menge, in der der Schädling gewöhnlich vor¬ 
handen ist, so geringe, dass von einer nachteiligen Wirkung nicht die 
Rede sein kann. Das sollten wir uns endlich einmal offen und ehrlich 
eingestehen und von der Empfehlung von Arbeiten ablassen, die aus irgend 
einem Grunde eine Verminderung des Schadens nicht im Gefolge haben. 
Wir müssen dies tun, um die schwer darniederliegende Praxis vor un¬ 
nötigen und zwecklosen Ausgaben zu bewahren. Wie oft ist die Mehrzahl 
der genannten Bekämpfungsmethoden schon erprobt worden, wie viele 
kleinere und grössere Versuche sind damit schon ausgeführt worden und 
was ist damit für die Praxis erreicht worden? So gut wie nichts! Die 
Schwierigkeiten, die das Insekt der Bekämpfung entgegensetzt, sind eben 
zu grosse und dazu kommt der Mangel an Arbeitskräften, der uns ver¬ 
hindert, diese Schwierigkeiten zu heben. An die Einführung einer all¬ 
gemeinen Bekämpfung ist kaum zu denken, wie die Erfahrungen in der Pfalz 
gezeigt haben, woselbst die Winzer sogar durch eine äusserst streng 
durchgeführte Polizeiverordnung nur mit der grössten Anstrengung zur Aus¬ 
führung der darin vorgeschriebenen Massnahmen zu bewegen waren. So liegen 
die Verhältnisse nicht allein im Weinbau, sondern auch bei manchen 
Feinden des Obst- und Gartenbaues und der Land- und Forstwirtschaft, 
auch für sie hat man noch kein Mittel gefunden, obgleich man sich jahre¬ 
lang darum bemüht. Und genau dasselbe gilt auch von der Menschen- 
und Tierheilkunde. Auch bei ihnen ist die Zahl der Krankheiten, für die 
es noch kein Mittel gibt, sondern die Natur alles machen muss, eine recht 
grosse, und dabei stehen für deren Erforschung sehr viel mehr Arbeits¬ 
kräfte im Dienste, wie im Pflanzenschutz. Es liegt also gar kein Grund 
vor, unsere Ohnmacht zu verschleiern, zumal man bei einem anderen 


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111. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Rebfeind, nämlich der Reblaus, diese Verhältnisse längst richtig erkannt 
und ihre Vernichtung auf andere Weise in Angriff genommen hat. Wir 
sollten die alten und auch die neueren Bekämpfungsmethoden nach ihrem 
eigentlichen Wert für die Praxis beurteilen, mit ihnen, wenn nötig, brechen 
und versuchen, auf neuen Wegen zum Ziele zu gelangen. 

Wenn wir die älteren Arbeiten über den Heu- und Sauerwurm, die 
ich in den „Mitteilungen des deutschen Weinbau-Vereins“, 1913, Nr. 1, 
2 und 3 zusammengestellt habe und die bis zum Jahre 1811 zurückgehen, 
überblicken, so können wir feststellen, dass die meisten der in ihnen ge¬ 
nannten Bekämpfungsmassnahmen heutzutage noch jährlich zu seiner Ver¬ 
tilgung empfohlen werden. Seit hundert Jahren wird zum Sammeln der 
Wurmbeeren, zur Vertilgung der Puppen an den Stöcken und Pfählen und 
zum Verbrennen des Abfallholzes aufgefordert; seit 90 Jahren wird zum 
Auslesen der Würmer geraten; seit 77 Jahren kommen zum Mottenfang 
Feuer zur Anwendung, an deren Stelle später (1850) die Fanglampen ge¬ 
treten sind, und wird empfohlen, bei der Erziehung des Stockes hölzerne 
Stützen möglichst zu vermeiden; seit 72 Jahren wird das Fangen der 
Motten mit besonderen Geräten in Vorschlag gebracht; seit 68 Jahren 
wird das Auslesen der Heuwürmer mit Zängelchen ausgeübt, auch wurde 
damals schon zu ihrer Bekämpfung Tabakextrakt verwendet; seit 54 Jahren 
wird schon der allgemeinen Bekämpfung das Wort geredet, zur Gründung 
von Bekämpfungsvereinen aufgefordert und zum Übergang zur Draht¬ 
erziehung ermuntert! Daneben wird aufmerksam gemacht auf den Befall 
einzelner Sorten, auf den Einfluss tiefer Lagen, auf die nützlichen Vögel 
und Insekten, auf die Beschädigungen, die durch das Auslesen der Würmer 
an den Gescheinen und Trauben entstehen können, auf den Arbeitermangel 
u. a. m. Es ist wirklich angebracht, sich einmal an alle diese früheren 
Arbeiten zu erinnern, weil uns die lange Zeit, während der sie schon be¬ 
nützt werden, mit aller Deutlichkeit ihren Wert für die Praxis erkennen 
lässt. Ich für meinen Teil habe die Überzeugung, dass die Arbeiten, die 
während eines halben oder gar ganzen Jahrhunderts bei der Winzer¬ 
bevölkerung keine Aufnahme gefunden haben, trotzdem sie ihr beinahe 
tagtäglich angepriesen werden, auch in der kommenden Zeit nicht aus¬ 
geführt werden, und dass dadurch ihre Ungeeignetheit für die Wurm¬ 
bekämpfung bewiesen ist. Und da wir wissen, dass eine allgemeine Durch¬ 
führung dieser Massnahmen nicht möglich ist, dürfte es sich erübrigen, 
damit weitere Versuche auszuführen, da dabei doch nichts anderes heraus¬ 
kommen wird, als was schon lange bekannt ist. Davon scheint man sich 
auch in der Pfalz überzeugt zu haben, denn die dort vor zwei Jahren 
begonnenen sehr umfangreichen Winterbekämpfungsarbeiten haben eine 
Fortsetzung nicht erfahren, allem Anscheine nach deshalb, weil die Schwierig¬ 
keiten, auf die man dabei stiess, allzu grosse waren. Aus alledem ergibt 
sich, dass wir diese alte Massnahme als ungeeignet betrachten und bei 
der Wurmbekämpfung andere Wege einschlagen sollten, die vielleicht eher 
zum Ziele führen werden. Dabei ist m. E. nach der Erlangung eines 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 161 


Schreckmittels zu streben, durch das die Motten abgehalten und dadurch 
verhindert werden, ihre Eier auf die Stöcke zu legen. Durch ein solches 
Vorbeugungsmittel könnte sich jeder einzelne Winzer, genau so, wie es 
bei der Peronospora und dem Oidium der Fall ist, ohne vom Nachbar ab¬ 
hängig zu sein, gegen den Wurm schützen, so dass es ihm selbst über¬ 
lassen werden kann, das Mittel zu gebrauchen oder nicht. Ein derartiges 
Mittel zu finden wird allerdings sehr schwer sein, da man auf der Suche 
danach ganz auf den Zufall angewiesen ist, aber vielleicht ist dieser uns 
doch einmal günstig. Über die Kontakt- und Magengifte für die Bekämpfung 
der Heuwürmer ist oben schon gesprochen worden. M. E. eignen sie sich 
für grosse Verhältnisse ebenso wenig, wie die mechanischen Massnahmen. 
Schliesslich möchte ich noch darauf hinweisen, dass auch der Weinbergs¬ 
schluss ein grosses Hindernis für die Wurmbekämpfung darstellt. Er 
macht es dem Winzer unmöglich, während seiner Dauer gegen den Wurm 
vorzugehen, so dass dieser Gelegenheit hat, sich ungestört zu entwickeln. 

d) Die Dauer der letzten Wurmperiode. 

Die Schäden, die wir in neuerer Zeit in den Weinbergen zu be¬ 
obachten Gelegenheit hatten, werden meist allein dem Heu- und Sauer¬ 
wurm zugeschrieben .und dabei wird darauf hingewiesen, dass sie dauernde 
geworden seien, während sie früher nur einige, meist drei Jahre anhielten, 
um dann wieder zu verschwinden und sich danach erst allmählich wieder 
bemerkbar zu machen. Die letzte Heu- und Sauerwurmperiode soll sich 
über 14 Jahre erstreckt haben. Sie soll 1897 begonnen und 1911 geendet 
haben, denn in diesem Jahre wurde, wie oben bereits erwähnt, ein auf¬ 
fallender Bückgang in dem Auftreten der beiden Arten festgestellt. Es 
mag sein, dass an diesen dauernden Schäden das Hinzutreten des bekreuzten 
Wicklers zu unserer heimischen Art mit die Schuld trägt, allein, ich glaube 
nicht, dass diese Erscheinung als die einzige Ursache davon zu betrachten 
ist, denn die Ernteverluste, um die es sich hier handelt, sind nicht allein 
vom Heu- und Sauerwurm verursacht worden, sondern es waren daran 
auch Peronospora und Botrytis beteiligt. Von welchem dieser 3 resp. 
4 Parasiten der grösste Schaden hervorgerufen worden ist, lässt sich schwer 
abschätzen, jedoch fällt m. E. den beiden Pilzen mindestens der gleiche 
Anteil zu, wie den zwei Traubenwicklern. Es war dies, worauf ich schon 
auf der Generalversammlung des Verbandes preussischer Weinbaugebiete 
in Trier hingewiesen habe, mit aller Deutlichkeit aus den Verhältnissen 
des Sommers 1911 zu erkennen, in dem Peronospora und Botrytis in den 
Weinbergen nicht oder doch nur spurenweise vorhanden waren, die Schäden 
vielmehr allein vom Heu- und Sauerwurm verursacht wurden. Der Stand 
der Beben war damit auf einmal ein ganz anderer. Sie waren üppig grün 
und zeigten ein kräftiges Wachstum und die Trauben selbst waren mit 
Ausnahme einiger Wurmbeeren völlig gesund. In den vorhergegangenen 
Jahren war dies anders, da sah man nicht allein einzelne Beeren, sondern 
gleich ganze Äste der Trauben dahinsiechen, absterben und abfallen, bis 

Geisenheimer Jahresbericht 1912. 11 


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162 


HI. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


endlich die Traube vollständig zerstört war. Es handelte sich dabei 
meistens um die von der Botrytis verursachte Rappen- und Stielfaule, 
sowie um die von der Peronospora erzeugte Lederbeerenkrankheit, und 
das Auftreten dieser Pilze war selbst wieder bedingt durch die feuchte 
Witterung der letzten Jahre, die ihre Ausbreitung ungemein förderte. 
Durch das Hinzutreten dieser beiden Pilze wurden die eigentlichen Sauer¬ 
wurmschäden sehr verwischt und schwer erkennbar gemacht, so dass eine 
Überschätzung ihrer Grösse leicht möglich war. Gewiss waren Wurm¬ 
schäden vorhanden, ob sie aber immer die Grösse aufwiesen, die ihnen 
beigelegt wurde, ist sehr zweifelhaft. M. E. waren an den Schäden der 
Sauerwurm und die beiden Pilze in gleicher Weise beteiligt, so dass auf 
die letzteren zusammen genommen ein grösserer Anteil fällt als auf den 
Wurm allein. Es ist also wohl möglich, dass in den Jahren von 1897 bis 
1911 Schwankungen im Auftreten der beiden Traubenwickler vorgekommen 
sind, dass sie jedoch durch das Hinzukommen der beiden Pilze nicht so 
deutlich in die Erscheinung getreten sind, wie das in früheren Jahren der 
Fall war. 

e) Beobachtungen über das Vorkommen der Puppen im Boden. 

Wie im vergangenen Jahre, wurden auch diesmal wieder einige Be¬ 
obachtungen über das Vorkommen von Heu- und Sauerwurmpuppen im 
Boden ausgefuhrt. Dazu fanden die bereits in meinem letzten Berichte 
erwähnten Drahtkäfige von 1 m Länge, 35 cm Breite und 35 cm Höhe 
Verwendung. Sie wurden in einem stärker vom Heu wurm befallen ge¬ 
wesenen Weinberg dicht an dem Fusse der Stöcke aufgestellt, ihre unteren 
Teile mit Erde behäufelt und diese fest angedrückt. In den Käfigen mussten 
somit alle Tiere, welche der unter ihnen befindliche Erden entschlüpften, 
gefangen werden. Die Aufstellung von 6 solchen Käfigen erfolgte, nach¬ 
dem die Heu Würmer die Gescheine verlassen hatten, die Wegräumung nach 
Beendigung des Fluges der Sauerwurmmotten. In keinem dieser Käfige 
konnten Motten nachgewiesen werden. 

Weiterhin wurde zur Klärung der Frage über das Vorkommen von 
Heu- und Sauerwurmpuppen im Boden über 38 Stöcken im freien Weinberg 
ein Häuschen errichtet, dessen Wände und Dach aus engem Drahtgeflecht 
hergestellt waren. Die in ihm befindlichen Reben wurden so sorgfältig 
wie möglich abgebürstet, so dass angenommen werden konnte, dass auf 
ihnen keine Puppen mehr vorhanden waren. Um die an den Pfählen 
ruhenden Puppen gleichfalls aus dem Häuschen zu entfernen, wurden die 
alten Pfahle herausgenommen und durch neue ersetzt. Unten wurde das 
Häuschen mit Erde behäufelt. Im übrigen wurden an den überdachten 
Reben dieselben Arbeiten ausgeführt, wie sie auch sonst in den Weinbergen 
erforderlich sind. Es zeigte sich nun im Laufe des Sommers, dass die 
im Häuschen befindlichen Stöcke vollständig vom Sauerwurm verschont 
blieben, denn es konnte trotz genauester Untersuchung kein Wurm an 
ihnen nachgewiesen werden. Die Trauben blieben bis in den Herbst hinein 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 163 


vollkommen gesund, was umsomehr aufflel, als diejenigen der freistehenden 
Stöcke mehr oder weniger unter Frühfrösten gelitten hatten. 

Unsere früher bezüglich des Vorkommens von Heu- und Sauerwurm¬ 
puppen im Boden gemachten Erfahrungen wurden somit durch die beiden 
diesjährigen Versuche wieder bestätigt. 

f) Bekämpfungsversuche im Sommer 1912. 

Es wurde schon wiederholt gesagt, dass in diesem Frühjahr und 
Sommer der Heu- und Sauerwurm im allgemeinen viel schwächer auf¬ 
getreten ist, als in den Vorjahren. Dies war auch in unserem Versuchs¬ 
weinberg der Fall, so dass die ausgeführten Arbeiten zu einem eigentlichen 
Ergebnis nicht geführt haben. 

a) Versuche mit dem Rebendampfapparat „Landaurett“. 

Dieser auf unsere Anregungen hin verbesserte und nunmehr auch 
mit einem Wasserstandsrohr versehene Apparat ist bereits in unserem 
letzten Bericht (S. 146) beschrieben worden. Er arbeitete auch in diesem 
Jahre wieder gut und sind Störungen während des Betriebes nicht vor¬ 
gekommen. Als Verdampfungsflüssigkeit diente auch diesmal wieder ein 
nikotinhaltiges Präparat, so dass der Dampfstrahl stets dieses Gift enthielt, 
was durch den Geruch deutlich zu erkennen war. Zunächst hatte es den 
Anschein, als ob der nikotinhaltige Dampf eine vorzügliche Wirkung auf 
die Würmer ausübe, denn bei der Untersuchung der Gescheine sofort nach 
der Behandlung konnten nur vollständig bewegungslose Würmer vorgefunden 
werden. Allein dieser gute Erfolg war nur ein scheinbarer, wie die weitere 
Beobachtung der Gescheine in den folgenden Tagen ergab. Sie zeigte, 
dass in den behandelten Gescheinen neben toten auch noch lebende Würmer 
vorhanden waren, woraus geschlossen werden kann, dass die durch den 
nikotinhaltigen Dampf nicht sofort vernichteten Würmer sich später wieder 
erholten. Die nämliche Erscheinung wurde auch bei einem zweiten, in 
einem anderen Weinberg ausgeführten Versuche festgestellt. Im ganzen 
wurde bei beiden Versuchen höchstens die Hälfte der vorhanden gewesenen 
Würmer zugrunde gerichtet, welches Resultat im Vergleiche mit den auf¬ 
gewendeten hohen Kosten als nicht befriedigend bezeichnet werden muss. 
Dazu kommt noch, dass die Arbeiter unter dem nikotinhaltigen Dampfe 
sehr zu leiden haben. Gegen Ende eines Versuches stellten sich bei zwei 
Männern stärkere Vergiftungserscheinungen ein, die sich durch Erbrechen 
und Schwindelanfälle äusserten. Aus alledem ergibt sich, dass der Apparat 
und vor allem auch die Verdampfungsflüssigkeit der Praxis zur Wurm¬ 
bekämpfung einstweilen noch nicht zur Benutzung empfohlen werden können. 

ß~) Versuche mit dem Leuchtklebeband und den Leuchtklebeglocken von H. Gross, 

' Hamburg. 

Das Leuchtklebeband besteht aus einem Tuchstreifen, auf dem ein 
Klebestoff und eine leuchtende Farbe aufgetragen ist. Sie soll durch ihre 
ununterbrochene Leucht- und Klebekraft, die auf ca. 12 Monate angegeben 

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164 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


wird, die Motten anziehen und sie mit tödlicher Sicherheit vernichten. 
Das Band soll entweder zwischen zwei Pfählen in 1 m Höhe wagerecht 
ausgespannt oder senkrecht frei aufgehängt werden in einem Abstand von 
40 cm vom Boden Schon durch einen Vorversuch konnte festgestellt 
werden, dass die Angaben, die Gross in seinen Prospekten macht, nicht 
richtig sind. Denn der Klebestoff eines am 12. April im Freien aus¬ 
gespannten Bandes war bereits am 15. d. Mts., also nach 3 Tagen, fast 
ganz eingetrocknet Auch das an und für sich sehr schwache Leuchten 
nahm schon während dieser kurzen Zeit noch mehr ab. Dieser Versuch 
wurde später im Weinberg wiederholt, und daneben auch die Pfähle mit 
dem Präparat bestrichen. Dabei war der Klebstoff bereits nach 7 resp. 
16 Tagen vollständig eingetrocknet. Gefangen wurden mit den Klebebändern 
nur 6 Fliegen und ein Rebstecher. Gegen die Heu- und Sauerwurmmotten 
waren die Bänder vollständig wirkungslos. 

Keine Bedeutung für die Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes 
haben auch die von Gross erfundenen Leuchtklebeglocken. Es sind dies 
Blechgefässe in Form einer Glocke, welche innen und aussen mit einer 
Leuchtklebemasse bestrichen sind und zwischen den Zeilen aufgehängt werden. 
Zum Anlocken der Motten ist im Innern der Glocke ein Schwämmchen 
befestigt, das mit verdünntem Essig getränkt wird. Bei unseren Versuchen 
benutzten wir zum Tränken des Schwämmchens Apfelwein, der sich im 
vergangenen Jahre zum Ködern der Motten bei uns am besten bewährt 
hat. Mit drei solcher Glocken wurden in der Zeit vom 22. Juli bis 
12. August 3 einbindige und 12 bekreuzte Motten in den 3 ersten Tagen 
gefangen, während sie in den folgenden vollständig versagten, weil der 
Klebstoff zu schnell eintrocknete. Bereits am 2. Tage liefen die Ameisen 
über den Klebstoff hinweg, ohne hängen zu bleiben. » 

y) Apparat zum Fangen der Motten von Jakob Neudeck, Düsseldorf-Gerresheim. 

Er stellt eine Petroleumfanglampe dar, die von 4 drehbaren, aus 
Tuch bestehenden Flügeln umgeben ist, auf denen die Motten, nachdem 
sie vom Licht angezogen worden sind, mit einem Klebestoff gefangen 
werden sollen. Der Apparat fand in der Zeit vom 23. Juli bis 4. August 
Aufstellung in den Weinbergen. Am 25. August wurde die Lampe ge¬ 
stohlen. Der gelieferte Leim verlor bereits nach 5—6 Tagen seine Kleb¬ 
fähigkeit, so dass die Flügel im ganzen 3 mal damit bestrichen werden 
mussten. Das Fangergebnis in der angegebenen Zeit belief sich im ganzen 
auf nur acht Motten, wodurch die Unbrauchbarkeit des Apparates für die 
Bekämpfung des Heu- und Sauerwurmes erwiesen ist. 

(S) Heuwurmbekämpfungsmittel. 

Es wurden folgende Mittel 1 ) geprüft: 

1. Mittel von ScHNEiDER-Oestrich. 2. Insekticide von J. Golaz & Cie., 
Küssnacht-Zürich. 3. Layko-Kupferkalk-Schwefel-Arsen und Layko-Kupfer- 

*) Es wurden von uns nur solche Mittel geprüft, deren Zusammensetzung uns 
genau angegeben wurde, jedoch werden auf Wunsch der Fabrikanten diese Angaben 
nicht veröffentlicht. 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 165 


kalk-Schwefel-Nikotin von Laymann & Cie. in Brühl-Cöln. 4. Milo von 
Societa Milo in Mailand. 5. Laurina und Nikotinschmierseife Nr. 37 von 
O. Hinsberg in 'Nackenheim. 6. Spezial-Tenax Nr. II und Birkenölseife 
von Friedrich Grüner in Esslingen a. N. 7. Monopolseife von der Seifen¬ 
fabrik Stockhadsen & Traiser in Krefeld. 8. Bariumhydroxyd und Basa 
von R. Sahm in Düsseldorf. 9. Phytophilin von der Gesellschaft „Phitobie“ 
im Haag. 10. Sulfitablauge von der Zellstofffabrik Waldhof. 11. Chlor¬ 
barium von G. Holtz in Düsseldorf. 12. Asnicot von der ehern. Fabrik 
Dr. L. C. Marquart in Beuel a. Rh. 13. Teerdestillationsprodukt der 
Chemischen Industrie- und Handels-Gesellschaft in Dresden. Ausführliches 
über diese Versuche ist in den Mitteilungen des Deutschen Weinbau- 
Vereins 1913, S. 71—74 mitgeteilt worden. Daraus geht hervor, dass der 
Wurm nur in sehr geringem Mafse in dem Versuchsweinberg vorhanden 
war. Es ist deshalb auch nicht möglich, auf Grund der ausgeführten 
Versuche, die dabei verwendeten Mittel zu beurteilen. Unter ihnen be¬ 
finden sich einige, die nur von so geringem Einfluss auf das Leben der 
Würmer zu sein scheinen, dass sie kaum für die Wurmbekämpfung in 
Betracht kommen werden. 

11. Prüfung einiger Peronospora- und Oidium-Bekämpfungsmittel. 

Von den geprüften Mitteln hat sich keines besser bewährt wie die 
Kupferkalkbrühe und der Schwefel. Wir unterlassen es deshalb, hier noch 
einmal darüber zu berichten und verweisen Interessenten auf unsere Ver¬ 
öffentlichung in den Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft, Jahr¬ 
gang 1913, S. 53. 

D. Auskunftaerteilung. 

Die Station wirkte auch im Berichtsjahre, wie früher, als Haupt¬ 
sammelstelle der Organisation zur Bekämpfung der Pflanzenkrankheiten. 
Die Anzahl der Einsendungen betrug 1063 (gegen 995 im Jahre 1911). 


Davon entfielen auf 

Obst- und Gartenbau.593 

Weinbau.204 

Landwirtschaft. 71 

Forstwirtschaft.. . 10 


Chemische und technische Mittel zur Schädlingsbekämpfung 126 
Sonstige Anfragen mit Bezug auf Pflanzenkrankheiten . . 59 

E. Sonstige Tätigkeit der Station. 

Als Praktikanten arbeiteten in der Station: 

1. Herr Carl Hoehl aus Geisenheim. 

2. Herr W. R. Kubleb aus Redhill (England). 

Proi Lüstneb hielt folgende Vorträge: 

1. Auf der General-Versammlung des Verbandes der Obst- und Gartenbau vereine im 
Bezirke der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz am 6. Oktober in 
Honnef a. Rh. über Feinde und Krankheiten des Beerenobstes. 


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166 


in. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


2. Auf der General-Versammlung des Rheingauer Vereins für Wein-, Obst- und 
Gartenbau am 12. Januar zu Geisenheim über beachtenswerte Schädlinge und 
Krankheiten des Beerenobstes. 

Im Repetitionskursus für Obstbaubeamte und Landwirtschaftslehrer: 

3. Über „Allgemeines über Pflanzenschutz“. 

4. Über „Atmosphäre und Boden als Ursache von Pflanzenkrankheiten“. 

5. Über „Die Bedeutung der Baumschulen für die Verbreitung von Schädlingen und 
Krankheiten“. 

6. Uber „Beerenobstfeinde und Krankheiten“. 

Am 30. und 31. Mai und 1. Juni hielt Prof. Lüstner einen Pflanzenschutzkursus 
für die Sammelstellenleiter und Sammler der Organisation zur Bekämpfung von Pflanzen¬ 
krankheiten ab, der von 19 Personen besucht war. 

Der Reblauskursus für die Schüler fand am 10. und 11. Februar, der öffentliche 
Reblauskursus am 13., 14. und 15. Februar statt; beide Kurse wurden von dem Stations¬ 
vorstand geleitet. Die Teilnehmerzahl des Schülerkursus betrug 52, die des öffentlichen 
Kursus 38 Personen. 

In der Handhabung des Apparates zur Desinfektion von Reben wurden 2 Personen 
unterrichtet. 

Ende Juli wurden vom Stationsvorstand die im Park, den Gewächshäusern und 
dem Muttergarten der Anstalt stehenden Reben auf das Vorhandensein der Reblaus hin 
untersucht, wobei verdächtige Erscheinungen nicht beobachtet wurden. 

Die feuchte Witterung des Sommers hatte im Walde eine sehr reichliche Ent¬ 
wicklung der Pilze im Gefolge, die von der Bevölkerung des Rheingaues zu Genuss¬ 
zwecken mehr wie in früheren Jahren gesammelt wurden. Um die Sammler mit den 
wichtigsten essbaren und giftigen Pilzen bekannt zu machen und vor allem auch, um 
Vergiftungsfälle zu verhüten, wurden von der pflanzenpathologischen Station drei Püz- 
ausstellungen vom 19.—21. September, vom 25.—27. September und vom 28.—30. Sep¬ 
tember veranstaltet, auf denen im ganzen 60 Arten zur Schau gestellt waren. 

P. Veröffentlichungen der Station. 

Vom Vorstande Professor Dr. G. Lüstner. 

1. Uber das Auftreten der Wanze Nysius senecionis in den deutschen Weinbergen. 
Weinbau und Weinhandel 1912. 

2. Vorkommen des bekreuzten Traubenwicklers in Johannisbeeren. Ebenda 1912. 

3. Witterungsfolge nach heissen Sommern. Ebenda 1912. 

4. Starker Käferfrass an Reben auf Jungfeldern. Ebenda 1912. 

5. Uber den Stand der Heu- und Sauerwurmbekämpfung. Zugleich Bericht über das 
Auftreten und die Bekämpfung der beiden Traubenwickler im Jahre 1912 nebst 
Angaben über ihre Bedeutung in früheren Zeiten. Mitteilungen des Deutschen 
Weinbau-Vereins 1913. 

6. Der Elfer in Poesie und Prosa. Vortrag, gehalten in der Hauptversammlung der 
Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer am 24. Januar 1912. 

7. Zwei Schildlausarten. Erfurter Führer im Obst- und Gartenbau 1912. 

8. Achtung auf Aaskäfer und Runkelfliege. Amtsblatt der Landwirtschaftskammer 
zu Wiesbaden 1912. 

9. Ein neuer Klebring zum Fangen des kleinen Frostspanners. Ebenda 1912. 

10. Über das Auftreten von Feinden und Krankheiten der Kulturpflanzen im Kammer¬ 
bezirk während dos Jahres 1911. Ebenda 1912. 

11. Chrysanthemum-Wanzen. Möllers Deutsche Gärtner-Zeitung 1912. 

12. Über den Himbeerkäfer. Ebenda 1912. 

13. Über ein massenhaftes Absterben von Koniferen-Veredlungen. Ebenda 1912. 

14. Die weisse Fliege oder Azaleenmotte. Ebenda 1912. 


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Bericht über die Tätigkeit der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 167 


15. Naturdenkmäler in Nassau. Bericht über die Tätigkeit des Bezirkskomitees für 
Naturdenkmalpflege im Regierungsbezirk Wiesbaden im Jahre 1912. Arbeiten 
dieses Komitees Heft 1. 

16. Das Rheingauer Gebück. Arbeiten des Bezirkskomitees für Naturdenkmalpflege 
im Regierungsbezirk Wiesbaden. Heft 2. 

17. Bericht über das Auftreten von Feinden und Krankheiten der Kulturpflanzen in 
der Rheinprovinz, zusammen mit Prof. Dr. REMY-Bonn. Veröffentlichungen der 
Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz 1912, Nr. 2. 

18. Herbstaussichten im Rheingau. Wiesbadener Tagblatt 1912. 

19. Farbendrucktafel „Nützliche Insekten“. Verlag von R. Bechtold & Co., Wiesbaden. 

20. Prüfung einiger Schädlingsbekämpfungsmittel. Geisenheimer Mitteilungen über 
Obst- und Gartenbau 1912. 

21. Käferschäden an Apfelveredlungen. Ebenda 1912. 

22. Der Buchenspringrüssler (Orchestes fagi L.) als gefährlicher Obstbaumschädling. 
Ebenda 1912. 

23. Über den Stand des Kirschbaumsterbens. Ebenda 1912. 

24. Käferschäden an Obstbäumen. Ebenda 1913. 

25. Uber Massnahmen zur Verhütung von Rauchschäden an Reben. Mitteilung über 
Weinbau und Kellerwirtschaft 1912. 

26. Ist der Name „bewegliches oder provisorisches Vogelschutzgehölz“ berechtigt? 
Ebenda 1913. 

27. Ein seltener Weinbergsgast (der Riesenbovist, Lycoperdon bovista). Ebenda 1913. 

28. Der Schmalbauch als Schädling der Wallnussblätter. Geisenheimer Jahres¬ 

bericht 1912. 

29. Ein neuer Vergissmeinnichtschädling (Ceuthorhynchus asperifoliarum Gyll.). 
Ebenda 1912. 

30. Die Bekämpfung der Wühlmaus. Blätter für Kleingartenbau 1913. 

31. Uber von einem Käfer hervorgerufene Schälwunden an Obstbaumtrieben. Deutsche 
Obstbau-Zeitung 1912. 

32. Eine Anzahl von Referaten, kleineren Mitteilungen und Antworten auf Anfragen 
in verschiedenen Fachzeitschriften. 


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168 


in. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Bericht Uber die Tätigkeit der Hefereinzucht-Station. 

Erstattet von R. Laub, Assistent der Station. 

A. Tätigkeit der Station im Verkehr mit der Frans. 

1. Geschäftsverkehr. 

Die Zahl der eingegangenen und erledigten brieflichen Anfragen 
betrug 4497 gegenüber 3187 im Voijahre. Hiervon hatten Bezug auf 
Umgärungen 422 (118), Vergärungen von Traubenmosten 496 (378), Ver¬ 
gärung von Obst- und Beerenmosten 1153 (1024), Schaumweinbereitung 173 
(144). Der Rest betraf verschiedene gärungsphysiologische Fragen usw. 

An Ausgängen sind zu verzeichnen 2854 gegenüber 2222 im 
Vorjahre. 

Die angegebenen Zahlen lassen schon erkennen, dass der geschäft¬ 
liche Verkehr in diesem Jahre ein ausserordentlich reger war. Bis zum 
Monat Juli war die Nachfrage nach Reinhefen im Verhältnis zum vorher- 
gehenden Jahre keinen nennenswerten Schwankungen unterlegen, von 
Ende Juli ab machte sich jedoch eine Steigerung bemerkbar, so dass im 
August ca. 70, im September ca. 50, im Oktober ca. 500, im November 
ca. 200 und im Dezember ebenfalls ca. 200 Hefekulturen mehr zum Ver¬ 
sand gebracht werden konnten, als in den gleichen Monaten des Jahres 1911. 
Es wurde damit der grösste Jahresumsatz seit Bestehen der Station erzielt. 

2. Tätigkeit der Station in bezng auf die Vergärung der Obst-, 
Beeren- und Traubenmoste. 

In dem verflossenen Etatsjahre war der Bezug von Reinhefen zum 
Vergären von Obstmosten ein äusserst lebhafter, etwa um die Hälfte 
grösser als im vorhergehenden, für die Beerenweinbereitung blieb derselbe 
auf gleicher Höhe, während zum Vergären von Traubenmosten ziemlich 
die zweifache Anzahl von Hefekulturen als im vorletzten Jahre an die 
Praxis zum Versand gebracht wurde. 

Besonders stark machte sich die Nachfrage nach Rotweinhefen zum 
Vergären von Heidelbeermosten bemerkbar, ein Zeichen, dass die Heidel- 
beerernte im allgemeinen recht gut ausgefallen war und die Heidelbeer- 
weinbereitung sich von Jahr zu Jahr immer mehr einbürgert. Ein weiterer 
Grund wird wohl auch darin zu suchen sein, dass Heidelbeermoste an und 
für sich sehr schwer vergären und in vielen Fällen nicht die eiwünschte 
Durchgärung herbeigeführt werden kann. Man muss infolgedessen eine 
recht gärkräftige Reinhefe, wozu sich die in der Sammlung der Station 
befindliche Bordeauxhefe besonders gut eignet, verwenden, und da es diesen 
Mosten ausserdem noch an den für die Ernährung der Hefen unbedingt 
nötigen Stickstoffsubstanzen mangelt, ist ein Zusatz von Stickstoff, in 


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Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station. 


169 


Form von chem. reinem Chlorammonium (25—30 g pro Hektoliter Saft¬ 
mischung) anzuraten. 

Der grössere Absatz von Hefen zum Vergären der Traubenmoste ist 
lediglich darauf zurückzuführen, dass durch die Ende Sommer plötzlich ein¬ 
getretene Regenperiode, sowie durch die Nachtfröste des Monats Oktober, 
die besonders in den Weinbaugebieten der Mosel, Saar und Ruwer grossen 
Schaden angerichtet hatten, die Winzer gezwungen wurden, zur möglichst 
schnellen und sicheren Durchgärung Reinzuchthefen in Anwendung zu 
bringen, da sich gerade bei Mosten aus erfrorenen Trauben bei langsamer, 
schlechter Vergärung allerhand Übelstände einstellen. 

B. Tätigkeit der Station in bezug auf die Verwendung von Rein¬ 
hefen bei Umgärung bezw. Durchgärung von Weinen und bei 

der Schaumweinbereitung. 

Im Berichtsjahre war der Absatz von Reinhefen für genannte Zwecke 
im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren sehr gross. Durch die ein¬ 
getretenen ungünstigen Witterungsverhältnisse waren die Trauben in ihrer 
Entwicklung stark zurückgeblieben und die Winzer, die ihre Moste infolge 
des hohen Gehaltes an Säure und grösstenteils sehr niedrigen Most¬ 
gewichten nicht gleich nach der Kelterung gezuckert hatten, genötigt, 
nachträglich eine Zuckerung resp. Umgärung der Jungweine vorzunehmen, 
um den Säuregehalt nach dem gesetzlich zulässigen MaXs zu vermindern. 
In vielen Fällen musste man sogar noch eine weitere Verminderung durch 
Ausfällen mit Hilfe von chem. reinem kohlensauerem Kalk bewirken. Bei 
der Zuckerung der bereits vergorenen Moste (Jungweine) konnte ver¬ 
schiedentlich festgestellt werden, dass dieselben durch ihre eigenen, von 
Natur aus vorhandenen Hefen nicht wieder in Gärung geraten wollten, 
mitunter nur eine sehr langsame, schleppende Gärung eintrat. Die an¬ 
wesenden Hefen waren nicht leistungsfähig genug, nochmals eine durch¬ 
greifende Gärung in dem alkoholhaltigen Weine einzuleiten, teilweise 
konnten sie nur mühsam ihre gestellte Aufgabe verrichten, da ihre Gärkraft 
nicht ausreichend war und sich für ihre Vermehrung ungünstige Faktoren 
geltend machten. Durch Auswahl einer Reinheferasse, die weniger em¬ 
pfindlich gegen höhere Alkoholgehalte und noch fähig ist, sich unter 
solchen Umständen entsprechend zu vermehren, konnte ohne Schwierigkeit 
die gewünschte Vergärung der nachträglich gezuckerten Weine erreicht 
werden. Weit schwieriger gestaltete sich jedoch die Behandlung der in 
der Gärung stecken gebliebenen Weine, von denen uns gegen Ende De¬ 
zember und noch im Anfang Januar wiederholt Proben eingesandt wurden. 
Die meisten dieser Weine waren infolge eingetretener niederer Keller¬ 
temperatur bis auf geringe Mengen Zucker vergoren, die sich dann immer 
sehr schlecht entfernen lassen. Durch Anwendung von Reinhefe, Auf¬ 
schlagen der Weine und Heizen der Kellerräume konnte auch nach dieser 
Richtung hin Abhilfe geschaffen werden. 


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170 


in. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


In der Schaumweinbereitung haben sich die bekannten Helen 
„Champagne Ay“ und „Steinberg 1892“ überall gut eingeführt, so dass die 
meisten deutschen Schaumweinfabriken und ein Teil des Auslandes ihren 
Bedarf von der Station beziehen. Mit schlechter Vergärung hat man selten 
Anstände, dieselben sind in den wenigen Fällen wohl stets auf eine un¬ 
günstige Zusammensetzung der verwendeten Weine zurückzuführen. 

4. Untersuchung und Behandlung fehlerhafter und kranker Weine. 

Wie alljährlich, so wurden auch in diesem Jahre der Station eine 
Menge fehlerhafter und kranker Weine zur Untersuchung und Beurteilung 
eingesandt. Die sich zeigenden Fehler und Krankheiten sind im grossen 
ganzen immer die gleichen und zum weitaus grössten Teil stets auf Un¬ 
achtsamkeit und nicht sachgemässe Kellerbehandlung zurückzuführen. Es 
fehlt anscheinend in vielen Kellereien noch an der richtigen Kontrolle, so 
dass die Aufmerksamkeit zu spät auf den entstandenen Fehler usw. gelenkt 
wird, oft erst dann, wenn der Wein resp. Most schon dem Verderben nahe 
ist und eine Abhilfe nicht mehr geschaffen werden kann. Dies gilt haupt¬ 
sächlich für Obst- und Beerenweine. 

Besonders auffällig ist, dass die Apfelweine unter allen anderen in 
dieser Beziehung an der Spitze stehen. Die Hersteller derselben sind zu 
wenig über die sachgemässe Behandlung dieser Weine orientiert, sie be¬ 
achten nicht, durch Auswahl der Obstsorten für eine gute Zusammensetzung 
der Moste zu sorgen und halten ferner vielfach an dem alten Gebrauch 
fest, die Apfelweine auf der Hefe liegen zu lassen, was natürlich ein 
grober Fehler ist und zu allerhand Krankheiten führt. Derartig behandelte 
Weine sind nicht haltbar und bleiben trübe. Dies ist auch noch auf 
einen weiteren Umstand zurückzuführen, dass die Apfelmoste nicht allein 
von echten Weinhefen, sondern grösstenteils durch die schädlichen Apikulatus- 
hefen vergoren werden. Diese Hefen behaften die Weine mit unangenehmen, 
geschmackswidrigen Stoffen und infolge ihrer Unfähigkeit, Rohrzucker zu 
vergären, führen sie oft zum Schleimigwerden, indem sie dadurch den eben¬ 
falls in den Mosten immer vorhandenen Schleimhefen Gelegenheit bieten, 
die restlichen Zuckermengen in Schleimstoffe umzuwandeln. 

Ausser Obst-, Beeren- und Traubenweinen wurden der Station ver¬ 
schiedene Heidelbeer- und Himbeermuttersäfte, pasteurisierte Moste, Schaum¬ 
weine usw. zur Untersuchung überliefert. 

5. Kultur und Vermehrung der Sammlung von Reinhefen und 
sonstigen Gärungsorganismen. 

Neben der beschriebenen regen Tätigkeit mit der Praxis ist es eine 
weitere Aufgabe der Station, die in Reinzucht befindlichen Organismen 
durch Auffrischen der Kulturen dauernd am Leben zu erhalten und neue 
Reinzuchten, insbesondere von Weinhefen, anzulegen. In diesem Jahre 
konnten wieder eine Anzahl Organismen, darunter 21 Weinhefen, rein- 


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Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station. 


171 


gezüchtet werden, die gleichfalls je nach ihrer Fähigkeit und Brauchbar¬ 
keit in der Praxis Verwendung finden sollen. Die neuen Eeinzuchthefen 
wurden durch vergleichende Gärversuche auf ihr Alkoholbildungsvermögen 
untersucht. 

Die Sammlung verfügt zurzeit über: 

295 Traubenweinhefen aus verschiedenen Weinbergslagen des In- und Aus¬ 
landes, 

20 verschiedene Obst- und Beerenweinhefen, 

21 „ Bierhefen, 

4 „ Brennereihefen, 

44 „ Kahmhefen aus Wein und Bier, 

12 „ Apikulatushefen, 

6 „ Schleimhefen aus Trauben- und Apfelwein, 

189 sonstige Mikroorganismen (Bakterien, Schimmelpilze usw.). 

6. Nen-Anschaffungen. 

Für die Stationsbibliothek wurden nachstehende Werke angeschafft: 
Kossowicz, „Mykologie der Genussmittel“. 

Grüss, „Kapillaranalyse der Enzyme“. 

Ferner erhielt die Station direkten Femsprechanschluss mit er Nr. 210 
mit dem Amt Büdesheim. 

7. Veröffentlichungen 

vom Berichterstatter. 

1. „Die Vorteile der Verwendung reingezüchteter Weinhefen bei der 
Obst- und Beerenweinbereitung“, in verschiedenen landwirtschaftlichen 
und Obstbau-Zeitschriften. 

2. „Beachtenswertes für die Apfelweinbereitung“ (Verhütung des Schleimig¬ 
werdens), Frankfurter Zeitung. 

B. Wissenschaftliche Tätigkeit der Station. 

1. Vergleichende Gärversuche der neu in Reinzncht gewonnenen 

Weinhefen. 

Die im verflossenen Jahre neu reingeztichteten Hefen wurden einer 
vergleichenden Prüfung ihrer Fähigkeiten, Alkohol zu bilden, unterworfen. 

Zu dem Zwecke wurden dieselben in Reagenzgläsern mit sterilem 
Traubenmoste herangezüchtet und dreimal hintereinander auf ge frischt, um 
recht gärkräftige Kulturen zu erhalten. Von den auf diese Weise erhaltenen 
dritten Kulturen wurde je eine Platinöse in Gärflaschen, deren jede 400 ccm 
sterilen Most von 114° Öchsle ca. 25,5% Zucker enthielt, übertragen. 
Die Aufbewahrung der Flaschen geschah in einem Wärmeschrank bei einer 
Temperatur von ca. 20—21 0 C. Die Kohlensäureabgabe wurde in gewissen 
Zwischenräumen durch Wägen der Gefässe festgestellt und die erhaltenen 
Resultate in der nachstehenden Tabelle aufgezeichnet. 


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172 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


1897 er 
1893 er 
1893 er 
1912er 
1912er 
1908er 
1908 er 
1912er 
1912er 
1904er 
1912er 
1912 er 
1911er 
1912 er 
1912er 
1908 er 
1908er 
1912er 
1912er 
1912er 
1912er 


Kohlensäureabgabe in g vom 1. bis 


Heferasse 


3. j 6. | 9. 1 12. 1 15. | 18. | 21. | 24. 


Rüdesheimer Trockenbeer Auslese . 

Steinberger Kabinett b. 

Steinberger Kabinett c. 

Rappoltsweiler Riesling a. 

Rappoltsweiler Riesling b. 

Deidesheimer Buschweg Traminer a 
Deidesheimer Buschweg Traminer b 

Malaga Muskateller a. 

Malaga Muskateller b. 

Tokayer Gyaparos „Tolscva“ .... 

Rappoltsweiler Zwicker a. 

Rappoltsweiler Zwicker b. 

Schloss Kauzenberg. 

Sherry Santiago a. 

Sherry Santiago b. 

Förster Langenböhl Riesling Auslese a 
Förster Langenböhl Riesling Auslese b 

Malaga Pedro a. 

Malaga Pedro b. 

Sherry Pavamenna a. 

Sherry Pavamenna b. 


1,1 

0,2 

0,7 

7.4 
4,7 
1,2 
2,0 

12,7 

4.6 

2.6 
4,0 
6,9 

6.5 
4,7 
6,1 
6,2 
3,3 
4,1 

5.6 

3.6 
4,5 


19.2 

17.5 

14.2 
25,7 

20.5 

16.4 

18.4 

28.5 
23,05 

19.6 

18.7 

20.2 
24,0 
18,3 
21,6 
23,6 
24,9 

24.2 
23,5 

16.3 
16,2 


27.3 

31.8 
26,2 

33.4 

28.9 

24.4 
26,8 

33.5 

29.5 

28.7 
26,2 

25.4 

30.5 

24.3 

28.6 

29.4 

31.8 

31.2 

30.2 
23,1 

21.9 


Tage 


32.3 

38.8 
34,0 

38.2 

34.9 

30.4 j 
33,8 
37,0 
33,6 
34,2! 
32,0 

29.2 

34.2 
29,8| 
33,6 

33.1 

34.1 
36, Oj 
34,1 

28.3 

26.4 


36.1 

42.7 

38.7 

42.4 

39.4 

35.2 

37.9 

40.1 

36.3 
37,0 

135.7 

32.5 

36.2 

33.5 
37,45 

35.9 

35.8 

37.7 
36,2 
32,0 

29.9 


37,8 

44.5 

40.2 

43.4 

41.6 

37.7 

39.8 

42.5 
38,0 

38.5 

37.2 

34.4 

37.2 

37.3 

38.6 

36.7 

36.3 
38,0 
36,7 

33.5 

30.4 


39.4 

46.1 

41.5 

44.2 

43.4 

39.9 

41.6 

42.9 

38.3 

39.2 

38.5 

35.9 

38.1 

37.9 

38.7 

37.3 

36.7 

38.2 
37,1 

34.8 

30.8 


41,9 

46.8 

42.4 

44.9 

44.6 

41.7 

43.1 

43.2 

38.5 

39.8 
39,4 

36.3 

38.9 

38.2 
38,76 

37.4 
37,05 
38,25 

37.3 
35,7 
31,05 


Da sich in den einzelnen Flaschen noch eine schwache Nachgärung 
bemerkbar machte, wurden sämtliche 21 Versuchsflaschen noch 3 Wochen 
im Thermostaten belassen und dann nach dem spezifischen Gewicht der 
Destillate der verschiedenen Weine mit Hilfe des Pyknometers die Alkohol¬ 
gehalte derselben ermittelt. Die erhaltenen Zahlen sind in der folgenden 
Tabelle niedergelegt. 


Verzeichnis der von den Hefen erreichten Alkoholgehalte. 


Heferasse 

Alkohol 

g in 100 ccm « Vol.-°/ 0 

1897 er Rüdesheimer Trockenbeer Auslese . 

12,34 

15,55 

1893er Steinberger Kabinett b. 

12,11 

15,26 

1912 er Rappoltsweiler Riesling a. 

11,65 

14,68 

1893 er Steinberger Kabinett c. 

11,57 

14,58 

1912er Rappoltsweiler Riesling b. 

11,57 

14,58 

1908er Deidesheimer Buschweg Traminer b 

11,49 

14,48 

1908 er Deidesheimer Buschweg Traminer a 

11,27 

14,20 

1912 er Malaga Muskateller a. 

10,89 

13,72 

1904 er Tokayer Gyaparos „Tolscva“ .... 

10,81 

13,63 

1912er Rappoltsweiler Zwicker a. 

10,44 

13,16 

1911er Schloss Kauzenberg. 

9,99 

12,59 

1912er Sherry Santiago a. 

9,92 

12,50 

1912er Sherry Santiago b. 

9,92 

12,50 

1912 er Malaga Muskateller b. 

9,78 

12,32 

1912 er Rappoltsweiler Zwicker b. 

9,7 | 

12,23 

1908 er Förster Langenböhl Riesling Auslese a 

9,7 | 

12,23 

1912er Malaga Pedro a. 

9,56 

12,05 

1912 er Malaga Pedro b . . . 

9,49 ! 

11,95 

1908 er Förster Langenböhl Riesling Auslese b 

9,42 1 

11,86 

1912 er Sherry Pavamenna b. 

9,2 

11,59 

1912er Sherry Pavamenna a. 

9,13 ! 

11,50 


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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 































Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station. 


173 


Die ersten zehn in letzter Tabelle angeführten Hefen dürften für die 
Praxis als besonders geeignet anzusprechen sein. Sie sollen deshalb im 
kommenden Etatsjahr erst versuchsweise abgegeben werden, um Urteile 
über ihre Brauchbarkeit und Anwendung im Grossen zu erfahren, bevor 
sie allgemeine Verwendung finden. 

Die Bassen 1897 er Büdesheimer Trockenbeer-Auslese, 1893 er Stein¬ 
berg Kabinett a und b, 1908 er Deidesheimer Buschweg a und b und 1908 er 
Förster Langenböhl Biesling-Auslese wurden aus Flaschenweinen, die der 
Station zur Untersuchung und Beurteilung eingeschickt waren, reingezüchtet. 

Prüfung der neuen Hefen auf Sporenbildung. 

Um festzustellen, ob die neuen Hefen auch wirklich zu den echten 
Saccharomyceten zu rechnen sind, mussten dieselben gleichzeitig auf Sporen¬ 
bildung untersucht werden. Zu dem Zweck wurden die Hefen in bekannter 
Weise vorbereitet, indem sie wiederholt in frischen sterilen Most über¬ 
geimpft und 24 Stunden vor dem Anlegen der Sporenkulturen nochmals 
in Most aufgefrischt wurden. Das Anlegen der Kulturen erfolgte auf 
sterilisierten feuchten Gipsblöckchen, die im Wärmeschrank bei einer 
Temperatur von 25° C. auf gestellt wurden. 10 Kulturen zeigten schon 
nach Verlauf von 24 Stunden fertig ausgebildete Sporen, weitere 6 nach 
48 Stunden. Die restlichen 5 Hefen (Steinberg b und c, Malaga Pedro a 
und Förster Bslg. Auslese) konnten dagegen durch diese Behandlung nicht 
zur Sporenbildung gezwungen werden. Sie sollen daraufhin noch weiter 
geprüft werden. 

2. Einfluss von Mosten mit verschiedenem Zuckergehalt auf die 
Bildung flüchtiger Säure durch Saccharomyces apiculatus. 

Die chemischen Untersuchungen von Weinen, die aus sterilisierten 
und mit Beinhefe vergorenen Mosten von verschiedenem Zuckergehalt 
hergestellt waren, haben ergeben, dass bei steigendem Zuckergehalt eine 
Zunahme an flüchtiger Säure durch die Tätigkeit der echten Weinhefen 
stattfindet. Diese Tatsache hat K. von der Heide (Jahresbericht 1907 
der Kgl. Lehranstalt Geisenheim S. 254), entgegen der früheren Ansicht, 
dass die Konzentration der Gärflüssigkeit die Bildung der flüchtigen Säure 
nicht beeinflusst, durch eingehende Versuche bestätigt. Die Menge der 
flüchtigen Säure ist bei der Gärtätigkeit der echten Weinhefen unabhängig 
von dem entstehenden Alkohol, Keisch hat sogar durch seine Versuche 
(Zentralblatt für Bakteriologie 1905, H. Abteil., Bd. 14, S. 572) gezeigt, 
dass selbst ein vor der Vergärung gemachter Zusatz von Alkohol zum 
Most ohne besonderen Einfluss auf die Bildung von Essigsäure ist. 

Dass sich Apiculatushefen durch Säureproduktion auszeichnen und je 
nach den Eigenschaften der Basse nach dieser Eichtung hin sehr ver¬ 
schieden sind, ist ebenfalls schon lange bekannt und durch Versuche in 
Trauben-, Obst- und Beerenmosten bewiesen worden. Es ist deshalb von 
Interesse zu erfahren, wie sich diese schädlichen Hefen in verschieden 


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Original fram 

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174 HE. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

konzentrierten, d. h. verschieden zuckerhaltigen, aber sonst in der Zusammen¬ 
setzung gleichartigen Mosten verhalten. Nach den bisherigen Angaben in der 
Literatur und nach den Analysenresultaten kleinerer Laboratoriumsversuche 
bilden Apiculatushefen schon in weniger zuckerhaltigen Mosten bedeutend 
mehr flüchtige Säure als die echten Weinhefen. Um nun zu prüfen, wie 
sich diese Hefen bei steigendem Zuckergehalte im Vergleich zu den echten 
Weinhefen verhalten, wurden von dem Berichterstatter Versuche mit 4 
aus der Sammlung der Hefereinzucht-Station stammenden Apiculatushefen 
in 6 verschieden zuckerhaltigen Mosten vorgenommen, die nachstehend 
kurz beschrieben werden sollen. 

Zur Verwendung gelangte ein 1912 er Rheingauer Most, in welchem 
durch entsprechende Zusätze von Zucker (Traubenzucker) und destilliertem 
Wasser verschiedene Abstufungen im Zuckergehalt, im übrigen aber nach 
Möglichkeit gleiche Zusammensetzung der anderen Mostbestandteile erzielt 
wurde. Von den auf diese Weise erhaltenen Flüssigkeiten wurden je 
5 Gärflaschen mit je 300 ccm befüllt, mit einem Wattebausch verschlossen, 
dreimal hintereinander eine halbe Stunde in Zwischenräumen von ca. 
24 Stunden im strömenden Dampf sterilisiert und 4 Flaschen jeder Serie 
im Impfkasten unter allen Vorsichtsmassregeln mit je einer Öse einer 
5 Tage alten Kultur der Apiculatushefen Nr. 305, 308, 312 und 323 
(Sammlungs-Nr.) beimpft und darauf sogleich mit sterilen WORTMANNschen 
Gärspunden verschlossen. 

Saccharomyces apiculatus Nr. 305 war aus Erde, 

„ „ ,, 308 und 312 aus Stachelbeermost 

und „ „ „ 323 aus Traubenmost 

reingezüchtet worden. 

Die Versuchsflaschen wurden in einem Thermostaten bei einer 
mittleren Temperatur von ca. 22 0 Celsius aufbewahrt. Die einzelnen 
Serien erhielten der Reihe nach, dem zunehmenden Zuckergehalte der 
Moste entsprechend, die Bezeichnung a, b, c, d, e und f und die von jeder 
Serie übrig gebliebene fünfte Flasche diente zur chemischen Untersuchung, 
deren Resultate in nachstehender Tabelle 1 niedergelegt sind. 


Tabelle 1. 


Most 

Spezif. 

Gewicht 

Grade 

Öchsle 

Zucker 

ginlOOccm 

Gesamt¬ 
säure 
als Wein¬ 
säure 
berechnet 

^in 100 ccm 

Flüchtige 
Säure 
als Essig¬ 
säure 
berechnet 

^in 100 ccm 

Nicht¬ 
flüchtige 
Säure als 
Weinsäure 
berechnet 

g in 100 ccm 

Serie a. 

1,0545 

54,5 

10,63 

0,970 

0,0204 

0,94 

» b. 

1,0650 

65,0 

13,25 

0,975 

0,0210 

0,95 

D c. 

1,0767 

76,7 

16,18 

0,965 

0,0198 

0,94 

» d. 

1,0898 

89,8 

19,45 

0,965 

0,0198 

0,94 

* e. 

1,0998 

99,8 

21,95 

0,975 

0,0210 

0,95 

nt . 

1,1173 

117,3 

29,33 

0,975 

0,0204 

0,95 


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Original frnm 

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Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station. 


175 


Die Gärflaschen wurden 3 Wochen im Wärmeschrank belassen und 
in gewissen Zwischenräumen durch Wägen derselben an Hand der Kohlen¬ 
säureverluste, der Verlauf der Gärung festgestellt. Vor jedem Wägen 
wurde der Inhalt der Flaschen mehreremale um geschüttelt. Die Gewichts¬ 
verluste ergeben sich aus der Tabelle 2, aus welcher gleichzeitig zu 
ersehen ist, dass sich die einzelnen Hefen sehr verschieden in ihrer Gär¬ 
tätigkeit unter gleichen Bedingungen verhalten. 


Tabelle 2. 


Serie 
und Nr. 
der 

Ap.-Hefe 


Kohlensäureabgabe in Gramm 

vom 1. 

bis zum 


4. ! 

5. | 

6. | 

1 7. 1 

1 3. 

! 9. 

1 11- 

1 13. | 

1 16. I 

20. 

Tage 

Serie a . 











Nr. 305. . . . 

1,3 

4,4 

6,2 

7,3 

7,9 

8,0 

8,1 

8,2 

8,6 

8,75 

„ 308. . . . 

1,4 

4,6 

6,3 

6,8 

7,3 

7,6 

7,8 

8,1 

8,3 

8,4 

„312. . . . 

2,1 

5,8 

7,7 

8,9 

9,5 

10,0 

10,3 

10,5 

10,8 

10,9 

„ 323. . . . 

2,5 

7,8 

9,5 

10,5 

11,0 

11,2 

11,3 

11,5 

11,8 

11,85 

Serie b. 











Nr. 305. . . . 

1,4 

4,7 

6,4 

7,2 

7,5 

7,7 

7,9 

8,0 

8,2 

8,3 

„ 308. . . . 

1,8 

4,8 

6,2 

7,0 

7,7 

8,0 

8,5 

8,7 

8,75 

9,1 

„ 312. . . . 

1,4 

6,3 

8,0 

9,1 

9,8 

10,3 

10,8 

11,1 

li,3 

11,4 

„ 323. . . . 

2,1 

8,1 

9,5 

10,8 

11,5 

11,8 

12,0 

12,1 

12,4 

12,45 

Serie c. 











Nr. 305. . . . 

1,9 

5,2 

6,3 

7,3 

7,7 

7,8 

9,0 

9,2 

9,5 

9,65 

„ 308. . . . 

2,1 

5,1 

5,9 

6,9 

7,4 

7,9 

8,2 

8,4 

8,7 

8,9 

* 312. . . . 

1,7 

4,3 

5,6 

7,3 

8,2 

8,8 

10,1 

10,2 

10,4 

10,7 

* 323. . . . 

1,9 

7,7 

8,9 

10,2 

10,9 

11,2 

11,5 

11,7 

12,2 

12,4 

Serie d. 











Nr. 305. . . . 

1,3 

4,0 

6,2 

7,0 

7,5 

7,8 

8,0 

8,1 

8,5 

8,8 

„ 308. . . . 

1,1 

5,5 

6,3 

7,05 

7,7 

8,2 

8,5 

8,7 

8,85 

9,1 

„ 312. . . . 

2,2 

7,1 

8,3 

9,5 

9,8 

10,3 

10,5 

10,8 

11,0 

11,3 

„ 323. . . . 

2,4 

7,8 

8,9 

10,0 

10,5 

11,0 

11,5 

11,6 

11,9 

12,1 

Serie e. 











Nr. 305. . . . 

2,1 

2,4 

5,8 

6,8 

6,9 

7,2 

7,3 

7,4 

7,5 

7,6 

„ 308. . . . 

2,2 

5,7 

6,5 

7,4 

7,5 

7,7 

7,9 

8,05 

8,3 

8,5 

„312. . . . 

0,7 

1,6 

2,1 

3,3 

3,6 

5,2 

6,6 

7,8 

9,05 

9,5 

„ 323. . . . 

2,8 

7,1 

8,2 

9,1 

9,7 

10,7 

11,0 

11,3 

11,5 

11,75 

Serie f. 









I 


Nr. 305. . . . 

2,3 

5,2 

5,6 

6,1 

6,3 

6,6 

6,9 

7,0 

7,1 

7,35 

„ 308. . . . 

1,9 

5,8 

6,5 

7,1 

7,5 

7,8 

8,1 

8,2 

8,3 

8,4 

„312. . . . 

1,9 

5,1 

5,7 

7,1 

7,3 

7,7 

8,05 

8,2 

8,3 1 

8,5 

„ 323. . . . 

2,1 

6,5 

7,3 

8,5 

8,8 

9,6 

10,3 

10,7 

11,0 1 

41,3 


Nach drei Wochen war die Gärung zu Ende, die Hefe hatte sich 
zu Boden gesetzt und die Flüssigkeit war vollständig klar geworden. Der 
Versuch wurde infolgedessen abgebrochen und der Inhalt der Flaschen der 
sofortigen Analyse unterworfen, über deren Ergebnisse die Tabelle 3 
Aufschluss gibt. Die Alkoholgehalte wurden mit Hilfe des Pyknometers 
nach dem spez. Gewicht der Destillate bestimmt. Da die flüchtige Säure, 
welche beim Destillieren zum Teil mit übergeht, das spez. Gewicht des 
alkoholischen Destillates stark beeinflusst (siehe von der Heide, Jahres¬ 
bericht 1907 der Kgl. Lehranstalt Geisenheim, S. 230), so wurden die 
Flüssigkeiten vor dem Destillieren schwach alkalisch gemacht, um möglichst 


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176 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


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genaue Zahlen zu erhalten. Die flüchtige Säure wurde ebenso wie bei 
der Mostuntersuchung nach dem amtlichen Verfahren mit Vio Normallauge 
bestimmt, als Essigsäure berechnet und jede Bestimmung zweimal zur 
Kontrolle ausgeführt. Der Hefetrub zeigte sich nach dem mikroskopischen 
Befunde in sämtlichen Versuchsflaschen als vollkommen rein. 


Tabelle 3. 


Api- 

kulatus- 

Hefe 

Nr. 

Serie 

Ursprüng¬ 

licher 

Zucker¬ 

gehalt 

Spezi¬ 

fisches 

Gewicht 

Alkohol 

Flüchtige 
Säure als 
Essigsäure 
berechnet 
g in 100 ccm 

Mikro¬ 

skopischer 

Befund 

g in 100 ccm 

Vol 

305 

a 

10,63 

1,0284 

2,88 

3,64 

0,0744 

rein 

305 

b 

13,25 

1,0399 

2,77 

3,49 

0,0762 


305 

c 

16,18 

1,0502 

2,55 

3,21 

0,0762 


305 

d 

19,45 

1,0645 

2,66 

3,35 

0,0768 


305 

e 

21,95 

1,0769 

2,43 

3,07 

0,0822 


305 

f 

29,33 

1,0954 

2,55 

3,21 

0,0828 

n 

308 

a 

10,63 

1,0295 

2,60 

3,28 

0,1068 

n 

308 

b 

13,25 

1,0382 

2,94 

3,71 

0,1098 


308 

c 

16,18 

1,0501 

2,66 

3,35 

0,1128 

n 

308 

d 

19,45 

1,0639 

2,88 

3,64 

0,1176 

n 

308 

e 

21,95 

1,0752 

2,55 

3,21 

0,1152 

n 

308 

f 

29,33 

1,0920 

2,55 

3,21 

0,11.94 

n 

312 

a 

10,63 

1,0212 

3,64 

4,58 

0,0756 

» 

312 

b 

13,25 

1,0313 

3,40 

4,29 

0,0762 

n 

312 

c 

16,18 

1,0440 

3,52 

4,43 

0,0798 

n 

312 

d 

19,45 

1,0568 

3,69 

4,65 

0,0854 

n 

312 

e 

21,95 

1,0734 

2,60 

3,28 

0,0812 

n 

312 

f 

29,33 

1,0924 

2,72 

3,42 

0,0930 

r> 

323 

a 

10,63 

1,0181 

3,75 

4,73 

0,0996 

n 

323 

b 

13,25 

1,0272 

4,11 

5,18 

0,1098 

n 

323 

c 

16,18 

1,0388 

3,81 

4,80 

0,1056 

n 

323 

d 

19,45 

1,0537 

3,87 

4,88 

0,1068 

n 

323 

e 

21,95 

1,0646 

3,75 

4,73 

0,1110 

n 

323 

f 

29,33 

1,0838 

3,58 

4,51 

0,1128 

n 


Die wirkliche Zunahme an flüchtiger Säure der mit den Apikulatus- 
hefen vergorenen Moste ist nach Abzug der schon im Most ursprünglich 
vorhanden gewesenen (siehe Tabelle 1) aus Tabelle 4 ersichtlich. 


Tabelle 4. 


Serie: 

a 

b 

c 

d 

e 

f 

Ap.-Hefe 305 

0,0540 

0,0552 

0,0564 

0,0570 

0,0612 

0,0624 

n . 308 

0,0864 

0,0888 

0,0930 

0,0978 

0,0942 

0,0990 

„ „ 312 

0,0552 

0,0552 

0,0600 

0,0656 

0,0602 

0,0726 

„ . 323 

0,0792 

0,0888 

0,0858 

0,0870 

0,0900 

0,0924 


Aus dem Ergebnis der Analysen ist zu ersehen, dass die Apikulatus- 
hefen ebenfalls mit steigendem Zuckergehalt eine Mehrbildung an flüchtiger 
Säure hervorrufen. Wie bereits erwähnt, erzeugen die Apikulatushefen bei 


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Bericht über die Tätigkeit der Hefe-Reinzucht-Station. 


.177 


Mosten mit geringerem Zuckergehalt im Verhältnis zu den echten Wein¬ 
hefen bedeutend grössere Quantitäten flüchtiger Säure, und eine Zunahme 
bei höherem Zuckergehalt findet nur allmählich statt, während bei den 
echten Weinhefen bei grösserem Zuckergehalt die Produktion viel stärker 
ist. Es kann daher auch bei den Apikulatushefen angenommen werden, 
dass eine Mehrbildung von flüchtigen Säuren in gewissen Beziehungen zum 
Zuckergehalt der Moste steht und nicht von Alkoholbildung abhängig ist. 

Die vergorenen Flüssigkeiten wurden gleichfalls einer Geschmacks¬ 
und Geruchsprobe unterzogen, bei welcher wohl der bekannte unangenehme 
Geschmack und Geruch der sogenannten Apikulatusgör, jedoch bei keiner 
derselben der charakteristische stichige Geschmack zu bemerken war. 
MüLLER-Thurgau (Jahresbericht der schweizerischen Versuchsanstalt Wäden- 
weil für 1896/97, S. 50) machte bei der Kostprobe von Weinen, die mit 
Apikulatushefen vergoren waren, die gleichen Beobachtungen. Wahr¬ 
scheinlich entstehen bei der Gärung ausser Essigsäure noch Ameisensäure 
und andere Fettsäuren, was noch nicht bestimmt erwiesen ist. 

Ob nun nach der Vergärung noch weitere Mengen flüchtiger Säure 
gebildet werden, wie z. B. Osterwald er (Zentralblatt für Bakteriologie 
II. Abteil., 1912, Bd. 32, S. 48) bei der echten Weinhefe unter Luftzutritt 
nachgewiesen hat, müssten neue Versuchsanstellungen aufklären. 


(Jeisenheimer Jahresbericht 1912. 


12 


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178 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station während 

des Jahres 1912. 

Erstattet von G. Lüstner, Vorstand der Station. 

Die meteorologische Station der Königl. Lehranstalt ist eine Beob¬ 
achtungsstation II. Ordnung des Königl. meteorologischen Instituts zu Berlin. 
Sie liegt: 

östliche Länge von Greenwich 7° 58'; nördliche Breite 49° 59'; Höhe 

des Nullpunktes des Barometers über N. N. (Normal-Null), d. h. über 
dem Nullpunkte des Amsterdamer Pegels 97,5 m. 

Die Ablesungen finden täglich statt: 

T*ha 

2 w hp 

9 w hp 

Die hierbei gemachten Beobachtungen werden in eine Tabelle ein¬ 
getragen (Monatstabelle, Sonnenscheintabelle), welche nach Schluss eines 
jeden Monats sofort dem Königl. meteorologischen Institut in Berlin ein- 
gesandt wird. Über Gewitter, Wetterleuchten, Höhe der Schneedecke und 
andere wichtige meteorologische Erscheinungen wird besonders dorthin 
berichtet. Am öffentlichen Wetterdienst nimmt die Station insofern teil, 
als sie an jedem Vormittag der Wetterdienststelle zu Frankfurt a. Al. 
(Physikalischer Verein) telegraphisch und an jedem Nachmittage den Wetter¬ 
dienststellen zu Bonn und Aachen (Meteorologisches Observatorium) durch 
Postkarte über die Wetterlage im Rheingau Nachricht gibt. Die König¬ 
liche Rheinstrom-Bauverwaltung zu Cohlenz wird im Winter an jedem 
Montag über die Höhe der Schneedecke und die Temperatur und die öffent¬ 
liche Wetterdienststelle zu Berlin an demselben Tage über die Dauer des 
Sonnenscheines an den einzelnen Wochentagen unterrichtet. In zehntägigen 
Zwischenräumen wird an die Deutsche Seewarte zu Hamburg Bericht er¬ 
stattet über alle wichtigen meteorologischen Erscheinungen, über das Auf¬ 
treten von Pflanzenfeinden und Pflanzenkrankheiten sowie über den Stand 
der landwirtschaftlichen Kulturen und Arbeiten, Beobachtungen, welche in 
dem „zehntägigen Witterungsbericht für die Landwirtschaft“ der deutschen 
Seewarte veröffentlicht werden. In diesen Berichten gelangen auch die 
Beobachtungen der Station über die Lufttemperatur (Max. und Min.), sowie 
über die Niederschläge und Dauer des Sonnenscheins zum Abdruck. 

Die Station hat auch im vergangenen Jahre an Behörden und Privat¬ 
personen öfter Auskunft über Wetterfragen erteilt. Sie ist mit nachstehenden 
Instrumenten ausgestattet: 


I. Im Innern der Wildschen Hütte. 

1. Ein trocknes Thermometer 

2. Ein feuchtes Thermometer 


| Augustsches Psychrometer. 


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Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station. 


179 

3. Ein Maximum-Thermometer mit durch Luftblase getrenntem Quecksilber-Index 
nach Negretti und Zambra. 

4. Ein Alkohol-Minimum-Thermometer mit verschiebbarem Glas-Index nach Rutherford. 

5. Ein Haarhygrometer nach Koppe. 

6. Ein Richardscher Termograph. 

7. Ein in halbe Grade geteiltes Quecksilber-Thermometer (Kontrollthermometer zu 6). 

II. In unmittelbarer Nähe der Wildschen Hütte. 

8. Ein Maximum-Thermometer nach Negretti und Zambra. 

9. Ein Minimum-Thermometer nach Rutherford. (Beide Instrumente liegen 7,5 cm 
über dem Boden.) 

10. Zwei Regenmesser nach Hellmann. 

11. Eine Wildsche Windfahne mit Anemometer auf hohem Maste. 

III. In einem Zimmer der pflanzenpathologischen Versuchsstation. 

12. Ein Stationsbarometer mit thermom&tre attachö von R. Fuess in Berlin. 

IV. Im Versuchsweinberg der Anstalt. 

13. Ein Sonnenschein-Autograph nach Campbell-Stockes. 

14. Ein Hygrograph. 

15. Ein Pluviograph. 

V. Besitzt die Station noch: 

16. Einen Wolkenspiegel. 

17. Ein Schöpfthermometer. 


12 * 


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Original frnm 

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l ) „Eistage“ sind solche Tage, an denen das Maximum der Temperatur unter 0° bleibt (an deneu es nicht auftaut); „ Frosttage“, an denen 
das Maximum der Temperatur unter 0° sinkt (an denen es friert) und „Sommertage“, an denen das Maximtim 25° C. (=20° R.) oder mehr beträgt. 
(Instruktion für den Beobachter an der meteorologischen Station 2., 3. und 4. Ordnung. Berlin 1888, S. 60.) 


180 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


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Jahresmittel: 
Summe : 

Januar . 

Februar 

März. 

April. 

Mai . 

Juni. 

Juli. 

August. 

September. 

Oktober. 

November. 

Dezember. 

Monat 


Mittel . 

Maximum. 

Datum. 

Minimum. 

Datum. 


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766,5 

4. 

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1. 

April 

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Datum 

* 


752,9 

762.4 
9. 

743.5 
15. 

Mai 

18,5 

221,8 

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Datum 

CD 

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768.8 
4. 

738.9 
22. 

Oktober 

1 1—i 

DO DO ► -* 

05^3-*3COCD03h-»C003004*00 


3 33 







^ 03 ^ 05 Ü» 

November 

00 H- 


Grösste 

Schwankungen der 
Lufttemperatur 


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Dezember 

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Frosttage ') 


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Sommertage *) 


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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 


Zusammenstellung der Beobachtungen aus dem Kalenderjahr 1912. 

1. Der Luftdruck. 



















Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station 


181 


3. Die Luftfeuchtigkeit 




7 28 h a 

4,2 

4,9 

6,0 

5,7 

8,0 

10,1 

11,5 

10,0 

7,3 

6,2 

5,2 

4,9 

7,0 


2 28 kp 

4,7 

5,9 

6,4 

6,3 

9,2 

10,0 

11,2 

10,1 

7,8 

6,9 

5,3 

5,5 

7,4 

Oü» 

« d* 

9 28 hp 

4,3 

5,3 

6,5 

6,0 

8,7 

10,0 

11,8 

10,0 

7,9 

6,4 

5,2 

5,2 

7,3 


Mittel: 

4,4 

5,3 

6,3 

6,0 

8,6 

10,0 

11,5 

10,0 

7,7 

6,5 

5,2 

5,2 

7,2 

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7 28 ha 

84 

93 

87 

77 

79 

80 

82 

86 

91 

94 

89 

90 

86 


2 28 hp 

81 

76 

64 

53 

57 

52 

48 

63 

65 

69 

76 

88 

66 

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9 28 hp 

84 

88 

80 

72 

77 

75 

79 

86 

90 

89 

88 

90 

83 



83 

85 

77 

67 

71 

69 


78 

82 

84 

85 

90 

78 


Gemessen mittels des KoppESchen Haarhygrometers. 


7 28 h a 

86 

94 

88 

76 

76 

78 

Elifl 

86 

92 

94 

91 

90 

86 

2 28 h p 

79 

79 

68 

47 

55 

52 

49 

64 

75 

73 

78 

85 

67 

9 28 hp 

85 

88 

82 

67 

75 

77 

79 

86 

89 

88 

89 

90 

83 

Mittel: 

83 

87 

79 

64 

68 

69 

70 

79 

85 

85 

86 

88 

79 


4. Die Bewölkung. 


Stunde 

der 

Beobachtung 

Januar 

Februar 

März 

M 

P« 

B 

Juni 

i 

August 

September 

Oktober | 

November | 

Dezember 

Jahres- || 
mittel II 

7 28 ha 

9,0 

9,8 


5,5 

6,0 

6,1 

ra 

8,5 

7,4 

7,7 

8,0 

9,2 

7,6 

2 28 hp 

8,7 

8,3 

8,0 

6,7 

7,6 

7,5 

m 

8.9 

8,0 

7,7 

9,1 

8,7 

7,9 

9 28 hp 

8,0 

6,5 

6,0 

3,9 

6,8 

7,0 

Kl 

6,9 

5,4 

5,7 

8,1 

m 

6,4 

Mittel: 

8,6 

8,2 

EU 

5,4 

6,9 

6,9 

5,6 

8,1 

7,0 

7,0 

8,5 

8,5 

7,3 



Monat 

Nieder- 1 
| Schlags- 1 
summen | 

Maximum I 

1 in 

24 Stunden| 

£ 

p 

cö 

Q 




Tage mit 




mehr als 
0,2 mm 
Nieder¬ 
schlag: 

Regen 

Schnee 

Hagel u. 
Graupeln 

Reif 

Nebel 
(Stärke l 
und 2) 

Schnee¬ 

decke 

Gewitter 

Wetter¬ 

leuchten 

Januar .... 

43,5 

15,5 

7. 

8 

9 

4 

2 

ii 

4 

2 

_ 

_ 

Februar .... 

35,0 

10,4 

25. 

13 

14 

2 

1 

9 

12 

5 

— 

— 

März. 

45,5 

6,5 

22. 

19 

25 

— 

2 

3 

1 

— 

— 

— 

April. 

25,2 

13,0 

2. 

9 

12 

1 

3 

8 

— 

— 

— 

— 

Mai. 

37,9 

10,2 

25. 

8 

14 

— 

— 

3 

— 

— 

5 

3 

Juni. 

44,8 

12.3 

30. 

15 

21 

— 

1 

— 

— 

— 

7 

3 

Juli. 

50,0 

12.3 

4. 

8 

12 

— 

— 

— 

— 


3 

2 

August .... 

67,2 

12,6 

24. 

16 

24 

— 


— 

1 

— 

3 

3 

September . . . 

42,3 

23.2 

9. 

10 

16 



— 

2 

— 

1 

1 

Oktober .... 

63.6 

18,3 

30 

15 

15 

— 


10 

8 

— 


1 

November . *. . 

30,9 

4,6 

11 

16 

21 

1 

1 

7 

7 

— 


— 

Dezember . . . 

25,3 

6,0 

27. 

10 

13 

2 

1 

9 

11 

— 1 

_ 1 


Jahressumme: 

511,2 

144,9 

— 

147 

196 

10 

11 1 

60 

46 

7 

19 

13 


k 


Digitized by Google 


Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 







































































182 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


6. Die Windrichtung. 


Windrichtung 

Januar 1 

Februar 

März || 

April 

’ci 

Juni 

P 

S3 

>“5 

August 

September | 

Oktober | 

November | 

Dezember | 

Jahres- 1 
summe | 

Nord. 

6,0 

5,5 

2,5 

5,5 

12,0 

9,0 

4,5 

4,5 

10,5 

8,5 

90 

1,0 

78,5 

Nordost. 

26,5 

12,0 

6,5 

16,0 

90 

4.0 

115 

6,5 

18,0 

18,5 

12,0 

4,0 

144,5 

Ost. 

24,5 

13,5 

14,5 

14,5 

5,5 

6,5 

5,5 

0,5 

10 0 

4,5 

3,0 

19,0 

121,5 

Südost. 

1,5 

— 

3,0 

2,5 

1,0 

2,5 

1,0 

2,0 

— 

1,0 

— 

1,0 

15,5 

Süd. 

3,5 

5,0 

3,5 

4,5 

2,0 

3,5 

7,5 

5,0 

2,0 

7,0 

4,5 

2,5 

505 

Südwest. 

10,0 

12,5 

20 5 

11.0 

11,5 

22,0 

15,0 

25,0 

7 5 

17,5 

17,0 

20,5 

190,0 

West. 

15,0 

15,0 

29,5 

20,0 

31,0 

21,0 

19,0 

31.5 

21.5 

21,0 

24,5 

26,0 

275,0 

Nordwest. 

3,0 

10,5 

6,0 

13,0 

15 0 

13,5 

12,0 

9,0 

15,5 

6,0 

8,0 

16,0 

127,5 

Windstille .... 

3,0 

13,0 

7,0 

3,0 

6,0 

8,0 

17,0 

9,0 

5,0 

9,0 

12,0 

3,0 

95,0 


7. Die Windstärke. 


Stunde der 
Beobachtung 

Januar | 

Februar || 

März j| 

*Sh 

a 

< 

cs 

£ 

I XUUf 

3 

4-J 

Cß 

3 

öt) 

September | 

Oktober | 

November | 

Dezember | 

Jahres- I 
summe II 

7 28 ha. 

2,3 

1,3 

1,6 

2,1 

1.6 

1,9 

1,4 

1,9 

1,1 

1,5 

2,3 

2,4 

21,4 

2 28 h p. 

2,5 

1,8 

3,0 

3,0 

2,5 

28 

2,1 

3,6 

3,7 

3,3 

2,6 

2,8 

33,7 

9 28 h p. 

2,2 

1,4 

1,8 

2,2 

1,7 

1,6 

0,9 

1.4 

1,6 

1,3 

1,8 

1,8 

19,8 

Mittel: 

2,3 

1,5 

2,1 

2,4 

1,9 

2,1 

1,5 

2,3 

2,1 

2,0 

23 

2,3 

25,0 

Sturm tage: 

3 

3 

7 

5 

— 

2 

— 

3 

— 

— 

1 

4 

28 


8. Die Dauer des Sonnenscheins. 


Monat 

Summe des 

Monatsmittel des 

Vor¬ 

mittags 

Nach¬ 

mittags 

Tages 

Vor¬ 

mittags 

Nach¬ 

mittags 

i Tages 

Januar . 

12,5 

16,5 

29,0 

0,4 

0.5 

0,9 

Februar. 

16,7 

32,5 

49,2 

0,6 

1,1 

1,7 

März. 

40,6 

51,1 

91,7 

1,3 

1,6 

3,0 

April. 

110,9 

104,7 

215,6 

3,7 

3,5 

7,2 

Mai. 

117,3 

104,6 

221,9 

3,8 

3,4 

7,2 

Juni. 

102,0 

105,0 

207,0 

3,4 

3,5 

6,9 

Juli. 

112,5 

114,0 

226,5 

3,6 

3,7 

7,3 

August. 

41,5 

42,0 

83,5 

1,3 

1,4 

2,7 

September. 

43,0 

50,6 

93,6 

1,4 

1,7 

3,1 

Oktober. 

37,7 

41,4 

79,1 

1,2 

1,3 

2,6 

November. 

16,2 

18,8 

35,0 

0,5 

0,6 

1,2 

Dezember. 

3,0 

9,3 

12,3 

0,1 

0,3 

0,4 

Jahressumme: 

653,9 

690,5 

1344,4 

21,3 

1 22,6 

44,2 


9. Vergleichende Übersichten der letzten fünf Jahre. 

A. Mittel der absoluten Feuchtigkeit. 


Sh 

cö 

*-5 

Januar | 

Februar 

N 

Sh 

:cS 

April 

Jö 

Juni 

»-s 

August 

September 

Oktober 

November | 

Sh 

<v 

X 

s 

<x> 

N 

<X> 

P 

Jahres¬ 

mittel 

1908 

3,8 

4,8 

4,9 

5,4 

9,7 

n,i 

11,6 

10,8 

9,4 

7,5 

5.4 

4,9 

7,4 

1909 

4,5 

4,8 

6,2 

9,9 

11,7 

9,1 

10,3 

n,i 

9,6 

8.5 

5,1 

4,9 

8,0 

1910 

4,7 

5,1 

4,9 

5,4 

8,0 

10,9 

11,1 

11,2 

9,3 

8,4 

5,2 

5,5 

7,5 

1911 

4,3 

4.8 

5,7 

6,1 

9,3 

10,1 

12,2 


9,0 

7,3 

6,1 

5,7 

— 

1912 

4,4 

5,3 

6,3 

6,0 

8,6 

10,0 

11,5 

10,0 

7,7 

6,5 

5,2 

5,2 

7,2 


□ igitized by Google 


Original fro-m 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 


















Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station. 


183 


B. Mittel der relativen Feuchtigkeit. 


Jahr 

Januar 

Februar 

März 

April 

*3 

£ 

Juni 

•■3 

•-a 

August 

September 

Oktober 

November | 

Dezember | 

Jahres¬ 

mittel 

1908 

73,3 

70,0 

66,7 

59,3 

72,3 

61,7 

66,0 

70,0 

76,3 

72,0 

78,6 

85,0 

70,7 

1909 

74,7 

66,0 

63,7 

55,3 

41,7 

58,0 

65,7 

57,7 

71,0 

81,7 

76,3 

76,3 

65,8 

1910 

75,0 

76,6 

78,3 

69,0 

75,0 

69,0 

79,3 

81,0 

86,7 

86,3 

86,0 

91,0 

79,4 

1911 

89,7 

90,0 

89,7 

69,0 

72,7 

72,0 

64,7 

66,3 

70,7 

84,0 

90,0 

91,7 

79,2 

1912 

b3,3 

85,4 

77,3 

67,4 

70,9 

69,3 

69,9 

78,5 

82,0 

83,8 

84,6 

89,5 

78,5 


C. Mittel der Lufttemperatur. 


1908 

-2,8 

2,9 

4,3 

7,6 

14,7 

18,8 

18,4 

15,3 

12,8 

8,4 

2,4 

0,7 

1909 

-0,7 

0,4 

3,9 

10,3 

13,6 

15,6 

16,5 

17,8 

13,9 

10,5 

3,6 

3,3 

1910 

2,8 

4.1 

5,3 

9,5 

13,6 

17,6 

16,7 

16,8 

12,8 

10,3 

3,7 

3,8 

1911 

0,2 

3,3 

5,8 

9,0 

14,5 

16,3 

20,9 

21,0 

15,5 

9,1 

6,6 

4,4 

1912 

1,2 

3,5 

8,0 

9,3 

14,0 

17,0 

19,2 

14,8 

10,2 

7,0 

4,0 

2,7 


D. Niederschlagssummen. 


Jahres¬ 

summe 


1908 

15,9 

52,6 

16,4 

54,4 

86,2 

36,5 

71,0 

79,5 

38,4 

2,1 

27,7 

14,4 

495,1 

1909 

26,1 

22,« 

12,1 

23,1 

15,5 

38,5 

79,9 

34,7 

52,4 

63,2 

34,2 

63,8 

466,1 

1910 

42,3 

54,3 

6,0 

135 

99,8 

78,4 

96,1 

46,6 

35,1 

11,5 

97,5 

41,3 

621,9 

1911 

17,4 

15,0 

30,8 

20,3 

33,2 

54,5 

56,2 

43,7 

29,8 

35,4 

46,4 

66,8 

449,5 

1912 

43,5 

35,0 

45,5 

25,2 

37,9 

44,8 

50,0 

67,2 

42,3 

63,6 

30,9 

25,3 

511,2 


E. Dauer des Sonnenscheins in Stunden. 


1908 

68,4 

51,0 

106,7 

167,8 

162,1 

268,3 

255,6 

182,8 

184,7 

157,5 

71,5 

21,4 

1697,8 

1909 

84,4 

102,9 

95,8 

234,8 

825,2 

208,7 

162,7 

215,0 

165,8 

82,3 

56,5 

56,6 

1790,7 

1910 

48,3 

65,1 

136,5 

197,7 

229,0 

188,0 

179,9 

215,0 

128,5 

92,0 

55.3 

28,6 

1563,9 

1911 

45,2 

90,5 

99,1 

201,1 

223,9 

208,8 

335,2 

272,8 

185,1 

120,1 

28,4 

17,3 

1827,5 

1912 

29,0 

49,2 

91,7 

215,6 

221,9 

207,0 

226,5 

83,5 

93,6 

79,1 

35,0 

12,3 

1344,4 


10. Phänologische Beobachtungen während des Jahres 1912. 1 ) 

Abkürzungen. 

BO = erste normale Blattoberflächen sichtbar, und zwar an verschiedenen (etwa 
3—4) Stellen; Laubentfaltung. 

b = erste normale Blüten offen, und zwar an verschiedenen Stellen, 
f = erste normale Früchte reif, und zwar an verschiedenen Stellen; bei den 
saftigen: vollkommene und definitive Verfärbung; bei den Kapseln: spontanes Auf platzen. 

W = Hochwald, grün = allgemeine Belaubung: über die Hälfte sämtlicher Blätter 
an der Station entfaltet. 


LV = allgemeine Laubverfärbung: über die Hälfte sämtlicher Blätter an der 
Station — die bereits abgefallenen mitgerechnet — verfärbt. 

W und LV müssen an zahlreichen Hochstämmen (Hochwald, Alleen) aufgezeichnet 
werden. 

E = Ernteanfang. 



BO 

b 

f 

LV 

Aesculus Hippocastanum (Rosskastanie) . . 

28. in. 

28. IV. 

14. IX. 

6. X. 

Atropa Belladonna (Tollkirsche). 

— 

— 

— 

— 

Betula alba (Birke). 

27. III. 

28. m. 

— 

6. X. 

Cornus sanguinea (Roter Hartriegel).... 

— 

23. V. 

27.’VIII. 

— 

Oorylus Avellana (Hasel). 

— 

6. I. 

— 

— 


*) Die Beobachtungen werden nach dem Giessener Schema, Aufruf von 
Hoffmann-Ihne, angestellt. Die phänologischen Beobachtungen während der Jahre 1898 
bis 1912 sind in den betreffenden Jahresberichten der Lehranstalt enthalten. 


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Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 
























184 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 



Crataegus oxyacantha (Weissdorn) . . . 

Cydonia vulgaris (Quitte). 

Cytisus Laburnum (Goldregen). 

Fagus silvatica (Buche). 

Ligustrum vulgare (Liguster). 

Lilium candidum (Weisse Lilie) . . . . 

Lonicera tatarica (Tatarisches Geisblatt) . 

Prunus avium (Süsskirsche). 

Prunus Cerasus (Sauerkirsche). 

Prunus Padus (Trauben- oder Ahlkirsche). 

Prunus spinosa (Schlehe). 

Pyrus communis (Birne). 

Pyrus Malus (Apfel). 

Quercus pedunculata (Stieleiche) . . . . 
Ribes aureum (Goldgelbe Johannisbeere) . 

Ribes rubrum (Johannisbeere). 

Rubus idaeus (Himbeere). 

Salvia officinalis (Salbei). 

Sambucus nigra (Hollunder). 

Secale cereale hib. (Winterrogen). . . . 

Sorbus aucuparia (Vogelbeere, Eberesche) 
Spartium scoparium (Besenginster) . . . 
Symphoricarpus rac. (Schneebeere) . . . 

Syringa vulgaris (Nägelchen oder Flieder) 
Tilia grandifolia (Sommerlinde) . . . . 

Tilia parvifolia (Winterlinde). 

Vitis vinifera (Wein). 



4. V. 



— 

27. HI. 

— 

— 

— 

28. IV. 

— 

— 

18. IV. 

— 

W 21. IV. 

5. X. 

— 

6. VI. 

22. vm. 

— 

— 

20. VI. 

— 

— 

— 

5. V. 

10. VHL 

— 

— 

5. IV. 

— 

— 

— 

10. IV. 

— 

— 

— 

7. IV. 

— 

— 

— 

28. IH. 

— 

— 

— 

7. IV. 

— 

— 

— 

18. IV. 

— 

— 

20. IV. 

— 

W 25. IV. 

7. X 

— 

7. IV. 

3. VH. 

— 

— 

28. IH. 

8. VI. 

— 

— 

18. V. 

15. VT. 

— 

— 

5. VI. 

— 

— 

— 

12. V. 

20. VH. 

— 

— 

14. V. 

Ernte Anfang 10.VH. 

— 

5 V. 

20. VIH. 

— 

— 

12. V. 

— 

— 

— 

28. V. 

12. vm. 

— 

— 

26. IV. 

— 

— 

— 

6. VI. 

— 

— 

— 

11. VI. 

— 

— 

— 

12. VI. 

— 

— 


Ergänzungsliste. 


Abies excelsa (Fichte). — 7. V. — — 

Acer platanoides (Spitzahorn). 2. VI. 9. IV. — 10. X. 

Acer Pseudoplatanus (Bergahorn).10. IV. 4. IV. — 14. X. 

Ainus glutinosa (Gemeine Erle). 9. HL — — — 

Amygdalus communis (Gemeine Mandel) . . — 10. HL — — 

Anemone nemorosa (Gemeine Anemone) . . — 12. m. — — 

Berberis vulgaris (Berberitze). — 6. V. — — 

Buxus sempervirens (Buxbaum). — 8. IV. — — 

Calluna vulgaris (Heidekraut). — 12. VHL — — 

Caltha palustris (Sumpfdotterblume) ... — 2. IV. — — 

Cercis Siliquastrum (Judasbaum). — 4. V. — — 

Chrysanthemum leuc. (Wiesenwucherblume) — 12. V. — — 

Colchicum autumnale (Herbstzeitlose) ... — 1. VIEL — — 

Cornus mas (Gelber Hartriegel, Kornelkirsche) — 1. III. 10. VHL — 

Evonymus eur. (Gemeiner Spindelbaum) . . — 10. V. 20. VIH. — 

Fagus silvatica (Buche). — — 2. X. — 

Fraxinus excelsior (Esche).27. IV. 8. IV. — Laakfall 24. X. 

Galanthus nivalis (Schneeglöckchen) ... — 10. H. — — 

Hepatica triloba (Leberblümchen) .... — 4. HL — — 

Juglans regia (Walnuss). — 27. IV. 10. X. — 

Larix europaea (Lärche). — 28. IH. — — 

Leucojum vernum (Grosses Schneeglöckchen, 

Frühlingsknotenblume). — 28. II. — — 

Lonicera Xylosteum (Heckenkirsche) ... — 17. IV. 6. VH. — 

Morus alba (Weisse Maulbeere). — 6. V. — — 

Narcissus Pseudon. (Gelbe Narzisse). ... — 20. IH. — — 

Olea europaea (Ölbaum). — — — — 

Persica vulgaris (Pfirsich). — 18. ETI. — — 

Philadelphus coron. (Falscher Jasmin) ... — 10. V. — — 


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Bericht über die Tätigkeit der meteorologischen Station. 


185 



BO 

b 

f 

LV 

Pinus silvestris (Kiefer). 


12 . v. 



Prunus Armeniaca (Aprikose). 

— 

17 . m. 

— 

— 

Ranunculus Ficaria (Scharbockskraut) . . . 

— 

13. m. 

— 

— 

Ribes Grossularia (Stachelbeere). 

— 

27 . m. 

8. VI. 

— 

Robinia Pseudacacia (Weisse Robinie, Akazie) 

— 

16. V. 

— 

— 

Salix caprea (Sahlweide). 

— 

25 . n. 

— 

— 

Tilia grandifolia (Sommerlinde). 

15. IV. 

— 

— 

— 

Tilia parvifolia (Winterlinde). 

9. IV. 

— 

— 

— 

Triticum vulgare hib. (Winterweizen) . . . 

— 

11. VI. 

Ernte Anfang 27. VII. 

Tussilago Parfara (Huflattich). 

— 

3. III. 

— 

— 

Ulmus campestris (Feldulme). 


8. IV. 




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186 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Bericht Uber die Tätigkeit der Station fdr Schädlingsforschungen 

in Metz für das Jahr 1912. 

Erstattet von Dr. J. Dewitz, Leiter der Station. 

I. Physiologische Untersuchungen an Insekten. 

Seit einigen Jahren hat das Studium der Schädlinge der Kultur¬ 
pflanzen, besonders das der niederen Tiere und vorzüglich der Insekten, 
auch in Ländern, in denen es vorher vernachlässigt war, mehr Beachtung 
gefunden. Im allgemeinen bezieht sich jedoch dieses Studium auf den 
äusseren Lebensgang der Arten, d. h. ihre naturhistorische Erforschung, 
sowie auf die empirische Auffindung von Bekämpfungsverfahren. In neuerer 
Zeit hat man sich dann auch eingehender mit den tierischen und pflanz¬ 
lichen Parasiten der Schädlinge befasst Ohne die Notwendigkeit dieser 
Richtungen in Abrede stellen zu wollen, glaube ich sagen zu dürfen, 
dass man der Schädlingsforschung einerseits Einseitigkeit und Beschränkt¬ 
heit des Gesichtsfeldes und andererseits, soweit die Bekämpfung der 
schädlichen Arten in Frage kommt, einen einer Wissenschaft nicht würdigen 
Empirismus zum Vorwurf machen muss. Die physiologische Erforschung 
der vorliegenden Fragen, welche auf diesem Gebiet mehr als in anderen 
Zweigen der Biologie am Platze wäre, hat man bis jetzt vollkommen aus¬ 
geschlossen. Und doch würde sie für die Lösung vieler Probleme von 
Nutzen sein, denn sie würde uns oft in den Kern der Sache führen. 

Wenn nun aber ein Gegenstand geeignet ist, die in der Schädlings¬ 
forschung bestehenden Verhältnisse zu kennzeichnen, so ist es sicherlich 
die Art der Bekämpfung der Schädlinge. Täglich werden neue Mittel er¬ 
dacht und angewandt, höchst selten ist es aber geschehen, dass man sich 
auch nur die Frage vorgelegt hat, welches die physiologische Wirkung 
des Insektizids ist. Die Pharmakologie als Teil der Schädlingsforschung 
existiert eben noch nicht. Aber nur durch Verlassen dieser unwissen¬ 
schaftlichen Behandlung des Gegenstandes und Einführung wissenschaft¬ 
licher Arbeitsmethoden kann man bessere Resultate von der Bekämpfung 
der Schädlinge erhoffen. 

Die naturhistorische Erforschung der schädlichen Arten oder den 
äusseren Gang ihrer Entwicklung und ihrer Lebensverhältnisse kann man 
bis jetzt wohl als den alleinigen wissenschaftlichen Teil der Schädlings¬ 
forschung bezeichnen. Es ist aber leicht zu verstehen, dass er keineswegs 
genügt. Das zahlreiche Auftreten von schädlichen Insekten in gewissen 
Jahren und ihr Verschwinden in andern ist eine Erscheinung, welche für 
die Praxis von grösster Wichtigkeit ist, welche aber nur in der Weise 
gelöst werden kann, dass wir die Vorgänge im Organismus der Tiere und 
ihrer Entwicklungsstadien zu erkennen suchen. Schon in der ersten 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 187 

Arbeit, welche sich auf die „Physiologischen Untersuchungen an Insekten“ 
bezog (vgl. Jahresbericht 1905), habe ich mich mit dieser Frage beschäftigt. 
Sie betraf speziell den Einfluss der Sommerwärme auf die Insektenlarven. 
Ein anderer Gegenstand von gleichfalls grosser Bedeutung ist das Ver- * 
Wandlungsproblem. Wie sollen wir imstande sein, das Kommen und Gehen 
der Schädlinge zu beurteilen, wenn wir nicht wissen, welche physiologischen 
Vorgänge sich bei der Verwandlung im Organismus abspielen und wie 
auf diese Vorgänge äussere Faktoren zurückzuwirken imstande sind. 
Die Winzer wissen alle, dass sich der gefürchtete Heuwurm bei Nahrungs¬ 
mangel — wenn die Blüte schnell vorübergeht — vor der Zeit verwandelt. 
Weshalb verwandelt er sich aber vor der Zeit bei Nahrungsmangel? Mit 
dieser Frage stehen wir bereits im Herzen des Verwandlungsproblems, 
der physiologischen Vorgänge, deren Resultat die Verwandlung ist. 

Dass die Geschlechtsverhältnisse gleichfalls zu den wichtigsten 
Fragen der Schädlingsforschung gehören, geht schon aus den in den Fang- 
und Bekämpfungsberichten niedergelegten Mitteilungen über die Prozent¬ 
zahlen der Geschlechter, die Zu- und Abnahme eines Geschlechts in den 
verschiedenen Jahren, das frühere oder spätere Auftreten der Männchen 
und Weibchen und über viele ähnliche Fragen hervor. Bisher beschäftigte 
man sich nur mit der äussern Seite dieser Erscheinungen, während ein 
tieferes Eindringen in das Problem vermisst wird. 

Wenn sich nun die Schädlingswissenschaft in der bezeichneten 
Weise orientieren würde, würde sie nicht allein sich selbst nützen, sondern 
sie würde auch zum Fortschritt der Biologie im allgemeinen beitragen. 
Wie ich schon in einem voraufgehenden Jahresbericht (1909) sagte, hat 
die heutige biologische Bewegung ihren Anstoss von der praktischen, 
medizinischen und technischen, Forschung erhalten und ist von ihr be¬ 
fruchtet worden. Und dieses kann nicht Wunder nehmen, denn die Praxis 
ist der Prüfstein für die Güte der gewonnenen wissenschaftlichen Resultate, 
die sie aller Theorie und Scholastik entkleidet. Ihr Weg führt uns not¬ 
wendigerweise zu den Kardinalfragen des Lebens. 

Nr. 4.*) Untersuchungen über die Verwandlung von Insektenlarven. 

Einer der wichtigsten Vorgänge im Leben der Insekten bildet die 
Verwandlung, der Vorgang, durch den die Larve in das Stadium der Puppe 
oder Nymphe übergeht. Für die meisten schädlichen oder unschädlichen 
Arten sind die äusseren Verhältnisse (Zeit, Ort usw.) bekannt, unter denen 
sich dieser Prozess vollzieht. Ebenso sind seit den Untersuchungen von 
Weismann die bei der Verwandlung in Frage kommenden histologischen 
Veränderungen von zahlreichen Forschern eingehend untersucht worden. 
Dagegen ist aber das Studium der physiologischen Vorgänge, die sich bei 
der Verwandlung abspielen, bisher nur von einigen wenigen Personen unter¬ 
nommen worden. Denn ausser den Arbeiten von E. Bataillon und von 
mir liegen wohl nur vereinzelte experimentelle Beobachtungen vor. Ich 

*) Vergl. Nr. 1—3 in den voraufgehenden Berichten. 


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188 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

habe die Serie meiner Untersuchungen über diesen Gegenstand vor etwa 
15 Jahren unabhängig von Bataillon begonnen und seit dieser Zeit ge¬ 
legentlich fortgesetzt. 

Es schien mir zum Abschluss meiner Beobachtungen noch notwendig 
zu sein, durch Versuche festzustellen, wie sich die zur Verwandlung 
schreitenden Larven gegenüber einer mit Feuchtigkeit gesättigten und einer 
ihres Sauerstoffs beraubten Atmosphäre verhalten. Als Versuchsobjekt 
dienten die Raupen des Kohlweisslings, Pieris brassicae. 

r. Verwandlung in feuchter Atmosphäre. 

Um den Einfluss einer feuchten Atmosphäre auf die Verwandlung der 
Raupen zu beobachten, wurde folgende Einrichtung getroffen (Abb. 24). Man 
wählte einen Lampenzylinder von 26 cm Höhe und 28 mm Durchmesser am 
schmalen Ende. Dieses letztere wurde mit einem Kork (e) fest verschlossen. 

Raupen, welche aufgehört hatten zu fressen 
und sich verwandeln wollten, wurden in 
den Zylinder gebracht, in dem sie empor¬ 
stiegen und sich festspannen ( f ). In das 
Zylinderrohr (a) steckte man eine Rolle (d) 
aus Fliesspapier und feuchtete sie an. 
Ausserdem wurden in einen kleinen Vogel¬ 
napf aus Glas (c) Fliesspapierstücke (g, h) 
gesteckt und auf das Fliesspapier und in 
den Napf wurde etwas Wasser gegossen. 
Der Napf passte in den unteren weiten 
Teil ( b ) des Lampenzylinders und wurde 
für den Versuch in diesen gestellt. Bald 
erfüllte sich das Innere des Zylinders mit 
Wasserdampf und Wassertröpfchen be¬ 
deckten seine Innenfläche. Diese Versuche 
führten zu folgenden Resultaten. 

. Da, wo nur 1 Raupe im Zylinder war, 
verwandelte sich diese zu einer normalen 
Puppe. Von im ganzen 35 Versuchen war 
dieses in allen 14 Versuchen mit 1 Raupe der Fall. Schon bei 2 Raupen ver¬ 
lief die Verwandlung anfangs nicht mehr glatt, da man 1 normale Puppe und 

1 unvollkommene Puppe erhielt. Später (im November) scheint die Empfind¬ 
lichkeit der Raupen abgenommen zu haben. Denn in 4 Versuchen mit 2, 

2 Versuchen mit 3 und in 1 Versuch mit selbst 5 Raupen kamen alle 
Exemplare zur normalen Verwandlung. Es handelt sich in diesen Fällen 
aber auch nur um 7 Versuche von 21 Versuchen, in denen mehr als 
1 Raupe im Zylinder war. Mithin verwandelte sich in 14 solcher Ver¬ 
suche ein Teil der im Zylinder angesponnenen Raupen nicht oder unvoll¬ 
kommen. Man erhielt in den 35 im ganzen angestellten Versuchen: 


9 


(SrVäa- 


■s 


Abb. 24. 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 189 


von 


77 


77 

77 


77 


1 Raupe 1 Puppe. 

2 Raupen 1 „ und 1 unvollkommene Puppe 

2 „ 1 „ und 1 tote Raupe .... 

2 „ 2 Puppen. 

3 „ 2 „ und 1 tote Raupe . . . . 

3 „ 1 Puppe, 1 unvollkommene Puppe und 

1 tote Raupe. 

3 ,, 2 Puppen und 1 unvollkommene Puppe 

3 »i 3 „ . 

4 „ 3 „ und 1 tote Raupe . . . . 

5 „ 3 und 2 tote Raupen .... 


77 


77 


5 

7 


77 

77 


5 

4 


77 

77 


und 3 tote Raupen . 


78 Raupen 


in 14 Versuchen. 



77 

77 


77 


1 

1 

2 

2 

1 

1 

1 


35 Versuche. 


Die Erscheinung, dass in dem Zylinder bei Gegenwart von mehr als 

I Raupe die Verwandlung unsicher wird und ein Teil der Raupen abstirbt, 
kann man nicht auf Rechnung der Feuchtigkeit setzen, denn die vermehrte 
Ausscheidung von Wasserdampf durch ein paar Raupen ist gegenüber der 
grossen Menge von im Zylinder bereits vorhandenem Wasserdampf nicht 
in Anschlag zu bringen. Es handelt sich in diesen Versuchen offenbar 
um das zur Verfügung stehende Quantum Luftsauerstoff oder auch um von 
den Raupen ausgeatmete toxische Substanzen, welche hier vielleicht um 
so schädlicher wirken, als sie sich mit dem Wasserdampf auf den Raupen 
niederschlagen. Jedenfalls Hegt hier eine gegenseitige Beeinflussung der 
Raupen vor, die aber nicht die Ausscheidung von Wasserdampf betrifft. 
Sonderbar bleibt es aber, dass oft. 1 Raupe die Verwandlung unterlässt, 
gleichgültig ob dabei 2, 3 oder 4 Raupen im Zyünder waren. 

a. Verwandlung bei beschränkter Atmung. 

Bataillon ist der Meinung, dass die Verwandlung der Raupe durch 
eine starke Ansammlung von Kohlensäure im Organismus veranlasst wird. 
Ich habe dagegen schon früher gezeigt, dass unter Luftabschluss gehaltene 
Insektenlarven (auch bei Gegenwart von Chlorcalcium, welches die Feuchtig¬ 
keit absorbiert) sich nicht verwandeln. Die folgenden Versuche beziehen 
sich gleichfalls auf diesen Punkt. Sie zeigen, dass, wenn man den Luft¬ 
sauerstoff durch alkalische Pyrogallussäure entfernt oder in den Rezipienten 
Kohlensäure einführt, die Verwandlung unterbleibt. Schliesslich wurde 
diese noch dadurch aufgehoben, dass die Atmung der Gewebe der Raupe 
durch die Gegenwart von Blausäure in der Luft herabgesetzt wurde. 

a) Entziehung des Luftsauerstoffs durch alkalische 
Pyrogallussäure. 

Als Rezipient wurde ein grosses Pulverglas von 1 l 650 ccm Inhalt und 

II cm Durchmesser der Bodenfläche gewählt. In dieses setzte man die 
Raupen, welche sich an der Wand des Glases anspannen. Um die Feuchtigkeit 


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190 


in. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


im Innern des Glases zu vermindern, goss man mittels eines Trichters 
mit langem Ausflussrohr rohe Schwefelsäure auf den Boden des Pulver¬ 
glases oder ersetzte solche durch Stücke von Chlorcalcium. An einem 
Faden liess man darauf ein weithalsiges Gläschen mit alkalischer Pyrogallus- 
säure in das Gefäss herab. Die Lösung der Pyrogallussäure bestand aus 
100 ccm dest. Wasser, 12,5 g Natriumhydroxyd und 5 g Pyrogallussäure. 
Der Verschluss des Pulverglases wurde durch einen tief eingeschobenen 
Kork bewirkt, auf den man eine hohe Schicht von Vaselin oder besser 
Wollfett (Lanolin) brachte. 

Die unter normalen Verhältnissen befindlichen Raupen von Pieris 
brassicae verwandelten sich in 2—27a Tagen nach dem Festspinnen. 

a) Die Feuchtigkeit im Behälter wird durch rohe Schwefelsäure entfernt. 

Pyrogallussäure 100 ccm. 20 Raupen angesponnen, 8. 11. 11. Am 
9. 11. 11 morgens sind sämtliche Raupen da, wo der Gürtel den Leib 
umfasst, übergefallen und hängen herab. Die Raupen sterben ab ohne 
Anfang von Verwandlung. — Pyrogallussäure 80 ccm. Eine grosse Anzahl 
von Raupen hat sich festgesponnen. 8. 11. 11 abends. Am 9. 11. 11 
morgens bewegen die Raupen den Vorderkörper langsam hin und her. Da 
der Verschluss nicht dicht zu sein scheint, wird nochmals eine Schicht 
Vaselin aufgetragen; darauf sind am 9. 11. 11 abends fast alle Raupen 
übergefallen. Absterben ohne Verwandlung. — Pyrogallussäure 25 ccm. 
18 Raupen angesponnen. 20. 11. 11 nachmittags. Am 20. 11. 11 abends 
sind die Raupen sehr unruhig und bewegen den Vorderkörper hin und her. 
Am 21. 11. 11 morgens bewegen sie sich noch. Am 22. 11. 11 mittags 
bewegen sich noch verschiedene Raupen, wenn das Glas vorsichtig er¬ 
schüttert wird. Verschiedene der übergefallenen Raupen suchen sich wieder 
aufzurichten. Am 23. 11. 11 geben die Raupen kein Lebenszeichen mehr 
von sich. Am 20. 11. 11 sind alle ohne Verwandlung abgestorben. — 
Pyrogallussäure 10 ccm. 4 Raupen angesponnen. 27. 11. 11. Am 28. 11. 11 
rühren sich die Raupen; eine Raupe fällt im Laufe des Tages über. Am 
29. 11. 11 sind 2 normale Puppen und 2 abgestorbene Raupen vorhanden. 

ß) Die Feuchtigkeit im Behälter wird durch Chlorcalcium entfernt. 

Pyrogallussäure 40 ccm. 16 Raupen angesponnen. Versuch dauert 
vom 6. 12. 11 mittags bis 12. 12. 11 morgens. Sämtliche Raupen waren 
abgestorben, ohne sich zu verwandeln. Schon am 6. 12. 11 abends hing 
die Hälfte der Raupen über. — Pyrogallussäure 40 ccw. 3. 10. 12: 
17 Raupen angesponnen; einige Raupen, die sich bereits zusammengezogen 
hatten; mehrere Raupen krochen noch umher. Am 7. 10. 12 waren alle 
Raupen ohne jeden Anfang von Verwandlung abgestorben. — Pyrogallus¬ 
säure 30 ccm. 7 Raupen von Vanessa urticae angesponnen, 1. 8. 12. Am 
2. 8. 12 war bei einer Raupe am Nacken die Haut zur Verwandlung auf¬ 
gesprungen. Sonst weiter keine Veränderungen. Die Raupen starben 
sämtlich ohne Verwandlung ab. — Pyrogallussäure 30 ccm. 16 Raupen 
angesponnen. Versuch vom 3. 10. 12 bis 7. 10. 12. Nur eine Raupe am 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 191 


Nacken ein ganz klein wenig aufgesprungen. Alle Eaupen sterben ohne 
Verwandlung ab. — Pyrogallussäure 30 ccm. 18 Eaupen sind gegenwärtig. 
Nach Verschluss des Glases sind nicht alle Eaupen festgesponnen; einige 
spinnen noch und gehen umher, 19. 9. 12. Am 20. 9. 12: 1 Eaupe 
spinnt den Gürtel. Am 21. 9. 12: 1 Eaupe kriecht noch etwas, 2 Eaupen 
sind auf dem Nacken aufgesprungen, sonst weiter keine Veränderung. Die 
festgesponnenen Eaupen fallen am Gürtel über, die nicht festgesponnenen 
sind tot herabgefallen. Schluss des Versuchs am 24. 9. 12. — Pyrogallus¬ 
säure 25 ccm. 18 Eaupen festgesponnen. Versuch vom 8. 12. 11 mittags 
bis 12. 12. 11 mittags. Am 10. 12. 11 mittags rührte sich noch 1 Eaupe 
bei Erschütterung des Glases. Alle Eaupen starben ohne Verwandlung 
ab. — Pyrogallussäure 25 ccm. 21 festgesponnene und mehrere noch freie 
Raupen. Versuch vom 9. 10. 12 bis 15. 10. 12. Am 10. 10. 12 rühren sich 
die Eaupen. Es sind entstanden: 1 Puppe, 1 Puppe zur Hälfte heraus- 
gekoramen, 1 Eaupe am Nacken etwas aufgesprungen. Später keine 
Änderung. Absterben der Eaupen. — Pyrogallussäure 25 ccm. 22 Eaupen 
angesponnen, 14. 9. 12 abends. Am 15. 9. 12 abends rühren sich viele 
Raupen auf Erschütterung. Am 16. 9. 12 nachmittags dasselbe; ausserdem 
sind 4 Raupen am Rücken ein wenig aufgesprungen. Darauf wird am 
17. 9. 12 abends das Glas geöffnet. Infolgedessen sind am 18. 9. 12 morgens 
vorhanden: 1 Puppe, 1 Puppe zum grossen Teil herausgekommen, 7 Eaupen 
am Nacken aufgesprungen. Am 18., 19. 9. 12 und den folgenden Tagen 
rühren sich verschiedene Eaupen bei Erschütterung; es entstehen aber keine 
normalen Puppen mehr, sondern die Raupen chitinisieren sich unter der 
Raupenhaut. In der Zeit vom 14.—17. 9. 12 hatte die Entziehung des 
Sauerstoffs die Raupen bereits so weit geschädigt, dass sie nach Sauerstoff¬ 
zufuhr nur einen Anfang von Verwandlung zeigten. — Pyrogallussäure 
20 ccm. 13 angesponnene Eaupen und mehrere noch freie Raupen, 28. 9. 12. 
Am 29. 9. 12 morgens haben von 13 angesponnenen Raupen 4 Exemplare 
eine Puppe gegeben. Darauf hörte die normale Verwandlung auf. Am 
30. 9. 12 sind 5 Raupen mit aufgesprungenem Nacken vorhanden; der 
Sauerstoff im Glase hatte für eine normale Verwandlung nicht mehr aus¬ 
gereicht. Dabei war aber noch genug Sauerstoff vorhanden, damit die 
Eaupen am Leben blieben. Denn die nicht verwandelten Raupen, besonders 
die freien, bewegten noch bei Erschütterung des Glases den Kopf hin und 
her, sassen aber da wie eingeschlafen. Die freien Eaupen hatten das 
Spinnen nicht fortgesetzt. Am 1. 10. 12 erhielt man folgendes Resultat: 
Die freien Raupen waren tot auf den Boden gefallen oder hingen mit den 
hinteren Füssen festgehakt schlaff und tot herab. Die angesponnenen, 
nicht verwandelten Raupen waren am Gürtel übergefallen. Die 4 ent¬ 
standenen Puppen waren weich und in keiner Weise ausgefärbt. Sie be- 
sassen noch die getigerte Fleckung einer ausgeschlüpften Puppe. Innerhalb 
der ersten 24 Stunden war mithin für eine normale Verwandlung genug 
Sauerstoff vorhanden. Innerhalb der weiteren 24 Stunden genügte der 
vorhandene Sauerstoff nur für einen Anfang von Verwandlung einiger 


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192 


111. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


Exemplare. Nach nochmals 24 Stunden hingen die Raupen herab, waren 
tot. — Pyrogallussäure 20 ccm. 24 Raupen mit Gürtel, 11. 10. 12. Am 
13. 10. 12 waren 10 Raupen am Rücken aufgeplatzt; bei 3 Exemplaren 
war der grössere Teil der Puppe hervorgekommen. Bis zum 15. 10. 12 
sind alle sonstigen Raupen ohne Anfang von Verwandlung abgestorben. — 
Pyrogallussäure 10 ccm. 24 Raupen festgesponnen, 14. 9. 12 abends. Am 
15. 9. 12 sind bereits 3 Puppen vorhanden; am 16. 9. 12: 16 Puppen; am 
17. 9. 12 sind alle 24 Raupen normal verwandelt. — Pyrogallussäure 10 ccm. 
Das Glas war etwas kleiner; es enthielt 1 l 250 ccm. 27 Raupen an¬ 
gesponnen, 15. 9. 12. Am 16. 9. 12 abends sind bereits 6 Puppen vor¬ 
handen; am 17. 9. 12 morgens 16 Puppen. Am Abend desselben Tages 
sind alle Raupen bis auf einige wenige Exemplare, die unverpuppt bleiben, 
verwandelt. Alle Puppen blieben jedoch weich und hatten die gefleckte 
Zeichnung der auskommenden Puppe. 

Aus diesen Versuchen geht hervor, dass bei Entziehung von Sauerstoff 
durch alkalische Pyrogallussäure die zur Verwandlung reifen Raupen nicht 
sogleich getötet werden, dass sie aber nach und nach absterben, ohne sich 
zu verwandeln; dass ferner die Verwandlung in dem Mafse zunimmt, als 
die Menge der Pyrogallussäure abnimmt. Bei der mitgeteilten Grösse des 
verschlossenen Glases beginnt sie deutlich bei 25—30 ccm der benutzten 
Lösung von Pyrogallussäure. Die Gegenwart von 10 ccm Pyrogallussäure 
vermag die Verwandlung kaum mehr zu verhindern, sie ist aber der 
Chitinisierung der entstandenen Puppe hinderlich. 

b) Einführung von Kohlensäure in die Atmosphäre. 

In einem grösseren Erlenmeyerschen Kolben von 800 ccm Inhalt 
wurden zur Verwandlung reife Raupen von Pieris brassicae gesetzt. Als 
sie sich festgesponnen und den Gürtel angelegt hatten, wurde mittels eines 
Trichters mit langem Rohr auf den Boden des Kolbens rohe Schwefelsäure 
gebracht. Darauf setzte man den Kolben mit einem Entbindungsapparat 
in Verbindung, in dem man Kohlensäure entwickelte. Die Kohlensäure 
strich durch eine Waschflasche und darauf durch konzentrierte Schwefel¬ 
säure. Man leitete längere Zeit hindurch und wiederholte die Durchleitung 
der Kohlensäure während des Versuches. In dieser Weise wurden folgende 
Versuche angestellt. 

Versuch vom 29. 10. 11 bis 3. 11. 11; 10 angesponnene Raupen. So¬ 
bald die Raupen das Gas merkten, wurden sie unruhig. Nach einigen 
Tagen fielen sie über und starben ab, ohne sich zu verwandeln. — In 
einem weitem Versuch wurde der Kolben durch ein grosses Pulverglas 
von 1 l 700 ccm Inhalt ersetzt. Die sonstige Anordnung des Versuches 
blieb dieselbe. Versuch vom 31. 10. 1L bis 3. 11. 11; 15 angesponnene 
Raupen. Die Raupen starben ab, ohne sich zu verwandeln. — Dieselbe 
Anordnung des Versuches; um den Versuch zu variieren, wurde aber die 
Schwefelsäure auf dem Boden des Behälters weggelassen. 27 Raupen, von 
denen 9 Exemplare noch nicht angesponnen waren. Der Versuch dauerte 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 193 


nur 24 Stunden: vom 1.11.11 bis 2.11. 11. Die freien, nicht angesponnenen 
Raupen liessen sich herabfallen. Am 2. 11. 11 wurden alle Raupen aus 
dem Pulverglas genommen und aufbewahrt. Eine Raupe erholte sich, starb 
aber. Die Haut der Raupen chitinisierte sich, zu einer Verwandlung kam 
es aber bei keiner Raupe. Der Aufenthalt von 24 Stunden in der Atmo¬ 
sphäre von Kohlensäure hatte genügt, um eine spätere Verwandlung zu 
verhindern. 

Für andere Versuche benutzte man folgende Anordnung. Als Rezipient 
diente ein grosses Pulverglas wie vorher (Abb. 25). In diesem liess man sich 
die Raupen festsetzen und anspinnen (i). Dann wurde auf den Boden des Pulver¬ 
glases etwas rohe Schwefelsäure gegossen (h) und ein kleines Gläschen (e) 
mit reinem doppelkohlensauren Natrium ( g) 
und etwas Wasser (/) gestellt. Durch den 
Kork ( a ) ging ein Eingussrohr (c) mit 
Trichter und Hahn, dessen unteres Ende 
in das Gläschen mit doppelkohlensaurem 
Natrium reichte. Ausserdem ging durch 
den Kork ein Abzugsrohr (d). Der Kork 
wurde tief eingedrückt und auf ihn eine 
hohe Schicht von Wollfett oder einer 
Mischung von Vaselin und Wachs ( b) ge¬ 
bracht. Wenn der Versuch beginnen sollte, 
wurde durch den Trichter tropfenweise 
verdünnte reine Schwefelsäure eingegossen, 
worauf die entstandene Kohlensäure den 
Apparat erfüllte. Nach Beendigung der 
Gasentwicklung wurde das Abzugsrohr 
(d) am Ende abgeschmolzen. Es wurden 
in dieser Weise folgende Versuche an- 
gestellt. 

Grössere Anzahl von Raupen, angesponnene und nicht angesponnene. 
10. 10. 12. Während der Entwicklung der Kohlensäure fallen die nicht 
angesponnenen Raupen herab. Die angesponnenen Raupen sind nach kürzerer 
Zeit übergefallen. Am 12. 10. 12 rühren sich noch verschiedene Raupen. 
Am 15. 10. 12 waren alle Raupen abgestorben, ohne einen Anfang von 
Verwandlung gezeigt zu haben. — 19 angesponnene Raupen, einige spinnende 
und mehrere nicht angesponnene Raupen. Die Menge des doppelkohlen¬ 
sauren Natriums war 10 g. Versuch dauert vom 19. 10. 12 bis 22. 10. 12. 
24 angesponnene Raupen, einige spinnende und mehrere freie Raupen. 
5 g doppelkohlensaures Natrium. Versuch vom 19. 10. 12 bis 22. 10. 12. 
Das Resultat dieser beiden Versuche war dasselbe wie vorher. Es trat 
keine Verwandlung ein. — 20 angesponnene Raupen, 1 spinnende Raupe, 
einige freie Raupen. 1 g doppelkohlensaures Natrium. Versuch vom 
23. 10. 12 bis 27. 10. 12. Am 25. und 26. 10. 12 rühren sich noch einige 
Raupen. Alle Raupen sterben ohne Verwandlung ab. 

Geisenheimer Jahresbericht 1912. 13 



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194 IIL Bericht aber die T&tigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

Da in den verschiedenen Versuchen unter a) und b) im Rezipienten 
rohe Schwefelsäure vorhanden war, wurde ein Versuch angestellt, um 
zu sehen, ob sie auf die Verwandlung hindernd wirkt (zu grosse Trocken¬ 
heit usw.). 

In einem Pulverglas von dem obigen Inhalt liess man sich 6 Raupen 
anspinnen. Man brachte darauf die Schwefelsäure auf den Boden und 
stellte einen sorgfältigen Verschluss her. 26. 10. 12. Am 29. 10. 12 sind 
gleichzeitig 5 Raupen verwandelt. Eine Raupe war von der Schwefelsäure 
benetzt und starb. 

c) Einführung von Blausäure in die Atmosphäre. 

Im Anschluss an die unter a) und b) erwähnten Versuche wurden 
noch solche ausgeführt, in denen nicht die umgebende und daher ein¬ 
geatmete Luft des Sauerstoffs verlustig ging, sondern in denen das Innere 
der Raupe in der Weise verändert wurde, dass die Sauerstoffsaufnahme 
durch die Gewebe herabgesetzt wurde. Dieses geschah durch Einführung 
von Blausäure in den Rezipienten. 

Ich habe bereits an verschiedenen Stellen meiner Veröffentlichungen 
angegeben, dass die Gegenwart von Blausäure in der Atmosphäre die Ver¬ 
wandlung verhinderte oder in einigen Fällen ganz unvollständige Puppen 
hervorrief. Diese Erscheinung erklärte ich durch die Verminderung der 
Fähigkeit der Gewebe, Sauerstoff zu binden. Es ist recht schwer, die¬ 
jenige Menge Blausäure zu treffen, bei der die Raupen längere Zeit am 
Leben bleiben. Ist die Menge zu gross, so gehen sie sogleich zugrunde; 
ist sie zu klein, so bleibt sie ohne Einfluss auf die Raupen und die Ver¬ 
wandlung. Unter vielen Versuchen gelingen daher nur wenige. Sie ver¬ 
langen ausserdem sehr grosse Sorgfalt und beständige Überwachung. 

In einem grossen Pulverglas wie vorher liess man sich die Raupen 
von Pieris brassicae anspinnen. Auf dem Boden des Glases stand ein 
kleines Gläschen mit Cyankali, welches sich an der Luft zersetzte und 
Blausäure lieferte. Das Pulverglas blieb unverschlosen, und nur im Falle, 
dass sich solches als notwendig erwies, wurde seine Öffnung teilweise mit 
einer kleinen Glasplatte bedeckt. 

Beginn des Versuches am 16. 11. 11 mittags. Am 18. 11. 11 
abends begann die Verwandlung bei allen bis auf 1 Raupe, bei der sie 
sich am 19. 11. 11 einstellte. Die Verwandlung der Raupen war ganz 
unvollkommen. Die Nackenhaut war geplatzt und ein grösseres oder 
kleineres Stück des Rückens einer Puppe war sichtbar geworden. Ein 
Exemplar hatte die Raupenhaut abgestreift. Die Flügelscheiden waren 
aber bei ihm ganz kurz geblieben und die Körperform war rund wie bei 
einer soeben entstandenen Puppe. Am 20. 11. 11 befanden sich alle 
Exemplare in unverändertem Zustande. An sämtlichen zutage getretenen 
Puppenteilen war die Chitinhaut vollkommen weich geblieben. Solche 
Gebilde erhielt ich früher auch unter Luftabschluss. 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 195 


Das Resultat dieses Versuches stimmt mit dem meiner früheren Ver¬ 
suche mit Blausäure überein. 1 ) 

Aus den unter a) b) und c) auf geführten Versuchen geht hervor, dass 
der Sauerstoff für die Verwandlung ein durchaus notwendiger Faktor ist 
und dass die Verwandlung unterbleibt, wenn er in der Atmungsluft fehlt 
oder wenn die Gewebe der Raupe in einen Zustand versetzt sind, in dem 
sie die Fähigkeit, Sauerstoff aufzunehmen, verlieren. 

Nr. 5. Chemische Verschiedenheit der Blutflüssigkeit der Geschlechter 

bei Insekten. 

Die Differenzierung der Lebewesen in männliche und weibliche Indi¬ 
viduen ist eine Erscheinung, welche die ganze Organismenwelt beherrscht 
und sich auch bei dem Auftreten und der Ausbreitung der Schädlinge 
vielfach geltend macht. Es ist daher auch vom Standpunkt der angewandten 
Zoologie aus der Mühe wert, dieser Frage näher zu treten. Während man 
sie nun aber im allgemeinen experimentell und mehr oder minder empirisch 
behandelt, habe ich es versucht, sie auf biochemischem Wege zu studieren. 
Bereits in einem früheren Jahresbericht (Geisenheimer Jahresbericht für 
1909, S. 107, Nr. 2) habe ich in diesem Sinne berichtet. Es seien hier 
weitere Beobachtungen mitgeteilt. Diese bezogen sich auf die verschiedene 
Fähigkeit des Blutes (Hämolymphe) männlicher und weiblicher Insekten¬ 
puppen, Farbstofflösungen, die als Indikatoren dienten, zu reduzieren. 

Die Versuche wurden in vollkommen gefüllten und festverschlossenen 
Fläschchen angestellt, welche die zu entfärbende Flüssigkeit enthielten, 
der etwas Blutflüssigkeit der Puppe zugefügt war. Des Vergleiches halber 
musste die Menge der gefärbten Flüssigkeit sowie der Blutflüssigkeit für 
beide Geschlechter in jedem einzelnen Falle die gleiche sein. Zur bessern 
Prüfung der Veränderung des Indikators wurden die Fläschchen einerseits 
bei durchfallendem Licht und andererseits auf einem weissen Bogen Papier 
betrachtet. 

1. Indikator: Lösung von Indigocarmin. 

Saturnia pavonia, 2. Febr., Indikator 5 ccm, Blut 1 / 2 ccm, W s ) ganz 
grün, M grünlich-blau, sehr grosser Unterschied. — S. pavonia, 6.-9. Febr., 
Indikator 20 ccm, Blut 1 ccm, M viel blauer als W, Unterschied deutlich, 
so dass eine Verwechslung von W und M nicht möglich ist, besonders 
wenn man die Fläschchen gegen Licht hält. — S. pyri, 23. Febr., Indi¬ 
kator 8 ccm, Blut 1 ccm, W etwas mehr abgeblasst als M. — S. pyri, 
23.—28. Febr., Indikator 16 ccm, Blut 1 ccm, W sogleich grün, M bleibt 
blau, ein wenig grünlich, Unterschied stark. — S. pyri, 24.—28. Febr., 
Indikator 34 ccm, Blut 1,5 ccm, deutlicher Unterschied, W grünlicher 

J ) Versuche mit Raupen von Buproctis chrysorrhoea, die ich in diesem Sommer 
(1913) wiederholt habe, haben die Resultate der obigen sowie früherer Versuche 
bestätigt. 

*) W = Mischung von weiblichem Blut oder Weibchen; M = Mischung von 
männlichem Blut oder Männchen. 

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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


als M. — S. pyri, 23.—28. Febr., Indikator 37 ccm, Blut 2 ccm. Es 
wurde 1 g feingemahlener Schwefel (reagierte neutral, wenn er angefeuchtet 
wurde. Es handelte sich nicht um Schwefelblüte, die angefeuchtet sauer 
reagierte) zugefügt. W deutlich grüner als M. 

2. Indikator: Lösung von Fuchsin. 

S. pyri, 26.—28. Febr., Indikator 8 ccm, Blut l 8 / 4 ccm. Der Fuchsin¬ 
lösung war Fluorammon zugefügt. W erhält sogleich einen braunen 
Farbenton. Deutlicher Unterschied. — S. pyri, 26.—28. Febr., Indikator 
8 ccm, Blut 1 ccm. Zusatz von Fluorammon. W sogleich bräunlich. 
Recht deutlicher Unterschied. — S. pyri, 23.-28. Febr., Indikator 8 ccm, 
Blut 2 ccm. Ohne Zusatz von Fluorammon. W sogleich bräunlich, grosser 
Unterschied. — S. pyri, 26.—28. Febr., Indikator 16 ccm, Blut 2 ccm. 
Ohne Zusatz von Fluorammon. Unterschied deutlich, aber nicht bedeutend; 
die Fuchsinlösung war stark konzentriert. 

3. Indikator: Lösung von Methylviolett. 

S. pyri, 29. Febr. bis 11. März, Indikator 10 ccm, Blut 2 ccm, Zusatz 
von Fluorammon. M ein wenig rötlich; W dunkler und mehr bläulich. 
Der Unterschied war sehr auffällig, als man den Inhalt in je ein Porzellan¬ 
tiegelchen goss. Wenn man eine Lösung von Methylviolett oxydiert, so 
wird sie rosenrot. Zu einem solchen Zweck schüttet man eine Lösung 
von Permanganat in ein Reagenzglas, giesst die Lösung aus, so dass von 
ihr etwas an der Wandung des Glases haftet und füllt das Reagenzglas 
zur Hälfte mit einer Lösung von Methylviolett. Diese wird zuerst aus¬ 
gesprochen violett, dann mehr rosenrot und schliesslich etwas bräunlich. 
Kocht man umgekehrt eine Lösung von Methylviolett mit Schwefelkalium, 
so wird sie ausgesprochen blau, infolge der Reduktion. — Deilephila 
euphorbiae, 22.—28. März. Zwei Gläschenpaare. Indikator 15 ccm, Blut 
2 ccm. Etwas von der Flüssigkeit wird in Porzellantiegelchen gegossen 
und dem Sonnenlicht zugekehrt. M rötlich (oxydiert), W blau (reduziert). 

4. Indikator: Lösung von Methylenblau. 

S. pavonia. 9. Febr. Indikator 10 ccm, Blut 1 ccm. M sogleich 
mehr abgeblasst als W. 13. Febr. M fast farblos, W noch ein wenig 
grünlich. — D. euphorbiae. 15. März. Indikator 10 ccm, Blut 2 ccm. 
M und W ziemlich blau. 16. März. W grünlich; M grünlich, aber ganz 
abgeblasst. Bei M ist die Reduktion sehr viel weiter. — D. euphorbiae. 
16. März. Indikator 10 ccm, Blut 1 ccm. 17. März. Beide grün. 18. März. 
Beide fast farblos. — D. euphorbiae. 17. —19. März. Indikator 10 ccm, 
Blut 1,2 ccm. M grün; W blaugrün, dunkler. Bedeutender Unterschied.— 
D. euphorbiae. 23. März. Indikator 15 ccm, Blut 2 ccm. Zusatz von 
Fluorammon. 3 Gläschenpaare (a, b, c). 23. März, a) W grün, M blau, 

b) M grünlich, W bläulich, c) Unterschied unbestimmt. 24. März, a) M blau, 
W grün, b) M grün, W blau, c) M grün, W blaugrün. 26. März, c) M fast 
farblos, W noch schön grün. 31. März, a) Beide abgeblasst. M grün, 
W blaugrün, b) M abgeblasst, W grüner. 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 197 


Das Verhalten der männlichen und der weiblichen Blutflüssigkeit 
gegenüber gefärbten Indikatoren kann man in folgender Weise zusammen¬ 
fassen. Die weibliche Blutflüssigkeit reduziert die Indikatorflüssigkeit 
stärker als die männliche; bei Methylenblau findet das umgekehrte Ver¬ 
hältnis statt (bis auf den Fall von D. euphorbiae. 23. März. Gläschen¬ 
paar a), aber nur bei Beginn). In einer Anzahl von Versuchen, die ich mit 
dem Glyzerinextrakt der diözischen Pflanze Lychnis dioica anstellte, redu¬ 
zierte der männliche Extrakt die Lösung von Methylenblau gleichfalls stärker 
als der weibliche Extrakt. 

In den Mischungen von Blut und Indikatorflüssigkeit bildeten sich 
Niederschläge, welchen besonders bei S. pavonia und S. pyri Beachtung 
geschenkt wurde. Nach einiger Zeit, etwa 30 Minuten nach Vermischung 
des Blutes und der Indikatorflüssigkeit, trübt sich der Inhalt der verkorkten 
Fläschchen; das Aussehen der männlichen Flüssigkeit ist aber ganz ver¬ 
schieden von dem der weiblichen Flüssigkeit. Die letztere bleibt lange 
trüb und der später auf dem Boden befindliche Niederschlag ist ein feines 
Sediment. Die männliche Flüssigkeit wird schnell klar, der Niederschlag 
ist flockig. Die Farbe der Niederschläge war in den gefärbten Indikator¬ 
flüssigkeiten nicht regelmässig; sie war aber beim W oft heller als bei M. 
Es wurde auch Puppenblut mit destilliertem Wasser gemischt. — S. pavonia. 
3.—5. Febr. Wasser 20 ccm, Blut Vs ccm. Der Niederschlag der weib¬ 
lichen Flüssigkeit ist ein feines, helles Sediment; der in der männlichen 
Flüssigkeit ist flockig und braun. 

Die Blutfarbe des M von S. pavonia und pyri ist gelb, die des W 
grün. Für D. euphorbiae gilt dasselbe. 

Wenn man einen Tropfen Puppenblut von S. pavonia der beiden Ge¬ 
schlechter auf feines Fliesspapier fallen und trocknen lässt, so erhält man 
grosse kreisförmige Flecken von verschiedenem Aussehen. Der weibliche 
Fleck ist von kräftiger, dunkler Farbe, graugelb oder graubraun. An seiner 
Peripherie befindet sich ein Kranz von olivengrüner Farbe. Der männliche 
Fleck ist sehr viel heller, mit blassem, undeutlichem Saum von gelblicher 
Farbe. Dieser Saum tritt besonders dann hervor, wenn man das Papier 
gegen das Licht hält. Lässt man Streifen von feinem Fliesspapier in 
destilliertes Wasser tauchen, dem man Puppenblut von S. pavonia zugefügt 
hat, so entstehen am oberen Ende der von der aufsteigenden Flüssigkeit 
durchlaufenen Strecke zwei Zonen, nämlich eine breite Zone, welche beim 
W olivengrün und beim M sepiabraun ist, und ein oberer Saum, der in 
beiden Geschlechtern eine hellgelbe Farbe hat. Der männliche Streifen 
hat ausserdem einen schwachen, bräunlichen Schein erhalten, den der 
weibliche Streifen nicht besitzt. 

Kurz vor dem Auskommen des Schmetterlings, im April, wird das 
Blut der Puppe von S. pavonia farblos wie Wasser. Dieses geschieht zu¬ 
erst bei dem M, bei dem die Entwicklung schneller vonstatten geht als 
beim W. Später ist auch das Blut des W farblos. In diesem Stadium 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


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haben aber die Puppen fast gar kein Blut mehr. Ein solches Blut gibt in 
destilliertem Wasser auch keinen Niederschlag. 

Wenn man das Puppenblut von S. pavonia (Dezember—Januar) auf 
Deckgläschen trocknen lässt, so nimmt man den Farbenunterschied der 
Geschlechter (gelb bei M, grün bei W) deutlich wahr, besonders wenn man 
die Deckgläschen auf weisses Papier legt. In dem angetrockneten Blut 
des W hat sich ausserdem eine grosse Zahl kugeliger, kristallinischer Ge¬ 
bilde ausgeschieden, die sich in Wasser sogleich lösen. 

Nr. 6. Über die Entstehung der Farbe der Kokons von gewissen auf 
unsem Obst- und Schattenbäumen lebenden Raupen. 

(Nachtrag zu Jahresbericht für 1911, S. 278—285.) 

Im Anschluss an die im Jahresbericht für 1911 gemachten Angaben 
seien hier einige weitere Beobachtungen über diesen Gegenstand mitgeteilt. 
Solche betreffen die Raupenart Lasiocampa quercus. 

Wenn man die Raupen im erwachsenen Zustand in einem grösseren 
Blechkasten füttert, so bemerkt man, dass die zur Verwandlung schreitenden 
Raupen gegen 8 oder 9 Uhr morgens einen grauen Kokon gesponnen haben, 
der aus Seide und einer mehr oder minder grossen Menge Raupenhaare 
besteht. Nimmt man diesen Seidenkokon aus dem Kasten und beobachtet 
ihn weiter, so sieht man, dass ihn die Raupe durch Spinnen vervollständigt 
und dass sie ihn erst am Nachmittag (2 Uhr) mit einer cremefarbenen 
Flüssigkeit durchtränkt, welche aus dem Munde hervorkommt. Später 
trocknet die Flüssigkeit und der Kokon ist dann inkrustiert und hart. Die 
Flüssigkeit wird aus dem After entleert und ohne Zweifel mit dem Munde 
aufgesogen. Dieser letztere Vorgang konnte nicht beobachtet werden, da 
ein in den Seidenkokon geschnittenes Loch von der Raupe sogleich wieder 
zugesponnen wird. Dass aber die Flüssigkeit, welche aus dem Munde aus- 
gestossen wird, den After passiert, beweisen verschiedene Tatsachen. 

Nimmt man eine Raupe, sobald sie angefangen hat, den Seidenkokon 
zu durchnässen, heraus und drückt das untere Körperende, so quillt die 
cremefarbene Flüssigkeit aus dem After hervor. Sie ist von Kristallen der 
Malpighischen Gefässe erfüllt und trocknet schnell auf Papier, wobei die 
entstehende Kruste braun wird. Unterbindet man ferner einer spinnenden 
Raupe recht sorgfältig den After und lässt die Raupe weiter spinnen, so 
ist der angefertigte Kokon nur aus Seide zusammengesetzt und nicht in¬ 
krustiert. Die cremefarbene Flüssigkeit, welche die Inkrustierung veran¬ 
lasst, konnte infolge der Unterbindung des Afters aus diesem nicht ent¬ 
leert werden. 

Wenn man ein Stückchen des inkrustierten Kokons unter dem 
Mikroskop betrachtet, so sieht man, wie die Kokonschale aus Kristallen 
der Malpighischen Gefässe wie aus kleinen rechtwinkeligen Sternchen 
mosaikartig zusammengesetzt ist. Die Kristalle berühren sich mit den 
Seiten und sind verkittet. Das mikroskopische Bild der Schale von 
E. lanestris ist ein ähnliches. 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Sch&dlingsforschungen in Metz usw. 199 


Der inkrustierte Kokon von L. quercus kann hell oder schwärzlich 
sein, je nachdem die umgebende Luft bei seiner Entstehung feucht oder 
trocken ist. Die Beleuchtung schien mir, wie ich es schon für Saturnia 
pavonia und pyri und für Eriogaster lanestris angegeben habe, ohne Ein¬ 
fluss auf die helle oder dunkle Farbe des Kokons zu sein. 

Wenn man die Raupen in einem fest verschlossenen Blechkasten hält, 
der mit der Futterpflanze angefüllt ist und in dem die Luft mit Feuchtig¬ 
keit gesättigt ist, so entstehen hier schwärzliche Kokons. Lässt man 
ferner die Inkrustierung des Kokons in einem Reagenzglas ausführen, in 
dem sich etwas angefeuchtetes Fliesspapier befindet, so wird der Kokon 
gleichfalls schwarz, auch wenn man das Reagenzglas der Sonne aussetzt 
und hinter ihm weisses Papier befestigt. 

Helle Kokons entstehen dagegen in trockner Umgebung. Löst man 
Seidenkokons von der Unterlage, auf der sie gesponnen sind, ab, befestigt 
sie mit Nadeln auf weissem oder schwarzem Papier und setzt sie dem 
Sonnenlicht oder dem diffusen Licht aus, so sind die schliesslich ent¬ 
standenen inkrustierten Kokons hell und unterscheiden sich stark von den 
in feuchter Umgebung entstandenen schwärzlichen Kokons. 


II. Kitteilnngen über Rebläuse. 

1 . Wirkung von reinem Schiefer auf die Reblaus. 

Reiner Schiefer aus Bernkastel war mit dem Hammer feingeklopft 
worden und diente unvermischt zu folgenden Versuchen in Töpfen. 

Nr. 95. Aus Stecklingen gezogener junger Riesling. Wuchs in 
Schiefer vom 15. 6. 10 bis 20. 10. 12. Infektion am 26. 6. 10, später 
wiederholt. Resultat: gut entwickeltes Wurzelsystem. Die stärkeren 
Wurzeln mit zahlreichen Tuberositäten; auf der vertieften Spitze dieser 
befanden sich Läuse. Keine Nodositäten. 

Nr. 90. Aus Steckling gezogener Sylvaner. Wuchs in Schiefer von 
Dezember 1909 bis 20. 10. 12. Infektion am 24. 6. 10, später wiederholt. 
Resultat: Am 17. 10. 11 eine Anzahl von Nodositäten. Am 20. 10. 12 
Wurzelsystem grösstenteils abgestorben; die stärkeren Wurzeln mit zahl¬ 
reichen Tuberositäten; die starken Wurzeln ganz zerfressen. Die Borke 
war auf den letzteren abgestorben und liess sich ablösen. Unter ihr be¬ 
fanden sich oft Nester von Läusen. An anderen Stellen wuchs aus der 
noch festen Borke eine frische Tuberosität hervor, an der sich Läuse be¬ 
fanden (Abb. 26 a u. b). 

Nr. 91. Aus Steckling gezogener junger Kleinberger. Wuchs in 
Schiefer vom Dezember 1909 bis 2. 11. 12. Infektion am 24. 6. 10,.später 
wiederholt. Resultat: Am 20. 10. 11 eine Anzahl von Nodositäten. Am 
2.11.12 Wurzelsystem fast ganz abgestorben, überall Tuberositäten sichtbar. 
Auf den Wurzelresten und am Stamm überall Läuse. 

Nr. 88. Aus einer Augenknospe gezogener Riesling. Wuchs in 
Schiefer vom 28. 5. 10 bis 3. 11. 12. Infektion am 24. 6. 10, später 


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III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


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wiederholt. Resultat: Am 12. 10. 11 viele Nodositäten. Am 3. 11. 12 
Wurzelenden im Begriff abzusterben. Überall auf den stärkeren Wurzeln 
Tuberositäten mit Läusen. Die Tuberositäten vielfach und auf grössere 
Strecken hin gefault. Am unterirdischen Wurzelstock starke Tuberositäten 

und Auswüchse mit Läusen 
(Abb. 27 a u. b). 

Nr. 103. Aus Steckling 
gezogener Später Burgunder. 
Wuchs in Schiefer vom 20. 
5. 10 bis 7. 11. 12. Infektion 
am 24. 6. 10, später wieder- 




Abb. 26 a. Ganzes Wurzelsystem. 


Abb. 26 b. Eine starke zerfressene Wurzel. 


holt. Resultat: Wurzelsystem sehr stark entwickelt. Grössere Anzahl 
von Nodositäten. 

Nr. 104. Aus Steckling gezogener Kleinberger. Wuchs in Schiefer 
vom Dezember 1909 bis 8. 11. 12. Infektion am 24. 6. 10, später wieder¬ 
holt. Resultat: Auf der Oberfläche des Ballens einige Nodositäten. Wurzel¬ 
system im Absterben begriffen. Die stärkeren Wurzeln tragen Tuberosi¬ 
täten und sind überall zerfressen. Zahlreiche Läuse auf den stärkeren 
Wurzeln. 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 201 


Nr. 105. Aus Steckling gezogener Später Burgunder. Wuchs in 
Schiefer vom 15. 6. 10 bis 12. 10. 11. Infektion am 24. 6. 10, später 
wiederholt. Resultat: Wurzelsystem gut entwickelt. Wurzeln von Nodosi- 
täten bedeckt (Abb. 28). 

Nr. 92. Samen von Riesling in Schiefer gesät am 17. 5. 10. Wuchs 
hier bis 10. 9. 12. Infektion am 20. 7. 10, später wiederholt. Beim Nach¬ 
sehen wurden verschiedentlich Nodositäten und auf der Hauptwurzel Läuse 



At)b. 27 a. Ganzes Wurzelsystem. Tuberositäten an einer starken 
Wurzel, Tuberositäten und Auswüchse an dem unterirdischen 
Wurzelstock. 



Abb. 27 b. Eine starke Wurzel mit 
vielen Tuberositäten. 


und Eier festgestellt. Hörte schliesslich auf zu wachsen. Die Neben¬ 
wurzeln waren abgestorben; die Hauptwurzel trug chancerartige, durch 
die Läuse hervorgerufene Auswüchse (Abb. 29). 

Nr. 106. Aus Steckling gezogener junger Riesling. Wurde am 
27. 5. 10 in Schiefer gepflanzt. Infektion zu verschiedenen Malen während 
des Sommers 1910. Das in Abb. 30 wiedergegebene Wurzelstück befand 
sich auf der Oberfläche des Ballens und wurde am 8. 6. 11 abgeschnitten. 
Derartige winzige Nodositäten sind an Riesliugwurzeln, welche in dem 
zerkleinerten Schiefer aus Bernkastel gewachsen w r aren, öfters beobachtet 
worden. 


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202 


HI. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 







: r : ':>'i : 


Abb. 28. Ganzes Wurzelsystem mit zahlreichen Nodositäten. 



Abb. 29. Hauptwurzel mit abgestorbenen Neben* 
wurzeln; durch Läuse verursachte Auswüchse. 


Nr. 107. Es waren ausserdem aus 
Stecklingen gezogene junge Späte Bur¬ 
gunder und Rieslinge in Schiefermehl 
aus Steinach in Sachsen-Meiningen ge¬ 
pflanzt worden, das aus sehr weichem 
Schiefer hergestellt war. Da der an¬ 
gefeuchtete Schiefer eine teigartige 
Masse darstellte, war das Wachstum 
der Rehen ein beschränktes. Es bildeten 
sich aber neue Wurzeln, besonders auf 
der Aussenfläche des Ballens, auf denen 
sich dann Nodositäten und Tuberositäten 
zeigten. 

Ein Einfluss des reinen Schiefers 
auf die Reblaus konnte nicht beob¬ 
achtet werden. 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 203 


Ausserdem sind im Frühjahr 1912 grössere Topfversuche mit Blind¬ 
holz und Moselaner Schieferböden eingeleitet worden. Für einen solcher 
Schieferböden, welcher aus Bernkastel stammte, wurde Blindholz aus dem 
entsprechenden Weinberg benutzt; für drei andere Schieferböden Riesling- 
und Sylvaner-Holz von Herrn 
Pagenstecher in Scy. Diese 
drei Bodenproben waren die¬ 
selben, welche bereits zu 
den Versuchen dienten, über 
welche im voraufgehenden 
Jahresbericht Mitteilung ge¬ 
macht wurde; sie stammen, wie dort angegeben ist, aus Lieser, Uerzig und 
vom Josefshof. Für die Beschaffung der Moselaner Schieferböden und der 
Moselaner Blindreben bin ich wie früher Herrn Weinbauinspektor Neumann 
in Bernkastel zu Dank verpflichtet. 

Die Blindreben werden im Laufe dieses Sommers (1913) infiziert 
werden. 1 ) 



2. Wirkung einer Mischung von Quarz und Heideerde auf die Reblaus. 

Nach Angabe der französischen Autoren enthalten die Sande, welche 
frei von Rebläusen sind, mindestens 60°/ o Kieselsäure. Es wurde daher 
reiner Quarz (aus der chemischen Fabrik List in Seelze bei Hannover), 
mit Heideerde (aus der Gärtnerei Frenkel in Metz) vermischt. Die Mischung 
bestand aus 30% (Gewichtsprozent) lufttrockner Heideerde und 70% Quarz. 
Der Quarz seinerseits setzte sich zusammen aus feingekörntem Quarz (2 hg) 
und gemahlenem Quarz (1 hg). Der Mischung von Quarz und Heideerde wurden 
ausserdem noch 2 Kilo Quarzstückchen von der Grösse einer Haselnuss 
zugefügt, um den künstlichen Boden locker zu erhalten und in ihm Lücken 
hei vorzurufen. 

Mit dieser Bodenmischung wurden in Töpfen folgende Versuche 
gemacht. 

Nr. 93. Aus einem Steckling gezogener junger Riesling. Wuchs 
in der Bodenmischung vom 2. 3. bis 25. 10. 12. Resultat: Dichtes Wurzel¬ 
system; auf den stärkeren Wurzeln Tuberositäten mit Läusen. 

Nr. 97. Aus einem Steckling gezogener junger Sylvaner. Beim 

Einsetzen in die Mischung waren die Wurzeln ganz kurz geschnitten, damit 
sich das neue Wurzelsystem möglichst in der Quarzmischung bildete. 
Wuchs in der Bodenmischung vom 2. 3. bis zum 25. 10. 12. Resultat: 
Sehr dichtes Wurzelsystem. Zahlreiche Nodositäten; in den Rissen der 
starken Wurzeln Läuse. 

Nr. 98. Aus einem Steckling gezogener junger Sylvaner. Beim 

Einsetzen wurden die Wurzeln kurz geschnitten wie in Nr. 97. Wuchs 

in der Bodenmischung vom 2. 3. bis 25. 10. 12. Resultat: Wurzelsystem 

mässig entwickelt. Nodositäten und Tuberositäten vorhanden. 


*) Sie haben sich im Jahre 1913 zum grössten Teil selbst infiziert. 


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204 


III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 


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Nr. 100. Blindholz. Riesling. Wuchs in der Erdmischung von Mai 
bis 25. Oktober 1912. Resultat: Wurzelsystem normal, einige Nodositäten. 

Nr. 101. Wie Nr. 100. Resultat: Wurzelsystem nicht stark ent¬ 
wickelt; einige Nodositäten. 

Nr. 102. Blindholz, Riesling. Wuchs nur kurze Zeit in der Erd¬ 
mischung. Die hervorkommenden Wurzeln waren sogleich befallen und in. 
Nodositäten umgewandelt (Abb. 31). 

Die Infektion wurde fiir die in der Quarzmischung wachsenden Reben 
während des Sommers 1912 mehrere Male vollzogen. Eine Wirkung der 
Mischung auf die Reblaus konnte nicht beobachtet werden. 

Eine andere Bodenmischung wurde 
mit GERDESschen Humuskieselsäure-Präpa¬ 
raten ausgeführt. Herr Konsul Gerdes 
hatte mir unentgeltlich zwei Proben zur 
Verfügung gestellt, von denen die eine 
50 °/ 0 und die andere 23 °/ 0 Kieselsäure 
enthielt. Von diesen Präparaten wurden 
je zwei Mischungen mit Heideerde her¬ 
gestellt. Von dem Präparat 23 °/ 0 wurden 
2,17 g und 4,35 g auf 100 g Mischung 
genommen (— 0,5 °/ 0 und 1 °/ 0 Kieselsäure); 
von dem Präparat 50 °/ 0 wurden 1 g und 
2 g auf 100 g Mischung angewandt 
(= 0,5 °/o und 1 °/ 0 Kieselsäure). In diese 
vier Erdmischungen wurden teils junge 
Topfreben, denen die Wurzeln vorher ganz 
kurz geschnitten waren, teils in Kasten 
Blindreben von Riesling und Sylvaner ge¬ 
pflanzt. Von den Topfreben gedieh nur 
ein Teil, der sich noch in Kultur befindet. 

Was das Blindholz in Kasten angeht, so 
schlug von Riesling nur ein Stück aus; von Sylvaner meist nur solche 
Stücke, die in den weniger konzentrierten Mischungen wuchsen. Die Ab¬ 
stufung war so deutlich, dass von Zufall nicht gesprochen werden kann. 
Ich vermute, dass das Absterben des Blindholzes die Folge der alkalischen 
Eigenschaften der Präparate ist. Die wenigen gewachsenen Blindreben 
befinden sich gleichfalls noch in Kultur. 1 ) 



Abb. 31. Die ersten Wurzeln in Nodositäten 
nmgewandelt. 


3. Der Einfluss des Sandes auf die Reblaus. 

Gleichzeitig mit der Untersuchung über den Einfluss von Schieferböden und 
von Silicium enthaltenden Substanzen auf die Reblaus wurden solche über den 
Einfluss des Sandes auf das Insekt in Angriff genommen. Sande, welche der 
Umgebung von Metz entnommen und ziemlich grobkörnig waren, zeigten, dass 

J ) In dem Kasten befanden sich ursprünglich 120 Stück Blindholz und diese 
haben schliesslich nur vier mehr oder minder gut entwickelte Reben gegeben (Sommer 
1913). 


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Bericht über die Tätigkeit der Station für Schädlingsforschungen in Metz usw. 205 


die Reblaus in ihnen sehr gut fortkommt. Die durch sie hervorgerufenen 
Nodositäten waren gross und gut gebildet. Ich habe daher angefangen, 
authentische Immunsande zu benutzen. Ich verdanke solche den freund¬ 
lichen Bemühungen der Herrn Jablonowski in Budapest, G. Gastine in 
Marseille, Arbelot in Arles und der Compagnie des Salins du Midi in 
Aigues-Mortes (Montpellier). 

Jedermann kennt ungefähr die Bedeutung, welche gewisse Sandböden 
für Südfrankreich und Ungarn haben. Was aber in Deutschland weniger 
bekannt ist, sind die auf diese Frage Bezug habenden Veröffentlichungen. 
Man kann fast behaupten, dass nur wenige Personen diese oder jene von 
ihnen gesehen haben. Solches kommt daher, dass sie im Ausland und 
noch dazu als Artikel kleiner Zeitschriften, oder als kleine Broschüren er¬ 
schienen sind. Unter solchen Umständen hielt ich es für angebracht, die 
verschiedenen Arbeiten, welche die Immunität gewisser Sande behandeln, 
zu sammeln. Da aber die Wiedergabe dieser Literaturmitteilungen für 
diesen Bericht zu umfangreich ist, so werde ich sie in einer geeigneten 
Zeitschrift veröffentlichen. 

Ob sich auch in Deutschland derartige Sande vorfinden, ist bisher 
nicht untersucht worden. Mit Rücksicht hierauf dürfte es von Interesse 
sein, diejenigen Auskünfte hier wiederzugeben, welche ich bezüglich des 
deutschen Weinbaugebietes von verschiedenen geologischen Anstalten er¬ 
halten konnte. In dieser Weise würden sie weiteren Arbeiten über diese 
Frage als Richtschnur dienen können. Die Institute, denen ich für solche 
Angaben zu Dank verpflichtet bin, sind die Geologischen Landesanstalten 
in Berlin, München, Darmstadt, Stuttgart, Freiburg i. Br. und Strassburg. 
Ich führe die Mitteilungen so auf, wie ich sie erhalten habe, ohne dabei 
entscheiden zu wollen, ob in den bezeichneten Gegenden bereits Weinbau 
getrieben wird, oder ob sie sich für den Weinbau eignen würden. 

1. Reine, feinkörnige, leicht bewegliche, sterile Sande sind in der 
mittelrheinischen Ebene und im Mainzer Becken vielfach vorhanden und 
sehr verbreitet, insbesondere am linken Rheinufer zwischen Mainz und 
Bingen, dann rechts des Rheines zwischen Mainz und Darmstadt, Mainz 
und Frankfurt und zwischen Darmstadt und Mannheim. Vereinzelt und 
in geringerer Ausdehnung sind solche Flugsande auch von Trier und aus 
einigen Tälern der Nordvogesen (Pfalz) bekannt. 

2. Im hessischen Gebiet kommt hauptsächlich die Gegend von Iugen- 
heim und Seeheim an der Bergstrasse in Frage; rechtsrheinisch der Ort 
Lorsch. Auf der linken Rheinseite kommen Worms und Eich (gegenüber 
von Gernsheim) in Betracht, ferner die Gemarkungen von Mainz bis 
Bingen, so z. B. die Orte Heidesheim, Ingelheim. 

3. Für die bayerische Rheinpfalz sind die Flugsandgebiete auf der 
geognostischen Karte Bayerns 1 : 100000 (in München bei Pilot y & Loehle, 
Jungfemturmstrasse) angegeben. 

Blatt Speyer Nr. XVIII. — Grössere Flugsandgebiete sind einge¬ 
zeichnet in XXIV, 8—13 (bei Scheibenhardt, Lauterburg), in XXI, 7—12 


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206 III. Bericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen Institute. 

(bei Wörth, Schaidt), in XII—XIV, 3—6 (westl. von Germersheim), in 
VII—Vili, 2—6 (NNW. von Speyer), in IV—V, 3—4 (N. von Schifferstadt). 

Grössere Partien von Flugsanden von ebenso ganz typischer äolischer 
Entstehung und Korndifferenzierung finden sich im Blatt Zweibrücken 
Nr. XIX und zwar in EX, 35—37 (0. und W. von Beeden) und dann in 
dem Geländestreifen zwischen VII und III, 25—35 (zwischen Homburg 
und Kindsbach bei Bandstuhl). Die letzteren Vorkommen sind nicht so 
beträchtlich, wie die im Blatt Speyer, doch sind sie nennenswert. 

4. Im Flugsandgebiet der unterbadischen Rheinebene nördlich von 
Rastatt sind Weinberge selten. Sie finden sich aber z. B. bei Fendenheim 
unweit Mannheim und bei Schwetzingen. Auch bei Forst bei Bruchsal 
sind einzelne vorhanden, alle in der Rheinebene. Sandiger Löss trägt 
Reben bei Zenthem, Unteröwisheim und Grötzingen. Die geologischen 
Spezialkarten 1:25000, Blatt 22 Ladenburg, 31 Schwetzingen und 46 
Bruchsal geben nähern Aufschluss. 

5. In Württemberg sind Flugsande selten. Für das Bodenseegebiet 
vgl. Schmidle, Schriften d. Vereins für Geschichte des Bodensees, XXXVII, 
1908, S. 40 ff. 

6. Ebenso spielen im Reichsland Flugsande eine geringe Rolle und 
sind in Weinbergsgegenden überhaupt nicht bekannt. Blatt Bitsch der 
Geologischen Spezialkarte verzeichnet Dünen, die aus Vogesensand ent¬ 
standen sind, die aber in den militärischen Anlagen liegen. Im Eisass 
kommen Flugsande in der Gegend von Hagenau vor: altdiluviale, zu Dünen 
verwehte Sande östlich vom Bahnhof Neuburg, pliozäne Sande im Gemeinde¬ 
wald von Schweighausen südlich vom Dorf, nördlich vom Ohlunger 
Galoppweg. 

Was die Kultur von Reben auf deutschen Flugsandböden angeht, so 
interessiert uns hier eine Schrift, die ich der Freundlichkeit des Kali¬ 
syndikats, Berlin, Dessauerstrasse, verdanke und die uns Auskunft über 
die Rebenanlagen in Liebfrauthal, in der linken Rheinebene zwischen Worms 
und Oppenheim gelegen, erteilt. E. Lierke, Kalidüngung der Weingärten. 
Herausg. von der Agrikultur-Abteil, d. Kalisyndikats. Leopoldshall-Stass- 
furt. 3. Aufl., 1906, S. 28— 35. Dieses Flugsandgebiet wurde der Reben¬ 
kultur im Jahre 1887 durch J. J. Hoffmann in Liebfrauthal er¬ 
schlossen. Dreiundvierzig Hektar Rebenkultur wurden von ihm geschaffen 
und es sind jetzt bedeutende Flächen guter Bestände vorhanden. Es 
wachsen dort Frühburgunder, Spätburgunder, Sylvaner, Ruhländer. Der 
Boden, welcher aus feinem Sand besteht, ist einem humusreichen Ton¬ 
mergel, den Schlammablagerungen des früheren Rheinbettes, aufgelagert. 
Der oft 2—3 m mächtige Oberboden litt an Trockenheit. Sind aber die 
Reben erst festgewachsen, so finden sie in der Tiefe genügende Feuchtigkeit. 
Nährstoffe sind in geringer Menge vorhanden, dagegen zeichnet sich der 
Sand durch besonders hohen Kalkgehalt aus. Gedüngt wird mit künst¬ 
lichem Dünger. 


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IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


a) Technische Abteilung. 

Erstattet vom Betriebsleiter Weinbauinspektor Fischer. 

A. Betriebsbericht. 

i. Stand und Entwicklung der veredelten Reben in der Versuchsanlage 

Leideck. 

Infolge der vorzüglichen Holzreife überwinterten die Reben gut. 
Selbst die 1905 gepflanzten Sylvanerveredlungen, die sehr starken Frost¬ 
schaden erlitten hatten, konnten ziemlich normal geschnitten werden. Der 
Austrieb erfolgte bei Sylvaner und Burgunder ziemlich gleichzeitig, bei 
Riesling etwas später. Schon Ende April hatten die Triebchen der erst¬ 
genannten Sorten eine Länge von 4 cm, während die Rieslinge eben erst 
in die „Wolle gekommen“ waren. Die ersten blühenden Gescheine zeigten 
' sich ziemlich gleichmässig bei Sylvaner, Riesling, Früh- und Spätburgunder 
auf den verschiedenen Unterlagen. Den Eintritt der Blüte der an der 
Mauer gepflanzten Reben (veredeltes Tafeltraubensortiment) zeigt folgende 
Zusammenstellung. 

Es blühten am: 

7. Juni: Weisser Ofner, Gamay de Liverdun, Weisser Riesling. 

8. „ Früher blauer Wälscher, Farbtraube I, Früher blauer Burgunder, 

Blauer Hängling, Weisser Morillon, Weisse Lamberttraube. 

9. „ Muscat noir Vibert, Muscat St. Laurent, Bukettraube, Gelber 

Ortlieber, Madeleine royale, Blauer Sylvaner. 

10. „ Blauer Arbst, Sauvignon blanc, Blauer Portugieser, Roter Hansen. 

11. „ Weisser Wippacher, Schwarzblauer Riesling, Grauroter Gutedel, 

Blauer Damascener, Basilicumtraube, Gamay de Bevy, Roter 
Elbling, Cabernet, Blauer Gelbhölzer, Piquepoule petite noire, 
Weisser Gamay, Muscat Caillaba, Blauer Kölner, Goldriesling, 
Müllerrebe, Sämling Nr. 155, 168. 

12. „ Roter Zierfandler, Weisser Gutedel, Rotstieliger Dolcedo, Haläper 

Muscattraube, Weisser Traminer, Blauer Muskateller, Blauer 
Kläpfer, Weisser Heunisch, Blauduft-Trollinger, Roter Urben, 
Madeleine angevine, Früher roter Velteliner, Weisser Kalabreser, 
Roter Krachgutedel, Ribola, Früher Malingre, Orangetraube, 
Blauer Aramon, Merlot, Gamay crepet, Sämling Nr. 2, 4, 89, 98, 
166, 167, 173, und am 


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208 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


13. Juni: Farbtraube, Weisse Folie, Gelber Muskateller, Kalebstraube, 
Caserno, Carmenere, Boudales, Weisses Wachtelei, Großer Veite¬ 
liner, Blaufränkisch, Muskat-Gutedel, Olivette noire, Rouge. 

Die Entwicklung der Triebe war ausserordentlich üppig. Mitte Juni 
w T aren die meisten Lotten um etwa 50 cm länger als zur gleichen Zeit 
des Vorjahres. 

Heu- und Sauerwurm wurden bei Riesling und Sylvaner sehr wenig, 
bei Früh- und Spätburgunder überhaupt nicht gefunden. Von den pilz¬ 
lichen Krankheiten machte sich das Oi'dium besonders bei Sylvaner in dem 
tiefst gelegenen Quartier bemerkbar. Trotz sechsmaligen Schwefelns hatten 
diese Veredlungen etwas unter diesem Pilz zu leiden. Die Blattfallkrank¬ 
heit konnte durch die Behandlung mit Kupfervitriolkalkbrühe vollständig 
fern gehalten werden. 

Im Chlorosebefall wurde im Berichtsjahr zum 1. Mal ein Rückgang 
beobachtet. Von 835 im Jahre 1911 befallenen Stöcken sind 292 wieder 
gesundet. Immerhin waren 1912 noch 657 Stöcke gelbsüchtig, von welchen 
135 im Berichtsjahr die ersten Anzeichen dieser Krankheit erkennen liessen. 
45 Stöcke sind infolge der Verheerung der Chlorose abgestorben. Die 
Sylvanen auf Solonis blieben von dieser Krankheit wiederum verschont. 
Stellt man den Chlorosebefall bei Riesling, Sylvaner und Spätburgunder 
veredelt auf Solonis, Riparia und Rupestris zusammen, so erhält man 
folgendes Bild: 


Sorte 

Anzahl 

der 

vorhandenen 

Stöcke 

Von 

Chlorose 

befallene 

Stöcke 

0/ 

Io 

des Befalles 

Riesling auf Riparia. 

918 

126 

14 

Sylvaner „ . 

1263 

102 

8 

Spätburgunder auf Riparia. 

235 

47 

20 


2416 

275 

42 

Riesling auf Solonis. 

1340 

259 

19 

Sylvaner „ „ . 

466 

— 

— 

Spätburgunder auf Solonis. 

168 

5 

3 ' 


1974 

264 

22 

Riesling auf Rupestris. 

232 

16 

7 

•Sylvaner „ „ . 

271 

6 

2 


503 

22 

9 


Man erkennt aus dieser Zusammenstellung, dass die Veredlungen auf 
Riparia mit 42°/ 0 am meisten unter der Gelbsucht zu leiden hatten. 
Solonis folgt mit 22°/ 0 an 2. Stelle, während Rupestris nur 9°/ 0 aufweist. 

Bezüglich des Wachstums konnte auch in diesem Jahr bei den 
jüngeren und älteren Veredlungen der schwächere Wuchs der Edelsorten 
auf Solonis als auf Riparia und Rupestris beobachtet werden. Die Riesling© 


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a) Technische Abteilung. 


209 


auf Gloire de Montpellier, welche Unterlagssorte doch in unveredeltem Zu¬ 
stand mit das stärkste Wachstum aller Amerikanerreben hat, zeigten als 
sechsjährige Veredlungen eine noch schwächere Entwicklung als die gleich- 
alterigen Kieslinge auf Solonis. Ganz besonders äussert sich das Verhalten 
der einzelnen Veredlungen bezüglich ihres Wachstums im Abfallholz beim 
Schnitt. Wie die Tabelle n, Seite 211, zeigt, betrug das Gewicht des Holzes 
von 46 Stöcken bei Riesling auf Riparia Gloire de Montpellier nur 7,5 kg, da¬ 
gegen bei den unveredelten Kontrollreben 20 kg-, von den Solonisveredlungen 
fielen 9, von den unveredelten Kontrollreben 17 kg Holz ab. Die Ver¬ 
edlungen auf den Geisenheimer Kreuzungen zeigten mit Ausnahme der auf 
Riparia x Rupestris 13 G, auf der veredelte und unveredelte Reben dieselbe 
Menge Abfallholz ergaben, einen wesentlich stärkeren Trieb als die un¬ 
veredelten Kontrollreben. 

Die Lese wurde begonnen bei: 

Frühburgunder am 18. September, 

Spätburgunder am 14. Oktober, 

Sylvaner und Riesling am 10. November. 

Der an sich ausserordentlich reiche Behang wurde durch die anfangs 
Oktober eingetretenen Fröste sehr stark vermindert. Trotzdem wurden 
599,5 kg Trauben mehr gelesen als im Vorjahre, der beste Beweis für den 
reichlichen Fruchtansatz im Berichtsjahr. Das durchschnittliche Most¬ 
gewicht betrug bei den älteren Veredlungen 68° Oe. und 15,4 °/ 00 Säure, 
gegen 95° Oe. und 11,5 °/ 00 Säure im Vorjahre. 

Im einzelnen finden sich die genauen Angaben über Trieblänge, Be¬ 
hang, Chlorosebefall, Ertrag, Mostgewicht, Säure, Abfallholz beim Schnitt 
in den Tabellen I, II und III (siehe Seite 210 u. 211). 

2. Die Frühjahrsveredlung und Einschulung. 

Im ganzen wurden im Berichtsjahr für die verschiedenen Versuche 
sowie zu Nachpflanzungen und für Neuanlagen 11700 Veredlungen her¬ 
gestellt. Einschichten und Vortreiben geschah nach dem bewährten Verfahren, 
wie wir es im Bericht 1910 beschrieben haben. Der Vortreibeprozess be¬ 
gann am 10. Mai und schon 4 Tage danach konnte die erste Kallusbildung 
beobachtet werden; am 15. Mai wurde die Deckschicht bereits entfernt. 

Von den verschiedenen Edelsorten zeigte Gutedel den ersten und gleich- 
mässigsten Austrieb und es folgten dann der Reihe nach Spätburgunder, Elbling, 
Sylvaner, Portugieser und Riesling. Die Kallusbildung war im allgemeinen 
sehr gut. Am 28. Mai begannen wir mit dem Einschulen der Veredlungen 
sowie 2700 unbewurzelter Amerikaner-, 3400 Europäerreben und 3200 im 
Jahre 1911 angefertigter Veredlungen, so dass das Einschulungsquartier 
im ganzen mit 21000 Reben bestellt war. 

Die Entwicklung der veredelten Reben blieb im Berichtsjahr hinter 
jener des Jahres 1911 etwas zurück. Über die Bewurzehingsbeobachtungen, 
festgestellten Anwachsprozente usw. wollen wir später zusammenhängend 
nach Abschluss der Versuche berichten. 

Geisenheimer Jahresbericht 1912. 14 


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210 IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 



Riesling auf Riparia . 

Riesling auf Solonis . 

Frtihburgunder auf Riparia .... 

Riesling auf Riparia . 

Sylvaner auf Riparia. 

Sylvaner auf versch. Unterlagen . . 
Riesling auf versch. Unterlagen . . 

Riesling auf Solonis. 

Riesling auf Riparia. 

Riesling auf Riparia. 

Sylvaner auf Riparia. 

Sylvaner auf Solonis. 

Spätburgunder auf Riparia .... 
Spätburgunder auf Solonis .... 

Riesling auf Solonis . 

Riesling auf Riparia ...... 

Riesling auf Gutedel X Riparia . . 
Riesling auf Solonis, Sämling von 

Quartier V . 

Riesling auf Rupestris . 

Riesling auf Rupestris metallica . . 
Riesling auf Riparia X Rupestris . . 

Riesling auf Amurensis . 

Riesling auf Solonis . 

Riesling auf Riparia Portalis . . . 
Riesling auf versch. Unterlagen . . 

Sylvaner auf Riparia . 

Sylvaner auf Rupestris . 

Edel- und Unterlagssorte 

5633 

60-^3 CO M M M to CO l-k H-t (-k CD CO 00 

—3--3C5COQO(—kOOQOCDÖ' 001-^05 05 00 05 60 0560 00 00 00 05*—©»-^**. 

*— CD 00 00 *— OO CD ^3 CO O' ^ 1— 00 00 O* 05 CO CO 1— © rf*. 05 CO CO 05 *— CO 

Anzahl 

der 

Stöcke 


00 

l—t-k|-k»-k|-ki-k*-kKki—i ►— ‘t—i»—‘•1—‘•l-*!—‘»-‘■»-‘■cS»—‘»-kh- 1 »-«- 

00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 00 S. 00 00 00 00 

CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD CD i CD CD CD CD 

CD CD 00 00 00 00 00 00 00 <1 -3 ^3 <1 <1-*3 05 05 05 05 05 05 05 ^ CO 05 

■<1 


Ge¬ 

pflanzt 



Quar¬ 

tier 


CO CO CO CO CO CO CO CO tO CO CO CO CO CO COJ- 1 J— CO CO CO CO CO CO CO CO CO jo 

bpbpbo^bobobobobj bjbabjb-b».~g^b''b5'*^'6o'©'©'b5'6o b'bp 

Durchschnitt¬ 
lich erreichte 
Trieblängen 
bis zum Gipfeln 
in Meter 

CD 

CO 

sehr gut 

n n 

mittelmässig 
sehr gut 

n n 

gut 

gering 

mittelmässig 

n 

n 

sehr gut 

n n 

sehr gering 

r> n 

gut 

genug 

mittelmässig 

gering 

mittelmässig 

n 

gut 

mittelmäBsig 

n 

n 

sehr gut 
mittelmässig 

Behang 

II 

QD 

1 

05 OO 
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292 

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“ 

*1 

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sundete 

Stöcke 

CP 


Infolge der 
Chlorose 
ab¬ 
gestorbene 
Stöcke 

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Original frnm 

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Tabelle I. 

Versuchspflanzung Leideck (ältere Bestände). 










































a) Technische Abteilung. 


211 


Tabelle II. 

Quartier VI (Jungfeld) auf der Leideck, angelegt im Jahre 1906. 


Riesling veredelt auf 

Anzahl der 
Stöcke 

Durchschnittlich 
erreichte Trieblänge 
in m bei 

Gewicht des Holzes 
in kg beim Schnitt 

Ries 

veredelt 

ding 

un¬ 

veredelt 

Ries 

veredelt 

ling 

unveredelt 

Ries 

veredelt 

ling 

unveredelt 

Riparia Gloire de Montpellier 

46 

46 

2,3 

2,5 

7,5 

20 

Riparia X Rupestris 11 G. . 

46 

46 

2,7 

2,5 

17,5 

15 

. X 12 „ 

45 

45 

3,0 

2,5 

26,5 

14 

. X 13 n 

43 

43 

2,5 

2,4 

20,0 

20 

. X „ 15 „ . 

! 44 

43 

2,5 

2,4 

22,5 

16 

Cordifolia X Rupestris 19 G. . 

45 

45 

2,7 

2,5 

22,0 

14 

Riparia IG. 

45 

45 

2,7 

2,5 

18,0 

16 

Solonis. 

44 

44 

2,3 

2,5 

9,0 

17 

Rupestris monticola .... 

! 43 

43 

2,5 

2,3 

14,0 

24 


Tabelle III. 

Quartier III (Jungfeld) auf der Leideck, angelegt im Jahre 1905. 


Sylvaner veredelt auf 

Anzahl 

der 

Stöcke 

Ertrag 

1911 

in kq 

1912 

Most¬ 

gewicht 

in 

0 Öchsle 

Säure 

in 

°/no 

Gewicht 

des 

Abfall¬ 

holzes 

in 

kg 

Riparia 72 G. 

18 

5,0 

29,0 

72 

12,6 

4,0 

„ 78 G. 

17 

2,5 

16,0 

71 

12,6 

4,0 

„ Gloire de Montpellier .... 

35 

3,0 

17,0 

76 

11,4 

3,0 

,, X Gutedel 45 G. 

23 

2,5 

19,0 

70 

13,4 

7,0 

„ X Rupestris 11 G. 

42 

12,5 

43,0 

70 

12,0 

12,0 

.. x „ 12 „. 

35 

2,5 

28,0 

74 

12,0 

8,5 

11 X 11 ^ )!. 

69 

11,5 

57,0 

74 

11,6 

18,0 

ii X ii 15 .. 

34 

2,5 

18,0 

70 

12,8 

9,5 

„ X „ 3 H.G. 

44 

9,5 

8,0 

69 

12,5 

8,5 

» . X „ 108 M.G. 

44 

6,0 

38,0 

74 

12,5 

8,5 

Rupestris 9 H.G. 

12 

1,5 

10,0 

73 

12,5 

4,0 

„ monticola. 

14 

1,5 

15,0 

70 

11,8 

3,0 

Cabemet X Rupestris 33a M.G. . . . 

12 

2,0 

8,0 

66 

16,2 

5,0 

Cordifolia X „ 17 G. 

42 

7,0 

25,0 

73 

12,2 

10,5 

ii X ii 19 ,, .... 

62 

8,0 

49,0 

72 

12,4 

17,0 

Solonis. 

52 

6,5 

38,0 

68 

12,4 

14,0 

„ X Gutedel 96 G. 

13 

1,5 

8,0 

69 

12,4 

2,5 

„ XYork Madeira 159 G. . . . 

17 

2,5 

10,0 

69 

12,8 

3,0 

Trollinger X Riparia 51 G. 

22 

0,5 

8,0 

74 

13,6 

7,0 

ii X ii 98 G. 

22 

5,0 

17,0 

74 

13,0 

7,0 

Sylvaner, unveredelt. 

114 

14,0 

110,0 

70 

12,6 

35,5 


743 

107,5 

571,0 







-107,5 





I -7 I I • 

1912 = 463,5 kg mehr. 

14* 


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212 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


3. Neuanlagen. 

Im Berichtsjahr wurde eine Versuchspflanzung im Distrikt „Schorchen“ 
fertiggestellt, die eine Prüfung der verschiedenen Erziehungsarten für die 
amerikanischen Reben bezweckt. Die in der Rebschule früher zu ver¬ 
schiedenen Zeiten zum selben Zweck eingerichteten Versuchsquartiere 
Hessen unbedingte allgemeine Schlüsse nicht zu, weil die Anlage nicht 
gleichzeitig erfolgte und Lage und Boden für die Kultur von Unterlags¬ 
reben wenig zweckmässig sind. 

Um diese so wichtige Frage daher einwandfrei zu prüfen, wurde 
dafür eine mittelgute Weinbergslage im Gewann „Schorchen“ ausgewählt. 
Der Boden besteht im Obergrund aus sandigem Lehm mit einem Kalk¬ 
gehalt von 1,2—8 °/ 0 , der Untergrund setzt sich im nordöstUchen Teil aus 
Löss, im südwestHchen Teil aus rotem, lehmigem Kies mit darunter Hegendem 
Gemenge von Lehm und Steinen zusammen. In der Lössschicht beträgt 
der Kalkgehalt bis zu 23,8, im Kies bis zu 6,3 °/ 0 . Die ganze 1 Morgen 
grosse Fläche ist in 6 Abteilungen gegUedert, auf denen geprüft werden die: 
Erziehung an Stangen, 

„ ,. Pyramiden, 

,, wie in Auvernier (Colombier), 

,, an Spalieren, 

„ mit einarmigem Kordon, 

Bodenerziehung. 

Für jede Erziehung wurde je eine Reihe gepflanzt von: 

Gutedel X Berlandieri 41 B , falsche Form, 

„ X „ 41®, echte Form, 

Mourvedre X Rupestris 1202 Coud., 

Riparia 1 Geisenheim, 

Riparia X Rupestris 101 14 M. G., 

Rupestris X Berlandieri 30 l a M. G., 

Solonis X Riparia 1616 Coud. 

Die Entwicklung der Reben war bis heute vorzügHch. 

B. Anzucht der Gutedel X Berlandieri 41 B M. G. durch Augenstecklinge. 

Die echte Form dieser Sorte war bis zum Jahr 1908 in Geisenheim 
nicht vorhanden. Erst von 1909 an wurden alljährlich 2—300 Schnitt¬ 
reben der echten Form aus Obernhof und Tiefenbach bezogen. 

Bei der Vermehrung dieser bezogenen Blindreben zeigten sich natur- 
gemäss dieselben Schwierigkeiten wie anderwärts. Von den 1909 und 1910 
zur Einschulung gelangten Hölzern wurden nur 6—15 °/ 0 Wurzelreben ge¬ 
wonnen. 1911 versuchten wir daher die Vermehrung dieser Sorten durch 
AugensteckUnge. Von den 200 bezogenen Reben wurden 100 nach Ein- 
steUen in eine Dunstgrube sofort ins Freiland gepflanzt, die anderen 100 
als Augenstecklinge mit je 2 Augen in Töpfen kultiviert und dann ins 
Freie gepflanzt. Die erste Hälfte ergab 2, die AugensteckUnge 35 Stück 


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a) Technische Abteilung. 


213 


Wurzelreben. Angeregt durch diesen Erfolg wurden auch die 1912 be¬ 
zogenen Gutedel X Berlandieri 41® durch Augenstecklinge vermehrt. Infolge 
der grossen Bedeutung dieser Kultur für diese Sorte geben wir unsere 
Vermehrungsart etwas ausführlicher hier wieder. 

Die zu vermehrenden Beben werden in Stecklinge von 2 Augen Länge 
geschnitten. Schon am 5. März wurden sie in Töpfe von 5 cm Höhe und 
Breite gepflanzt, die gefüllt waren mit einer kräftigen Mist- und Freiland¬ 
erde zu gleichen Teilen, der etwas Sand beigemengt war. Sofort, nachdem 
die Reben eingepflanzt waren, brachten wir die Töpfe in Mistbeetkästen. 
Schon nach 10 Tagen konnte man bei den meisten Reben die Augen an¬ 
schwellen sehen, nach weiteren 8 Tagen bildeten sich die ersten Blättchen. 
Auch die Kallusbildung war bereits eingetreten. Die Entwicklung der 
einzelnen Pflanzen war aber recht verschieden. So hatten am 26. April 
von 600 Stecklingen 210 bereits das 3., 100 1—2 Blätter gebildet, bei 



Abb. 32. 

130 Stück begannen die Augen zu schwellen, während der Rest von 160 
kein Leben zeigte. Die nähere Untersuchung der letzten Gruppe ergab 
vollständig gesundes Holz und grüne Augen. Deswegen wurden diese 
Stecklinge nochmals in einen frisch gepackten Kasten gepflanzt. Doch 
zeigte sich auch hier kein rechtes Leben. Wohl entwickelten sich bei 
einigen noch kleine schwächliche Triebchen, die aber bald wieder eingingen. 
Von den andern Stecklingen waren Ende Mai 317 Stück so weit entwickelt, 
dass sie ausgepflanzt werden mussten. Da einige Mistbeetkästen zur Ver¬ 
fügung standen, wurden diese mit einer Mischung von Kompost, Freiland¬ 
erde und Sand gefüllt und die Stöcke hierauf ausgepflanzt. Nach 14 Tagen 
blieben die Reben vollständig unbedeckt. Abb. 32 zeigt die Entwicklung 
der Augenstecklinge Ende August. 

Die meisten Triebe waren zu dieser Zeit 0,80—1 m lang. Von den 
317 Stöcken waren im Herbst 285 sehr gut bewurzelt, die von 300 Schnitt¬ 
reben stammten. Von den Schnittreben berechnet, ergaben sich also 95 °/ 0 
gut bewurzelte Reben. 


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214 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


C. Über den Wert der kalten sogenannten Pödelister Doppelkästen. 

Die .Rebenveredlungsstation Pödeiist in Sachsen hat jährlich so 
grosse Mengen von Veredlungen heranzuziehen, dass die Vortreibräume 
mehrere Male beschickt werden müssen. Würde also dort mit der Ver¬ 
edlung wie gewöhnlich erst Mitte bis Ende April begonnen, so kämen 
die zuletzt vorgetriebenen Veredlungen erst sehr spät zur Einschulung. 
Die Vegetationszeit würde derart gekürzt, dass die Gefahr bestünde, dass 
diese Veredlungen bis zum Eintritt des Herbstes nicht genügend ver¬ 
wachsen wären. Um diesem Übel vorzubeugen, wird dort mit der Ver¬ 
edlung bereits 1 Monat früher, also Mitte bis Ende März, begonnen. 
Die Veredlungen des zuerst vorgetriebenen Satzes werden nun nicht in 
das Freiland, sondern in sog. bewegliche Doppelkästen eingeschult, da der 



Abb. 33. 


Boden um diese Jahreszeit noch nicht genügend erwärmt ist. Erst den 
2. Satz schult man in das freie Land ein. 

Da auch wir uns mit der Heranzucht von Veredlungen in kalten 
Kästen bereits in den Jahren 1908 und 1909 beschäftigten, erschien es 
uns wünschenswert, auch das oben genannte Verfahren auf seinen Wert 
zu prüfen. Bei unseren damaligen Versuchen wurden die Reben Ende 
März veredelt und nach Anlegung eines Bastverbandes in kalte niedrige 
Kästen eingeschult, ohne sie vorzutreiben. Die Veredlungen wuchsen zwar 
recht gedrungen, höhere Anwachsprozente als im freien Land erzielten 
wir aber nicht. Bei dem Einschulen nach dem Vortreiben in kalten Kästen 
w r ird jedoch die Kulturzeit um reichlich 6—8 Wochen verlängert. 

Seit 1910 versuchten wir die Pödelister Kästen, im Jahre 1910 mit 
den Unterlagssorten Aramon X Riparia 143 b M. G. und Aramon X Rupestris 
1 Ganzin, im Jahre 1911 mit Riparia X Rupestris 13 G., Riparia Gloire 


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a) Technische Abteilung. 


215 


de Montpellier, Solonis X Eiparia 1616 Coud. (falsche Form) und Cabemet 
X Rupestris 33 a M. G., im Jahre 1912 mit den erstangeführten 3 Sorten 
des Jahres 1911. Als Edelsorte wurde immer Riesling gewählt. 

Die Ausführung der Veredlung geschah immer Mitte März. Nach 
ungefähr 3 Wochen erfolgte dann die Einschulung, während die Kontrolle 
anfangs Mai ins freie Land gepflanzt wurde. Die Anlage des Kastens 
und den Stand der Veredlungen zeigt Abb. 33, aufgenommen am 20. Mai. 
Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, wurden 1910 im Kasten bedeutend 
höhere Anwachsprozente erzielt als im Freien. 1911 und 1912 traf dies 
jeweils nur bei einer Sorte* zu. 


Riesling veredelt auf: 


Ein¬ 

Ver¬ 

Einge¬ 

Ver¬ 

schulungsort 

edelt 

schult 

wachsen 


Aramon X Riparia 143b M.G. . . 
Aramon X Rupestris 1 Ganzin . . 


1910. 


Kasten 

250 

250 

154 

Freiland 

250 

236 

104 

Kasten 

250 

250 

158 

Freiland 

250 

250 

90 


1911. 


Riparia X Rupestris 13 G. 

Riparia Gloire de Montpellier . . . . 

Solonis X Riparia 1616 Coud. (falsche 
Form). 

Cabernet X Rupestris 33 a M.G. 


Kasten 

250 

189 

41 

Freiland 

250 

243 

116 

Kasten 

250 

214 

97 

Freiland 

250 

240 . 

129 

Kasten 

250 

203 

33 

Freiland 

250 

245 

100 

Kasten 

250 

200 

76 

Freiland 

250 

249 

67 


Riparia X Rupestris 13 G. 

Riparia Gloire de Montpellier . . . . 

Solonis X Riparia 1616 Coud. (falsche 
Form). 


1912. 


Kasten 

250 

250 

69 

Freiland 

250 

250 

76 

Kasten 

250 

250 

85 

Freiland 

250 

250 

151 

Kasten 

250 

250 

120 

Freiland 

250 

250 

48 


61,6 

41,6 

63,2 

36,0 


16.4 

46.4 

34.8 
51,6 
13,2 
40,0 

30.4 

26.8 


27,6 

30.4 
34,0 

60.4 
48,0 
19,2 


Die im Kasten herangezogenen Veredlungen hatten in den Jahren 
1910 und 1912 bedeutend längere Triebe als die Freilandreben. Besonders 
stark zeigte sich diese Eigenschaft im letzten Jahre. Zur Beleuchtung 
dessen folgende Zahlen: 


Edelsorte 

Unterlagssorte 

Trieblänge in m 

im Kasten 

im Freien 

Riesling 

Solonis X Riparia 1616 (falsche Form) . . . 

0,70 

0,35 

n 

Riparia Gloire de Montpellier. 

0,60 

0,27 

n 

Riparia X Rupestris 13 G. 

0,65 

0,20 


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216 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


Dagegen blieben die gleich nach dem Vortreiben und Abhärten ins 
Freie eingeschulten Veredlungen infolge der langsameren Entwicklung ge¬ 
drungener. Die Triebe waren kräftiger. Um ein möglichst genaues Resultat 
zu erhalten, wurden sämtliche Veredlungen zwischen dem 2. und 3. Blatt 
mit der Schieblehre gemessen. Die Feststellungen folgen. 


Edelsorte 

Unterlagssorte 

Triebstärke in mm 

im Kasten 

im Freien 

Riesling 

Solonis X Riparia 1616 (falsche Form) . . . 

3,0 

3,2 

n 

Riparia Gloire de Montpellier. 

2,8 

3,4 

n 

Riparia X Rupestris 13 G. 

2,8 

3,0 


In dem heissen Sommer 1911 war bezüglich des Wachstums wie auch 
der Verwachsung der Veredlungen ein Unterschied zwischen Kastenveredlung 
und Kontrolle kaum festzustellen. 

Nach unseren Erfahrungen ist es wohl möglich, mit Hilfe der kalten 
Kästen dieser Art bedeutend früher mit der Veredlung zu beginnen, um 
so eine grössere Menge von Veredlungen heranziehen zu können. Die 
Triebe der im Kasten vorgetriebenen Veredlungen zeigen in Geisenheim 
ausserdem eine grössere Länge, höhere Anwuchsprozente wurden im all¬ 
gemeinen aber nicht erzielt. 

In sonnigen warmen Jahren wird ein Unterschied in der Güte der 
Veredelungen und in den Anwuchsprozenten nach unseren Erfahrungen aber 
nicht zu erhoffen sein; in kühlen, regnerischen, ungünstigeren Sommern bedeutet 
dagegen dieses Verfahren entschieden eine Verbesserung der Rebkultur dieser 
Art. Deswegen ist dieses Verfahren überall dort zu empfehlen, wo man regel¬ 
mässig nach guten und schlechten Sommern grössere Mengen von Reben zu 
liefern hat. Unter diesen Verhältnissen rentiert es sich mit den Jahren 
auch. Wer aber nur geringe Mengen von Veredlungen herzustellen hat, 
der arbeitet im freien Lande billiger. 

D. Über ein stärkeres Auftreten von Apoplexie. 

In den ersten Tagen des Monates September wurden an mehreren 
Amerikanerrebstöcken auf der „Leideck“, im „Schorchen“ und in der Reb- 
schule ganz merkwürdige Absterbungserscheinungen beobachtet. Die 
unteren Blätter dieser Stöcke fingen ganz plötzlich an zu vertrocknen, 
ohne dass man eine äussere Ursache hätte wahrnehmen können. Die 
Vertrocknung setzte sich mit der Zeit nach der Triebspitze zu immer 
weiter fort. Am 24. September hatten manche Stöcke überhaupt keine 
grünen Blätter mehr, bei anderen waren die Blätter bis zur Hälfte der 
Trieblänge vollständig dürr. Das Krankheitsbild war in der Regel so, dass 
die Verwelkung von unten nach oben am Stock vor sich ging. Trieb¬ 
spitzen und Geize kamen am Trieb meist zuletzt an die Reihe. Die 
Vertrocknungsflecken zeigten sich zunächst fast immer in der Mitte zwischen 


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a) Technische Abteilung. 


217 


den Blattrippen. Die Umgebung dieser wie sie selbst blieben in der Regel 
noch einige Zeit grün. Die verwelkenden Blätter rollten sich vom Rande 
her nach oben zusammen. 

Interessant war der Umlang und die Art des Auftretens dieser 
Erscheinung. Weit voneinander stehende Stöcke, die den verschiedensten 
Sorten angehörten, zeigten den krankhaften Zustand. So hatte auf der 
„ Leideck “ besonders Riparia Gloire de Montpellier zu leiden. Von 60 
Stöcken waren an 9 alle Blätter, an 12 etwa die Hälfte vertrocknet. Im 
Sortiment wurde dieselbe Vertrocknungserscheinung an den unten an¬ 
geführten Sorten beobachtet. Von je 3 gepflanzten Stöcken waren befallen 
von der Sorte: 


Riparia grand glabre 
,. 72 G. . . . 


I u „ 

78 ,. 

79 ,. 


Rupestris 9 G. 

Berlandieri 172 G. 

„ 137 .... . 

„ 173 . 

Riparia X Rupestris 3306 Coud. 

Cordifolia X Rupestris 19 G. . 

„ X ,. 20 ,. . 

* X ,. 90 ,. . 

Trollinger X Riparia 97 


1 

1 

1 

1 

2 

1 

1 

1 

1 

1 

1 

3 

2 

2 

3 

1 


Stock 


>7 

Stöcke 

Stock 


Stöcke 


Stock 


In der Bebschule trat die Vertrocknung erst 14 Tage später ein. 
In jedem mit Amerikanerreben bepflanzten Quartier war die Erscheinung 
zu beobachten. 

Von den im Jahre 1910 und 1911 gepflanzten 18 Sorten des engeren 
Sortimentes waren die untersten 8—10 Blätter vertrocknet bei: 


Berlandieri X Riparia 34 E. M. 
Cordifolia X Rupestris 17 G 
Mourvedre X Rupestris 1202 Coud. 
Riparia 1 G 

,. Gloire de Montpellier 

,. X Rupestris 101 11 M. G. 

,. X ,. 3309 Coud. 


Alle 1912 gepflanzten Stöcke dieser Sorten blieben verschont. 

Von den im Jahre 1905 auf mehreren Flächen zur Holzgewinnung 
gepflanzten Sorten hatten besonders Riparia X Rupestris 13 G und Cordi¬ 
folia X Rupestris 19 G unter dieser Vertrocknung zu leiden. Bei 26 Stöcken 
der ersteren Sorte waren die Blätter zum grossen Teil dürr. 2 Stöcke 


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218 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


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wurden vollständig welk und sind eingegangen. Von Cordifolia X Rupestris 
19 G wurden 40 Stöcke, von Cordifolia X Rupestris 17 G 1 und von 
Riparia X Rupestris 15 G 2 Stöcke mit leichten Vertrocknungserscheinungen 
gezählt. 

Im Sortiment zeigten Anfänge von Yerwelkung von je 3 Stöcken: 


Aestivalis 134 G. 

Cordifolia X Rupestris 20 G. . . 

Riparia Colorado. 

Riparia 1 G. melanosefrei. . . 

, IG. 

„ 72 „. 

» 73 „. 

» 78 „. 

Riparia X Rupestris 107 G. . . 

„ X „ 101 14 M. G. 

„ X „ 3306 Coud.. 

Rupestris Azemar 2 15 2 . . . 

„ 186 G. 

Taylor Bullit. 


2 Stöcke 


1 Stock 


3 Stöcke 
3 „ 

l Stock 
3 Stöcke 


1 Stock 
3 Stöcke 


Etwas stärker war die Erscheinung aufgetreten bei: 

Cordifolia X Rupestris 19 G.(befallen 1 Stock) 

„ X „ 90 „»•••( „ 1 „ ) 

Riparia 64 G.( „ 1 „ ) und 

Vitis Californica. 


Im „ Schorchen* hatten von den 1911 gepflanzten Sorten 1202, 1 G, 
101 u , 301a und 1616 mehrere Stöcke einige vertrocknete Blätter. 

Die nachstehend wiedergegebenen Pläne (Abb. 34 u. 35) lassen die 
Unregelmässigkeit des Auftretens dieser Absterbungserscheinung erkennen. 

Nach dem ganzen Krankheitsbild, 
dem ungleichmässigen Befall und vor allem 
auch der Schnelligkeit der Verwelkung — 
man konnte das Fortschreiten mit dem 
unbewaffneten Auge häufig deutlich er¬ 
kennen — konnte es sich bei dieser Er¬ 
scheinung nur um Apoplexie handeln. Diese 
tritt bekanntlich besonders in feuchten Böden und nassen Jahren ein, 
wenn nach lange Zeit bedecktem Himmel plötzlich Aufheiterung mit kräf¬ 
tigem Sonnenschein eintritt. Dass die beobachtete Erscheinung mit der 
Wirkung der Sonne zusammenhing, dafür sprach der Umstand, dass die 
freier stehenden Randstöcke immer mehr befallen waren als die gedeckt 
stehenden. So war z. B. von den 3 Stöcken in den Sortimentspflanzungen 
jeweils der am Wege, also freier stehende zuerst und stärker befallen als 
die beiden anderen derselben Sorte. Für Apoplexie sprach auch der 
Witterungsverlauf in den Monaten August und September. Nach den Auf- 


^ 00 x 0 * 00000000000000 

_ O * *<»0900*0000000 
" ^-^O 9* *00090000 

o flLe Plätter qestini* ® @ o o * * 
»Alle Blau sr vertrocknet ° 

x Blatter bis zur Hälfte Jer Triebe vertrocknet 

Abb. 34 . Plan über das Auftreten der 
Apoplexie auf der Leideck. 


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a) Technische Abteilung. 


219 


Zeichnungen der Geisenheimer meteorologischen Station fielen vom 11. August 
bis 3. September nur an 5 Tagen keine Niederschläge. Die Niederschlags¬ 
höhe während dieser Zeit betrug 54 mm, in der Zeit vom 4.—27. Sep¬ 
tember — am 27. erreichte die krankhafte Erscheinung etwa ihren Höhe¬ 
punkt — während derselben Anzahl von Tagen nur 25,7 m, wobei zu 
bemerken ist, dass am 9. d. Mts. allein 23,2 mm Feuchtigkeit nieder- 



® BLÄTTER zun grossen TEIL oürr . 

• STÖCKE siNo iwfOL&c ods VERTROCKNUNG eIngeoxnoen 


Abb. 35 . Plan über das Auftreten der Apoplexie in der Bebschule. I mit Europäerreben, 

n nicht bepflanzt. 


gingen, während 16 Tage ohne jeden Niederschlag verliefen. Die Sonnen¬ 
scheindauer betrug vom 11. August bis 3. September 58 Stunden, vom 4. 
bis 27. September dagegen 79 Stunden. 

Sehr eigentümlich ist die Beobachtung, dass alle 1912 gepflanzten 
Reben verschont blieben, während die älteren unter denselben Verhältnissen 
erkrankt waren. M. E. kann diese Tatsache wohl nur damit Zusammen¬ 
hängen, dass die Wurzeln der jungen Reben noch nicht in die tieferen 
kälteren Bodenschichten vorgedrungen waren. 


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220 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


E. Über den Wert der Geisenheimer Sämlinge von amerikanischen 

Beben nnd Kreuzungen. 

Um das Jahr 1890 hat der frühere Anstaltsdirektor, Landes-Ökonomierat 
Goethe Kreuzungen von verschiedenen Sorten Reben amerikanischen Ur¬ 
sprungs sowie von europäischen mit amerikanischen Rehsorten ausgeführt. 
Von diesen Kreuzungen sind in den Jahren 1902 und 1903 auf der Leideck 
103 Sorten zur weiteren Beobachtung in einer Anzahl von je 3 Stöcken 
ausgepflanzt worden. Zu gleicher Zeit hat man auch Sämlinge von reinen 
Amerikanern daneben gebracht. Später haben wir diese Pflanzung mit 
21 Sorten ergänzt. 

Zunächst sollten diese Sämlinge auf ihr Verhalten im unveredelten 
Zustand beobachtet und geprüft werden. Zu diesem Zweck wurden beob¬ 
achtet und auf gezeichnet: Zeit des Austriebes, Blütezeit, Befall von Krank¬ 
heiten (Peronospora, Oidium, Melanose, Chlorose), Trieblänge vor und nach 
dem Gipfeln, Ausreife des Holzes, Zeit und Art des Blattabfalles, Ertrag 
an Blindholz. Inzwischen sind diese Kontrollen mit vieler Mühe 10 Jahre 
durchgeführt worden. Über den Wert einzelner dieser Sämlinge haben 
wir heute bereits ein Bild gewonnen. Von den 102 Sorten zeichneten sich 
40 durch Eigenschaften aus, die eine weitere Beobachtung und Prüfung 
vor allem auch in veredeltem Zustand wünschenswert erscheinen lassen, 
62 Sorten erwiesen sich aus verschiedenen Gründen als wertlos, während 
über die erst später gepflanzten 21 die Beobachtungen noch nicht abge¬ 
schlossen sind. 


Zur Sichtung des gesammelten Materials, dessen vollständige Wieder¬ 
gabe übrigens hier zu weit führen würde, erscheint es wünschenswert, die 
Resultate der Beobachtungen hier auszugsweise mitzuteilen. Mit den 
bereits angeführten 62 Sorten werden wir uns weiterhin nicht mehr be¬ 
schäftigen. In unseren Sortimenten bleiben sie für gelegentliches Studium 
erhalten. Die 21 Sorten, über die wir noch kein abschliessendes Urteil 
erhalten haben, werden nach dem angegebenen Plan weiter beobachtet 
werden, während die 40 in unveredeltem Zustand brauchbar erscheinenden 
Sorten auf dem neu einzurichtenden preussischen Versuchsfeld in Scy auf 
ihre Reblauswiderstandsfähigkeit geprüft und von uns in dem kommenden 
Jahre auf Vermehrungs- und Veredlungsfähigkeit und auf ihr Verhalten im 
Rebschul- und Leideckboden beobachtet werden sollen. 

Nach unseren Beobachtungen können als im unveredelten Zustand 
brauchbar erscheinende Sorten angesehen werden: 


Aestivalis .... 
Cordifolia X Rupestris 


55 

55 

55 


X 

X 

X 


55 


Gutedel X Riparia 


55 


X 


55 


134 

16 

17 

19 

90 

43 

45 


G 


55 


55 

55 

55 


55 


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a) Technische Abteilung. 


221 


Kiesling X Riparia 




X 


n 


Riesling X Solonis 


V) 

n 


X 

X 


Riparia . 


r 

n 


v 


V .... 

Riparia X Rupestris 




n 


X 

X 


Riparia X Trollinger 


!) )) 

Rupestris. 

Solonis X Gutedel . . 

Solonis X Riparia . . 

Solonis X York Madeira 


n 


X 


n 


Taylor Geisenheim , 
Trollinger X Riparia 


X 

X 

X 

X 

X 

X 


r 


r 




194 

210 

154 

156 

158 
1 
1 

64 

65 
68 
72 
78 

183 

12 

15 

66 
81 

107 

37 

55 

193 

197 

177 

159 
162 


G 






I melanose' 
” \ frei. 


n 


r 

n 


V) 


r 


r 


51 G 
98 „ 
110 
112 „ 
145 „ 

203 

204 




Von weiterer Beobachtung haben wir ausgeschlossen, weil sie uns 
wertlos erschienen, die in Tabelle IV aufgeführten Sämlinge, ln der 
Tabelle haben wir auch gleichzeitig kurz den Grund angegeben, warum 
wir von weiterer Prüfung absehen. Ein Kreuz deutet jeweils an, welche 
schlechte Eigenschaft für die betreffende Sorte zutrifft. 


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222 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


Tabelle IV. 


Von weiterer Beobachtung wurde 
abgesehen wegen 


Sorte 

un¬ 

genügender 

Holzreife 

starken 

Melanose¬ 

befalles 

starken 

Peronospora- 

befalles 

starken 

Oidium- 

befalles 

ständigen Ver- 
trocknungs- 
eracbeiDungen 
an den Blättern 

schwachen 

Wachstumes 

Aestivalis 135 G. 

X 

X 




* 

?> 136 „. 

X 

X 

X 


X 


„ 170 „. 



X 


* 

X 

Berlandieri 137 G. 




X 

X 

X 

„ 171 „ . 

X 



X 


X 

„ 173 „ . 

X 




* 

X 

v 205 „ . 

X 





X 

Cordifolia X Rupestris 20 G. 


X 


X 



» x „ 89 „.. 


X 


X 



Riparia 2 G. 


X 

X 

X 



„ 69 „. 


X 


X 



„ 71 „. 


X 


X 



» 73 „. 

X 

X 


X 



„ 74 „. 


X 


X 



„ 75 „. 

X 

X 





„ 86 „. 

X 

X 



X 


„ 176 „ . 

X 

X 



X 


„ 179 „ . 

X 

X 





» 180 „ . 





X 


„ 181 „ . 

X 



X 

X 


#132 „. 


X 

X 

X 

X 


Riparia X Rupestris 14 G . 




X 

X 


„X „ *88 „. 


X 


X 

X 


»X „ 141 .. 

X 






„X „ 142. 


X 



X 


„X „ 174 . 

X 



1 X 

X 


»X „ 175 „. 

X 



X 



„ x Trollinger 56 „. 

X 


X 

X 



Trollinger X Riparia 47 „. 

X 


X 

X 



>. X „ 49 „. 

X 



X 

X 


X „ 97 „. 

X 


X 

X 



X „ 151 „. 

X 



X 

X 


» X „ 202 „. 

X 


X 


X 


„ X „ Hl . 


X 


X 



York Madeira X Riparia 188 G . 

X 

X 


I * 



Gutedel X Riparia 199 G . 

X 

! 

X 




» x 200 „. 



X 

X 



» x „ 201 „. 



X 

X 

X 


Noah 226* G . 


X 




X 

Riesling X Riparia 23 G . 

X 


X 

X 



» x „ 208 „. 



X 

X 



v X » 209 „. 



X 

X 



Riesling X Solonis 131 G . 

X 


X 

X 




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a) Technische Abteilung. 


223 























224 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


Solonis X Riparia 40 G 

Sylvaner X Cordifolia X Rupestris 17 G 

Amurensis 167 G 

F. Sonstige Tätigkeit. 

Der Berichterstatter nahm an der Frühjahrssitzung der Preussischen 
Rebenveredlungskommission teil. Er studierte. die Rheingauer Weinbergs¬ 
bodenverhältnisse zum Zwecke der Prüfung von Unterlagssorten in den 
typischen Rheingauer Weinbergsböden. Er bereitete die Pachtung von 
5 für Adaptationsversuche vorgesehenen Flächen vor und fertigte Kosten¬ 
voranschläge und Bepflanzungspläne für diese an. 

Am 5. Oktober nahm er an der Konferenz der Leiter der Preussischen 
Rebenveredlungsstationen teil. 


b) Jahresbericht über die Tätigkeit der wissenschaftlichen 
Abteilung der Rebenveredlungs-Station. 

Erstattet vom Vorstand Prof. Dr. Kroemer. 

1. Untersuchungen über die Bodenmüdigkeit in Reitschulen. 

Bearbeitet von Dr. Schmitthenner. 

Wie in den Weinbergen der Boden nach einer gewissen Zeit, die 
sich meist auf mehrere Jahrzehnte beläuft, rebenmüde wird, so zeigt sich 
auch in den Rebschulen meistens eine gewisse Bodenmüdigkeit, wenn 
mehrere Jahre lang hintereinander Reben an ein und derselben Stelle ein¬ 
geschult werden. Nur tritt die Müdigkeit hier bedeutend früher, oft schon 
nach wenigen Jahren ein; bestimmte Angaben darüber, wie lange eigentlich 
Reben in dem gleichen Quartiere eingeschult werden können, existieren 
anscheinend nicht. 

Die Rebschulmüdigkeit äussert sich dadurch, dass die eingeschulten 
Reben von Jahr zu Jahr schlechter gedeihen und der Prozentsatz an 
brauchbaren Wurzelreben immer geringer wird. In den Rebschulen unserer 
staatlichen Rebenveredlungsanstalten ist das Rebschulgelände meist so 
umfangreich bemessen, dass ein drei- bis vierjähriger Turnus eingehalten 
werden kann, jedes Einschulquartier also immer erst nach 2—3 Ruhejahren, 
während welcher es entweder für andere landwirtschaftliche Zwecke ver¬ 
wendet oder eine Gründüngung erhält, wieder an die Reihe kommt. Da¬ 
durch wird der Rebschulmüdigkeit vorgebeugt und daher kommt es auch, 
dass wir über die Dauer der Verwendbarkeit eines und desselben Quartiers 
sowie über die Ursachen der Rebschulmüdigkeit nichts Bestimmtes wissen. 

Es wurden daher im Berichtsjahre Versuche zur Lösung dieser Fragen 
begonnen, die natürlich jetzt noch nicht zu einem Abschluss gebracht 
werden konnten, sondern sich auf mehrere Jahre erstrecked müssen. Diese 


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b) Wissenschaftliche Abteilung. 


225 


Versuche sind deshalb sehr notwendig, weil der alljährliche Wechsel mit 
den Einschulquartieren sehr grosse Anforderungen bezüglich des Umfanges 
der Rebschulen in den Rebenveredlungsanstalten stellt und durch eine 
Änderung in diesem Verfahren event. eine wesentliche Verbilligung des 
Betriebes erzielt werden könnte. 

Der vorgesehene und in diesem Jahre bereits eingeleitete Gang der 
Versuche ist folgender: Eine grössere Anzahl Blindholzveredelungen sowie 
unveredelter Europäer-Blindreben verschiedener Sorten werden alljährlich 
auf ein und demselben Quartier der Rebschule eingeschult. Die gleiche 
Anzahl derselben Veredlungen und Blindreben kommt alljährlich in die 
Wechselquartiere. Die Bodenbearbeitung und Düngung muss natürlich auf 
beiden Versuchsquartieren gleich sein. Aus diesem Versuche wird sich 
dann ohne weiteres ergeben, wie lange das Einschulen ohne Quartier¬ 
wechsel durchführbar ist. 

Zu gleicher Zeit ist alljährlich die Mikroflora des Bodens zu unter¬ 
suchen, um festzustellen, ob und in welcher Beziehung im Laufe der Jahre 
auf dem Standquartier ein Unterschied gegenüber den Wechselquartieren 
eintritt, und ob diese event. eintretende Veränderung mit der Rebschul- 
müdigkeit in ursächlichen Zusammenhang gebracht werden kann. 

Auch diese Untersuchungen sind im Berichtsjahre begonnen worden, 
und zwar wurde zunächst nur die Zahl der Bodenkeime kurz vor der ersten 
Einschulung festgestellt; in Zukunft wird dann auch auf deren Art Rück¬ 
sicht genommen werden müssen. 

Sowohl von dem Standquartier als auch von dem Einschulquartier 
(Wechselquartier) 1912 wurden unter Anwendung der üblichen Vorsichts- 
massregeln Bodenproben in 10, 25 und 50 cm Tiefe entnommen. Hiervon 
wurden */io un d Vioo Aufschwemmungen in sterilem Wasser hergestellt 
und damit folgende Nährböden geimpft: 1. Fleischgelatine, 2. Fleischagar, 
3. Bodenextraktgelatine und 4. Bodenextraktagar. 1 ) (Je vier Schalen von 
jedem Nährboden für jede der sechs Bodenproben in 1 / 10 und 1 / 100 Auf¬ 
schwemmung.) Die Zählung der Keime am dritten und fünften Tage nach 
der Impfung ergab annähernd gleichen Keimgehalt für den- Boden des 
Standquartiers und des Wechselquartiers 1912. Die genaueren Angaben 
erfolgen nach Abschluss der Versuche. 

2. Untersuchungen über die Wachstunisstockungen an jungen Reben¬ 
veredlungen in Pödelist. 

Bearbeitet von Dr. Schmitthenneb. 

In seinen letzten Jahresberichten hat der Leiter der Rebenveredlungs¬ 
anlagen der Provinz Sachsen, Obergärtner Bebber, mehrfach hervorgehoben, 
dass besonders das Schnittholz der Sorte Riparia X Rupestris 101 u im Sand¬ 
einschlage stark durch Botrytis geschädigt werde. Ein grosser Teil der 

*) Die Herstellung der Nährböden sowie die Ausführung aller die Bestimmung 
des Keimgehaltes im Boden berührenden Arbeiten erfolgte nach den Vorschriften von 
P. Löhnis, Landw. Bakteriol. Praktikum, Berlin 1911. 

Geisenheimer Jahresbericht 1912 . 15 


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226 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


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Schnittreben zeige nach 6—8-wöchentlichem Einschläge hauptsächlich an 
den Schnittstellen, teilweise aber auch auf der Rinde zahlreiche Sklerotien 
des Pilzes, so dass oft bis zu 40 °/ 0 des Schnittholzes unbrauchbar gemacht 
werden. Aber auch das nach der Ausscheidung dieser sichtbar mit Botrytis 
behafteten Schnittreben noch vorhandene, bei der Veredlung scheinbar noch 
gesunde Holz gäbe nachträglich häufig zu Klagen Anlass. Die mit ihm 
hergestellten Veredlungen gingen, nachdem sie zunächst ganz normal aus¬ 
getrieben waren, gegen Mitte Juni in mehr oder weniger grosser Anzahl 
auffallend zurück oder ganz ein. Diese missliche Erscheinung verdient 
um so grössere Beachtung, als sich die Sorte Riparia X Rupestris 101 14 
als eine für die sächsischen Verhältnisse besonders geeignete Unterlagssorte 
erwiesen hat, die besonders mit Gutedel gepfropft in der staatlichen Muster¬ 
anlage am Schweigenberge hervorragend gut steht, und zwar auffallender¬ 
weise trotz des hohen Kalkgehaltes (36°/ 0 ) des dortigen Bodens. 

Auf Verfügung des Herrn Ministers wurden deshalb vom Bericht¬ 
erstatter Untersuchungen an Ort und Stelle vorgenommen, bei welchen 
folgendes festgestellt worden ist: 

Die Mutterstöcke der Riparia X Rupestris 101 14 M.G., von welchen 
die fraglichen Schnittreben gewonnen werden, stehen nicht in der Reben¬ 
veredlungsanstalt Pödelist selbst, sondern auf dem Dechantenberge bei 
Goseck a. d. Saale. Diese Schnittweinanlage liegt auf einem steilen, durch 
hohe Mauern in mehrere Terrassen gegliederten Südhang. Der Boden ist 
verwitterter Buntsandstein, stellenweise etwas mit Lehm durchsetzt. Auf 
der grösseren, westlichen Hälfte der Anlage stehen in Pyramiden-Erziehung 
die einzelnen Amerikaner-Unterlagssorten, welche sich zur Zeit der Besich¬ 
tigung, mit Ausnahme der Riparia X Rupestris 101 14 in prächtigem Zustande 
befanden; die einzelnen Stöcke hatten fast durchweg die Höhe der Pfähle 
längst erreicht. 

Die Riparia X Rupestris 101 u , deren Schnittlinge und Veredlungen 
in Pödelist die oben beschriebenen auffallenden Erscheinungen zeigen, steht 
hier im Schnittweingarten auf der obersten Terrasse, die direkt an den 
Wald angrenzt. Der Entwicklungszustand der Sorte zeigte hier ein ganz 
eigentümliches Bild. Von Osten nach Westen die Terrasse parallel mit 
dem Waldrande durchschreitend bemerkte man zunächst unter zahlreichen 
recht üppig gewachsenen, auch bereits über Pfahlhöhe hinausgehenden 
Stöcken einzelne, welche die Pfahlhöhe nicht mehr erreicht hatten, ihrem 
Blattwerk nach aber gesund erschienen; nur die Geizblättchen machten in 
ihrer leicht gelblichen Färbung einen etwas kränklichen Eindruck. In der 
Westecke der Terrasse aber, wo die ältesten, ursprünglich aus Österreich, 
bezogenen, im Jahre 1903 gepflanzten Stöcke stehen, mehren sich die im 
Rückgang befindlichen Stöcke zusehends, der Rückgang selbst ist hier auch 
schon viel stärker, bei manchen Stöcken so, dass die Lotten Ende August 
kaum ein Drittel bis die Hälfte der Pfahlhöhe erreicht haben. Diese eine 
Stelle an dem westlichen Ende der Terrasse enthält etwa 58 Pyramiden 
zu vier Stöcken, also etwa 232 Stöcke; kaum 3 Dutzend derselben hatten 
zur Zeit der Besichtigung (Ende August) die volle Pfahlhöhe erreicht. 


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b) Wissenschaftliche Abteilung. 


227 


Die Blätter aller, auch der am meisten zurückgegangenen Stöcke 
hatten zwar die normale Grösse nicht, erschienen aber äusserlich gesund; 
desgleichen war auf den Trieben nichts von einem Parasiten oder einer 
Beschädigung durch einen solchen festzustellen. Da an dieser Stelle der 
Rückgang der Stöcke wie in einem Reblausherd scheinbar von einem Punkte 
ausgeht, wurde an einigen Stellen auch zum Zwecke der Wurzelunter¬ 
suchung die Erde weggeräumt; die Wurzeln erwiesen sich jedoch als völlig 
frei von Rebläusen, Nodositäten und Tuberositäten. Doch auch ohne diesen 
Befund hätte man ohne weiteres behaupten können, dass dieser starke 
Rückgang der Stöcke niemals von der Reblaus verursacht sein konnte, denn 
die Reblausfestigkeit der Riparia X Rupestris-Hybriden ist sicher erwiesen. 
Auch eine Verpilzung oder irgend eine andere abnorme Erscheinung konnte 
an den Wurzeln bei dieser Untersuchung nicht festgestellt werden. 

Es lag somit zunächst bloss das äussere Krankheitsbild, nämlich der 
Rückgang der Stöcke ohne äusserlich sichtbare Krankheitsursache, klar zu¬ 
tage, und es wäre nur noch nachzutragen, dass nach einer Mitteilung des 
Obergärtners Bebber alljährlich neue Stöcke, die im vorhergehenden Jahre 
noch scheinbar völlig gesund waren, die Zahl der Kümmerer vermehren. 
Die Vermutung war nicht von der Hand zu weisen, dass die Ursache des 
Rückganges in einem Nährstoffmangel zu suchen sei, der nicht durch die 
Beschaffenheit des Bodens an sich, sondern durch den im Norden direkt 
an dieses Quartier anstossenden Hochwald bedingt wird. Man trifft ähnliche 
Erscheinungen fast überall, wo landwirtschaftliche Kulturen an Wälder 
angrenzen; der Einfluss der Waldbäume, zumal der Eichen — um solche 
handelt es sich in diesem Falle —, macht sich zuweilen auf ganz überraschend 
weite Entfernungen bemerkbar, was darauf zurückgeführt werden muss, dass 
die am Rande des Waldes stehenden Bäume infolge des einseitigen günstigeren 
Licht- und Luftgenusses sowohl ihre Kronen, als auch ihr Wurzelwerk nach 
der offenen Seite zu, also gerade in das Kulturland hinein, sehr stark ent¬ 
wickeln. 

Für die Auffassung, dass die Nähe des Waldes ganz oder auch nur 
zum Teil an den Rückgängen schuld sein dürfte, sprach schon von vorn¬ 
herein der Umstand, dass alle anderen Sorten des Schnittweingartens auf 
den nicht an den Wald angrenzenden Terrassen bezüglich ihrer Entwicklung 
nie etwas zu wünschen übrig liessen. Die angestellten Nachgrabungen 
ergaben denn auch klar und deutlich, dass dem tatsächlich so ist, denn 
die Eichen- und Schwarzdornwurzeln durchziehen die oberste Terrasse voll¬ 
ständig. In einer Tiefe von zwei Spatenstichen wurden sie in grossen 
Mengen neben den Rebenwurzeln vorgefunden. Am unteren Rande der 
Terrasse, also in einer Entfernung von 23 m vom Waldrande entfernt, wurden 
noch Eichenwurzeln von 4 mm Dicke blossgelegt. Man kann also annehmen, 
dass die Wurzeln noch wesentlich weiter streichen würden, wenn die 
Terrassenmauer nicht wäre, an der sie nun senkrecht hinunterzuwachsen 
gezwungen sind. So wie die Dinge also liegen, steht zu erwarten, dass 
die Rückgänge auf der obersten Terrasse sich von Jahr zu Jahr vermehren 

15 * 


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IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


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werden und die oberste Terrasse für die Schnittholzgewinnung völlig un¬ 
brauchbar wird. Vielleicht könnte das Ausheben eines Grabens von 1,5 
bis 2 m Tiefe am Waldrande Abhilfe schaffen. 

Die grossen Beschädigungen des Holzes der Eiparia X Rupestris 101 14 
durch Botrytis im Sandeinschlage und weiterhin das Zurückgehen der Ver¬ 
edlungen dieser Sorte scheinen hiermit genügend erklärt zu sein. Denn 
man darf wohl mit Sicherheit annehmen, dass das Holz der Mutterstöcke 
von der obersten Terrasse, auch wenn sie noch keinen sichtbaren Rück¬ 
gang zeigten, stets notreif in den Einschlag kam, und infolgedessen den 
Angriffen des Pilzes keinen genügenden Widerstand entgegensetzen konnte. 
Hierüber wäre noch folgendes zu sagen: 

Die Schnittreben aller Unterlagssorten des Dechantenberges wurden 
bisher in Pödelist sofort nach dem Schnitte, der im Februar bis März statt¬ 
fand, in den Rebkeller der Anstalt gebracht und dort in mässig durch¬ 
feuchteten Sand eingeschlagen. Früher wurden die Reben gebündelt, in 
den letzten Jahren aber ungebündelt vollständig mit dem Sande bedeckt. 
Hier blieben die Reben nun bis zur Zeit der Veredlung, also etwa 6 bis 
8 Wochen. Beim Herausnehmen aus dem Sande zeigten dann alle Sorten 
mehr oder weniger zahlreiche Botrytis-Sklerotien, was jedoch bei ein¬ 
geschlagenen Reben bis zu einem gewissen Grade nichts auffallendes ist. 
Nur bei der Sorte Riparia X Rupestris 101 14 traten diese Sklerotien stets 
in abnormen Mengen auf, so dass dadurch oft bis zu 40% Ausfall an ver¬ 
edlungsfähigem Holze entstand. Aber auch das scheinbar pilzfreie Holz 
dieser Sorten, welches nach dieser Ausscheidung noch zur Veredlung kam, 
zeigte nachträglich ein sehr merkwürdiges Verhalten insofern, als die 
damit hergestellten Veredlungen zwar normal austrieben, aber schon im 
Laufe des Frühsommers in grösserer Anzahl wieder zurückgingen. Bebber 
suchte nun im Frühjahr 1912 zum ersten Male die Verpilzung der Schnitt¬ 
reben dadurch zu vermeiden, dass er das Holz überhaupt nicht mehr in 
den feuchten Sandeinschlag brachte, sondern direkt vom Stocke weg ver¬ 
edelte. Es kam also alles Holz frisch zur Veredlung und es zeigte sich 
auf den Schnittreben äusserlich keine Verpilzung. Dennoch gingen auch 
dieses Mal die jungen Veredlungen der Riparia X Rupestris 101 14 , nachdem 
sie sich anfänglich recht schön entwickelt hatten, von Mitte oder Ende 
Juni an zurück, und zwar in diesem Jahre in ganz auffallend starkem 
Mafse, während die Veredlungen auf anderen Unterlagssorten normal ge¬ 
diehen. 

Zur Zeit der Besichtigung der Rebschule in Pödelist war der Stand der 
1912 er Veredlungen auf Ruparia X Rupestris 101 14 ganz kläglich, sowohl in 
den heizbaren Kästen als auch in den Freilandquartieren. Stellenweise waren 
in einer Zeile überhaupt nur noch wenige Veredlungen am Leben; und wo 
solche in grösserer Anzahl noch in Vegetation standen, waren sie im 
Vergleich zu den Veredlungen auf anderen Unterlagssorten auffallend 
stark zurück. Auch die zweijährigen Veredlungen zeigten einen sehr 
lückenhaften Stand. Das Bild ist das gleiche, ob Riesling, Gutedel, 


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b) Wissenschaftliche Abteilung. 


229 


Portugieser, Elbling oder Burgunder auf Riparia X Rupestris 101 14 stehen; 
nur wenn Sylvaner die Edelsorte bildet, ist der Ausfall merklich geringer, 
aber immerhin noch recht stark. 

Bei den zurückgegangenen Veredlungen, welche an verschiedenen 
Stellen entnommen wurden, war das Holz der Unterlagen meist mehr oder 
weniger gebräunt, also abgestorben. Sklerotien von Botrytis konnten auf 
demselben nicht beobachtet werden, wohl aber stellenweise ein weisser 
mehlartiger Beschlag, dessen Natur noch nicht festgestellt werden konnte. 
Die mikroskopische Untersuchung von Oberflächenschnitten ergab die An¬ 
wesenheit zahlreicher Bakterien, und auf Querschnitten durch das ab¬ 
gestorbene Holz wurden Myzelfäden von Botrytis und einem anderen noch 
zu bestimmenden Pilze vorgefunden. 

Es erscheint nun nach der Lage der Dinge nicht wahrscheinlich, 
dass diese Mikroorganismen oder auch nur einer derselben den Rückgang 
der Veredlungen in erster Linie verursacht haben. Vielmehr darf mit 
Sicherheit angenommen werden, dass es sich bei dem Auftreten derselben 
um eine sekundäre Erscheinung handelt und die primäre Ursache in der 
Beschaffenheit der Unterlagsreben zu suchen ist. Da es sich hier in der 
Rebschule sowohl bei dem Ausfall an Schnittreben infolge Botrytisbefalls 
als auch bei dem Rückgang von jungen Veredlungen um die Unterlags¬ 
sorte Riparia X Rupestris 101 14 handelt, dieselbe Sorte also, welche in der 
Schnittreben-Anlage Dechantenberg den auffallenden Rückgang zeigt, liegt 
es nahe, die Erscheinungen alle miteinander in Zusammenhang zu bringen 
und die primäre Ursache in einer mangelhaften Ausbildung der Schnitt¬ 
reben im Dechantenberg zu suchen. Es wäre z. B. denkbar, dass selbst 
das scheinbar beste Holz der noch nicht zurückgegangenen Stöcke im 
Dechantenberg infolge der Aussaugung des Bodens durch die Baumwurzeln 
nur notreif wird und deshalb zunächst schon im Einschläge in grösseren 
Mengen der Botrytis zum Opfer fällt, denn je schlechter die Reben aus¬ 
gereift sind, desto weniger sind sie gegen die Angriffe der Parasiten 
gewappnet; und dann würde auch selbstverständlich das von der Botrytis 
verschonte, also nach dem Einschlagen scheinbar noch gesunde Holz in 
seinem notreifen Zustande keine dauerhaften Veredlungen liefern können. 

Dass die primäre Ursache des Rückganges der Veredlungen auf 
Riparia X Rupestris 101 14 M. G. nicht in der Rebschule zu Pödelist zu 
suchen ist, wie man bisher annehmen zu müssen glaubte, geht schon daraus 
hervor, dass die Veredlungen auf anderen Unterlagssorten sich in Pödelist 
unter den gleichen Bedingungen im allgemeinen normal entwickeln, und 
auch das Schnittholz dieser Sorten im Sandeinschlag nicht in ungewöhn¬ 
lichen Mengen an Botrytisbefall zugrunde geht. 

Der Beweis dafür, dass die in Pödelist an der Sorte Riparia X Rupestris 
101 14 beobachteten Schädigungen nur auf die schlechte Ausbildung eines 
Teiles des Holzes im Dechantenberg zurückzuführen sind, wird sich nun 
ohne Zweifel noch restlos erbringen lassen durch einen Versuch, der auf 
Anregung des Berichterstatters von Obergärtner Bebber im Frühjahr 1913 


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Original fro-m 

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230 


IV. Bericht der Rebenveredlungsstation Geisenheim. 


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ausgeführt werden soll. Ausser auf der obersten Terrasse stehen nämlich 
auch auf der nächst unteren Terrasse zahlreiche Stöcke von Riparia X Ru- 
pestris 101 u , die bis jetzt noch keinen Rückgang erkennen lassen und aller 
Voraussicht nach auch niemals eine derartige Entwicklungshemmung zeigen 
werden, weil die Wurzeln der Waldbäume nicht bis zu ihnen Vordringen 
können. Das Holz dieser Stöcke und das der Stöcke von der obersten 
Terrasse wird nun getrennt geerntet und getrennt in den Einschlag ge¬ 
bracht, sowie schliesslich auch getrennt mit denselben Sorten veredelt 
werden. So wie die Dinge liegen, ist mit Sicherheit anzunehmen, dass 
der starke Botrytisbefall im Einschläge, sowie der Rückgang der Vered¬ 
lungen sich auf das Holz von der obersten Terrasse beschränken wird. 

3. Rebenveredlungsdenkschrift. 

Im Berichtsjahre wurde ausserdem eine ausführliche Denkschrift über 
die Entwicklung und den Stand des Rebenveredlungs-Versuchswesens in 
Preussen ausgearbeitet. 

4. Neuanschaffungen. 

Für die Bibliotheck: Ausser den Zeitschriften: Revue de viticulture, 
I’rogres agricole et viticole, Moniteur vinicole und Zeitschrift für Botanik, 
die Werke: Ahrens, Technologie; Benecke, Leben der Bakterien; Kayser, 
Geologie; Lintner, Thaer-Bibliothek; Nageler, Wissen und Können; Nuss¬ 
baum, Biologie; Schmidt, Kompendium der Photographie. 

Für das Laboratorium: 150 Petrischalen, 4 Aufbewahrungsgefässe aus 
Stahlblech für Petrischalen und 10 Wasserpipetten. 

Die Sammlung der Station wurde vermehrt durch eine Anzahl Prä¬ 
parate von Direktträger-Trauben und Veredlungsstellen, sowie durch zahl¬ 
reiche photographische Aufnahmen. 

5. Vorträge und Besichtigungen. 

Prof. Dr. Krömer nahm teil an der Herbstznsammenkunft der Königl. 
Preussischen Rebenveredlungskommission in Geisenheim Anfang Oktober 
1912 und an den folgenden Besichtigungen der Veredlungsanlagen an der 
Saar, der Nahe und der Mosel. Auf der Kommissionssitzung in Geisenheim 
hielt er einen Vortrag über das Thema: Die bisherige Tätigkeit Preussens 
auf dem Gebiete der Rebenveredlung. 

6. Veröffentlichungen. 

Dr. Schmitthenner, Über die Reblansfestigkeit der Amerikanerreben 
Mitteilungen über Weinbau und Kellerwirtschaft 1912. 


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V. Tätigkeit der Anstalt nach aussen. 


Der Direktor führte das Amt des Vorsitzenden der Königl. preussischen 
Reben Veredlungs-Kommission. In dieser Eigenschaft besichtigte er die 
neu gegründeten und fertig gestellten Rebenverdlungs-Stationen in Ober¬ 
lahnstein und Bernkastel und regelte deren technischen Betrieb. Er be¬ 
sichtigte ferner das Institut für Schädlingsforschung in Metz und beteiligte 
sich an den Sitzungen der Kommission in Bernkastel und in Geisenheim. 

Der Direktor leitete als Vorsitzender des „Verbandes preussischer 
Weinbaugebiete“ mehrere Vorstands- und Ausschusssitzungen desselben in 
Coblenz sowie die Generalversammlung in Kreuznach a. Nahe. 

Er beteiligte sich ferner an mehreren Kommissions- und Vorstands¬ 
sitzungen des Deutschen Weinbau-Vereins sowie als Mitglied an den 
Sitzungen der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Wiesbaden 
und an den Ausschüssen 1. für Weinbau, 2. für Obst- und Gartenbau der 
Kammer. 

Als Mitglied des Ausschusses für Wein- und Obstbau der D. L.-G. 
nahm er teil an einer Sitzung desselben in Berlin. 

Die in Geisenheim stationierten Obst- und Weinbau-Wanderlehrer der 
Landwirtschaftskammer in Wiesbaden hielten im Einvernehmen mit der 
Anstaltsleitung Kurse und Vorträge ab, und zwar: 

1. Obst- und Weinbauinspektor Schilling war im Berichtsjahre 
210 Tage auswärts und 6 Wochen in Geisenheim an der Königl. Lehranstalt 
mit der Abhaltung von Vorträgen, Kursen usw. beschäftigt, an den übrigen 
Tagen des Jahres erledigte er an seinem Wohnorte Büroarbeiten. Er 
hielt in seinem Dienstbezirk in den Kreisen: Rheingau, Unterlahn, Dill 
und Oberwesterwald 62 Vorträge aus den Gebieten des Wein-, Obst- und 
Gartenbaues, und zwar 8 über: „Die Düngung der Weinberge mit be¬ 
sonderer Berücksichtigung der künstlichen Düngemittel“; 4 über: „Die 
Behandlung der 1912er Traubenmoste“; 1 über: „Neuzeitliche Boden¬ 
bearbeitungsgeräte für den Weinbau und die Düngung der Weinberge mit 
Kunstdünger“; 1 über: „Die Bekämpfung von Oidium und Peronospora“; 

1 über: „Die Errichtung von Drahtanlagen in Weinbergen“; 13 über: „Das 
Umpfropfen der Obstbäume mit einträglichen Sorten“; 11 über: „Die 
Sommerpflege der Obstbäume, insbesondere der Sommerschnitt des Zwerg¬ 
obstes und die Bekämpfung der z. Z. auf tretenden Obstbaum Schädlinge“; 
9 über: Zweck und Ziele der häuslichen Obst- und Gemüseverwertung“; 

2 über: „Spalierobstzucht an Mauern und Häuserwänden“ (mit Lichtbildern); 


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V. Tätigkeit der Anstalt nach aussen. 


Bericht über die Tätigkeit des Obst- und Gartenbaulehrers 
B. Herrmann-Geisenheim a. Rhein im Jahre 1912113. 

Obst- und Gartenbaulehrer Herrmann hielt im Jahre 1912/13 folgende 
67 Vorträge: 5 über „Die Bedeutung des Obstbaues und die Ansprüche 
der einzelnen Obstarten an Klima-, Lage- und Bodenverhältnisse“; 11 über 
„Die Vorarbeiten zum Pflanzen, die Pflanzung selbst, und die Behandlung der 
jungen Bäume nach dem Pflanzen“; 13 über „Die Behandlung älterer Bäume, 
unter besonderer Berücksichtigung der Düngung“; 5 über „Die wichtigsten 
Schädlinge des Obstbaumes und ihre Bekämpfung, unter besonderer Beachtung 
des Vogelschutzes“; 5 über „Das Umpfropfen älterer Obstbäume“; 5 über „Die 
Behandlung der Bäume nach dem Umpfropfen“; 6 über „Obstbau und 
Obstverwertung“; 2 über „Die Bedeutung der Obstbau vereine für die Ent¬ 
wicklung des Obst- und Gartenbaues im Untertaunuskreise“; je einen über 
„Der Schnitt der Obstbäume, seine Wirkung und Bedeutung für die Kronen¬ 
bildung“; „Die Obstverwertung in ländlichen Haushaltungen“; „Welche 
Gesichtspunkte müssen uns bei der Auswahl der Obstarten und -Sorten 
bei der Anpflanzung leiten?“; „Die Bedeutung der Unterkulturen im Obst¬ 
bau“; und 11 über „Welche Mittel müssen angewandt werden, um den 
Gemüsebau auf dem Lande zu fördern?“. Weiterhin leitete er 5 Obstbaum¬ 
pflegekurse von je 6 tägiger, 7 von je 2 tägiger und 2 von je eintägiger 
Dauer; 5 Pfropfkurse von je 2 tägiger und 6 Obst- und Gemüseverwertungs¬ 
kurse von 3 tägiger Dauer. 

Zusammen mit Obstbauinspektor Schilling hielt er den Obstbau- 
und Baumwärternachkursus im Juli 1912 an der hiesigen Kgl. Lehranstalt 
und ebenso den je 14 Tage dauernden Obstbau- und Baumwärterkursus im 
Monat Februar und März 1913 ab. Um die Kenntnisse der Kursisten zu er¬ 
weitern, wurden Ausflüge in sehenswerte Obstbaubetriebe, auf Obst¬ 
märkte usw. unternommen. 

Des weiteren revidierte er 34 Gemeindeobstanlagen, 5 Gemeinde¬ 
baumschulen und 11 Musterbaumstücke, begutachtete verschiedene Ländereien 
auf ihre Brauchbarkeit für den Obstbau und nahm Taxationen von Obst¬ 
bäumen vor. Er leitete den Aufbau verschiedener Obstausstellungen und 
war in vielen Fällen als Obstsortenbestimmer und Preisrichter tätig. Zur 
weiteren Orientierung nahm er an den Sitzungen der 1. Deutschen Garten¬ 
bauwoche in Bonn, sowie an einer 8 tägigen Studienreise durch Holland teil. 
Auch in verschiedenen Kommissionen war er als Mitglied tätig und wohnte 
deren Sitzungen bei, so z. B. der der Central-Obstbaukommission des Vereins 
Nass. Land- und Forstwirte und der der Redaktionskommission der Centrale 
für Obstverwertung in Frankfurt a. M. 

Der Obstbaulehrer bekleidete weiterhin das Amt des Geschäfts- und 
Kassenführers des Nass. Landes-Obst- und Gartenbau-Vereines. Als solcher 
hatte er den ausgedehnten Schriftwechsel des z. Z. etwa 12000 Mitglieder 
zählenden Landesvereines zu erledigen, die Kassengeschäfte zu leiten, über 


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Bericht über die Tätigkeit des Obst- und Gartenbaulehrers B. Herrmann. 235 


die Vorstandssitzungen und Mitgliederversammlungen des Landesvereines 
Bericht zu erstatten, den Versand von Edelreisern für die Frühjahrs¬ 
veredlungen auszuführen und die Gemüseanbauversuche zu leiten. Im Ver¬ 
folg der letzteren Massnahme besichtigte er im Sommer 1912 34 Gemüse¬ 
anbaustellen, klärte hierbei die Versuchsansteller über den Zweck des An¬ 
bauversuches auf und machte sie auf praktische Winke für die Durchführung 
und grösstmöglichste Ausbeutung der Kulturen aufmerksam. Über das 
Resultat dieser Gemüseanbauversuche fertigte er einen Bericht an, der 
gedruckt zur Kenntnis aller Vereinsmitglieder gelangte. 

Auch von seiten des Landesvereines gehörte Herrmann einzelnen 
Kommissionen an und bearbeitete, gemeinsam mit den übrigen Kommissions¬ 
mitgliedern, die vorliegenden Fragen im Obstbau, Obsthandel und Ge¬ 
müsebau. 

Gelegentlich seiner Vorträge und Kurse im Kammerbezirke wirkte er 
als Geschäftsführer des Landesvereines auf eine weitere Bildung von Obst¬ 
und Gartenbauvereinen hin. So wurden durch ihn in vielen Gemeinden 
neue Obstbauvereine gegründet, und dort, wo bereits Obstbauvereine be¬ 
standen, durch Gewinnung neuer Mitglieder eine weitere Steigerung des 
Mitgliederbestandes erzielt. Auf seinen Besichtigungen verfehlte der Obst¬ 
baulehrer nicht, die Vorsitzenden der Obstbauvereine und Besitzer von 
Obstanlagen zu besuchen. Auch nahm er an einigen Generalversammlungen 
von Kreis- und Obstbauvereinen und an Versammlungen von Baumwärtem teil. 

Ausser dem bereits vorhin erwähnten Gemüseanhauversuche des 
Landesvereines, leitete er, auf Anordnung der Landwirtschaftskammer, in 
diesem Jahre zum 1. Male die Verteilung guter Gemüsesämereien an ge¬ 
eignete Personen im Regierungsbezirk Wiesbaden ein, zur Förderung des 
Gemüsebaues. 

Neben den angeführten Massnahmen erteilte Herrmann in sehr vielen 
Fällen schriftlich und mündlich Auskunft in allen Fragen des Obst- und 
Gartenbaues. 

Der Besuch der Vorträge, Kurse usw. kann im Durchschnitt als gut 
bezeichnet werden. Die Bevölkerung bringt dem Obst- und Gartenbau ein 
immer grösser werdendes Interesse entgegen, wofür der Beweis sowohl in 
dem guten Besuche der Veranstaltungen als auch in der vermehrten Zahl 
von Obstpflanzungen und in der besseren Pflege des Bestehenden erblickt 
werden kann. Es nahmen an allen Unterweisungen im ganzen etwa 
2200 Personen teil. Mit besonderer Freude ist es zu begrüssen, dass die 
Vorträge über Gemüsebau und die Kurse über Obst- und Gemüse¬ 
verwertung in so ausgedehntem Mafse von Frauen und Mädchen besucht 
werden. 

Durch die Anstellung eines 3. Gartenbaulehrers der Landwirtschafts¬ 
kammer wurde der Dienstbezirk von Herrmann um die Kreise Frankfurt 
und Höchst verkleinert. 


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Druck von Fr. Stollberg, Merseburg. 


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